Antizyklisch sein und dabei stagnieren

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„The open road, the dusty highway, the heath, the common, the hedgerows, the rolling downs!“ Graham, Wind in the Willows

Irgendwie läuft es mit dem Abnehmen bei mir immer sprunghaft. Tage- bis wochenlang tut sich nichts oder es wird sogar mehr – und dann, ganz plötzlich, ist wieder ein Kilo weg. Das nervt mich kolossal und grätscht meiner Motivation in die Beine. Viel besser wäre es, wenn ich langsam aber stetig einfach weniger werden würde. Statt dessen sitze ich wie das Kaninchen vor der Schlange und traue mich kaum auf die Waage – weil es ja wahrscheinlich eh wieder nichts gebracht hat.

Ich brauche kleine Erfolgserlebnisse. Ansonsten werde ich unleidlich. Nicht, dass ich dann aufhören würde, wenig zu essen, Kalorien zu zählen, mein Futter abzuwiegen oder Sport zu machen … aber mein Allgemeinempfinden leidet. Und dann bin ich anfällig für kurze Tiefs.

Aber daran ändere ich nichts. Mein Körper ist der Feind und ich werde ihn besiegen.

Das ist vermutlich keine gesunde Einstellung. Aber bis ich therapiemäßig so weit bin, dass ich diese Feindseligkeit mir selbst gegenüber ablegen kann, vergehen vermutlich noch ein, zwei Jahre. Und ich möchte mit dem Abnehmen nicht so lange warten. Also Augen zu und durch – das Bisschen rabiaten Selbsthass verkrafte ich auch noch.

Generell werde ich aber ruhiger. Als ich am Mittwoch Abend im Biosupermarkt einkaufen war und die Frau vor mir an der Kasse die Kontinentaldrift blitzgeschwind aussehen ließ, habe ich mich kein Stück aufgeregt. Und das, obwohl mir normalerweise nichts so sehr auf den Wecker geht wie in Alltagssituationen grundlos langsame Menschen (vermutlich kein schöner Charakterzug von mir – aber ich finde es schlicht unhöflich, lahmarschig herumzuschlunzen, wenn hinter einem eine Schlange immer länger wird. Wie gesagt – davon ausgenommen sind Leute, die nicht schneller können.)

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Ablenkung vom allgemeinen Streß verschaffe ich mir mittlerweile sehr stark durchs Radfahren. Gestern zum Beispiel bin ich um halb elf losgefahren. Das war ein sehr genau geplanter Zeitpunkt. Dann waren die ganzen Vatertagsausflügler nämlich noch dabei, sich auf das Mittagessen vorzubereiten. Und als ich dann um halb eins wieder zu Hause ankam, waren sie gerade damit fertig und machten sich auf den Weg. Ich bin also der Walze aus Familien-mit-Hund aus dem Weg gegangen, die schwer zu umfahren sind, wenn sie einmal, immer zu dritt nebeneinander zockelnd, die Feldwege verstopfen.

Natürlich trifft auch hier der alte Spruch zu, der auf dem Rucksack meiner Schwester prangte: Liebe Autos – ihr steht nicht im Stau, ihr seid der Stau! Soll heißen – ich bin Teil des Problems. Aber wenigstens bin ich ein antizyklischer Teil des Problems. Ich versuche dann unterwegs zu sein, wenn es ruhiger ist. Was mir nicht immer gelingt. Und weil man nunmal erst eine Weile durch die Stadt fahren muss, bis man freies Feld erreicht, ist und bleibt Rush Hour, die man mit ganz vielen Menschen auf der Straße teilen muss, aufreibend.

Die lange Tour am Feiertag war jedenfalls schön. Wenn ich auch die Hälfte der Zeit üblen Gegen- oder zumindest Schrägwind hatte. Was dazu führte, dass mich zwei Rentner auf E-Bikes überholten. Fand ich nicht lustig.

Außerdem bin ich von der geplanten Route abgewichen und einfach mal wo anders lang gefahren. Auch das nur eine mittelgute Entscheidung, da ich nicht nur fast bis Sandhausen fahren musste, bevor ich wieder Richtung Wald abbiegen konnte (ganz leichter Sonnenbrand im Gesicht), sondern mich der Weg auch größtenteils an der Bundesstraße entlang führte, die zwar nicht ganz so befahren war wie an Werktagen, aber trotzdem nervte.

Prinzipiell hatte ich jedoch große Freude an der Fahrerei. War deutlich länger unterwegs als geplant und sah Gegenden wieder, in denen ich seit meiner Schulzeit nicht mehr gewesen war. Ich vermute, meine Runde heute Abend wird schmerzhaft. Aber das war es wert! Obwohl ich bisher sehr wenig bis gar keinen Muskelkater bekommen habe. Hätte ich während und kurz nach dem Fahren nicht immer einen hohen Puls, würde ich fast glauben, dass ich gar nichts tue. Vielleicht war der Stepper ja keine schlechte Vorbereitung auf das Fahrrad.

Das Fahrrad selbst ist jetzt übrigens polizeilich codiert. In der Nummer ist alles drin – sogar meine Adresse. Und dass das Ganze etwas bringt konnte ein Mann bestätigen, der sein neues Fahrrad zum selben Termin codieren ließ und erzählte, dass er sein Altes verkauft hatte, dieses dem neuen Besitzer gestohlen wurde und dann dank der Nummer wieder zurückfand. Klingt doch gut!

Jetzt noch ein bisschen ganz in Ruhe arbeiten und dann auf in ein Wochenende mit einem neuen Tattoo!

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