Monat: August 2016

Gemischtes Gedöhns

Momentan bin ich in einer eher unproduktiven Wurschtelphase. Ich fange Dinge an, bastle daran herum und verliere wieder die Lust. Ich bin reichlich unkonzentriert und verzettle mich – gut daran zu beobachten, dass ich für eine Seite Text in meiner derzeitigen World of Darkness-Story einen ganzen Abend gebraucht habe (ein Drittel meines normalen Output), weil ich alle fünf Minuten Kleinigkeiten im Internet nachgelesen habe. Das Gewicht eines Achtzehnpfünders. Den Tiefgang einer Sloop und einer Brigantine. Die Beflaggung von englischen Kolonialforts … Und man kommt dann ja auch von Hölzken auf Stöcksken. Bemerkt am Ende kein Mensch außer mir. Ist mir aber wichtig. Eventuell wäre es ja noch verständlich, wenn ich das Zeug irgendwo hochladen würde. Aber es bleibt im engsten Freundeskreis. Trotzdem. Muss alles seine Ordnung haben. Sorgt jedoch dafür, dass ich in keinen Fluss komme.

Aber auch sonst ist es ja nicht anders. Ich habe etliche angefangene Illustrationen, die nicht fertig werden. Sitzt man mir nicht mit der „Broterwerb!“-Keule im Nacken, hänge ich nur im Internet herum, lache über Videos ohne Musik (das ist wirklich, wirklich lustig!) und bin generell eher müde.

Verzettelei auch beim Lesen. Ich habe für mich die Regel, nur ein Buch im Monat zu kaufen. Das ist zwar seit der Ebooksache keine Frage des Platzes mehr (ich mag es, immer weniger Bücher im Regal stehen zu haben! Raum und Leere sind meine Freunde), aber wenn ich zehn Bücher anfange, dauert es wieder ewig, bis alle fertig sind und ich nehme weniger intensiv etwas mit, als wenn ich mich konzentriere. Diesen Monat gab´s ein Sachbuch zur Varusschlacht. Deutlich besser, als ich zunächst dachte und ich habe viel Freude daran. Viel mehr Informationen als das letzte, das ich zu diesem Thema gelesen habe.

Ich bin also eine glückliche Gelegenheitsleserin (früher wäre es mindestens ein Buch pro Woche gewesen – aber Zocken und andere Hobbies haben das Lesen irgendwie ein wenig verdrängt). Und trotzdem habe ich mir gestern spontan Matt Ruffs „Sewer – Gas – Electric“ gekauft. Erstens weil ich es schon sehr lange nicht mehr gelesen habe und Matt Ruff liebe, seit ich vor über zehn Jahren „Fool on the Hill“ geschenkt bekam und zweitens weil mein neuer Kindle Fire zu Impulskäufen verführt. Der Sony-Reader war da freundlicher weil aufwändiger in der Bestückung. Beim Fire braucht es eine WLAN-Verbindung (hat man zu Hause und auf der Arbeit ja ständig) und zwei Klicks, dann ist das neue Buch gekauft und geladen. Das muss ich in den Griff bekommen. Geht ja nicht an, keinerlei Impulskontrolle mehr zu haben, nur weil so viele Bücher so bequem zur Verfügung stehen …

