Monat: April 2016

Tour de Innenstadt – klein anfangen

Hewlitt_Sherku

Gestern hat es mir gereicht. Dieses elende Winterwetter mit den morgendlichen Gefrierpunktwerten geht mir sowas von auf den Zeiger. Und ich habe mich auch noch bisher dadurch davon abhalten lassen, das neue Fahrrad einzuweihen, obwohl ich mörderisch Lust drauf hatte. Aber gestern war das Maß voll. Sollte es kalt sein wie hulle (und durch das Abnehmen und die noch nicht genügend aufgebauten Muskeln friere ich derzeit praktisch ständig!), sollten komische Regenschauer aus dem Nichts auftauchen – ich würde jetzt Fahrrad fahren.

Und genau das habe ich getan.

Für „neuronormale“ Menschen ist es vermutlich nicht einfach sich vorzustellen, was für eine Überwindung es mich kostet, so etwas Ungewohntes ganz allein auf mich gestellt zu tun. Und natürlich war es schwer. Natürlich hatte ich Ängste. Von „ich werde umfallen und ein Auto völlig zerstören“ bis zu „ich überfahre den Mann, der dort vorne sorglos auf dem Radweg entlangläuft“ war alles dabei. Aber ich habe durchgehalten. Und nach einem Kilometer merkte ich, wie schnell ich mit diesem neuen Untersatz werden konnte. (Natürlich kurzer Panikmoment: „Ich werde deshalb einen blutigen Unfall haben! Ich spür` schon, dass mir schwindelig wird!“ Aber dann habe ich meinen Autosuggestionstrigger genutzt und hatte es zügig im Griff.)

Ich flog nur so dahin, die Sonne schien, der Wind wehte mir Tränen in die Augen, ich verschluckte eine kleine Fliege (nicht in meine Kalorienmenge eingepreist) und es war großartig!

All zu ausschweifend war die Tour nun nicht. Mehr als drei Kilometer dürften es nicht geworden sein. Aber es war ein Anfang. Und ich habe mich mitten in den Verkehr getraut, von dem mich sonst meine sichere Blechkiste abschirmt. Je nachdem, wie lange es heute Abend dauert, meinen Eltern ihren neuen Computer zu installieren, werde ich noch mit dem Fahrrad einkaufen fahren. Bis raus zum Biosupermarkt!

Schon erstaunlich, wie viel weiter und offener mein Leben in letzter Zeit geworden ist. Wenn jetzt noch das Abnehmen mal wieder Fahrt aufnimmt (ein halbes Kilo pro Woche ist sehr, sehr wenig!) bin ich wirklich zufrieden. Und ich wette, dass die Ärztin auch wieder zufrieden nicken wird.

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Fruitful Office – Obstlieferung an den Arbeitsplatz

Affenjagd

Weil es um zum Teil grüne Dinge geht – hier noch ein grünes Ding zur Illustration.

Gestern war im Verlag das Quartalsmeeting, bei dem man als gemeiner Mitarbeiter über den Stand der Dinge und Neuerungen informiert wird. Bei nur rund 30 Leutchen sollte man meinen, dass man eigentlich schon nebenher alles erfahren würde, aber es ist immer wieder erstaunlich, was man im selig-isolierten Research&Development-Bereich (dazu fasse ich Grafik und Redaktion einfach mal zusammen) alles so nicht mitbekommt. Es ist jedenfalls immer wieder spannend.

Und gestern gab es auch noch eine sehr interessante Quality of Life-Nachricht. Unser Prokurist verkündete, dass es ab nächster Woche für die Mitarbeiter kostenlos frisches Obst geben wird. Durchgehend. Wie jetzt schon Kaffee (ich trinke keinen Kaffee. Schmeckt nicht). Das klingt doch großartig. Zwar habe ich die Ahnung, dass bei wöchentlicher Lieferung des Obstkorbes (so habe ich es jedenfalls verstanden, ich mag mich auch irren) Freitags immer nur noch ein paar Zombieäpfel und Terrorbananen in Antifaschwarz herumhängen, aber es ist auf jeden Fall für die ersten Wochentage eine schöne Idee (Note to self: Montags die Beerenfrüchte abgreifen).

Ich frage mich nur, woher der Gedanke kam. Hat man bemerkt, dass der Verlagsmitarbeiter als Solcher zu dick wird? Es gibt keine Süßigkeitenautomaten, von daher ersetzt dieser Obstkorb auch nichts, was derzeit vorhanden ist. Andererseits wird kaum einer vier Bananen verputzen um damit sein Snickers zu substituieren.

