Vorankommen

John and Zachary 3

Von gestern auf heute sind 900 Gramm Wasser gegangen – ich bin also bei 68,4 Kilo. Nur noch 400 Gramm über dem Sollgewicht für diese Woche. Fast. Denn eigentlich sollte ich diese Woche ja dann die 67,x sehen. Aber darauf fixiere ich mich mal nicht.

Ich habe eine zunehmend entspannte Haltung zum Abnehmen. Was mit Sicherheit daran liegt, dass ich mich dem Ziel nähere. Und daran, dass die Ernährungsumstellung immer mehr in Fleisch und Blut übergegangen ist. Es ist normal geworden, dass der Kühlschrankinhalt zu 90% aus frischem Gemüse besteht. Dass ich immer genug Eier und Quark im Haus habe. Dass man Sriracha an alles packen kann (das hat nicht wirklich etwas mit Diät zu tun).

Mir gefällt, wie stark sich mein Horizont in ernährungstechnischer Hinsicht durch diese Abnahme erweitert hat. Ich probiere neue Dinge aus, lerne neue Lebensmittel schätzen (Hokkaidokürbis! Früher einmal im Jahr bei G. und M. als Suppe, heute jede Woche als Gemüse!) und addiere nach und nach neue Klassiker zu meinem Kochrepertoire. Ich bin immer noch nicht und werde auch nie ein Küchenprofi. Immer noch neige ich dazu, mich für ein paar Wochen oder Monate auf drei, vier Gerichte einzuschießen und diese so lange immer wieder zu kochen, bis ich entweder die Nase voll davon habe, die Zutaten völlig aus der Saison sind oder ein neues „Uuuh, Shiny“ eins davon verdrängt. Aber wenigstens sind es immer neue Gerichte! Derzeit – wie gesagt – Ofenkürbis (mit Paprika und Tomaten dazu). Und Eiersalat mit Paprika, Gurke, Avocado und manchmal ein wenig Feta. Und Shiratakibratnudeln mit Gemüse und Ei (ich bin noch auf der Suche nach gutem, ungewürztem Tofuhack. Das vom Aldi ist grässlich). Gelegentlich auch Spiegeleier mit gebratenem Gemüse.

Wie man sieht – nicht eben Sterneküche. Aber mir schmeckt das. Und ist dank der saisonal günstigen Kürbispreise auch eine immens preiswerte Sache. Ein Kürbis ergibt zwei Mahlzeiten und kostet um die einsfuffzich bis zwei Euro.

Generell gebe ich seit ich abnehme aber paradoxerweise mehr Geld pro Woche für Lebensmittel aus. Das liegt an dem vielen frischen Zeug und dem Fehlen von günstigen Kohlenhydrate-Füllern wie Nudeln und Reis. Das ist es mir aber schon wert. Mir tut die gesündere Ernährung gut – nicht nur durch das geringere Gewicht sondern auch durch klarere Haut und tieferen Schlaf.

Das ist das wirklich Erstaunliche – dass ich es geschafft habe, eine positive Wende in meinem Leben ganz aus mir selbst heraus anzustoßen. Sicher … wenn man es genau betrachtet ist es vermutlich auch nur eine Folge der anschlagenden Therapie. Aber ich möchte es mir trotzdem auf die Fahne schreiben. Denn niemand hat mir gesagt, dass ich abnehmen soll. Ich hatte deswegen keinerlei äußeren Druck. Es war eine Entscheidung aus mir. Und nur aus mir. Ich möchte stolz darauf sein.

Und alles Diäten der Welt hindert mich nicht daran, am Samstag wieder auf dem französischen Backwarenstand einzufallen. Dort sechs Macarons und zwei (oder drei, falls der Erklärfaun auch da ist) Eclairs zu kaufen und diese mittags mit der Waldnymphe zu verzehren. Denn auch wenn das Abnehmen natürlich hier im Blog derzeit das 90%-Thema ist, hat es im „normalen Leben“ keinen so breiten Raum. Es passiert. Es ist kein Statement und keine Religion. Es ist einfach Teil meines derzeitigen Lebens. Und Samstags sind eben Süßigkeiten und andere fettige Dinge Teil meines Lebens.
Dieses Wochenende wird das letzte ohne Termine für längere Zeit. Noch einmal nur auf der Couch lungern, spazieren gehen, sich Geschichten erzählen … bevor einen der Freizeitstress und die sozialen Events einholen und man von jedem Wochenende wieder nur die Hälfte hat.

Das klingt jetzt sehr negativ – aber für introvertierte Menschen ist es wirklich problematisch, wenn zu viel los ist. Klar, ich liebe meine Freunde. Will mit ihnen Essen gehen, auf ihre Parties und mit ihnen spielen. Aber der Herbst ist in meinem Job immer sehr anstrengend und eigentlich benötige ich zwei Tage Wochenende so allein wie nur möglich, um mich wieder aufzuladen.

Aber egal. Das ist ein elendes Luxusproblem! Denn ich bin froh, Freunde zu haben. Froh, eine Beziehung zu haben. Froh, dass es Leute gibt, die mich gern um sich haben. Und der Winter wird noch lang genug. Mit herrlich dunklen, stillen Abenden, an denen ich meditativ in Second Life herumhänge, mir neue Welten ansehe (nachdem ich K. das neueste Bild abgeliefert habe, wird der Kauf von Star Citizen sehr günstig) und auf dem Sofa unter einem Deckenhaufen Serien anschaue.

Rückschwenk zur Abnahme: Für eben diesen schönen, dunklen, regnerischen Winter fehlt es mir nun langsam doch sehr an Klamotten. Ich passe zwar wieder in Lederhose und Ledermantel – aber das ist definitiv keine Alltagskleidung. Schon wieder sind mir die Hosen zu groß und in meinen Jacken kann ich versinken. Und auch in Sachen Langarmshirts und Hoodies sieht es mau aus.

Was trotzdem nicht bedeutet, dass ich damit aufhören werde, mein Gewicht zu reduzieren. Auch wenn ich diese Woche das ominöse „Jetzt ist aber mal gut mit Abnehmen!“ das erste Mal konkret gehört habe.

Nope, nicht genug. Bin ja noch nicht einmal normalgewichtig. Und auch dann werde ich nicht aufhören – denn Idealgewicht ist machbar.

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