Und sonst? Habe ich wieder einmal gelernt, dass ich in sich abgeschlossene ideologische Systeme sehr gruselig finde. Aktuelles Beispiel: Die Fatacceptance-Leute. Beängstigend, wie sehr Status dort vom Verharren in der Opferrolle abhängt und wie sich die Führungsrollen eine Deutungshoheit sondergleichen geben, die anscheinend auch recht fraglos akzeptiert wird (Quelle: Robin). Ich bin wirklich froh, dass ich die Kurve bekommen habe, bevor ich dieser Bewegung auf den Leim gegangen bin. Gut, ich wäre dort wohl nicht sehr alt geworden, da Selbstverantwortung bei mir ein wirklich, wirklich zentraler Grundsatz ist. Aber sicher kann man nicht sein, ob man nicht doch der Rhetorik zum Opfer gefallen wäre. Ich sehe es auch sehr stark an meinem tumblr-Dashboard. Wie sich Schnittmengen bilden. Und wie vereinnahmt wird. Irgendwie schaffen sie (die FA-Leute) es, sich als gefährdeter zu gerieren als eine schwarze Transfrau auf einer White-Pride-Parade. Jeder will ihnen ans Leder, es gibt nicht genug überbreite Sitze im Flugzeug und nicht jedermann findet sie sexy. Menschenrecht auf Scooter im Supermarkt und keine Kleidung in kleinen Größen, weil dieser Anblick „traumatisiert“. Und am Ende ist man dann keine Feministin mehr, weil man abnimmt. Das ist dann der Punkt, an dem bei mir das Verständnis aufhört und ich das WTFBBQ-Gesicht aufsetze. Ja, ich verkürze auf unzulässige Weise und mache Witze über real existierendes Leid. Aber das mag daran liegen, dass Dicke im Gegensatz zu LGTBQ-Personen noch nicht durch bloße Existenz in ausgewählt bekloppten Ländern mit der Todesstrafe rechnen können. Und da es offenbar keine Möglichkeit gibt, mit so stark Verbitterten in Dialog zu treten, lasse ich es ab jetzt einfach. Noli tangere und so.

Zuletzt noch eine Schnapsidee, die sich gerade in meinem Hirn ausbreitet. Ich werde sie noch nicht konkretisieren, damit ich mich nicht zu früh selbst unter Druck setze … aber ich habe langsam die Möglichkeit dazu – warum sollte ich es nicht ausprobieren? Wenn es mir keinen Spaß macht, lasse ich es wieder. Weshalb ich es auch noch nicht öffentlich mache. Niemandem sage. Sonst sind Leute enttäuscht, falls ich wieder hinwerfe.
Da es genau so sein kann, dass auch das wieder nur ein Symptom der derzeitigen Verzettelung ist, wäre es sowieso verfrüht, etwas zu sagen. Also – Geduld.

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Der Montags-Wiegewolf sagt …

Wiegewolf

dreiundzwanzigste Woche und 71,3 Kilo.

Und ich flippe nicht aus? Nein, tue ich nicht. Gibt es keinen Anlass. Ich hatte am Samstag schon 70,3 und bin deshalb sehr gelassen. Es ist nunmal schweineheiß; in meiner Dachwohnung sinkt die Temperatur auch Nachts nicht unter dreißig Grad – da ist es völlig natürlich, dass ich Wasser einlagere. Klar, ich möchte zu gern die Sechs vorne sehen, weil das ein echter Durchbruch wäre und mir Auftrieb geben würde … aber so lange der Sommer weiterhin so Amok läuft und ich noch an den Nachwehen der Hormonverwirrung nage, kann ich das vermutlich nicht erwarten. Aber ich weiß, dass ich es schaffen werde.

Nach und nach.

Dafür war das Wochenende sehr schön. Wir waren am Samstag zu J. eingeladen um zu Grillen und dort gab es für mich sehr gute Black-Bean-Burger mit Guacamole und für den Rest Lamm. Es ist ja immer schwer, es mir essensmäßig recht zu machen, da ich sehr wenig Salz esse und es auch nicht ganz so scharf mag (obwohl ich Sriracha an fast alles packe). Aber die Burger waren wirklich sehr gut.

Natürlich haben uns die Schnaken fast aufgefressen, trotz Duftlampen und allem, was man sonst noch gegen die kleinen Blutsauger unternehmen kann. Ich wurde am rechten Trizeps direkt nebeneinander zweimal gestochen und habe deshalb jetzt eine etwa euromünzengroße, stark juckende Monsterquaddel am Arm.

Und weil Samstag Cheatday war, habe ich von der Tanke Eis mitgebracht. Magnum weiße Erdbeere für mich und ein sehr, sehr, sehr rosa-glitzerndes Himbeermagnum für die Waldnymphe. Ich bin trotzdem unter meinem Gesamtumsatz geblieben – auch wenn es nach dem Grillen in der Restwärme sogar noch S`mores aus Vollkornkeksen mit Milka und Marshmallows gab. Denn mehr als eins davon habe ich nach dem Burger und dem Eis nicht mehr geschafft. Obwohl das Ding großartig geschmeckt hat. Sehr, sehr süß aber unglaublich lecker. Kompliziert zu essen obendrein, da die Schokolade natürlich flüssig wurde und auch die Marshmallows nicht unklebrig waren. Ich mag es immer, neue Desserts kennenzulernen.