Ich bin gespannt. Darauf, was es für Obstsorten zur Auswahl gibt (ich bin da ja furchtbar mäkelig. Aber so lange Beerensaison ist, bin ich zufrieden). Darauf, wie oft der Korb gewechselt wird. Darauf, was das Obst für eine Qualität haben wird. Darauf, ob es wirklich saisonal und lokal ist. Eben auf eine ganze Menge.

Eine gute Idee ist es allemal und besser als die Schokoschleuderautomaten sowieso.

Wer nun in seiner Firma so etwas auch anregen will – Infos gibt es unter http://www.fruitfuloffice.de.

Shoot outside of the screen – Leben nachladen (vorsicht – persönlich, there might be dragons).

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Aufbruch, Fahrrad und unterwegs sein.

Ich denke nicht, dass es mit dem Abnehmen angefangen hat. Nein, der Ursprung all` dessen, was derzeit in meinem Leben geschieht, liegt fast zwei Jahre zurück. In der ganz, ganz dunklen Zeit. Als ich nicht wusste, was mit mir los ist. Als ich ganz tief unten war und es nicht benennen konnte. Als ich der Meinung war, dass egal ist, was noch kommt.

Dass ich zu diesem Zeitpunkt suizidal war, wusste ich nicht. Oder hatte keine Worte – noch nicht einmal wirkliche Gedanken – dafür. Erst später hat mir meine Ärztin das erklärt. Als ich schon langsam aus der Talsohle nach oben geklettert bin.

Ärztin. Genau. Ohne D. hätte ich mir nie professionelle Hilfe gesucht. Ohne diese beste Freundin von allen hätte ich es nicht geschafft, überhaupt darum zu bitten. Wobei eigentlich sie mir diese Hilfe gesucht hat. Anfangs mit mir zu jedem Termin ging, damit ich ihn auch einhielt. Und auch heute noch ist es ein Ritual, dass wir gemeinsam die Termine wahrnehmen. Sie bleibt im Wartezimmer und danach gehen wir ein Eis essen. Oder einfach nur reden. (sie ist großartig)

Jedenfalls fing es damit an. Dort haben meine Dämonen Namen bekommen. Angststörungen, Depression, Agoraphobie. Und sobald sie Namen hatten, konnte ich sie sehen. Und sobald ich sie sehen konnte, konnte ich die Waffe ziehen.

Ich bin mitten in dem Prozess, der die Dämonen austreibt. Und ohne gute Freunde, die mich nicht aufgegeben haben (obwohl sie bestimmt allen Grund und jede Entschuldigung gehabt hätten, das zu tun!), hätte ich keinen Schritt auf diesem Weg getan. Immer noch bin ich deshalb gelegentlich vor Dankbarkeit völlig stumm und verwundert.

Aber das wirklich Erstaunliche ist, was dieser Prozess sonst noch in Gang gesetzt hat. Oder vielleicht ist es genau das, was er tun sollte? Meine Ärztin lächelt jedenfalls immer sehr wissend, wenn ich ihr erzähle, was ich wieder einmal angehe.

Ganz langsam habe ich begonnen, wieder Pläne zu haben. Aus meiner (gedacht komfortablen) Erstarrung zu kommen und Dinge anzugehen. Es fing damit an, dass ich all´ das Zeug wegwarf, das sich in meiner Wohnung angesammelt hatte. Das allein war schon ein Befreiungsschlag. Ich bin und war nie ein Messie, eher das komplette Gegenteil. Ich liebe Leere, freie Räume. Habe das aber bisher nie wirklich umgesetzt. Jetzt hatte ich die Energie dazu. Ich habe Comics, DvDs und Bücher verschenkt oder zur Stadtbücherei gebracht. Ich habe ein altes Sofa zersägt und einen Tisch aus dem Arbeitszimmer entfernt, dass ich endlich genug Platz für meinen Stepper hatte.

Dann ging es daran, im Inneren aufzuräumen. Zuerst habe ich meinem Schweinehund gesagt, er kann mich mal und habe mir den Monster-Gamer-PC gekauft, den ich schon lange wollte, den ich mir aber immer als „zu teuer, eine Nummer kleiner geht doch auch“ wegrationalisiert habe. Was fühlte sich das gut an! Ich hatte etwas nur für mich getan und anstatt mich dafür wie gewöhnlich selbst zu kasteien, hatte ich Spaß!

