Weiterschwimmen

Orakel

Beruflich bleibt es anstrengend. Ich bin ein wenig verstimmt, da ich „für das Team“ deutlich mehr tue, als ich müsste, damit anderer Leute Fehler ausbügle und am Ende wird das als selbstverständlich betrachtet. Meine anerzogene Arbeitsethik geht mir auf den Senkel. Aber ich kann es nicht abstellen. Kollegin C. macht es richtig – alles erst einmal liegen lassen bis einer schreit. So sortiert sich von alleine das Wichtige vom Unwichtigen. Aber ich habe immer diese irrationale Angst, nicht zu genügen und tue deshalb immer mehr und mehr. Scheißspiel.

Wenigstens an anderen Fronten geht es voran statt im Hamsterrad herum. Ich bin von gestern auf heute 700 Gramm Wasser losgeworden und damit nur noch 100 Gramm über meinem Tiefststand. Hoffentlich setzt sich dieser Trend fort. Noch drei Kilo bis Normalgewicht … Das Einhörnchen ist schon fast greifbar!

Und hobbymäßig habe ich auch viel Freude. Im Moment am kreativen Basteln und Werkeln in Second Life. Durch das RP inspiriert (und auch notwendigerweise – denn irgendwo muss man ja spielen!) baue ich immer neue Settings. Einen zerstörten Caern, den Feenhof von König Oberon, die surreale D/s-Spiellandschaft eines Vampirs, ein Gefängnis in einem gammeligen Lagerhaus … Es macht mir wirklich Spaß. Second Life ist auch nach zehn Jahren noch das weitaus kreativste Sandbox-Spiel. Man hat alle Freiheiten der Welt, nichts ist festgelegt. Das ist natürlich auch der Pferdefuß. Vielen Spielern fehlt die Fantasie, mit der völligen Freiheit etwas anfangen zu können und sie langweilen sich, wenn ihnen kein vorgefertigtes Programm geboten wird. Aber wer Spaß daran hat, sein Spielzeug und Setting selbst zu erschaffen, wird dort so glücklich wie nirgendwo sonst.
Sicher – möchte ich Theme Park-Bespaßung und Dinge verdreschen wandere ich auch zu den „richtigen“ MMORPGs, die können das, da liegt deren Kernkompetenz. Aber für stimmungsvolles RP, tiefes Eintauchen in fremdartige Welten und absolute Selbstbestimmung kehre ich doch immer wieder nach SL zurück.

Ansonsten verliebe ich mich immer mehr in meinen Kindle. Das Ding verführt mich zwar dazu, ständig Bücher zu kaufen, die ich „bald“ mal lesen möchte – aber da diese Stapel im Gegensatz zu ihren Holzmedienverwandten nicht meine Wohnzimmerregale vollstellen, kann ich mit den paar MB auf der Speicherkarte wunderbar leben. Seltsam, diesen stetigen Kaufimpuls hatte ich mit dem Sonyreader nicht. Auch der ist recht gut bestückt – aber er war nie so mein stetiger Begleiter wie der Kindle. Das mag auch daran liegen, dass Letzterer gut darin ist, Musik zu horten (Layoutarbeiten sind erträglicher, wenn aus den Knöpfen im Ohr Primo Victoria schreit). Und Serien. Und nebenher noch als Tablet-PC fungiert und mich in langweiligen Wartezimmern Reddit browsen lässt (sofern WLAN vorhanden ist). Eine größere und komfortablere Version meines Telefons eben.

Aber eigentlich sollten all´ diese Erklärungen dazu führen, dass ich uuuunbedingt das Buch „Young Skins“ von Colin Barrett empfehlen möchte. Eine lose über manche Protagonisten und Orte verbundene Kurzgeschichtensammlung. Ich bin sehr davon gefangen, da ich einfach nicht fassen kann, wie dort die Trostlosigkeit auf ganz leichten Füßen daherkommt. Wirklich großartig. Man wünscht sich, dass die Geschichten mehr zeigen. Und noch mehr. Und will ein Happy End. Aber braucht überhaupt keines, weil alles so ist, wie es nunmal ist. Das Setting ist das kleinstädtische Irland – aber irgendwie ist es schon genuin mittel/westeuropäisch. Nicht besonders fremd, wenn man selbst in solch einer kleinen Stadt aufgewachsen ist. Natürlich lernt man wieder jede Menge Slangausdrücke. Aber wer Garth Ennis´ Hellblazer-Comics gelesen hat, kommt auch damit klar, ohne an seinem Dictionary zu verzweifeln. Das Ganze gibt es auch in deutscher Übersetzung („Junge Wölfe“). Ich muss mehr von diesem Autor lesen.

Zum Glück ist die Woche bald vorbei. Ich zähle die Tage bis zum 14. Oktober – dem definitiv letzten Abgabetag für alle Projekte. Danach kann man mich in der Pfeife rauchen … aber ich habe es hinter mir. Zumindest bis die Redaktion Fahrt aufnimmt und die nächsten Spiele anrauschen. Nicht falsch verstehen – ich liebe meinen Job! Direkt nach dem Studium hatte ich Angebote aus Werbeagenturen oder die Möglichkeit für die Uni Heidelberg wissenschaftliche Illustrationen in Vollzeit anzufertigen. Entschieden habe ich mich dann aber für die Arbeit in einem Spieleverlag. Lieber das halbe Gehalt der Waldnymphe (vom Programmierersalär von K. und Voller Napf mal gar nicht zu reden!) aber dafür nicht in einer Agentur versauern. Die berühmten dramatisch ausgeleuchteten Zahnpastatuben hätten mich auf mittlere Sicht fertig gemacht. Dem Tumore zeichnen an der Uni trauere ich gelegentlich nach – aber generell gefällt mir mein Job schon sehr.
Was ihn nicht davon abhält, regelmäßig sehr, sehr anstrengend zu werden. Wenn Deadlines vorverlegt werden. Und Redakteure dann wie die Minions herumrennen, gegeneinanderprallen und schreien und ich in drei Tagen die Arbeit einer Woche machen darf. Passiert. Hört auch wieder auf. Metal aufs Ohr und stur durch!

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