Doogie Howser verliert an Schwung

Hai_Fee

Es tut sich nicht viel.

Ich nehme jeden Tag fünf verschiedene, erhoffterweise großartige Nahrungsergänzungsprodukte, die meine vermuteten Mängel ausgleichen sollen. Das Omega-3-Fischöl-Ding ist ungefähr so groß wie eine Kirschtomate. Da kann ich nur hoffen, dass viel auch viel hilft.

Trotzdem habe ich am Montag einen Arzttermin. Dabei soll man dann einmal nachsehen, wo es klemmt. Denn dass ich irgendwelche Defizite habe, ist offensichtlich. Derzeit zwar nur noch das völlige Fehlen weiterer Abnahme – aber auch das ist natürlich schon ein Zeichen.

Doof nur, dass ich kein besonders großes Vertrauen zu meinem Hausarzt/meinen Hausärzten habe (es ist eine Gemeinschaftspraxis und es wird wohl ausgewürfelt, welchen Arzt man bekommt). Der eine wirkt so, als würde man ihn mit trivialen Krankheiten und Problemen zu Tode langweilen („Schon wieder kein Lupus …“), die Kompetenz und Zuhörbereitschaft der anderen lässt sich gut mit der Anekdote beschreiben, dass sie mir (Vegetarierin) empfohlen hat, weniger Fleisch zu essen. Wegen des Cholesterins. Grandioser Doppel-Fail. Wie wenig ich den beiden vertraue kann man daran erkennen, dass ich meine Psychologin gebeten habe, keine Berichte an den Hausarzt zu senden. Das ist mir zu persönlich, um irgendwelche halbinteressierten Schnellurteiler damit zu betrauen.

Klar könnte ich auch den Arzt wechseln. Aber ein Versuch in dieser Richtung führte mich zu einem Mediziner, der zu meinen massiven Schlafstörungen (zu diesem Zeitpunkt war ich 72 Stunden wach) sagte, ich solle mich „nicht so anstellen“.

Es scheint also, dass gute Allgemeinmediziner schwierig zu finden sind.

Oder ich bin einfach nur gebrannt. Meine Tante ist Kinderärztin (Schwerpunktmäßig irgend etwas mit Kardiologie an der Uniklinik). Sie ist in ihrem Beruf wirklich gut. Aber empathisch wie ein guter, satter Tritt gegen den Kopf. Meine Schwester hat ihr mal einen Taktstock zum Geburtstag geschenkt, um dies zu verdeutlichen. Half nichts. Jedenfalls hat diese Tante mich früh traumatisiert, was Ärzte angeht. Ich erinnere mich sehr lebhaft daran, im Grundschulalter durch Haus und Hof vor ihr weggerannt zu sein, damit sie mich nicht impfen konnte. Denn sie konnte nicht stechen und ihre kalte Art half auch nicht gerade.

Egal wie – ich brauche diese Untersuchung am Montag. Ich hoffe einfach, dass Laborwerte von Ärztekompetenz unabhängig sind, ich sie schwarz auf weiß mitbekomme und so zur Not damit einfach noch zu anderen Ärzten gehen kann. Oder – vollster Verzweiflungsmodus – das Internet befragen.

Vielleicht bin ich momentan aber auch zu weit in der grauen Ebene. Ich stehe dort, es gibt keinen Wind, nichts deutet eine Richtung an. Und um mich herum sammeln sich die Ablagerungen.

Seit Wochen freue ich mich auf Girlfriends Promotionsparty. Habe mir ein Kleid dafür gekauft. Und jetzt dauert es nur noch drei Tage bis dorthin und die Angst wird absurd. Die erste Angst ist, dort keinen Parkplatz zu finden. Es wird in einem Hotel in der Innenstadt stattfinden. Ganz ohne irgendwelche Parkmöglichkeiten. Aber öffentliche Verkehrsmittel sind keine Option, da ich sonst nachts nicht mehr nach Hause in die Kleinstadt komme. Als reiner Restaurantgast darf man bestimmt nicht die Hotel-Tiefgarage benutzen. Die zweite Angst sagt mir, dass ich nicht dazu passe. Ich war noch nie in einem Hotel (ja, es gibt Menschen, die waren tatsächlich noch nie in einem Hotel. Als Kind gab es für uns keinen Familienurlaub, da Leute, die Pferde züchten, schlicht keinen Urlaub haben. Und später war entweder kein Geld da oder man ging Zelten). Ich weiß nicht, wie man sich dort benimmt. Alle anderen Gäste wissen es. Ich bin der Hillbillie-Freak, der das totgefahrene Opossum auffrisst. Ich habe keine elegante Handtasche (ich  habe gar keine Handtasche. Ich habe das hier). Ich weiß nichts von verschiedenen Gabelgrößen. Kann ich mich richtig – oder überhaupt! – benehmen? Weiß ich, wie man komplizierte Dinge isst?