Also, warum da aufhören? Aber ich hatte keine Idee, was als Nächstes kommen könnte.

Auftritt F. Wieder eine Freundin, die mir helfen sollte, meinem Leben einen Schubs zu geben.

Wir kennen uns schon sehr lange (zwar nicht so lange wie D. und ich – aber zwanzig Jahre durch alle Höhen und Tiefen sind auch schwer zu toppen!), aber wirklich nahe gekommen sind wir uns im letzten dreiviertel Jahr über das Schreiben und Spielen. Und natürlich das Zeichnen. In jedem Fall ist sie eine grandiose Inspiration. Wild, frei, schön, sportlich und voller Prinzipien.

Jedenfalls lief die Therapie gut, ich hatte mir erste Erfolge erarbeitet und begann, nach Zielen zu suchen. Und da war sie. Und inspirierte. Ich wollte auch schlank und sportlich sein. Als Kind war ich sehr dünn, habe sehr viel Leichtathletik gemacht und bin geritten. Das blieb aber in der späteren Pubertät, wenn man praktisch alles (und am meisten sich selbst) hasst auf der Strecke. Seitdem war ich sportfern – bis aufs Feldbogenschießen, das aber nicht eben sehr fordernd ist, selbst wenn man es turniermäßig betreibt.

Und zur selben Zeit, als diese Idee in mir zu reifen begann, stieß ich auf Robins Blog und ihre Post-Serie zum Abnehmen. Kam von dort auf das Fettlogik-Blog. Und irgendwie war das das richtige Treibmittel für diesen nächsten Veränderungsschritt.

Ich wollte jetzt nicht nur abnehmen. Und wollte nicht nur beweglicher werden. Jetzt hatte ich auch die Werkzeuge dafür an der Hand. Ich würde das schaffen und ich würde auf der Stelle damit beginnen.

Tja. Da bin ich nun.

Und habe schon die nächste Veränderung in Planung und fast schon Umsetzung. Ich werde meiner Agoraphobie den Finger zeigen und anfangen, Radtouren zu machen. Das Fahrrad dazu steht im Hof, ist neu, heißt Victoria Trekking 2.7 (nomen est omen!), ist knallrot und hat gestern von mir den Korb montiert bekommen (und war beim lokalen Shop günstiger als im Internet, schau an!). Jetzt warte ich noch auf schönes Wetter und dann ziehe ich los. Klar, das kann man auch bei Kälte und Regen – aber für die ersten Male möchte ich positive Erinnerungen verknüpfen. Und die schaffen sich bei Sonne und Frühlingsluft nunmal leichter als bei Schneeregen und Wind.

Soweit also der derzeitige Stand der Dinge.

Und im Herbst dann der Trip nach Rom … das erste Mal seit so vielen Jahren überhaupt Urlaub …

Der Montags-Wiegewolf sagt …

Wiegewolf

Fünfte Woche und 86,3 Kilo.

Das klingt jetzt nach sehr wenig Fortschritt im Vergleich zu letztem Montag, hat man jedoch im Hinterkopf, dass ich von Dienstag bis Samstag durchgehend und anlasslos 87,1 Kilo hatte, ist das schon eine angenehme, wenn auch verwirrende Entwicklung. Vor allem wenn man bedenkt, dass es innerhalb von 24 Stunden so sehr nach unten fiel. Und nach meinem Kohlenhydrat-Cheatday. Ob mein Körper nur darauf gewartet hat, dass ich Weizenprodukte esse, um mir damit zu zeigen, dass er Low Carb so sehr verabscheut, dass er sich sogar weigert, damit abzunehmen? Oder war es nur Zufall? Da ich jetzt auch schon wieder 48 Stunden unverändert auf 86,3 bin, werde ich mal sehen, ob es wie letzte Woche laufen wird.

Wenn es wieder eine komplette Woche Stillstand gibt, gefolgt von einer Abnahme nach dem Kohlenhydrate-Tag, werde ich Low Carb wohl als gescheitertes Projekt betrachten müssen. Es ist gesund und ich habe auch wenig Probleme, es durchzuhalten – aber wenn es das Abnehmen frustig macht, wäre es für meine Psychohygiene kontraproduktiv, daran festzuhalten.

