Monat: November 2016

Abnehmen und Fitness – die dunklen Motive

Gesundheit. Klar. Man möchte ja die Sache mit dem Bluthochdruck in den Griff bekommen. Und PCOS wird durch eine Abnahme und Sport schließlich auch positiv beeinflusst. Gar nicht zu reden davon, dass man es im Alltag viel leichter hat. Von wegen längere Strecken laufen, Treppen steigen und so. Klamotten finden sich besser, da es mehr Auswahl in kleinen Größen gibt.

Klingt gut und rechtschaffen und ist alles wichtig. Deswegen habe ich abgenommen und angefangen, Kraftsport zu machen.

Aber nicht nur.

Da ist diese Eitelkeit. Diese Ästhetik. Dieser Anspruch.

Ich bin in manchen Dingen sehr oberflächlich. Ich mag schöne Dinge. Und schöne Menschen. Ich zeichne optisch gefällige Personen – Männer mit gut bemuskelten Körpern, starke Frauen. Weil es das ist, was mich anspricht. Das Erste, was zählt. Sehen und seufzen.

Jap, völlige Oberflächlichkeit. Ich liebe es ein oder mehrere, attraktive Gegenüber zu haben. Natürlich auch intellektuell attraktiv. Das gehört zum Gesamtpaket. Aber Körper ist ein wirklich wichtiges Thema für mich. Mens sana in corpore sano.

Das klingt etwas befremdlich, wie sehr ich auf die Verpackung fixiert bin – wo ich doch asexuell bin. Aber da hat das eine mal wieder so gar nichts mit dem anderen zu tun. Ich möchte diese Körper betrachten und berühren. Sie zeichnen und nachvollziehen können. Ich möchte nicht mit ihnen schlafen.

Was für ein Glück ich dann doch habe, dass ich tatsächlich von genau solchen schlanken, fitten, gutaussehenden, gebildeten Menschen umgeben bin.

Bringt mich dann aber in Zugzwang. Denn was ich von anderen fordere, muss ich schließlich auch liefern können. Und hier sammelte sich dann langsam die Motivation an. Ich wollte nicht immer der Wumpel sein, der hinter den schönen Menschen herwackelt und das Gesamtbild negativ beeinflusst.

Eitelkeit und Oberflächlichkeit. Die dunkle Seite. Aber ich stehe dazu: Ich nehme ab und optimiere meinen Körper, weil ich in den Spiegel sehen und „Whoa!“ sagen will. Ich hätte damit schon viel früher anfangen sollen. Aber für Eitelkeit braucht es ein gewisses Mindestlevel an Selbstbewusstsein. Und das hat mir völlig gefehlt. Ich lebte in dem Bewusstsein, einen guten, gesunden Körper nicht zu verdienen. Dass es nun einmal „mein Schicksal“ sei, unansehnlich zu sein.

Insert Therapiestunden here.

Nicht, dass ich mittlerweile immer und jederzeit von mir überzeugt wäre! Bei weitem nicht! Aber es reicht schon, um mich zu motivieren. Um zu wissen, dass ich es schaffen will und kann.

Wenn eine dicke Kuh dünn wird, ist sie zwar noch lange kein Reh – aber eine schlanke, muskulöse Kampfkuh wäre auch genau das, was ich sein möchte! Lean, mean fighting machine. Ich tue es für mich. Ein Geschenk. Eine Entschuldigung dafür, dass ich mich all´ die Jahre zuvor so vernachlässigt habe.

Dunkle Motive? Ja bitte!

Advertisements

Hungerstrategien

weihnachtsgeschenk_geri_2016

Wieder ein Geschenk fertig! Noch mehr Vampire.

In der ersten Zykluswoche habe ich Hunger wie ein Wolf. Immer. Ich kann mir tausend Mal sagen, dass es rein psychisch ist und jeglicher physiologischen Grundlage entbehrt – das ist meinem Körper egal. Er will Futter. In großen Mengen und zu jeder Tageszeit. Es ist nicht nur Appetit oder ein Hüngerchen. Es ist Magenknurren-und-Bauchschmerzen-Hunger.

Das ist ziemlich lästig. Zu meinem Glück bin ich gut darin, Dinge nicht zu tun (so habe ich schließlich auch bis jetzt abgenommen). Also esse ich nicht, wenn ich es nicht geplant habe.

Ein paar Strategien braucht es trotzdem.

