Das Zeug im Hirn

Ich war schon seit meiner Teenagerzeit nerdig. Nur wusste ich damals nicht, dass man das so nennt. Ich habe den Herrn der Ringe gelesen (ich mag die Landschaftsbeschreibungen, die Genealogien hingegen umkreisen mich auf einer Umlaufbahn weiter als der Kuipergürtel …), durfte in der DSA-Runde meiner großen Schwester mitspielen, sammelte Franco-Belge-Comics, interessierte mich für Antike und europäisch/vorderasiatisches Mittelalter und liebte die Klassiker der Science Fiction mit der selben Unvoreingenommenheit wie Howard oder Leiber.

Und – erstaunlich genug – ich erfuhr deswegen keine Diskriminierung durch mein Umfeld. Das Drama der Ablehnung des Jung-Geek/Nerds durch die Peergroup, das in dutzenden amerikanischen Coming-of-Age-Komödien halbamüsant thematisiert wird, fand einfach nicht statt. In der Schule wurde ich dafür nicht gehänselt und auf Cons erfuhr ich durch die zwei X-Chromosomen auch keine Benachteiligung. Entweder lebte ich also auf der Insel der Seligen oder ich war auch damals schon ein Opfer meiner „sehr schwach ausgeprägten People Watching Skills“ (wie es mein nächstes Umfeld immer wieder uncharmant formuliert). Ich bemerke vieles, was Leute tun oder sagen, überhaupt nicht. Keine Ahnung warum. Geht völlig an mir vorbei. Ständiger Begleiter eines Spaziergangs mit den Lieblingsmenschen sind Konversationen wie „Boah, haste den gesehen ..?“ – „Wen?“ – „Den Typ mit den rosa Shorts!“ – „Da war ein Typ?“

Ich habe mich stetig mit ähnlich tickenden Menschen umgeben, strickte mir meine glückliche kleine Filterblase (lange, bevor dieses Wort erfunden wurde) und habe mich seitdem nicht aus diesem Umfeld bewegt. Mein Studium fand mit Comicnerds statt (Grafik-Designer sind zu 50% Comicnerds, mindestens 30% zeichnen sowieso eigene Comics. Der Rest ist … seltsam), im Job bin ich von Rollen-, Trading Card Game- und Brettspielern umgeben (das kommt oft so, wenn man in einem Spieleverlag arbeitet) und mein Freundeskreis ist eine erlesene Ansammlung von Leuten, die Jules Verne und Lovecraft genauso zitieren wie aus Kevin Smith-Filmen und die über „Kommt ein Kappadozianer in den Goth Store …“-Witze lachen können.

Dummerweise fördern diese Hobbies nicht eben einen gesunden Lebensstil. Klar, ich war jahrelang auf LARPs unterwegs, habe mich mit Latexwaffen geprügelt und bin durch Wälder gerast … aber das ist leider schon länger vorbei. Und das merkt man auch am Gewicht.

Denn – Lesen, Spielen, Zocken (das sind unterschiedliche Dinge) oder Serienschauen findet nicht nur im Sitzen statt, sondern ist auch in den meisten Fällen von jeder Menge Nahrung begleitet. Seien es nun „Voller Napfs“ (Wolfsname einer extrem begabten Köchin, die uns beim Werewolfspielen immer verköstigt) himmlische Kreationen, G.s italienische Käseplatten beim Vampirespielen oder die „mal eben so“-Pizza vorm Raidabend in SWTOR.

Zwar ist der fette Neckbeard-Nerd nicht mehr wirklich die Regel … aber so generell kann´s schon eine Tendenz geben.

Es ist also an der Zeit, meinen geliebten aber verdammt sessilen Hobbies und dem Sirenengesang des ungesund Essens (Trinken ist kein Problem, ich trinke seit jeher fast nur Wasser) etwas entgegen zu setzen.

Aber bevor es weiter mit Abnehmzeug geht – der angesagte Nerdcontent.

Filme

  • Praktisch alles von Kevin Smith. Clerks ist mein All Time Favourite.
  • Simon Peggs Blood and Ice Cream-Trilogy ist grandios.
  • Natürlich nahezu alles aus der Galaxis weit, weit entfernt.
  • Dinge wie Gladiator, Twelve Monkeys, Fight Club (nein, das Buch ist nicht besser, aber anders. Und grandios), Kingdom of Heaven.
  • Guilty Pleasures: Twister. Schaue ich jedes Jahr im Sommer einmal. Und die Mumien-Filme mit Brendan Fraser. Pirates of the Caribbean auch.