Diese Woche wird arbeitstechnisch wieder friedlich, vermute ich. Ich arbeite noch an den Illustrationen zu einem Steinzeitspiel und das ist eigentlich sehr unterhaltsam. Die eigentliche Attraktion folgt dann aber am nächsten Sonntag: Die Waldnymphe wird beim Mudiator mitlaufen. Acht Kilometer wild querfeldein durch künstlich erzeugten Matsch (der Wetterbericht zeigt aber Tendenz zum Naturschlamm). Da weder der Erklärfaun noch ich gern rennen (oder dreckig werden), beschränkt sich unsere Rolle darauf, in Knickerbockers und Kleidchen unter Schirmen auf Regiestühlen zu sitzen und unser Aktivweib beim Zieleinlauf standesgemäß zu begrüßen. Mit Abkärchern oder so. Freund K. wird mit einer seiner Ladies auch auf der Strecke sein, da können wir noch ein bisschen huldvoll rüberwinken.

Ich muss also bis zum Wochenende noch ein paar Anfeuerungsdevotionalien kaufen. Kein Problem, Frau Schwan hat so viele, die muss sie glatt verkaufen. Im Laden gibt es eine sehr hübsche Auswahl an Dingen, die passen könnten. Da ich sowieso vorbei gehen wollte, weil sie seit einer Woche wie vom Erdboden verschluckt ist, kann ich das direkt verbinden.

Fremdwertgefühl

Zwischenschritt_1608Zuerst ein Zwischenschrittbild. Ich finde nicht, dass sich optisch zum letzten Mal viel verändert hätte. Aber zumindest auf der Waage tut sich ja etwas. Von gestern auf heute gingen 500 Gramm Wasser, so dass ich nur noch 200 Gramm über meinem Stand von letzter Woche bin.

Sonst ist es nicht ganz so gut. Ich bin sehr unerwartet von der grauen Ebene überrascht worden. Normalerweise kommt sie angeglitten wie eine Schnecke. Schleicht sich an, ohne sich zu verstecken. Ein bisschen wie die eisige Morra bei den Mumins. Sie ist sehr langsam aber sehr unaufhaltsam und setzt sich auf alles, was warm ist, bis es erlischt. Ja, das sind wirklich viele Parallelen.

Diesmal kam sie nicht gemächlich und in offener Sicht, sondern fiel praktisch vom Himmel. Auf einmal war alles um mich herum grau und alles, was ich tue, kostet unendlich Mühe. Freizeitaktivitäten finden außerhalb von in-den-Bildschirm-starren nicht mehr statt, weil ich im Moment alle verfügbare Kraft brauche, um morgens aufzustehen und zur Arbeit zu gehen. Und um dort unauffällig zu funktionieren. Ich bin dünnhäutig und ängstlich und schleiche geduckt herum, um auch ja nichts zu berühren.
Man kann nichts tun. Nur abwarten. Durchhalten.

Während dessen hört man aber natürlich nicht auf, zu denken und zu bewerten. Der einzige Unterschied zum Normalzustand ist der zynische Ton, der sich über alles legt. Möglicherweise ist es auch nur ungefärbte Realität, was weiß denn ich.

Mir ist aufgefallen, dass ich kein Lob mehr dafür hören möchte, wie viel ich abgenommen habe. Gerade meine Eltern sagen mir jede Woche, was das doch für eine tolle Leistung wäre und dass ich stolz sein sollte. Nein, sie implizieren vielmehr, dass ich stolz bin. Es gibt keine andere Sichtweise. (Das ist bei meinen Eltern oft so.)

Und je öfter ich das mitgeteilt bekomme, um so leerer fühle ich mich. Denn es zeigt mir: Ich bin jetzt etwas wert. Früher war ich das anscheinend nicht. Früher war ich der Klumpen. Und der durfte offenbar nicht auf sich stolz sein und hatte nichts geleistet. Der Klumpen war ein unschöner Vor-Zustand, aus dem ich mich befreien musste, um zur Person zu werden.