  • Ignorieren. Ablenken. Läuft auf der Arbeit gut. Abends muss es eben eine Serie oder der PC tun, so lange ich keinen Sport machen darf.
  • Wasser trinken. Massen von Wasser.
  • Nach dem Essen Kaugummi kauen.
  • Viel Volumengemüse wie Zucchini oder Tomaten. Blöd nur, dass die nicht lange vorhalten.
  • Einen Becher Mandelmilch oder Soja-light-Milch mit Royal Flavour (derzeit habe ich nur die kleine kaukasische Hode aber Chocolate Cookies ist schon bestellt). Das ist ein Shake und hat trotzdem nur 50 Kalorien. Das kann man einplanen.
  • Wenn ich dürfte, würde Sport helfen. Direkt nach dem Sport habe ich immer gar keinen Hunger. Und wenn ich dann Hunger bekomme, kann ich einen Proteinriegel essen, der kalorienmäßig dank des Sports auf Null rauskommt.
  • Die Waldnymphe meint, ich könnte doch jetzt auf ein Defizit verzichten und nur noch über den Sport abnehmen. Ginge auch. Würde vermutlich helfen, wenn ich plötzlich achthundert Kalorien pro Tag mehr zur Verfügung hätte. Will ich aber noch nicht. Das wäre mir dann zu langsam, Normalgewicht hin oder her, da muss noch ordentlich weg!

Wie man sieht, ist außer dem sturen Ignorieren und dem Wasser alles eine kleine Kapitulation. Aber zum Glück weiß man immer, dass diese Phase auch wieder vorbeigeht. Warten, durchhalten. Better days are coming.

Derzeit beobachte ich mein frisches Tattoo mit Argusaugen. Heute Abend kommt die Suprasorb ab und dann teste ich, ob Aloe Vera Gel mir besser tut als Bepanthen. Dann ist vielleicht schon etwas schneller Sport wieder auf dem Programm … Vor allem, da ich ja recht wenig schwitze und am Oberarm sowieso praktisch gar nicht.

Der Montags-Wiegewolf sagt …

Wiegewolf

sechsunddreißigste Woche und 65,0 Kilo.

Geht ja noch. Zyklusanfang und nur 500 Gramm Wasser drauf ist ja prinzipiell gar nichts. Vor allem nach so einem Kohlenhydrate-Wochenende! Zwar bin ich immer im Leistungsumsatz geblieben – aber Wasser bindet das Zeug natürlich trotzdem.

Ach ja, das Wochenende …

Der Freitagabend hielt Kleinkunst bereit. Ich kannte das Duo noch nicht aber Erklärfaun und Waldnymphe waren Fans der ersten Stunde. Nun ja, man muss nicht immer das Gleiche mögen. Und Neues kennen zu lernen ist doch auch nett. Ein schöner Abend war es trotzdem, nur eben nicht mein Humor. Ich schickte anschließend „Nacht über Gotenhafen, Teil 2“ und „Tiere waschen sich nicht“ herum, was verdeutlichte, dass wir in dieser Hinsicht wirklich recht unterschiedlich ticken.

Am Samstag waren die Waldnymphe und ich in Mannheim. Was das am ersten Adventssamstag bedeutet, lässt sich sehr schön in einem Wort zusammenfassen: Affenschießen. Zum Glück sind wir schon vor Ladenöffnungszeit dort angekommen, was uns einen sehr mühelosen Platz im Parkhaus und mir jede Menge „… hätten wir ja echt nicht so hetzen müssen!“-Genörgel bescherte. Vor dem Friseurbesuch brauchte die Holde noch dringend einen Weihnachtskaffee, weshalb wir zu Starbucks gingen. Als nicht-Kaffeetrinkerin bin ich ja maximal einmal im Jahr in solchen Lokalitäten und bekomme mich jedes Mal kaum ein ob der Köstlichkeiten, welche die Kuchentheke bereithält. `Smores-Brownies! Kakao mit Blattgoldraspeln (oder so ähnlich)! Klodeckelgroße Kekse! Nicht, dass ich etwas davon gekauft hätte – aber allein die Betrachtung war schon sehr erfüllend.

Der Friseurtermin war spannend. Während die blonden Strähnchen der Waldnymphe einwirkten, kam die Chefin zu mir. Ich habe seit Jahren keine Frisur, sondern einfach nur Haare. Aber das sollte sich nun ändern. Ich tat das, was ich mir auch immer bei mir im Beruf wünsche, dort aber praktisch nie stattfindet. Ich sagte: „Sie sind der Profi. Meine einzige Vorgabe wäre ´maximal-fünf-Minuten-morgens-im-Bad`, den Rest überlasse ich völlig Ihnen, Sie haben die Ahnung.“ Es war mir egal, ob meine Haare nur noch einen Zentimeter lang sein würden oder was auch immer. Ich vertraute völlig darauf, dass eine Friseurmeisterin mich kompetent behandeln würde.