Star Wars

Ich kann die resol’nare auswendig. Mehr muss man vermutlich nicht über mein Verhältnis zu Star Wars wissen. Außer vielleicht: Die Prequels waren nicht so schlecht, wie viele sich anstellen, das Sequel hat mich noch nicht vom Hocker gehauen und ich liebe Clone Wars und Rebels!

Firefly

You can´t take the sky from me.

Star Trek

Next Generation, Deep Space Nine (ab der dritten Staffel. Weil: Klingonen-Fan!), Voyager. Sonst nichts. Jar Jar Abrams hätte das Franchise nie anfassen dürfen (und man hätte ihn ganz dringend von Star Wars fernhalten müssen).

Pen&Paper

Ich bin World of Darkness-Fan durch und durch. Ob Vampire (Dark Ages. Ich mag nichts, was in der Gegenwart spielt), Werewolf, Mage, Hunter, Mummies oder Changeling (oder die drölfzig anderen Dinge). Alles genau up my alley. Aber ich glaube, im Laufe der Jahre habe ich bestimmt zwei Drittel aller je erschienen Systeme und Settings zumindest ausprobiert. Von Mainstream wie DSA oder D&D, über die üblichen verdächtigen wie Earthdawn, Shadowrun oder Cyberpunk, Ars Magica, KULT, Siebte See, GURPS auf allen Welten oder die Nischenprodukte Power, Plüsch & Plunder, BESM und Paranoia bis hin zu völlig obskuren Dingen wie Kleine Ängste, Teenagers from Outer Space, Unhallowed Metropolis oder TOONS. Und alles, was ich vergessen habe.

Derzeit bin ich als Spieler in einer Werewolf-Runde (London 1890) und leite eine Vampire-Runde (östliches Mittelmeer, 1244). Für mehr fehlt Zeit und Gelegenheit.

Comics

Derzeit etwas brach liegend, seit ich aufgehört habe, Jack of Fables zu sammeln. Ich mag vieles von Ennis (Hellblazer, Preacher, manchmal The Boys), Manches von Moore (League of Extraordinary Gentlemen, Swamp Thing), dazu noch Diverses wie eben Fables, Bone, viel von Crisse (Kristallschwert, Atalante, Loretta & Harpye), Klassiker wie Les Bleues oder die alten ElfQuest, eine Menge von Frank Cho (University Square, Liberty Meadows), Vermischtes wie Ghost World, Strangers in Paradise, Die Adler Roms oder Blacksad. Quer durch den Garten eben. Und fast nie Superheldencomis. Maximal ein wenig Lobo (zu dem ich kam, weil ich Bisleys Slaine so toll fand).

Manga lese ich kaum noch. Ich habe alles bis auf ein paar all time favorites weggegeben. Geblieben sind Urusei Yatsura, Blade of the Immortal, Ranma 1/2, Dr. Slump, Maison Ikkoku und Azumanga Daioh.

Zocken

Ich bin dahingehend untypisch, dass ich kaum Singleplayer-Games spiele. Ich habe zwar eine dreistellige Stundenanzahl in Skyrim versenkt, aber ansonsten maximal noch ein wenig Assassin´s Creed und Fallout New Vegas. Allein zu spielen ist irgendwie einfach nicht meins.

Aber MMORPGs liebe ich. Angefangen habe ich mit Ultima Online, dann kam WoW, dann Second Life, dann Champions Online, dann SWTOR, dann TESO. Derzeit noch aktiv bin ich in SWTOR (dort auch durchaus mit Ehrgeiz beim Raiden als Maintank unserer Gilde) und TESO. WoW habe ich jahrelang liegen gelassen, aber in einem Anfall von Nostalgie vor ein paar Tagen tatsächlich auf Warlords of Draenor aktualisiert und schaue es mir noch einmal an, ohne große Erwartungen zu haben. In Second Life gammle ich hin und wieder noch herum, um mit alten Freunden zu reden und von RP zu träumen.

Konsolen besitze ich nicht. Oder zumindest keine aktuellen. Eine Playstation (ja, die ganz alte!) und eine Playstation 2. Worauf ich alle Jubeljahre mal Crash Bandicoot, Final Fantasy (VII, VIII, IX und X) oder Klonoa spiele. PC Master Race und so.

