Gemischtes Gedöhns

Momentan bin ich in einer eher unproduktiven Wurschtelphase. Ich fange Dinge an, bastle daran herum und verliere wieder die Lust. Ich bin reichlich unkonzentriert und verzettle mich – gut daran zu beobachten, dass ich für eine Seite Text in meiner derzeitigen World of Darkness-Story einen ganzen Abend gebraucht habe (ein Drittel meines normalen Output), weil ich alle fünf Minuten Kleinigkeiten im Internet nachgelesen habe. Das Gewicht eines Achtzehnpfünders. Den Tiefgang einer Sloop und einer Brigantine. Die Beflaggung von englischen Kolonialforts … Und man kommt dann ja auch von Hölzken auf Stöcksken. Bemerkt am Ende kein Mensch außer mir. Ist mir aber wichtig. Eventuell wäre es ja noch verständlich, wenn ich das Zeug irgendwo hochladen würde. Aber es bleibt im engsten Freundeskreis. Trotzdem. Muss alles seine Ordnung haben. Sorgt jedoch dafür, dass ich in keinen Fluss komme.

Aber auch sonst ist es ja nicht anders. Ich habe etliche angefangene Illustrationen, die nicht fertig werden. Sitzt man mir nicht mit der „Broterwerb!“-Keule im Nacken, hänge ich nur im Internet herum, lache über Videos ohne Musik (das ist wirklich, wirklich lustig!) und bin generell eher müde.

Verzettelei auch beim Lesen. Ich habe für mich die Regel, nur ein Buch im Monat zu kaufen. Das ist zwar seit der Ebooksache keine Frage des Platzes mehr (ich mag es, immer weniger Bücher im Regal stehen zu haben! Raum und Leere sind meine Freunde), aber wenn ich zehn Bücher anfange, dauert es wieder ewig, bis alle fertig sind und ich nehme weniger intensiv etwas mit, als wenn ich mich konzentriere. Diesen Monat gab´s ein Sachbuch zur Varusschlacht. Deutlich besser, als ich zunächst dachte und ich habe viel Freude daran. Viel mehr Informationen als das letzte, das ich zu diesem Thema gelesen habe.

Ich bin also eine glückliche Gelegenheitsleserin (früher wäre es mindestens ein Buch pro Woche gewesen – aber Zocken und andere Hobbies haben das Lesen irgendwie ein wenig verdrängt). Und trotzdem habe ich mir gestern spontan Matt Ruffs „Sewer – Gas – Electric“ gekauft. Erstens weil ich es schon sehr lange nicht mehr gelesen habe und Matt Ruff liebe, seit ich vor über zehn Jahren „Fool on the Hill“ geschenkt bekam und zweitens weil mein neuer Kindle Fire zu Impulskäufen verführt. Der Sony-Reader war da freundlicher weil aufwändiger in der Bestückung. Beim Fire braucht es eine WLAN-Verbindung (hat man zu Hause und auf der Arbeit ja ständig) und zwei Klicks, dann ist das neue Buch gekauft und geladen. Das muss ich in den Griff bekommen. Geht ja nicht an, keinerlei Impulskontrolle mehr zu haben, nur weil so viele Bücher so bequem zur Verfügung stehen …

Und sonst? Habe ich wieder einmal gelernt, dass ich in sich abgeschlossene ideologische Systeme sehr gruselig finde. Aktuelles Beispiel: Die Fatacceptance-Leute. Beängstigend, wie sehr Status dort vom Verharren in der Opferrolle abhängt und wie sich die Führungsrollen eine Deutungshoheit sondergleichen geben, die anscheinend auch recht fraglos akzeptiert wird (Quelle: Robin). Ich bin wirklich froh, dass ich die Kurve bekommen habe, bevor ich dieser Bewegung auf den Leim gegangen bin. Gut, ich wäre dort wohl nicht sehr alt geworden, da Selbstverantwortung bei mir ein wirklich, wirklich zentraler Grundsatz ist. Aber sicher kann man nicht sein, ob man nicht doch der Rhetorik zum Opfer gefallen wäre. Ich sehe es auch sehr stark an meinem tumblr-Dashboard. Wie sich Schnittmengen bilden. Und wie vereinnahmt wird. Irgendwie schaffen sie (die FA-Leute) es, sich als gefährdeter zu gerieren als eine schwarze Transfrau auf einer White-Pride-Parade. Jeder will ihnen ans Leder, es gibt nicht genug überbreite Sitze im Flugzeug und nicht jedermann findet sie sexy. Menschenrecht auf Scooter im Supermarkt und keine Kleidung in kleinen Größen, weil dieser Anblick „traumatisiert“. Und am Ende ist man dann keine Feministin mehr, weil man abnimmt. Das ist dann der Punkt, an dem bei mir das Verständnis aufhört und ich das WTFBBQ-Gesicht aufsetze. Ja, ich verkürze auf unzulässige Weise und mache Witze über real existierendes Leid. Aber das mag daran liegen, dass Dicke im Gegensatz zu LGTBQ-Personen noch nicht durch bloße Existenz in ausgewählt bekloppten Ländern mit der Todesstrafe rechnen können. Und da es offenbar keine Möglichkeit gibt, mit so stark Verbitterten in Dialog zu treten, lasse ich es ab jetzt einfach. Noli tangere und so.

Zuletzt noch eine Schnapsidee, die sich gerade in meinem Hirn ausbreitet. Ich werde sie noch nicht konkretisieren, damit ich mich nicht zu früh selbst unter Druck setze … aber ich habe langsam die Möglichkeit dazu – warum sollte ich es nicht ausprobieren? Wenn es mir keinen Spaß macht, lasse ich es wieder. Weshalb ich es auch noch nicht öffentlich mache. Niemandem sage. Sonst sind Leute enttäuscht, falls ich wieder hinwerfe.
Da es genau so sein kann, dass auch das wieder nur ein Symptom der derzeitigen Verzettelung ist, wäre es sowieso verfrüht, etwas zu sagen. Also – Geduld.

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