Und – wie absolut unverwunderlich – es wurde großartig. Sie betrachtete mich von allen Seiten, überlegte kurz und erklärte mir dann, was sie warum vorhatte. Ich nickte zu allem und bekam eine wundervolle Frisur. Es gingen zwanzig Zentimeter Länge, kamen einige Stufen dazu, sie setzte den Scheitel um und erklärte mir, wie ich das Ganze bitte pflegen möchte.

So kann´s laufen, wenn man der Fachfrau freie Hand lässt. Teuer war´s auch nicht – ich hätte mit deutlich mehr als 65 Euro gerechnet.

Nach diesem Erfolgserlebnis – auch die Waldnymphe war mit ihren drei-verschiedene-Blondtöne-Strähnchen sehr glücklich – wanderten wir in Hochstimmung zum Indochine um dort zu Mittag zu essen. Begeisternde vegane Rollen mit Reisnudeln für mich. Und Ingwer-Limetten-Limo.

Dann weiter zum Games Workshop-Store und für den Erklärfaun eine Box abgeholt. Hach, Geekläden. Sie haben ihre ganz eigene Atmosphäre. Und ihr ganz eigenes Publikum. Meine Neugier, das Bemalen der Armeen betreffend, hat mich nun in die Situation gebracht, dass ich es wohl auch tatsächlich einmal tun muss. Hm. Mal sehen, was das gibt! Versagen ist jedenfalls keine Option.

Nun noch ein wenig nach Kleinkram geschaut und dann war Zeit für mein Tattoo. Der Laden war gestopft voll, doch zum Glück wollten alle anderen Piercings. Ich kam also pünktlich dran und da es ja wirklich nur noch ein kleiner Abschluss meines Pseudo-Sleeves war, dauerte er nur eine Stunde. Flo hat auch am vorherigen Motiv noch zwei Passagen nachgestochen – aber das war eher ihrem Perfektionismus geschuldet. Ich hätte das Ausbluten da gar nicht wahrgenommen.

Wir beschlossen den perfekten Tag mit einem Trip zur Feinkostabteilung des Rewe, sammelten Käse, Wurst, Butter und Antipasti ein und trafen uns dann zu Hause mit dem Erklärfaun, der von seinen Tagesausflügen mit Pralinenbeute heimgekehrt war. Ein erfüllendes Abendessen und dann auf der Couch einen Kuschelhaufen bilden. Ja, das war schon nett.

Sonntag war dann weniger freundlich. Geburtstagsfeier meines Vaters; und meine empathiefreie Tante lief mal wieder zu Höchstform auf. Ignorierte mich völlig um sich hinterher bei meiner Mutter zu beschweren, dass ich sie nicht begrüßt hätte. Dazu noch einige andere Hämmer der „ich mache Dir ganz nebenbei klar, dass Du absolut bedeutungslos bist“-Kategorie und der Nachmittag war eitel Sonnenschein. Zum Glück waren meine Schwester, mein Schwager und zwei meiner Nichten auch da. Sonst wäre ich schon nach einer halben Stunde wieder verschwunden. So hielt ich es immerhin lockere hundertzwanzig Minuten aus. Ich habe sie gezählt.

Danach brauchte ich zu Hause dringend eine heiße Dusche.

Diese Woche wird arbeitsreich. Und ich kann nicht mit Sport ausgleichen, weil ich dank des frischen Tattoos nicht schwitzen darf. Mal sehen, ob es Donnerstag – oder Sonntag? – schon weit genug verheilt ist. Ich muss Aloe Vera-Gel kaufen, bevor ich morgen die Suprasorb-Folie abziehe.

Dafür kann ich mich auf ein sehr spezielles Frühstück am nächsten Samstag freuen. Für das ich die ganze Woche zusätzlich Kalorien einsparen werde.

Meilenstein: Normalgewicht!