Dann fühle ich Mitleid mit meinem früheren Ich, das offenbar nie gut genug war. Und ich werde zornig, dass das Gewicht bestimmen kann, ob Leistungen anerkannt werden oder nicht. Ich bin nicht anders, als vor einem halben Jahr. Nur zwanzig Kilo leichter. Sonst hat sich nichts geändert. Ich bin weder klüger noch gebildeter, nicht eloquenter und schon gar nicht freundlicher geworden. Ich habe kein Zweitstudium bewältigt und nicht promoviert. Ich habe weder ein Krebsmedikament entwickelt noch war ich besonders nett oder mitfühlend. Es ist nichts passiert, ich habe nichts geleistet … außer dass ich Kalorien eingespart habe. Ich habe etwas nicht getan. Einfach sein gelassen.

Und das ist der Grund dafür, dass ich jetzt stolz sein soll? Etwas wert bin?

Es ist sehr ernüchternd, auf Äußerlichkeiten reduziert zu werden.

Gerade mit meinen psychischen Erkrankungen ist so wenig von dem, was ich wirklich bin, nach außen zu sehen. Was mich ausmacht, findet immer noch zu 90% in meinem Kopf statt. Das hat sich nicht geändert.

Natürlich kann ich von niemandem erwarten, diese inneren Dinge sehen oder ohne Erklärung verstehen zu können. Aber ich habe meinen Körper immer nur als Gefäß meines Geistes betrachtet. Und wenn das Gefäß als so viel bedeutender als der Inhalt wahrgenommen wird, ist es für mich befremdlich.

Ich nehme ab, weil ein gesundes Gefäß für den Inhalt mehr Reisequalität bedeutet. Das beinhaltet auch, mich optischen Normen zu beugen, um unauffälliger und damit unbehelligter zu sein. Sehe ich aus, wie man es erwartet, werde ich eher in Ruhe gelassen und kann mich auf mein Inneres konzentrieren, ohne viel Energie in die Verteidigung stecken zu müssen.

Das heißt natürlich auch, dass ich den vorherigen Zustand meines Körpers als verbesserungswürdig angesehen habe. Nicht optimal.

Und dass ich zufrieden damit bin, wie er sich verändert hat und noch verändern wird. Sich meiner Vorstellung nach und nach anpasst.

Aber es heißt nicht, dass ich nicht lieber für eine echte Leistung Anerkennung erfahren würde. Und es heißt auch nicht, dass es nicht schmerzhaft wäre, früher von meiner Umgebung als Mängelwesen betrachtet worden zu sein. Als wäre ich nun tatsächlich jemand anderer. Jemand, der den Vorzustand ersetzen musste, um anerkannt zu werden.

Ich muss noch etwas darüber nachdenken, ob das Lob nicht vielleicht auch ohne eine herabsetzende Nebenkonnotation ausgesprochen wurde. Im Moment interpretiere ich viel.

Vermutlich ist es am Besten, wenn ich warte, bis ich aus der grauen Ebene herausgekommen bin. Was, wenn ich die letzten unfreiwilligen Besuche als Maßstab nehme, mittlerweile in ein paar Tagen geschafft sein sollte.

Der Montags-Wiegewolf sagt …

Wiegewolf

zweiundzwanzigste Woche und 71,9 Kilo.

Gestern und Vorgestern waren es 71,3. Aber so ist das eben. Ich wiege Montags immer mehr als an Wochenenden und ich habe weder die geringste Ahnung, woran das liegen könnte noch eine Idee, wie ich das ändern kann. Ich beiße einfach die Zähne zusammen und mache weiter. Lebe damit, dass meine Abnahme aus „zwei Schritte vor, anderthalb zurück“ besteht. So lange es langsam nach unten geht, ist das zwar tempomäßig unbefriedigend, aber immerhin tut sich etwas.

Wirklich etwas an der Geschwindigkeit ändern möchte ich auch nicht, da ich die Stellschrauben nur noch in sehr kleinem Rahmen anpassen kann, ohne dass es für mich zu unangenehm wird. Ich esse derzeit immer noch zwischen 800 und 1000 Kalorien täglich. Natürlich hat sich mein Grundumsatz deutlich heruntergeregelt – aber auch mit diesem dann geringeren Defizit habe ich den Großteil des Tages ein leichtes bis starkes Hungergefühl. Würde ich jetzt also noch einmal ein paar hundert Kalorien weniger pro Tag essen, würde sich dieses unschöne Gefühl so verstärken, dass es für mich nicht mehr tragbar wäre. Ich bin vermutlich nach mehreren Monaten Abnahme auch einfach müde. Und ertrage deshalb das Hungergefühl immer weniger.