Cartoons

Das Internet ist gut zu mir und versorgt mich mit alten Lieblingen. Und mit neuen Favoriten.

  • Dexter´s Lab
  • Two Stupid Dogs
  • Ed, Edd & Eddy
  • Cow and Chicken
  • Gravity Falls
  • Steven Universe
  • Bob’s Burgers
  • Adventure Time
  • Johnny Bravo
  • Kim Possible
  • Fairly OddParents
  • Power Puff Girls

Serien

Neben den obligatorischen und oben schon genannten SF-Ikonen liebe ich

  • Black Sails
  • Dr. Who (aktuell gerade nicht so. Ich mag die Moffats löchriges Storytelling nicht. Er ist ein toller Autor aber ein grausiger Showrunner)
  • Torchwood
  • Ripper Street
  • Roseanne
  • Scrubs
  • Dead like me
  • Life on Mars (und das Sequel Ashes to Ashes)
  • Rome
  • Avatar – the last Airbender
  • Sherlock
  • Constantine (hey, die Besetzung war erstklassig!)
  • Downton Abbey
  • … bestimmt noch andere, die ich vergessen habe.

Bücher

Ich lese – trotz E-Book-Reader – leider nicht mehr so viel Belletristik wie früher. Aber einiges, was ich immer wieder zur Hand nehme (oder lade) …

  • Diskworld. Fast alles davon. Sir Terry war mein Held.
  • Die Deryni-Romane von Katherine Kurtz
  • Die MythAdventures-Serie von Robert Asprin
  • Die Thieves‘-World-Anthologien
  • Die Xanth-Novels
  • Die Kinder des Grals-Tetralogie
  • Viel Jules Verne
  • Praktisch alles von John Irving, Matt Ruff und Peter S. Beagle
  • Diverses. Also – wirklich Diverses.

Hypes, denen ich nicht so sehr folge

Game of Thrones. Ich habe es wirklich versucht. Aber ich komme mit dieser Schreibe einfach nicht klar. Über hundert Erzählperspektiven lassen sich für meinen Geschmack mit ständigen Cliffhangern einfach nicht vereinbaren. Ganz davon ab, dass mir nur Bronn sympathisch war. Und der Imp natürlich. Ist eben nicht für jeden.

Harry Potter. Ich habe die Bücher gelesen. Ich habe ein paar der Filme gesehen. Aber mehr als „jo, ist ganz nett“ will mir einfach nicht einfallen.

Blade Runner. Ich oute mich: Ich fand Blade Runner langweilig. Hölzern, wenig mitreissend und einfach nicht mein Ding.

Herr der Ringe/Hobbit. Beides gelesen. Beides „okayish“ gefunden. Die Filme für ein Bergwandervideo gehalten. Aber grandiose Kulisse. Und jeder mag Gabba Gandalf.

The Force Awakens. Echt jetzt … ihr verfilmt A New Hope neu und ersetzt Darth Vader durch einen Bedhead-Emo? Und das ist dann der große Wurf? Völlig verständlich, dass Harrison Ford auf Han Solos Tod bestanden hat. Wobei ich den Film noch verzeihen könnte. Aber die neuen Untiefen der Marketingmaschine haben mir den Rest gegeben. Kylo Ren-Zahnbürsten und Schokotorte. Ungelogen.

Ansonsten …

… liebe ich alles, was mit Geschichte zu tun hat. Aber einen besonderen Platz in meinem Herzen haben die antike Seefahrt (mein nächstes Tattoo wird eine Bireme), die andere Seite der Kreuzzüge (sprich: das islamische Mittelalter), das goldene Zeitalter der Piraterie und der Viktorianismus.

Und das war´s auch schon. Im Vergleich zu anderen bestimmt nicht wirklich nerdig aber doch zufrieden in der Subkultur verwachsen. Mitsamt der obligatorischen Liebe zu Metal, Bandshirts und Hosen mit vielen Taschen („Hast du meine Würfel eingesteckt?“).

Und jetzt auf in ein Blog, das sich sowohl dem Rationieren von Nahrung als auch verspieltem SF/Fantasy-Content widmet.

Zielgruppe?

Mit größter Wahrscheinlichkeit: Ich.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s