XL

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Die meisten Nerds (ich benutze die Bezeichnungen „Nerd“ und „Geek“ ziemlich austauschbar – im angelsächsischen Raum undenkbar, bei uns reichlich problemlos) jedweden Geschlechts haben ein Faible für ihre eigene Beschriftung. Man hat die diversesten Shirts mit den diversesten Botschaften. Meist ist es Bonding und Abgrenzung über Insiderwitze, manchmal ist es nur Dekoration.

Ich bin da keine Ausnahme. Mittlerweile sind die meisten Bandshirts den Weg der auflösenden Waschmaschine gegangen und es kommt nichts nach, da mich meine Agoraphobie die letzten Jahre recht effektiv von allen Konzerten fern hielt. Aber sonstige nerdige Shirts – die habe ich in großer Zahl. Meistens Star Wars (Star Trek habe ich als Kind geliebt – Captain Picard war ein echtes Vorbild! Aber den Reboot von Jar Jar Abrams konnte ich nicht nachvollziehen. Das wurde mir zu beliebig und uninteressant) und Firefly aber auch Motive der Blood and Ice Cream-Trilogie, diverses Lese-nerdiges oder Spiele.

Jedenfalls genug, um nie in die Verlegenheit zu kommen, nichts anzuziehen zu haben.

Seit Beginn meiner Abnahme ergab sich das Problem, dass ich eigentlich aus allen meinen Shirts herausgeschrumpft bin. Natürlich auch aus allen Hosen – aber an denen hänge ich irgendwie nicht so sehr, auch wenn es mir um die Goth-Hosen leid tut, die ich nicht mehr in kleiner nachkaufen kann, seit vor ein paar Jahren alle Gothbedarfsläden in der Umgebung dichtgemacht haben.

Jedenfalls habe ich nun jede Menge Oberbekleidung, die irgendwie nicht mehr passt. Und weil das schade ist, habe ich beschlossen, zu probieren, ob man T-Shirts nicht auch ein paar Größen zu groß anziehen kann. Dass das mit Hosen nicht geht und unmöglich aussieht, musste ich schon feststellen. Deshalb waren meine Erwartungen an die Hemden dementsprechend gebremst. Ich probierte zunächst einmal aus, mein Jango-Unchained-Shirt (nicht „Django“. Sondern der Mando-Jango) nur zum Sport anzuziehen. Da sieht man eh recht bald völlig zerstört aus, so dass es völlig egal ist, ob man einen Sack trägt oder nicht.

Aber zu meiner Überraschung war das gar nicht mal so furchtbar! Das XL-Shirt hing nun einfach an mir herunter, anstatt auf Hüfte und Hintern aufzuliegen. Und irgendwie fand ich das cool. Genau das hatte ich mir früher immer gewünscht! Ohne dass das Klamottenzeug irgendwo spannt, einfach lockere Sachen anziehen! Ich bin entzückt!

Klar habe ich mittlerweile auch jede Menge kleiner und figurbetonter Nerdshirts (zumindest Qwertee hat erkannt, dass es auch weibliche Kundschaft gibt! Andere Shops vermutlich auch aber ich mag die Iren derzeit am liebsten) – aber jetzt kann ich auch mein „Troop Loops“-Hemd wieder anziehen und damit durch die Gegend wehen.

Eine ziemliche Ironie. Ich muss nichts mehr kaschieren – aber jetzt habe ich die weite Kleidung, die ich zu fetten Zeiten eben dafür gebraucht hätte.

Ich habe nie in Übergrößengeschäften gekauft (in denen es sowieso keine Kleidung mit Indiana-Jones- oder Master Chief-Aufdrucken gibt). Und ein zusätzlicher Ansporn, das Abnehmen zu beginnen, war das über mir schwebende Damenkloschwert, dass ich das eventuell irgendwann hätte tun müssen. Ohne die Partyzelte, die es wohl hauptsächlich in eben diesen Big-is-Beautiful-Läden gibt, war eben nichts mit wirklich weiter Kleidung, hinter der ich mich zu 92-Kilo-Zeiten nur zu gern versteckt hätte.

Und jetzt – jetzt muss ich gar nichts mehr verstecken (oder zumindest kaum noch. Das wird!) und könnte es dennoch, wenn ich wollte.

Ja, das ist schon ein feiner weiterer Ansporn!

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