Na, zum Glück ist ja ein Ende absehbar. Zwar noch nicht direkt in greifbarer Nähe – aber es deutet sich an. Ich hoffe, dass ich bis Weihnachten oder zumindest Silvester soweit bin, nur noch Finetuning vornehmen zu müssen.

Gestern hat mir auf jeden Fall meine LARP-Lederhose wieder perfekt gepasst. Und die habe ich mir mit zwanzig gekauft. Das ist schon ein schöner Erfolg. Ich werde sie wohl demnächst mal in die Reinigung bringen (kann man Lederhosen reinigen lassen?) und dann habe ich wieder eine Hose mehr.

Ansonsten ein ganz normaler Wochenstart.

Ich überlege, mir ein Fire-Tablet von Amazon anzuschaffen. Das Ding kostet nicht viel und ich würde es damit verbinden, mir endlich einmal Prime zuzulegen. Ich muss mich noch informieren, wie man dann .epub-Dateien darauf lesen kann, da ich ja bisher einen Sony-Reader habe (der zu seiner Zeit drei Mal so viel gekostet hat als jetzt so ein Fire. Tempus fugit!) und der natürlich mit dem Standard-Buchformat gefüllt ist. Bisher habe ich im Netz nur Anleitungen von 2012 gefunden und kann nicht wirklich glauben, dass das immer noch aktuell sein soll. Wahrscheinlich ist es am Ende dann doch ganz einfach und man braucht nur ein .epub-fähiges Leseprogramm, da das Ding schließlich auch nur ein – wenn auch sehr stark gebrandetes – Tablet ist. Nicht, dass ich von Tablets Ahnung hätte. Ich hatte noch nie eins und halte sie aus der Fernbetrachtung bis jetzt für eine Art größeres Telefon ohne Telefon.

Aber das hat natürlich nichts mit meiner Abnehmerei zu tun. Wobei ich natürlich auch zunehmend solche Themen hier haben werde, da sich ja (siehe oben) dieser Kern des Blogs irgendwann zu „Gewicht halten“ verändern wird und das natürlich kein abendfüllendes Programm ist. Was aber auch schon zu Beginn des Blogs klar war. Mit tollen Rezepten und Lebensweisheiten werde ich auch nicht punkten können – also muss es der alltägliche Content sein. Einerseits schätze ich mein Leben jetzt nicht wirklich als so unglaublich spannend ein, dass es einen vom Hocker haut, andererseits sollte man aber auch nicht die beruhigend nostalgische Wirkung eines Tagebuchs unterschätzen. Wird sich alles finden.

Keith Richards muss sich vorsehen!

Waldnymphe: *schenkt Madame G. zum Nichtgeburtstag ein Set Kokos-Pflegeprodukte vom Body Shop, weil Madame G. auf alles abfährt, was Kokos beinhaltet.*

Madame G.: *bringt zum Frühstück mehrere Tüten vom Markt und vom Bäcker.*

Waldnymphe: *nimmt die Tüten würdevoll entgegen, während Madame G. die Schuhe auszieht und in die Wohnung kommt. Schnuppert. Ruft aus:* Oh, es gibt etwas mit Kokos!

Madame G.: Nein, das bin ich.  Die Kokos-Handcreme, der Kokos Body-Mist und die Kokos-Körperbutter.

Waldnymphe: *in zufriedenem Tonfall* Dann gibt´s ja doch was mit Kokos! *verschwindet gen Küche.*

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust

Ich habe seit Ostern zwanzig Kilo abgenommen. Es fehlen nur noch sieben bis zum Normalgewicht. Alles, was dann noch kommt (und das wird Einiges sein), ist Kür, keine Pflicht. Sieben Kilo zuviel. Hört sich nicht viel an und sollte laut dem durchschnittlich zu hohen Gewicht in Deutschland auch nicht so ungewöhnlich sein.

Sollte.

