Shoot outside of the screen – Leben nachladen (vorsicht – persönlich, there might be dragons).

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Aufbruch, Fahrrad und unterwegs sein.

Ich denke nicht, dass es mit dem Abnehmen angefangen hat. Nein, der Ursprung all` dessen, was derzeit in meinem Leben geschieht, liegt fast zwei Jahre zurück. In der ganz, ganz dunklen Zeit. Als ich nicht wusste, was mit mir los ist. Als ich ganz tief unten war und es nicht benennen konnte. Als ich der Meinung war, dass egal ist, was noch kommt.

Dass ich zu diesem Zeitpunkt suizidal war, wusste ich nicht. Oder hatte keine Worte – noch nicht einmal wirkliche Gedanken – dafür. Erst später hat mir meine Ärztin das erklärt. Als ich schon langsam aus der Talsohle nach oben geklettert bin.

Ärztin. Genau. Ohne D. hätte ich mir nie professionelle Hilfe gesucht. Ohne diese beste Freundin von allen hätte ich es nicht geschafft, überhaupt darum zu bitten. Wobei eigentlich sie mir diese Hilfe gesucht hat. Anfangs mit mir zu jedem Termin ging, damit ich ihn auch einhielt. Und auch heute noch ist es ein Ritual, dass wir gemeinsam die Termine wahrnehmen. Sie bleibt im Wartezimmer und danach gehen wir ein Eis essen. Oder einfach nur reden. (sie ist großartig)

Jedenfalls fing es damit an. Dort haben meine Dämonen Namen bekommen. Angststörungen, Depression, Agoraphobie. Und sobald sie Namen hatten, konnte ich sie sehen. Und sobald ich sie sehen konnte, konnte ich die Waffe ziehen.

Ich bin mitten in dem Prozess, der die Dämonen austreibt. Und ohne gute Freunde, die mich nicht aufgegeben haben (obwohl sie bestimmt allen Grund und jede Entschuldigung gehabt hätten, das zu tun!), hätte ich keinen Schritt auf diesem Weg getan. Immer noch bin ich deshalb gelegentlich vor Dankbarkeit völlig stumm und verwundert.

Aber das wirklich Erstaunliche ist, was dieser Prozess sonst noch in Gang gesetzt hat. Oder vielleicht ist es genau das, was er tun sollte? Meine Ärztin lächelt jedenfalls immer sehr wissend, wenn ich ihr erzähle, was ich wieder einmal angehe.

Ganz langsam habe ich begonnen, wieder Pläne zu haben. Aus meiner (gedacht komfortablen) Erstarrung zu kommen und Dinge anzugehen. Es fing damit an, dass ich all´ das Zeug wegwarf, das sich in meiner Wohnung angesammelt hatte. Das allein war schon ein Befreiungsschlag. Ich bin und war nie ein Messie, eher das komplette Gegenteil. Ich liebe Leere, freie Räume. Habe das aber bisher nie wirklich umgesetzt. Jetzt hatte ich die Energie dazu. Ich habe Comics, DvDs und Bücher verschenkt oder zur Stadtbücherei gebracht. Ich habe ein altes Sofa zersägt und einen Tisch aus dem Arbeitszimmer entfernt, dass ich endlich genug Platz für meinen Stepper hatte.

Dann ging es daran, im Inneren aufzuräumen. Zuerst habe ich meinem Schweinehund gesagt, er kann mich mal und habe mir den Monster-Gamer-PC gekauft, den ich schon lange wollte, den ich mir aber immer als „zu teuer, eine Nummer kleiner geht doch auch“ wegrationalisiert habe. Was fühlte sich das gut an! Ich hatte etwas nur für mich getan und anstatt mich dafür wie gewöhnlich selbst zu kasteien, hatte ich Spaß!

Also, warum da aufhören? Aber ich hatte keine Idee, was als Nächstes kommen könnte.

Auftritt F. Wieder eine Freundin, die mir helfen sollte, meinem Leben einen Schubs zu geben.

Wir kennen uns schon sehr lange (zwar nicht so lange wie D. und ich – aber zwanzig Jahre durch alle Höhen und Tiefen sind auch schwer zu toppen!), aber wirklich nahe gekommen sind wir uns im letzten dreiviertel Jahr über das Schreiben und Spielen. Und natürlich das Zeichnen. In jedem Fall ist sie eine grandiose Inspiration. Wild, frei, schön, sportlich und voller Prinzipien.

Jedenfalls lief die Therapie gut, ich hatte mir erste Erfolge erarbeitet und begann, nach Zielen zu suchen. Und da war sie. Und inspirierte. Ich wollte auch schlank und sportlich sein. Als Kind war ich sehr dünn, habe sehr viel Leichtathletik gemacht und bin geritten. Das blieb aber in der späteren Pubertät, wenn man praktisch alles (und am meisten sich selbst) hasst auf der Strecke. Seitdem war ich sportfern – bis aufs Feldbogenschießen, das aber nicht eben sehr fordernd ist, selbst wenn man es turniermäßig betreibt.

Und zur selben Zeit, als diese Idee in mir zu reifen begann, stieß ich auf Robins Blog und ihre Post-Serie zum Abnehmen. Kam von dort auf das Fettlogik-Blog. Und irgendwie war das das richtige Treibmittel für diesen nächsten Veränderungsschritt.

Ich wollte jetzt nicht nur abnehmen. Und wollte nicht nur beweglicher werden. Jetzt hatte ich auch die Werkzeuge dafür an der Hand. Ich würde das schaffen und ich würde auf der Stelle damit beginnen.

Tja. Da bin ich nun.

Und habe schon die nächste Veränderung in Planung und fast schon Umsetzung. Ich werde meiner Agoraphobie den Finger zeigen und anfangen, Radtouren zu machen. Das Fahrrad dazu steht im Hof, ist neu, heißt Victoria Trekking 2.7 (nomen est omen!), ist knallrot und hat gestern von mir den Korb montiert bekommen (und war beim lokalen Shop günstiger als im Internet, schau an!). Jetzt warte ich noch auf schönes Wetter und dann ziehe ich los. Klar, das kann man auch bei Kälte und Regen – aber für die ersten Male möchte ich positive Erinnerungen verknüpfen. Und die schaffen sich bei Sonne und Frühlingsluft nunmal leichter als bei Schneeregen und Wind.

Soweit also der derzeitige Stand der Dinge.

Und im Herbst dann der Trip nach Rom … das erste Mal seit so vielen Jahren überhaupt Urlaub …

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