Die Angst ist wirklich kein Pappenstiel.

Ich muss da durch. Aber die Vorfreude ist völlig verschwunden.

Wir waren schon zweimal in vornehmen Restaurants. Beide Male habe ich die ganze Zeit zwanghaft gelächelt und versucht, mich möglichst wenig zu bewegen, um nichts falsch zu machen.

Es ist schon seltsam. Ich habe studiert, mein Diplom, bin in der Lage, mehrsilbige Worte fehlerfrei auszusprechen (Marmelade!) … aber solch grundlegende Kulturtechniken (zumindest in der westlichen Welt) wie elegant Essen zu gehen, habe ich nie erworben. Erwerben können.

Ich möchte nicht peinlich sein. Für sie und für meine Freunde.

Auch hier hilft mir möglicherweise das Internet. Der Trick dabei ist, die richtigen Suchbegriffe zu finden.

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3 Kommentare

  1. Keine Sorge, im Hotel zu essen ist genau das Gleiche, wie im normalen Lokal zu speisen.
    Die Gabeln verstehe ich auch nicht, aber man benutzt sie von iaußen nach innen. Greif also immer das, was am weitesten vom Teller weg liegt und Du machst nichts falsch.
    Handtasche brauchst Du nicht. Oder doch? Ich hab keine einzige. Den Autoschlüssel stecke ich in die Jackentasche, mehr musst Du nicht mitnehmen.

    Und zum Wichtigsten: es ist ganz normal, nach meiner Erfahrung, dass das Abnhemen irgendwann stockt. Es hört einfach auf. Wochenlang. Und dann geht es wieder los.
    Wenn ein Arzt Dir nach 72 Std Schlafentzug sagt, Du solltest Dich nicht so anstellen, hat er offensichtlich einen an der Waffel.
    Überhaupt scheint mir Du hast großes Pech mit Deinen Arzterfahrungen.
    Ich drück Dir die Daumen, dass es Montag gut läuft und wegen des Abnhemnes würde ich mir keine Sorgen machen. Das geht weiter.

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    1. Vielen Dank, das klingt sehr normal. Gabeltechnisch.
      Eine Handtasche brauche ich, da ich als Jacke nur eine Strickjacke mitnehmen kann (abends ist Feuerwerk über dem Schloß – http://www.heidelberg-marketing.de/events/highlights/schlossbeleuchtung.html – und das wollen wir von der Dachterrasse des Hotels aus betrachten). Schon der Transport der Jacke wird dann problematisch.
      Wie so vieles problematisch wird, wenn die Hunde im Kopf losgelassen werden.
      Es wird eine Herausforderung. Aber ich vertraue darauf, dass fast nur Freunde anwesend sind.

      On an unrelated Note: Ich schätze Dein Blog schon recht lange. Ich hatte mich zuvor nie für Berlin interessiert – aber Du zeigst es so präsent und fassbar, dass ich mir so einen Sommer dort wünsche. Danke!

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      1. Ach, Heidelberg. Hat mir immer so gut gefallen und beinahe hätte ich dort eine Ausbildung zur Sprecherzieherin gemacht, doch dann…

        Wenn ich auf die Schnelle ne Handtasche bräuchte, ginge ich in die nächste Papeterie, oder etwas in der Art, und kaufte eine kleine Papptüte mit seidiger Kordel für Geschenke. In creme, oder so. Das muss doch reichen und unter Freunden sowieso 🙂

        Ich wünsch Dir in jedem Fall einen schönen Abend. Lass die Hunde im Zwinger!

        (Und danke für das Kompliment zu meinem Blog, über das ich mich sehr freue!)

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