Gestern habe ich meinen inneren Widerstand überwunden und habe mir ein neues Paar Jeans gekauft. Die in 36 sind mittlerweile einfach derartig zu groß, dass das Zusammenschnüren mit dem Gürtel unangenehme Riesenfalten wirft, die mir in den Rücken stechen. Und dass das Ding wie ein Sack an mir hängt, macht es auch nicht attraktiver.

Also hatte ich die wahnwitzige Vorstellung, dass eine Jeans in 34 doch eine gute Idee wäre, und habe mich nach der Arbeit in eine dieser Gewerbegebiets-Mode-Legebatterien begeben, in denen zu laut Kirmestechno läuft und wo sonnenbankgegerbte Endzwanziger mit toten Augen sich erfolgreich um jede Beratungstätigkeit drücken. Nicht meine bevorzugten Jagdgründe aber für ganz normale Basic-Jeans wunderbar geeignet. Die strassbesetzten Exemplare ohne Taschen aus der Damenabteilung muss man natürlich vermeiden – aber in der Herrenabteilung gibt es den guten Stoff in bootcut und ohne Bund-unterm-Arm.

Jeans in Größe 34.

Ich dachte wirklich, ich sei nun gewichtsmäßig langsam in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Ein klarer Fall von Nelson-Haha.

In der Herrenabteilung gab es Jeans in 40, 38, 36, 30. Bei den Damen in 25, 28, 30, 32. Zum Glück war wenigstens meine Länge (32) reichlich vorhanden.

Schließlich habe ich doch noch drei Hosen in 34/32 gefunden. Eine schwarze, eine graue und eine blaue. Von wegen ich habe nun dank Abnahme freie Auswahl! Immer noch ist das Kriterium nicht „gefällt mir“, sondern – ganz wie zu fettesten Zeiten – „pass´ ich rein“. Und am Ende habe ich dann doch die blaue Jeans und sonst nichts genommen, weil die graue zu teuer war (ich möchte nicht achtzig Euro für eine Hose ausgeben, aus der ich in zwei Monaten wieder völlig herausgeschrumpft bin) und die farblich von mir bevorzugte schwarze Hose eine … buärgs … Stretchjeans war.

Gar nicht zu reden davon, dass ich im Spiegel der Umkleide ungefähr so frisch und attraktiv aussah wie eines dieser chinesischen Containerschiffe, die sich an Indiens Küsten zum Sterben niederlegen. Ein bleiches, aufgequollenes Etwas, das zuerst eine Art Sack auszog, um sich dann mühsam in (noch) ziemlich enge Pellen zu quetschen.
Ästhetisch ist definitiv anders.

Ich dachte, ich sei schon gut auf dem Weg. Sei äußerlich schon fast normal. Tja. Das gestern war ein reichlich unsanfter Weckruf der Realität. Ich könnte das ganze Erlebnis als „nur Einbildung“ und „ich bin mir selbst gegenüber zu kritisch“ abtun – aber die Tatsache, dass ich praktisch kaum passende Hosen gefunden habe, spricht eine andere Sprache.

Normalerweise lasse ich mich positiv deutlich besser motivieren als negativ. Kleine Erfolgserlebnisse helfen mir mehr als irgendwelche Drohungen. Der Hosenkauf fällt leider definitiv in die „Drohungen“-Kategorie.

Beschissen.

Und diesem Erlebnis zum Trotz habe ich dann absolut konträre Gelüste. Ja, ich werde weiter abnehmen. Ja, Disziplin ist kein Problem. Aber seit fest steht, dass wir doch noch versuchen, dieses Jahr ein langes Wochenende in Paris zu verbringen, verwende ich sehr viel Zeit und Energie darauf, online nach den Patisserien mit den besten Macarons und Eclairs zu suchen. Kunst und Ausstellungen – schön und gut. Werden wir ansehen. Aber die Attraktion wird für mich das Essen sein. Seit ich in der 13. Klasse diesen Landeswettbewerb deutsche Sprache und Literatur gewonnen hatte und als Preis vom Goethe-Institut eine Woche für ein Seminar ins Elsaß kutschiert wurde, habe ich ein Faible für französische Küche. Ansonsten rein anglophil, an Alkoholika völlig uninteressiert, der französischen Sprache absolut abgeneigt, hat sich dennoch das kohlenhydratzentrierte, cremige Essen dieses Landes einen Platz in meinem Herzen gesichert. Ja, ich weiß. Regionale Unterschiede, völlig andere Baustellen Norden gegen Süden und dergleichen. Aber irgendwie mag ich alles davon. Ich war nach dem Elsaßbesuch nur noch einmal in Frankreich, diesmal in der Nähe von Marseille … und war auch dort von den Süßigkeiten und den Suppen entzückt. Gar nicht zu reden von den Coquilles Saint Jacques, die eine Bekannte aus Saarbrücken einmal bei sich servierte, und die sie von „über der Grenze“ geholt hatte.