64,5 Kilo. Heute morgen im Display. Ich habe es geschafft – mein BMI liegt nun unter 25. Ich bin normalgewichtig. Das heißt zwar nicht, dass sich diese Zahl nicht noch ein paar mal in Wasserschwankungen verlieren wird (spätestens am Montag, damit der Wiegewolf mich kopfschüttelnd ansehen kann) – aber ich habe sie gesehen und erreicht. Ein dreiviertel Jahr des Abnehmens hat sich ausgezahlt. Ein dreiviertel Jahr, in dem mein Leben sich zum Positiven verändert hat, ich meine seelische Stabilisierung weiter vorangetrieben habe und in dem mein Sozialleben um so viel offener und aktiver wurde.

Fertig bin ich noch nicht. Mein Ziel sind erstens 57 Kilo und zweitens Fitness. Denn wenn ich mich im Spiegel betrachte stimmt der Spruch „Skinny girls look good in clothes, fit girls look good naked“. Ich muss muskelmäßig noch einiges erreichen, bevor ich nackt auch nur einigermaßen ansehbar sein werde.

Aber das gefällt mir: Ich mag es, ein Projekt zu haben. Jetzt also gleichzeitig noch sieben Kilo ab- und Kraft-Ausdauer aufbauen. Und dann Muskeln drauf bis der Arzt kommt! Ich möchte sichtbare Muskeln haben und stark sein!

Mal sehen, wie weit ich nach dem nächsten dreiviertel Jahr bin!

Wenn man nicht hinsieht, geht es voran!

Heute habe ich ganz, ganz kurz die glatte 65 im Waagendisplay gehabt – dann sprang es wieder auf 65,4. Ich bin gespannt, ob sich das über das kommende Wochenende hält, verbessert oder wieder völlig aus dem Ruder läuft. Denn die nächsten Tage werden definitiv nicht einfach, wenn man sie im Lichte des Abnehmenwollens betrachtet. Am Samstag werden die Waldnymphe und ich uns in Mannheim herumtreiben und dabei nicht nur vermutlich mittags essen gehen, sondern auch noch über den Weihnachtsmarkt wandern. Ich bin nun kein großer Fan von Süßigkeiten, die man auf solchen Veranstaltungen bekommt (mit Kräuterbonbons kann man mich jagen) – aber sollte es schokolierte Früchte geben, bin ich vermutlich schwierig festzuhalten. Doch damit nicht genug: Am Sonntag feiert mein Vater Geburtstag. Und er ist Bäckermeister (unter anderem. Er ist dann doch lieber Kfz-Mechanikermeister geworden als den Familienbetrieb zu übernehmen) … weshalb der weltbeste Splitterkuchen und die weltbeste Schwarzwälder die Kaffeetafel zieren werden. Mittlerweile ist es tatsächlich eher der Splitterkuchen als die Schwarzwälder, was mich lockt. Was seltsam ist, da es die Torte wirklich nur zu ganz besonderen Anlässen gibt. Aber egal wie – ich werde Kuchen essen.

Und weil ich morgen die Fortsetzung eines Tattoos am rechten Oberarm Richtung Schulter gestochen bekomme, darf ich eine Woche keinen Sport machen. Was nicht hilft, wenn man ein so glücklich-fraßlastiges Wochenende plant. Na, wird schon werden.

Der letzte Trainertermin gestern war wieder sehr schön. Ich wurde noch einmal korrigiert aber es lief schon ziemlich reibungslos. Ab dem nächsten Mal (also dank Tat wohl am Donnerstag) bin ich dann auf mich selbst gestellt.

Mein MP3-Player leistet hervorragende Dienste. Das Auf- und Abwärmen auf dem Crosstrainer war sehr unterhaltsam. Dank Egil Saga sogar länger als geplant, weil ich das Lied noch fertig hören wollte. Mal sehen, wie selbstbestimmtes Training sein wird. Ich habe zwar mein Kärtchen mit allen Informationen – aber manche Maschinen sind doch reichlich komplex. Die müssen mir noch in Fleisch und Blut übergehen.

Auch sonst geht es voran. Die Weihnachtsgeschenke für die Waldnymphe, den Erklärfaun und seit gestern auch Frau Schwan sind fertig. Nun arbeite ich an den Bildern für H. und G. Der Nörgelbär bekommt Gutscheine für Steam und Battlenet, da kommt nur ein Bild dazu, falls ich noch Zeit haben sollte. Für A. wollte ich eventuell auch noch etwas Kleines zeichnen … aber dann wäre ich mit Weihnachten wirklich durch. Außer natürlich mir fällt etwas Passendes für K. und I. ein. Aber das ist sehr optional. Die Schenkorgie hält sich bei uns zu meiner Freude wirklich in Grenzen. Denn wenn man fast alles selbst bastelt, kann das echt anstrengend werden.

