Buchmesse

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Der Security-Check. Gelassenheit allüberall.

Als übliche Serviceleistung meines Gewichts-Verlust-Tagebuchs natürlich die Werte: Seit zwei Tagen wieder 66,6 Kilo. Ach, ich weiß einfach nicht. Wird schon. Irgendwann.

Aber dieser Post soll Abnehmthemen natürlich maximal am Rande streifen. Denn heute geht es um meinen Besuch auf der Buchmesse.

Freiwillig wäre ich zugegebenermaßen nicht hingegangen. Ich war vor Jahren schon einmal und das hat gereicht. Ich lese gern – aber ich informiere mich lieber abseits großer Menschenmassen über Dinge. Doch dieses Jahr hatte unser Prokurist beschlossen, dass Redakteur B. und ich auf eine Mission geschickt werden sollten: Gehet hin und suchet im Heuhaufen die Nadel! Findet neue Talente, auf dass wir sie unserem Illustratorenpool hinzufügen mögen.

Und das taten wir.

Um 8.23 sollte unsere S-Bahn fahren. Als ich am Bahnsteig ankam, durchsagte es gerade, dass eben diese S-Bahn ausfallen würde. Aus Gründen. Nicht genannten Gründen aber bestimmt mächtig valide. Machte aber nichts, da die Bahn, die um 8.08 Uhr fahren sollte so viel Verspätung hatte, dass wir dort bequem um 8.20 Uhr einsteigen konnten.

Kurz vor Offenbach auf offener Strecke. Signalstörung. Bahn hält an. Fährt zum Glück nach ein paar Minuten weiter. Um dann knapp nach Erreichen der Frankfurter Stadtgrenze in einer der ersten unterirdischen Stationen endgültig die Weiterreise zu verweigern. Rettungseinsatz voraus.

Wir stiegen im Rudel mit etwa dreißig anderen, langsam sehr resigniert-genervten Mitfahrgästen aus. Natürlich war kein Taxi zu bekommen. Messezeit. Also ab in die Straßenbahn. Zusammen mit den anderen Gestrandeten ergab das ein sehr kuscheliges Sardinenfeeling. Reichlich unbequem aber zum Glück nach einer Station schon zu Ende … weil die Straßenbahn nicht weiterkonnte. Baustelle.

Ganz im Sinne unseren Berufes blieben wir gut gelaunt – wenn es auch für Mister X geradezu lächerlich einfach gewesen wäre, uns in diesem Live-Scotland-Yard-Spiel zu entkommen.

Wir liefen zur nächsten Bushaltestelle und tatsächlich fuhr uns diese Kutsche nicht nur völlig problemfrei bis zur Konstablerwache (oder war es der Hauptbahnhof? Ich habe irgendwann den Überblick gründlich verloren), sondern wir konnten von dort aus auch ebenso reibungslos eine S-Bahn bis zur Messe nehmen.

64 Euro für ein Fachbesucher-Tagesticket. Auf anderen Veranstaltungen erhält man für derartig teuren Eintritt wenigstens noch ein Goodiebag. Hier nicht – aber man durfte glücklich sein, kein Business-Dauerticket für über tausend Flocken kaufen zu müssen, das war auch schon etwas wert. An den nicht-Fachbesucher-Tagen ist es dann deutlich billiger. Aber da die Firma zahlte, mussten wir keine Organe verkaufen, um auf die Messe zu kommen.

Es gab einen Securitycheck aber die Dame mit den Plastikhandschuhen interessierte sich nicht einmal für meine Trinkflasche, so dass das Bedrohungslevel wohl doch eher niedrig anzusetzen war. Naja, mit Gastland Flandern verbindet man auch eher weniger politische Brisanz.

Und dann waren wir auf der Messe. Strebten eifrig dem Illustratoren-Corner zu, sammelten sechs Namen und waren damit nach etwas über zehn Minuten eigentlich durch. Das kam uns ein wenig mager vor, weshalb wir dann pflichtbewusst die komplette Kinderbuch/Gedöhns-Halle durchkämmten, zumindest noch ein Buch fanden, dessen Illustratoren wir recherchieren wollten und schließlich landeten wir auf dem Freigelände, damit B. einen Kaffee bekam. Ich aß einen meiner Eiweißriegel (großartiges Zeug! Hat mich mit Energie für den ganzen Tag versorgt!) und wir lauschten einer Horde Indonesier, die (richtig gut) so etwas wie Kehlkopfgesang mit E-Bass-Begleitung darboten.

Im Anschluss an diesen kulturellen Kleinhöhepunkt wanderten wir noch durch die Fiction/Non-Fiction-Halle, B. stellte mich dem Redaktionsleiter von Ravensburger vor (in der Branche kennt jeder jeden), den wir zufällig trafen und schließlich besichtigten wir noch die Kunstbuch-Halle. Deren unzweifelhaftes Highlight das Bild eines Huhnes mit Frauenkopf und –füßen war.

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Das Huhn.

Und dann fiel uns wirklich nichts mehr ein, was wir noch hätten ansehen können, das beruflich von Nutzen hätte sein können. Ich erwarb am Titanic-Stand eine „Wurst für die Welt“-Postkarte, die ich der Waldnymphe mitbringen möchte und damit war auch das private Vergnügen abgefrühstückt.

Also beschlossen wir, zum Verlag zurück zu kehren.

Zu unserer immensen Überraschung verlief die Rückreise völlig problemfrei. Einmal umsteigen, drei Minuten Wartezeit … sonst nichts!

Redakteur B. ging nach Hause, da er eigentlich Urlaub hat, und ich berichtete den Kollegen in der Grafik von den Ereignissen der Quest. Da mich die Menschenmassen aber derart geschlaucht hatten, dass an strukturierte Arbeit nicht zu denken war, ließ ich um drei den Griffel fallen und machte Feierabend.

Als Fazit kann ich sagen: Ei mit Maggi. Nett, aber brauch´ ich so schnell nicht wieder. Da sind unsere normalen Branchenmessen (Essen und Nürnberg) doch ergiebiger.

Faszinierend, dass das Thema E-Book praktisch nicht existent war. Das sind 25% des Umsatzes, den die Branche auf ihrer Hauptmesse zu ignorieren scheint. Die 25% habe ich vor ein paar Tagen gehört und nicht nachgeprüft, kann also auch völlig anders liegen. Aber in meinem direkten Umfeld liest eigentlich jeder fast nur noch E-Books.

Statt dessen gab es latente Technikfeindlichkeit mit Taschenaufdrucken wie „Twitter ist nicht Bertolt Brecht“. Ja, in der Tat. Das eine ist eine Social Media Plattform, das andere ist ein toter Schriftsteller. Auch ich erkenne den Unterschied. Oder habe ich hier einen Witz missverstanden?

Endergebnis im Abnehm-Sinne: Laut B.s Uhr 9 Kilometer auf der Messe gelaufen. Naja, was man da halt so Laufen nennen kann. Eher Slalom.

Heute morgen bin ich immer noch leicht groggy. Viel zu viele Menschen. Aber es ist ja bald Wochenende!

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