Prinzipiell habe ich also von französischer Küche praktisch gar keine Ahnung, finde aber das Wenige, das ich bisher davon probiert habe, so großartig, dass ich in einen Besuch der Landeshauptstadt sehr hohe Erwartungen setze.

Und das völlig unabhängig davon, dass fluffige Bisquitschiffchen und cremegefüllte Eischneeplätzchen das exakte Gegenteil dessen sind, was ich im Moment so zu mir nehme.

Zeigt, dass ich, sobald ich irgendwann im „Gewicht halten“-Bereich angekommen sein werde, wie ein Schießhund aufpassen muss, dass ich mit Süßigkeiten Maß halten werde. Andererseits habe ich vor, auch nach der Abnahme beim intermittierenden Fasten zu bleiben und erst ab 13 Uhr etwas zu essen. Weil es mir gut tut, mich konzentrierter und besser gelaunt macht. Was dann bei 1300 Kalorien Grundumsatz und etwa 1800 Kalorien Leistungsumsatz zu rund dem Doppelten, was ich derzeit esse, führt. Und da ist dann selbst mit einer Tafel Schokolade am Tag noch kein Problem in Sicht. Vor allem, wenn ich ansonsten auch weiterhin Low Carb essen werde, weil mir auch das gut tut. Hübschere Haut und so.

Und nein, ich werde nicht jeden Tag eine Tafel Schokolade essen.

Vermasselt

Nicht das Bild. Damit bin ich recht zufrieden. Ich zeichne zu wenig Crinos, um mich wirklich wohl dabei zu fühlen – aber prinzipiell gefällt mir die Zartheit der beiden Monster doch ganz gut.

Meinen Hormonhaushalt. Den habe ich vermasselt. Dank PCO muss ich die Pille nehmen. Und das genau so diszipliniert, als wollte ich damit verhüten. Sonst wächst mir ein zweiter Kopf, ein dritter Arm (ab jetzt wird Ski-Boxing viel besser! Wer diese Referenz begreift, ist mein Held) , ein buschiger Bart oder ich werde zumindest anfällig für Diabetes, worauf ich nun nicht wirklich all zu scharf bin.

Und was habe ich getan? Mitten drin an zwei Tagen die blöde Pille vergessen. Und dann brauche ich gar nicht damit weiterzumachen, da mein Körper, die miese Wurst, sofort in Panik verfallen ist und beschlossen hat, dass ihm der Himmel auf den Kopf fällt.

Was bedeutet: Ich habe meine Tage zwei Wochen zu früh. So richtig schön mit viel mehr Hunger, blöder Laune und Rückenschmerzen. Dankeschön.

Und was für meine Abnahme bedeutet: G´schissen. Denn am meisten nehme ich immer in den letzte beiden Zykluswochen ab. Die zwei Wochen davor sind maximal zäh.

Ich habe mich also glorreich um zwei gute Abnehmwochen gebracht. Hab ich toll gemacht.

Ich bin wirklich die Königin der Selbstsabotage. Obwohl ich dabei normalerweise doch ein wenig subtiler vorgehe.

Naja, es ist passiert. Ich ändere es nicht mehr.

Tröste ich mich damit, dass ich diesen Samstag wirklich ganz dringend neue, kleinere Hosen kaufen muss, da die vor acht Wochen erworbenen sackartig und formlos um meinen Hintern schlackern. Könnte problematisch werden, da meine Oberschenkel nicht genau so gut reduziert haben … aber wird sich schon finden.

Nimm das, PCO. Ich nehme trotzdem ab!