Unzusammenhängend: Ich habe mir für morgen, wenn ich beim Frisör darauf warten muss, dass die Strähnchen der Waldnymphe … äh … getrocknet? … ausgehärtet? … sind, noch ein paar neue Bücher auf den Kindle geladen. Matt Ruffs „Mirage“ wollte ich schon lange lesen. Weil ich gerade dabei war, habe ich mir „Fool on the Hill“ digital geholt. Ist einfach bequemer als der Riesenschinken von Holzmedium. Und da ich schwer aufhören kann, wenn es um Bücher geht, habe ich mir noch eine kommentierte Oscar-Wilde-Gesamtausgabe und „Song of Sorcery“ zugelegt. Ja, beides besitze ich auch nicht-digital. Aber … siehe oben.

Also, auf ins Wochenende!

Tagebuchbloggen?

weihnachten_matthias

Das Weihnachtsgeschenk für den Erklärfaun ist praktisch fertig. Ich bin so fleißig!

Bringt mir das in meiner Entwicklung etwas? Fällt mir (fast) jeden Tag überhaupt etwas ein, das ich schreiben kann?

Derzeit habe ich Lust, alles zu dokumentieren. Aber das mag auch nur daran liegen, dass es im Moment für mich mit Riesenschritten voran zu gehen scheint. Nicht unbedingt gewichtsmäßig (da hänge ich immer noch bei meinen täglichen 65,4 Kilo), aber gefühlt sonst in jedem Bereich. Privat, sportlich, psychisch … ich bin in einem nie dagewesenen stabilen Hoch. Und zwar nicht von der hysterischen Sorte, die manchmal den Gegenpol zur grauen Ebene gebildet haben, sondern sehr ruhig. Wie in meinem zweitliebsten Gedicht!

Entsteigt dem goldnen Feld mit Schwung
die Lerche der Begeisterung,
durchtrippelt es mit Fröhlichkeit
die Wachtel der Zufriedenheit

„Lerche und Wachtel“ von Karl Mayer

Ich bin eindeutig die Wachtel. Sowas von!

Natürlich traue ich dem Frieden nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, das alles schon losgeworden zu sein. Das wäre viel zu einfach. Man wischt über ein Jahrzehnt nicht in zwei Jahren weg. Aber derzeit fühlt es sich gut an und ich könnte mich glatt daran gewöhnen. Viel ist ja auch sich-selbst-aus-dem-Sumpf-ziehen. Und das versuche ich kontinuierlich beizubehalten.

Heute Abend habe ich meine letzte betreute Trainingsstunde. Falls ich nicht wieder in einen Stau aus der Hölle gerate. Ich freue mich darauf, mich auszupowern. Zwar macht mich das Cardio zum Aufwärmen immer viel mehr fertig als das Kraft-Ausdauertraining, aber das wird schon seine Richtigkeit haben!

Zumindest wird Cardio nun nicht mehr so langweilig … denn mein MP3-Player hat seinen Weg zu mir gefunden! Und das ganz ohne Zettel-für-die-Nachbarn! Denn sie haben das Paket von sich aus bei M. im Erdgeschoss abgegeben. Ich bin entzückt und möchte mich in ihrer Sprache bei den geheimnisvollen Tierchen aus der Nachbarschaft bedanken: „Radamsa! Radamsa!“ (wer „Winter im Mumintal“ noch nicht gelesen hat, sollte das dringend nachholen. Ein großartiges Buch. Recht leise aber mit unerwarteten Tiefen und sehr schönen Illustrationen).

Jedenfalls ist der Player nun voll mit motivierenden Liedern (ich habe sogar das alte DreamEvil-Album wiedergefunden!) und bereit, mich auf dem Crosstrainer und bei den Gewichten zu unterstützen.

Auch sonst geht alles seinen Weg. Ich muss nur noch vier Weihnachtsgeschenke zeichnen, das Shirt für die Waldnymphe kam an und sieht gut aus und vor mir liegen ein paar sehr aktive Tage samt Tattooerweiterung.

Was ein wenig hinten herunterfällt sind nerdige Aktivitäten (außer Pen&Paper. Das geht immer). Ich bin kaum noch in MMOs unterwegs. Irgendwie schade, da man sonst kaum Kontakt zu den Leuten dort hat – aber andererseits ist einfach zu viel im RL los, als dass ich Zeit hätte, mich virtuell groß einzubringen.