Dummerweise habe ich aber noch eine zweite Variable. Ich habe für den Cheatday auch mein intermittierendes Fasten ausgesetzt und schon um zehn Uhr etwas gegessen. Es ist also möglich, dass mein Körper Low Carb mag, aber das Fasten doof findet.

Naja, ich beobachte Alles mal diese Woche. Vielleicht hat es auch überhaupt keine Zusammenhänge mit irgend etwas. Das wäre aber sehr, sehr unbefriedigend.

Mädchen mit dicken Hintern machen die Welt sich drehen

Dieses Wochenende wird es im Gemeindehaus eine kleine Fahrradmesse geben. Da ich weiß, wie groß eben dieses Gemeindehaus ist, erwarte ich drei Fahrräder und möglicherweise eine Luftpumpe. Aber vielleicht täusche ich mich und es ist größer, als es von außen aussieht.

Und ich habe vor, mir zum ersten Mal seit meiner Schulzeit ein Fahrrad anzuschaffen. Oder mich ausführlich beraten zu lassen und dann nächste Woche eines zu kaufen. Auf jeden Fall im lokalen Fachhandel, da mir jede Art von Monsterdiscounter suspekt ist (außer die METRO-Fischtheke. Die hat den größten Unterhaltungswert aller bekannten Supermarkttheken). Falls der lokale Fachhandel auf dieser Minimesse anwesend sein sollte, kann ich auch direkt dort ein Fahrrad erwerben. Es muss kein Mountainbike sein, ich möchte einfach in der Gegend herumfahren. Und die ist bei uns in der Rheinebene größtenteils flach. Bis ich fit genug bin, den Odenwald zu erklimmen, wird auch ausreichend Zeit vergangen sein, um für ein dafür geeignetes Fahrgerät gespart zu haben.

Wenn es dann schön warm geworden ist, werde ich mir Getränke einpacken und zum Speyrer Dom oder Heidelberger Schloss radeln. Oder Freunde besuchen, zu denen ich aktuell noch immer mit dem Auto fahre.

Also hat das künftige Fahrrad folgende Kriterien:

  • Nicht zu fancy, sonst wird es geklaut
  • Stabil und unprätentiös
  • Einen Korb, weil ich Zeug mitnehmen will und Rucksäcke nicht gern mag
  • Ein robustes Schloss dazu

Klingt machbar.

Nach der langen, ungeübten Zeit wird mir am Anfang ganz schön der Hintern wehtun. Aber da muss man durch.

Vorfreude ist jedenfalls da, die Radroutenplaner-BW-App geladen und ich bin bereiter als Spongebob.

Cheatday

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Mein Cheatday wird Samstag. Und er bedeutet nicht, dass ich mehr als 1000 Kalorien essen werde, sondern dass ich – Trommelwirbel – für 24 Stunden kurzkettige Kohlenhydrate in mein Leben lasse. In Form meines Lieblingsgerichtes, Couscous. Aus Zucchini, Paprika, Champignons, Zwiebeln, etwas Joghurt, diversen Gewürzen und natürlich dem Gift aus Weizen. Ein ganzer Topf voll für 600 Kalorien, der mir dann den Tag über reichen wird und noch Platz lässt für ein bisschen Teufelszeug. Vermutlich etwas Schokolade. Obwohl ich da noch nicht sicher bin. Eventuell auch Cashews, weil ich die so gern mag.

F., selbst sportlich, schlank und begeisterte Paleo-Esserin, schwört auf die moralische Wirksamkeit von Cheatdays. Sie nutzt auch den Samstag. Aus nahe liegenden Gründen. Wir spielen meistens genau dann und zum Rollenspielen gehören Schokolade und Gummibärchen. Das ist Gesetz.

Ansonsten geht mir der (nun neue) Endgegner auch weiterhin königlich auf die Eierstöcke. Angeblich habe ich seit Samstag ein Kilo zugenommen. Das würde bedeuten, dass ich – da ich gezählter- und abgewogenerweise pro Tag immer mindestens 1000 Kalorien Defizit gegessen habe – irgendwie 11.000 Kalorien heimlich addiert haben muss. Eigentlich nur zu schaffen, wenn ich mir unbewusst jede Nacht zwei Pizzen bestelle, da ich 11.000 Kalorien mittlerweile nicht einmal mehr im Haus habe. Da aber nirgendwo Verpackungsmüll herumliegt und auch mein Kontostand keine Ungewöhnlichkeiten aufweist, habe ich nun entweder die Möglichkeit, in Tränen auszubrechen, oder mich mit meinem Schicksal anzufreunden. Ich werde also in einem halben Jahr immer noch 87 Kilo wiegen, davon aber 25 aus Wasser. Das wird interessant.

