Kleidergrößen

Isar´s long way into the Umbra, part 2
Ich muss gleich los um mir noch ein Paar Hosen und einen Pullover zu kaufen. Weil nur anderthalb noch nicht sackartig schlotternde Hosen nicht reichen.

Die Waage sagt heute morgen glatt 67 Kilo, was ganz nett ist, ich aber nur als temporär betrachte, da wir heute Abend auf eine Party gehen und ich vom Einkaufen auch Baklava mitbringen werde. Ist halt so, macht mich nicht wild. („Party“ ist ein großes Wort für vielleicht zehn Leute, die mit G. und M. ihre neue schwule Bürgerlichkeit im Eigenheim zelebrieren.)

Gestern habe ich in die 38er Jacke meiner zwergengroßen Mutter gepasst. Nicht nur gepasst. Saß locker. Und diese Jacke kam mir auch deutlich weiter vor als meine 40er Lederjacke. Gut, liegt wohl am Schnitt, da ich meine Jacken ja schon immer eher auf Figur sitzend mochte. Aber komisch ist es schon. Die 38er Jacke ist zehn Jahre alt. Aber früher waren Klamotten doch tendenziell eher kleiner ausgeschildert, so größenmäßig. Oder nicht?

Auf jeden Fall ein Argument dafür, jedes neue Kleidungsstück vor dem Kauf anzuprobieren. Völlig egal, ob einem das selbe Ding vor einem halben Jahr im gleichen Geschäft wie angegossen gepasst hat.

Außerdem weiß ich von Frau Schwan (die immerhin ein Fachgeschäft für etwas exotischere Bekleidung hat und es deshalb wissen muss), dass manche Hersteller auch „L“-Etiketten in „M“-Klamotten nähen, wenn die „M“-Etiketten gerade aus sind. Oder umgekehrt. Macht sicher nicht jeder. Aber gibt es.

Also – vorher anziehen ist wichtig.

Außerdem wieder: Lob von der Vatereinheit zur Abnahme. Die Versicherung, stolz auf mich zu sein. Und wieder Unfähigkeit meinerseits, souverän damit umzugehen.

Ich wünschte, mein Vater wäre zu meinen Teenagerzeiten fähig gewesen, gelegentlich Stolz auf irgend etwas, das ich getan oder geleistet habe, auszudrücken. Hätte mein Leben eventuell etwas ruhiger verlaufen lassen.

Aber ich sage mir, dass er, als ich Teenager war, so alt war wie ich jetzt. Und ich kämpfe gerade erst meine Ängste und die Depression nieder. Vielleicht war es bei ihm ähnlich? Und in seiner Generation suchte man sich dabei keine Hilfe, sondern ließ die Aggression und Angst eben an der Umgebung aus.

Er war also genau so Opfer wie ich. Nur, dass er ganz allein aus der grauen Ebene musste. Und in diesem Licht hätte es definitiv schlimmer kommen können.

Von daher – Hut ab für meinen Vater und Arbeiten an mir, dass ich es schaffe, seine jetzige Freundlichkeit und Zugewandtheit annehmen zu können.

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