Lifestyle choices

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Simons Shirt muss ich mir auch nochmal im echten Leben basteln.

Heute Abend habe ich meine zweite trainerbetreute Sportstunde. Es ist wirklich seltsam, aber ich freue mich darauf. Sehr. Vor einem Jahr hätte allein der Gedanke an so etwas mich für Tage in einer dunklen Ecke verschwinden lassen. Oh nein, fremde Menschen! Die mich ansehen! Die sich mit Sicherheit ein abfälliges Urteil über mich bilden, weil ich seltsam aussehe!

Der volle Horror. Gipfelnd in absoluter Vermeidung, da die Angst vor einer Panikattacke fast so schlimm ist wie das Ding selbst.

Und heute … weiß ich, dass ich vor Aufregung zu viel reden und deshalb mit ziemlicher Sicherheit mindestens einmal etwas Dummes sagen werde. Und es ist nicht schlimm. Denn das machen andere Leute auch (wenn auch seltener als Menschen mit sozialen Ängsten. Plappern ist ein coping-mechanism) und niemand wird es gegen einen verwenden. Und ich ziehe an, auf was ich Lust habe. Nicht mehr möglichst unauffällig.

Die Henne-Ei-Frage. Ist meine Angst besser geworden, weil ich abgenommen habe … oder nehme ich ab, weil ich mehr Selbstwertgefühl entwickle?

(Ja, natürlich gibt es Leute, die gern dick sind. Die sich damit wohlfühlen. Und die das genauso gern sein dürfen, wie ich eben nicht dick sein möchte) Ich war grottenunglücklich, als ich dick war. Wenn auch nicht, weil „die Gesellschaft“ mich diskriminiert hätte – hat sie nämlich nicht. Der Gesellschaft sind dicke Menschen so egal wie dünne. Wer nicht in einen Stuhl passt (das ist mir nun nicht passiert, gibt´s aber) wird nicht fatgeshamed sondern scheitert eben an einer Realität, die sich nicht für jede Sonderform verbiegen kann – ich bin sehr klein und fordere auch nicht, dass jeder Barhocker zwanzig Zentimeter tiefergelegt wird.

Aber ich will nicht Symptom und Ursache verwechseln. Zu meiner dicksten Zeit steckte ich komplett fest. Ich hasste meinen Job, kam mit meiner Asexualität nur schwer klar („ich muss defekt sein!“) und hatte die permanente Furcht, dass es bald alles noch viel schlechter werden würde. Ich ging kaum aus dem Haus und jede Verabredung mit Freunden war ein reiner Pflichttermin.

Und hier kommt das wirklich Bizarre: Ich habe immer noch den selben Job, nur dass ich ihn jetzt mit großer Freude ausübe. Ich liebe immer noch fast ohne Erotik aber mit sehr viel glücklicher Romantik. Mein Freundeskreis ist exakt derselbe – aber ich freue mich schon Tage vorher darauf, wenn ich mit ihnen spielen, essen gehen oder sonstwas tun kann. Alle Veränderungen sind nur in meinem Kopf passiert.

Ja, ich denke in diesem Licht kann man schon sagen, dass die Abnahme und der Sport Symptome sind und keine Ursachen.

Aber sie helfen.

Die Ursache … nun, ich glaube immer noch, dass die Therapie das alles angestoßen hat. Aber es erscheint mir so unwirklich! Einmal im Monat eine Stunde mit jemandem sprechen … Das ist 1/720stel dieser Zeit. Und das soll dies alles bewirkt haben? Natürlich plus der täglichen zehn Minuten Übungszeit für den sicheren Ort und dergleichen. Trotzdem … sehr schräg.

Aber nicht weniger wunderbar.

(Das wollte ich nur einmal festhalten, wenn die nächste dunkle Episode vorbeikommt. Denn ganz los bin ich sie noch nicht wirklich. Die graue Ebene wartet immer noch hinter einer Ecke. Aber sie ist kleiner geworden.)

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