Vermutlich ist das meine Superkraft. Dass ich zu den „Shitty X-Men“ (der low-budget-Truppe von Professor Xavier) gehören kann, war schon immer mein Traum. La-Ola. Aqua-Woman. Das ist wie Aquaman, nur dass ich weder auf einem Seepferdchen reite noch Cthulhu herbeirufen kann (Copyrightprobleme incoming, Marvel, DC … völlig egal!).

Ich sollte dem Endgegner weniger Macht über mein Leben geben und mich einfach stur an die Mathematik halten.

Das Plateau des Grauens. Oder: der Endgegner zickt.

Rednelak_Ghurab_Vision

Hat nichts mit dem Text zu tun (wie immer), dafür ist der Lord aber wenigstens so sauer wie ich.

Abnehmen ist reine Mathematik. Damit habe ich mich bisher über Wasser gehalten. Ziehe 7000 Kalorien ab und verliere ein Kilo. Das gilt für andere Leute, also sollte es das auch für mich tun, da ich schließlich kein seltsames Perpetuum Mobile bin. Die ersten Wochen stimmte es auch. Absolut korrekt und nachvollziehbar, mit maximal 24-stündigen Wasserschlenkern, die ich gelassen hinnehmen konnte.

Aber seit ein paar Tagen tut sich einfach gar nichts mehr. In keine Richtung. Immer 87,1. Egal ob ich mich direkt nach dem Essen, nach sieben Stunden Schlaf oder nach einem halben Liter Wasser auf Ex wiege. Immer die selbe Zahl im Display des Endgegners.

Ich zähle Kalorien. Und hatte die letzten Tage immer zwischen 700 und 1064 Kalorien. Also praktisch immer 1000 im Defizit. Und trotzdem tut sich rein gar nichts. Bin ich doch ein Wundertier? Schafft es mein Körper mit chirurgischer Präzision immer exakt so viel Wasser einzulagern, wie ich an Fett verliere?

Irgendwie erscheint mir das nicht sehr wahrscheinlich.

Hinzu kommt, dass der Endgegner beim Körperfett und dem Muskelanteil immer öfter nur „Error“ anzeigt.

Die Ungewissheit, ob ich irgendetwas völlig falsch mache, oder ob der Endgegner schlicht kaputt ist, regt mich gerade ziemlich auf. Natürlich könnte ich als Maßstab nehmen, ob meine Klamotten immer noch weiter werden. Aber das ist wie „gefühlte Temperatur“ – nämlich nicht sehr relevant. Um da wirklich bemerkbare Unterschiede zu haben, braucht es ein paar Kilo. Und um bis dahin zu warten bin ich zu zwanghaft. Ich brauche Kontrolle. Ganz genaue Kontrolle. Ich will in der Hand haben, was mein Körper so anstellt.

Also habe ich den Endgegner heute morgen eingepackt, den Kassenbon dazu und werde ihn heute Abend umtauschen. Und entweder wird es dann wieder nachvollziehbarer und ohne ständige „Error“ oder ich weiß auch nicht.

Davor habe ich wirklich Angst. Dass es gar nicht am Endgegner und seinem kapriziösen Display liegt. Sondern an mir. Irgendwie.

Bis dahin werde ich heute das essen, was ich schon seit Tagen esse (das ist nicht schlimm. Ich liebe es, tagelang immer das selbe zu essen. Das geht dann zwei, drei Wochen und dann wird das Menü gewechselt). Eine Scheibe Walnussbrot (128 Kalorien) mit 30 Gramm Harzer Käse (70 Kalorien) und 20 Gramm Frischkäse (30 Kalorien). 150 Gramm Magerquark/Magerjoghurt-Mix (110 Kalorien) mit einer Spitzpaprika (40 Kalorien) und Gewürzen und am Abend zwei Zucchini (88 Kalorien) mit Räuchertofu (140 Kalorien) und einer Soße aus Dosentomaten (52 Kalorien) und Zwiebel (33 Kalorien). Dazu noch Variablen wie Würzpaste und dergleichen, für die ich jeden Tag 100 Kalorien veranschlage und ich bin definitiv nicht im Zunehm-Bereich. Oder auch nur im Halten-Bereich.

Was läuft nur schief? Ich hoffe wirklich, dass es nur versagende Technik ist …