Der Montags-Wiegewolf sagt …

Wiegewolf

Vierte Woche und 86,7 Kilo.

Das ist ein mieses Ergebnis. Vor allem, da es gestern noch 86,4 war. In jedem Fall ein Schlag ins Kontor und ich muss sehen, dass ich das wieder heraushole. Als erstes eine Fehleranalyse. Da ich jeden Tag meine zwanzig Minuten Stepper und seit Ende der Woche auch vier Sätze Kurzhantel mache, kann es nicht an zu wenig Bewegung liegen. Also hängt es an den Kalorien.

Natürlich wohl auch daran, dass Samstag die Geburtstagsparty von I. und K. war und ich dort nicht nur eine Portion Kichererbsencurry mit Reis verzehrt habe, sondern auch eine veganes Brownie (I´m scarred for life … vegan werde ich wohl in diesem Leben nicht mehr) und etwas, das ich für ein Raffaello hielt, dann aber doch ein veganes Irgendwas war, das nicht nur mich unglaublich erschreckte, sondern auch F. zu entsetzten Grimassen brachte. Vegan schön und gut, es gibt großartige vegane Rezepte. Aber in dem Moment, in dem man versucht, ein omnivores oder vegetarisches Gericht mit allen möglichen Tricks auf vegan zu trimmen, wird es in 90% der Fälle ungenießbar. „Man schmeckt keinen Unterschied!“ Ja sicher, wenn man seit Jahren nicht mehr im Gedächtnis hat, wie das Original schmeckt, kann das schon sein.

Vom moralischen Wert des Veganismus fange ich nicht an (tue ich wohl). Ich bin auf einem Ökohof aufgewachsen, habe von Hand Ziegen gemolken, während deren Lämmer (die später zur Zucht nach Kroatien und Südafrika verkauft wurden, weil „Weiße Deutsche Edelziege“ ein Qualitätsmerkmal ist) auf meinem Rücken herumturnten, habe die Eier der freilaufenden Zwerghühner unter Holzstapeln (… und in Pferdeboxen … nicht sehr intelligent) gesucht und meinem Großvater bei der Pflege der Bienen zugesehen. Da sich die „Qual“ für unsere Tiere in deutlich abgesteckten Grenzen hielt, fällt es mir auch heute schwer, für vegane Propaganda Verständnis zu entwickeln. Ja, Massentierhaltung ist ökologischer und moralischer Dreck und gehört am besten gestern abgeschafft, da bin ich völlig auf der Linie. Aber ansonsten sterben für einen Hektar Sojaanbaufläche nicht nur Tiere, sondern auch Menschen; von Palmöl muss man gar nicht erst reden, für das ganze Ökosysteme den Bach runter gehen.

Jeder urteilt auf der Basis seiner Erfahrungen und Informationen. Aber gerade zu diesem Thema schwirren im Internet so viele Propagandapamphlete herum, dass einem schwindelig werden kann. Zwar nicht alles so bewusste Falschinformationen wie die Schafschur-Plakate von PETA (wer glaubt ernsthaft, dass für Wolle Schafen die Haut abgezogen wird … echt jetzt?), aber gerade bei Milch und Eiern gibt es viel Kopfschüttelpotential, das ungeprüft nachgeplappert wird. Vom tödlichen Kasein bis zu den vergewaltigten Kühen.

Kauft aus ökologischer Landwirtschaft, kauft lokal, seht euch die Ställe an und macht euch ein Bild. Und erkennt, dass die Wurzel des Übels die kapitalismusimmanente Gier ist, die Mensch und Tier Leid zufügt! Macht das System kaputt, statt Gräben zu ziehen!

Wer fröhlich Discounterschnitzel und Batterie-Eier in den Einkaufswagen wirft („Ist so billig!“), kann weder von der Ökobilanz noch vom moralischen Standpunkt her Qualität erwarten. Vom Geschmack gar nicht zu reden.

Ich habe als Kind bei Hausschlachtungen zugesehen. Das hat mich nicht zur Vegetariern gemacht. Aber der Fußabdruck eines Kilo Fleisch versus eines Kilo Gemüse dann schon. Das macht es jetzt nicht einfacher, auf meine Proteinmenge zu kommen – aber Quark und Nüsse helfen doch extrem.

Und nun wieder von diesem Schlenker über moralische Fallhöhe zurück zur Mottoparty. „Spacepiratecowboys gegen Ninjazombiedinos“ war es dieses Jahr. Wir waren zwei Cowboys und ein Dino und entsprachen damit dem Durchschnitt der Anwesenden.

Ich bin nun nicht wirklich die Rampensau bei solchen Veranstaltungen, gehöre eher zu Team „Hey, in der Küche ist es auch schön!“, aber da ja schon das Thema erkennen lässt, dass praktisch nur Nerds und nerdaffine Menschen zu Gast waren, war alles im grünen Bereich.

Als mich F. nachts nach Hause gebracht hat, wurden gerade vorm Haus nebenan zwei junge Typen verhaftet (oder aus anderen Gründen in ein Polizeiauto verfrachtet, ich urteile nicht) und die beiden Polizisten waren von unseren Kostümen sehr angetan. Ist doch nett, wenn man Menschen den beruflichen Alltag durch bloße Anwesenheit verschönern kann.

Party war jedenfalls schön, nun muss ich nur das zügige Abnehmen wieder in den Griff bekommen.

Diese Woche also völlige Strenge. Keine plötzlich auftauchenden Schokolinsen und kein Löffel Schmand in der Tomatensoße. Vorsätze für den Gewinn!

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