Na, der Winter ist noch lang. Das wird sich bestimmt wieder ändern. Immerhin habe ich bald drei Wochen Urlaub, in denen ich nicht immer weiß, was ich tun soll. Dann werde ich wieder durch Tamriel streifen. Oder die Galaxis weit, weit entfernt besuchen.

Ein ganzer Tag als Face-Five

Gestern morgen noch freute ich mich immens auf den ganzen Tag, besonders auf das Trainieren am Abend. Ich war aufgedreht und gut gelaunt.

Tja. Und dann wurde es nach und nach schlechter. Zunächst nur ein wenig Herumgenerve im Beruflichen. Passiert ja gelegentlich. So etwas gibt es überall und man muss es sich nicht zu sehr zu Herzen nehmen.

Dann die Einladung, dass eine Person der Abteilung nächstes Jahr mit nach Cannes könnte. Und ich werde es nicht sein, weil ich allein und ohne Medikamente keinen Flug packen würde. Noch deutlich zu viel Panikstörung. Verdammt.

Aber auch das war noch zu verkraften. Und dass man den ganzen Tag in einem Trakt des Gebäudes eingesperrt war, weil Handwerker das Foyer renovierten. Doof aber machbar.

Dann die Fahrt nach Hause. Immer noch große Vorfreude auf das „betreute Trainieren“. Der Termin war für achtzehn Uhr angesetzt. Also eine Stunde Puffer.

Tja. Erster Stau schon auf der Bundesstraße. Kein Anlass erkennbar aber eine Viertelstunde Schlangestehen. Ich wurde ein wenig ungehalten. Dann der zweite Stau. Auch noch ganz okay … bis die Schilderbrücke „Sperrung hinter Gernsheim“ ankündigte. Was bedeutete, dass sich die zwei von Darmstadt bis Heidelberg parallel verlaufenden Autobahnen nun auf eine zusammenquetschen mussten. Achtzehn Kilometer Stau auf der Fünf. Ich knirschte mit den Zähnen, warf mich auf die 67 und ging das Risiko ein, ab Pfungstadt über die Dörfer zu fahren.

Der Erklärfaun, dessen Arbeitsweg zu 70% mit meinem identisch ist, versorgte mich mit launigen Whatsapps von der Alternative (er hatte die A5 gewählt). Vor Pfungstadt stand ich noch einmal zwanzig Minuten. Ich rief im Gym an und verschob den Termin eine halbe Stunde nach hinten. Dann kroch ich bis Bürstadt über die Feldwege. Was ein Glück, dass ich zehn Jahre in der Gegend gewohnt habe und mich auskenne.

Um Punkt halb Sieben, keine Minute zu früh, rauschte ich auf den Parkplatz. Nach zweieinhalb Stunden Heimweg. Dem Erklärfaun war es nicht besser ergangen.

Das Training war dann der Höhepunkt dieses Tages. Ich hatte Spaß, wurde noch ausgiebig haltungskorrigiert, die Gewichte wurden angepasst (weniger bei den Beinen, mehr bei den Armen) und nach einer Stunde war ich wieder gut gelaunt und zufrieden. Sollte der Tag etwa auf dieser versöhnlichen Note enden?

Tja, da hatte ich natürlich noch nicht mit unserem kreativen Hermesfahrer gerechnet. Der meinen MP3-Player, den ich mir extra fürs Training zugelegt habe, irgendwo in der Nachbarschaft verteilt hat. Bei Nachbarn, die abends fast nie da sind. Wie ich nun an das Gerät komme soll, steht in den Sternen. Zum Glück nichts Teures … denn wahrscheinlich ist es am erfolgversprechendsten, mir einfach einen neuen MP3-Player zu bestellen und ihn mir diesmal in die Firma liefern zu lassen. Die dreißig Euro für den anderen als Lehrgeld verbuchen. Oder ich schreibe den geheimnisvollen Nachbarn (das Tierchen mit den borstigen Augenbrauen? Dabei hatte ich doch gestern erst eine Mumins-Referenz im Blog!) einen Zettel, ob sie so nett sein und das Paket bei uns im Haus abgeben könnten. Ja, das klingt nach einer Idee. Immerhin wäre es einen Versuch wert, bevor ich das Ding abschreibe.

Ach, hoffentlich wird dieser Tag besser!

Oh, und bevor ich es vergesse: Gewicht immer noch bei 65,4. Bleibt vermutlich wieder eine Weile so, da man durch Sport angeblich ja Wasser in die Muskeln lagert wegen der Mikroverletzungen in den Fasern.