Kapazitätsüberschreitung

Unbenannt-1

Was war das gestern für ein großartiger Nachmittag und Abend!

Das Picknick stand seit einer Woche fest, es wurde gespannt dem Wetterbericht gefolgt (der einzige, dem ich seit Kindheit glaube – der landwirtschaftliche Wetterdienst. Als ich klein war, gab´s den nur per Telefon) und dann wurde sich vorbereitet. Die Waldnymphe hatte das Thema „englisches Picknick“ ausgerufen (da sind wir sehr affin. Von dort angesiedelten P&P-Runden bis zu Downton Abbey) und dementsprechend sowohl möglichst unaufregende Gurkensandwiches mit Crisps und Clubsandwiches gebaut, als auch Tonic Water und Gurke eingepackt – um ihren Gin damit passend zu Gin and Tonic veredeln zu können (sie hatte für diese Gelegenheit diesen hier aus ihrem Cabinet gezaubert).

Was fehlte war Cidre. Dabei gehört der doch zu einem Picknick! War nicht aufzutreiben in der Kürze der Zeit. Lange Gesichter bei den beiden Freunden des elegant vergorenen Apfels.

Auftritt: ich. Nicht-Alkohol-Trinkerin und dementsprechend ahnungslos. Ich wanderte am Morgen über den Markt, um noch ein wenig Gemüse für die Woche und das Süßgebäck für das Picknick zu besorgen. Als ich an einem Apfelstand vorbeikam.

Äpfel. Alles aus Äpfeln. Apfelgelee. Apfelhonig. Und zwei Kanister. Einer mit Apfelsaft und einer mit … Apfelwein! Ist Apfelwein nicht Cidre? Cider, Cidre, Apfelwein – kann doch nur das selbe sein. Man vergärt die Früchte und gut. Ich fragte trotzdem vorher die Verkäuferin, die es aber auch nicht wusste. Dann fragte ich das Internetz (wozu hat man das Telefon dabei! … außer zum Pokémonfangen …) und dort schrie man sich hauptsächlich an, dass das alles nur verschiedene Namen für die selbe Sache wären.

Ich glaubte also der Schwarmintelligenz (das hätte ich wirklich besser wissen müssen) und kaufte einen Liter Apfelwein im Kanister.

Womit wir dann schönsten Ebbelwoi hatten aber keinen Cidre. Mist.

Daraus gelernt: Versuche nicht, als Mensch, der Alkohol generell nicht lecker findet, für Andere vergorene Dinge zu kaufen. Das wird nix.

Aber das war nur ein minor setback. Um vier Uhr war ich bei der Waldnymphe, der Erklärfaun kam wenig später und ab ging´s in den Luisenpark.

Das Wetter war glänzend, wir hatten uns ein ideal-schattiges Plätzchen gesucht, konnten aus erster Reihe zwei Hochzeitsgesellschaften beobachten, bekamen von einem Storch Besuch, der bis auf einen Meter an uns heranstelzte, die offerierte Gurkenscheibe verschmähte und lieber ein Bröckchen Brot entgegennahm und hatten einen wundervollen Nachmittag.

Ich lebe gern in dieser Zeit und an diesem Ort. An dem man nicht angeglotzt wird, wenn man seine Freundin küsst. An dem diese Freundin dann ihren Freund küssen kann. In der Öffentlichkeit und unbelästigt. Nicht einmal die neben uns lagernde amerikanische Großfamilie reagierte negativ.

Natürlich ist es trotzdem noch ein langer Weg. G. und M. durften zum Beispiel nicht „richtig“ heiraten. Sie dürfen kein Kind adoptieren. Das ist der größte Scheiß, da M. immerhin Kindergärtner ist und beide das liebevollste Elternpaar wären, das ich mir vorstellen kann. Sie sind grundbürgerlich (die wählen sogar grün, verdammt! Wie viel wertkonservativer kann man noch werden?), haben beide feste, solide Jobs, jetzt sogar ein Haus mit Garten … was wollen die Leute eigentlich noch? Muss sich einer der beiden eine Vagina wachsen lassen, um seine moralische Festigung zu unterstreichen? Das ist so absurd, dass einem die Worte fehlen.

