Raging Hormones

Deadpool_Wolf_Tattoo_wiP

Erste Skizze für ein Tattoo, das es nie geben wird. Es gehört in eine Geschichte.

Ich liebe diese Kapitelüberschrift aus Irvings „A Son of the Circus“. Ich liebe das ganze Buch, lese es alle ein, zwei Jahre wieder. Das Gegenteil eines Kriminalromans, in dem der Mörder weniger interessant ist als seine Vergangenheit und in dem nicht nur das Blut von Zwergen, sondern auch Fin-de-Siécle-Exhibitionistinnen, Bollywood und auf keinen Fall Indien großformatig ausgebreitet werden.

Irvings letzte Bücher haben mich nicht mehr wirklich eingefangen – aber Son of the Circus ist eine Bank.

Warum nun diese Überschrift? Weil ich mich als Opfer eben dieser Hormone fühle. Mein Gewicht stagniert, ich habe das Gefühl, immer aufgeblähter und unförmiger zu werden. Ein langsam schwappender Wasserballon, der sich von Bein zu Bein wackelnd ohne die Knie zu beugen durch New Yorks Straßen schleppt, um am Ende von den Ghostbusters erlegt zu werden.

Da ich eigentlich ernährungsmäßig alles im Griff habe (möglicherweise brauche ich mehr Fett. Aber darum kümmere ich mich heute Abend), muss es der Zyklus sein. Das ewige kurze Ende des Stockes; der ständige Preis für ganzjährige Fortpflanzungsfähigkeit, die ich nicht benötige. Stoisches Durchhalten. Etwas anderes bleibt mir auch kaum übrig, meinem Körper ist es völlig egal, ob ich ihn verfluche. Das ist er gewöhnt.

In einer gerechten Welt wäre dann zumindest im Herz alles eitel Sonnenschein.

Die Antwort wäre hier: zum Teil. Ich bin gerade mit Verve kreativ, zeichne alles mögliche. Und man sollte so etwas niemals als „normal“ betrachten. Auch wenn es üblich geworden ist, dass Girlfriend und ich uns gegenseitig Kreativität schenken. Ich bekomme Geschichten, sie bekommt die Bilder dazu. Keine trickreich durchkomponierte Prosa, keine bedeutungsvoll-tiefen Illustrationen. Nur Spaß für uns; für niemanden außer uns beiden wirklich verständlich. Wir sitzen in unserer Welt und tapezieren dort die Wände. Das ist erfüllend. Das zieht die Schraube im Rücken auf und ich kann weitermarschieren.

Und das brauche ich auch. Denn der Rest der Welt scheint sich verschworen zu haben, mir auf den Wecker zu fallen. Rücksichtslosigkeit und völlig fehlende Empathie machen es mir schwer, Projekte in ihrer Endphase um Klippen zu steuern. Und Gespräche eskalieren nur. Es ist ein stures ich-muss-da-durch, ohne dass ich ein Licht sehen kann. Und immer wieder sich sagen „wenn das vorbei ist, spreche ich es an und wir lösen das“.

An irgend etwas muss man glauben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s