Das wird nix mehr …

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… zumindest mit mir und dem Kochen und Backen. Ich schaue mir mit großem Entzücken Rezepte an, staune über gut gemachte Foodfotografie (das hatte ich im Studium und weiß deshalb, was das für ein Trara sein kann. Unvergessen, wie Kommilitone F. angefangen hat, Tomatenscheiben zu scannen …) und denke mir oft „Das kriegste auch hin! Das schmeckt bestimmt super!“

Gerade im Feed der Abnehmblogs gibt es da ja die schönsten Low Carb-Rezepte. Und jedes Mal fängt es dann schon bei den Zutaten und der Vorbereitung an. Ich müsste irgend etwas Exotisches bei Amazon bestellen. Ich müsste eine Küchenmaschine oder ein Nudelholz besitzen. Ich müsste eine Mikrowelle haben.

Dann verlässt mich meist schon der Mut und ich kehre zu meinem Standard „Ich kanns kleinschneiden und Joghurt/Quark dranschmeißen – es ist ein Salat!“ oder „Ich kanns braten und Sojasoße drüberkippen“ zurück. Manchmal sogar „Ich kanns in eine Auflaufform schichten und in den Ofen packen“. Das aber eher selten, da sich bei mir immer Unmengen Flüssigkeit im Auflauf sammeln oder die Soße ausflockt und das nicht so großartig ist.

Hin und wieder ziehe ich das Kochen oder Backen eines besonders einfach aussehenden Rezepts aus der Blogosphäre auch durch. Das wird dann generalstabsmäßig eine Woche lange geplant, auch die seltsamsten Zutaten gekauft und ich gehe es grimmig und aufs Höchste entschlossen an. Und ausnahmslos jedes Mal läuft es völlig schief. Fehlt mir irgend ein Gen, das mir sagt, wann welche Backofenhitze richtig ist (denn dass da jeder Backofen anders ist, zeigt mir schon, dass ich bei mir bei Tiefkühlpizzen immer locker die doppelte Zeit nehmen muss). Schaffe ich kein stufenloses Einrühren von irgend etwas. Ist irgend eine Zutat plötzlich klumpig oder verbrannt.

Im schlimmsten Fall schlägt mein Küchen-ADHS zu und ich nutze irgend eine prozessinterne Pause („… dreißig Minuten gehen lassen“), um wegzugehen, etwas anderes anzufangen und nach der dritten Folge Star Trek ist es dann auch egal, ob ich alles unter stetigem Rühren in den Ausguss schütte.

Also dann doch meine Minimalküche.

Nicht, dass ich damit unglücklich wäre. Ich bleibe im Rahmen meiner begrenzten Möglichkeiten. Ich habe es versucht und es hat mehrfach und mit Vehemenz nicht funktioniert. Ich muss lernen, damit klar zu kommen, dass hausfrauliche Versiertheit nicht das ist, womit ich punkten kann. Es ist nicht attraktiv (eher ein Fall für das Blog mit der schlimmsten Foodfotografie der Welt – unbedingt ansehen) aber ich werde satt.

Mittlerweile habe ich auch bestimmte feststehende Module, die ich einfach miteinander kombiniere und dann kann man´s essen. Wobei „man“ immer nur „ich“ bedeutet. Dem Freundeskreis mute ich maximal Kichererbsen- oder Couscoussalat zu.

Vom Backen will ich gar nicht reden. Zu meiner Verwunderung habe ich es geschaft, ein Plätzchenrezept für Betrunkene nachzubacken und es ist sogar etwas geworden. Und es wurde noch besser, als ich es mit Erdnussbutter gefüllt habe. Hat zwar ungefähr tausend Kalorien pro Keks – aber totally worth it! das ist aber auch das Einzige, das jemals funktioniert hat. Selbst mit meinen Baklava könnte man Schlaglöcher in besonders stark befahrenen Autobahnen stopfen.

Ich behaupte immer, dass jeder, der bereit ist, eine Stunde pro Tag zu üben, auch Zeichnen lernen kann. Es Talent mithin nicht gäbe.

Irgendwie fürchte ich, dass mein grausames Küchenunwesen der Beweis ist, dass ich damit grundfalsch liege.

Egal. „Hauptsache Fressen!“, wie oben erwähnter Kommilitone F. bei einem Seminar zu Corporate Design als Slogan eines Fastfood-Restaurants vorschlug.

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3 Kommentare

  1. Der Beitrag ist herrlich geschrieben, danke dafür! Kochen ist, in der Tat, reine Übungssache, wie dein Beispiel vom Zeichnen. Nur fängt man ja beim Zeichnen auch nicht mit Potraitbildern an, sondern mit Strichmännchen oder Wolken. Beim Kochen ist es ähnlich, ohne Basics bekommste die ganzen Foodpornösen Rezepte im Netz nicht hin. Dabei kann LC doch auch einfach sein: Stück Fleisch /Fisch/Käse + Gemüse. Und das Anrichten kann man ja auch üben;)

    Die Wren

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    1. Ja, Gemüse kann ich fast unfallfrei braten und manchmal auch kochen! 🙂 Aber schon solche Sachen wie Eischnee aufschlagen und dann Zucker einrühren oder eben Aufläufe ohne eine flockige Unterwasserwelt sind mir ein Rätsel. Trotz völlig fettfreier Rührschüssel. Einmal im Leben Macarons herstellen! Das wär´s. 😀

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