Aber trotzdem sind dies bessere Zeiten für queeres Leben als je zuvor. Und ich hoffe sehr, dieser ganze rechte Backlash der letzten Jahre, diese dumpfe, braune Soße, die da um´s Abendland besorgt über uns hereinschwappt und die Fünfziger zurücksehnt, als weder „der Moslem“ noch „der Homo“ in Deutschland zu sehen waren, um „ihre Kultur“ dem braven Volk auf´s Auge zu drücken (die Aufregung darüber, wie man es wagen kann, Heteros mit dem CSD „zu diskriminieren“ braucht mehr als eine Picard Facepalm), sich wieder unter ihren Stein zurückzieht und dort verbleibt.

Egal. Jedenfalls war der Nachmittag wunderschön. Wir haben es alle ein wenig übertrieben. Jeder von uns macht 80/20 Low Carb (ich noch am laxesten) und Samstag ist unser Kohlenhydrate-Refeed- und in meinem Fall (da ich schließlich noch abnehme) auch der Cheatday. Ein wenig übertrieben. Ja.

Himmel, habe ich mich überfressen! Mir ist heute morgen noch ein wenig übel. Obwohl die Waage immer noch 71,5 Kilo anzeigt, wie die drei Tage zuvor auch. Vermutlich schlagen die Kohlenhydrate erst morgen zu. Was sie immerhin schon geschafft haben, ist mir über Nacht einen Pickel zu zaubern. Hmpf. Nun ja, den Preis zahle ich gern für drei Blätterteigteile, ein Gurkensandwich, zwei Scheiben eines Lachs-Frischkäse-Brötchens und eine Handvoll Chips. Plus ein Glas Tonicwater. Das hatte ich vorher noch nie getrunken. War lecker.

Und die Sache mit dem Gin and Tonic geriet auch einen Tick außer Kontrolle. Da die Waldnymphe mich einschenken ließ und ich naiverweise ein 1:1-Mischungsverhältnis annahm. Woher soll ich das mit „zwei Finger breit“ auch wissen!

Jedenfalls war sie dann gegen etwa zwanzig Uhr schon sehr fröhlich. Um halb neun packten wir zusammen und – da der Park 24 Stunden offen hat – spazierten noch durch die milde Abendluft. Manchmal anhaltend, um dem betrunkenen Teil unserer Beziehungskonstellation Zeit zu geben, sich auf einer Bank wieder zu orientieren.

Nach einem amüsanten kleinen Zwischenfall mit einem im Park stattfindenden Familienfest (lange Geschichte, die sich auf „Gin and Tonic“ kürzen lässt), wanderten wir zurück zum Auto und beendeten um zehn Uhr dieses wundervolle Unternehmen.

Meine Nacht war dann auf Grund des überfüllten Magens etwas unruhig, weshalb ich auch jetzt schon wieder auf den Beinen bin. Aber – hey … das war es wert! Sowas von!

Der Nerdcontent für heute ist, dass der Erklärfaun und ich uns ein wenig auf Ars Magica als Nachfolgersystem unserer im nächsten halben Jahr erst einmal auslaufenden Werewolf-Runde (nicht wegen mir! Ich könnte das noch ewig spielen. Aber Meisterperson braucht ein wenig Kreativitätspause) eingeschossen haben. Ob das etwas wird ist allerdings fraglich. Bei mir ist es über zehn Jahre her, dass ich das System überhaupt angefasst habe. Und auf Grund der hohen Vorbereitungskosten ist es auch nicht wirklich so casualfreundlich wie World of Darkness. Mal sehen – vielleicht bekommen wir K. ja davon überzeugt und bauen uns unseren Konvent mit allen Schikanen!

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