Abnehmen und Fitness – die dunklen Motive

Gesundheit. Klar. Man möchte ja die Sache mit dem Bluthochdruck in den Griff bekommen. Und PCOS wird durch eine Abnahme und Sport schließlich auch positiv beeinflusst. Gar nicht zu reden davon, dass man es im Alltag viel leichter hat. Von wegen längere Strecken laufen, Treppen steigen und so. Klamotten finden sich besser, da es mehr Auswahl in kleinen Größen gibt.

Klingt gut und rechtschaffen und ist alles wichtig. Deswegen habe ich abgenommen und angefangen, Kraftsport zu machen.

Aber nicht nur.

Da ist diese Eitelkeit. Diese Ästhetik. Dieser Anspruch.

Ich bin in manchen Dingen sehr oberflächlich. Ich mag schöne Dinge. Und schöne Menschen. Ich zeichne optisch gefällige Personen – Männer mit gut bemuskelten Körpern, starke Frauen. Weil es das ist, was mich anspricht. Das Erste, was zählt. Sehen und seufzen.

Jap, völlige Oberflächlichkeit. Ich liebe es ein oder mehrere, attraktive Gegenüber zu haben. Natürlich auch intellektuell attraktiv. Das gehört zum Gesamtpaket. Aber Körper ist ein wirklich wichtiges Thema für mich. Mens sana in corpore sano.

Das klingt etwas befremdlich, wie sehr ich auf die Verpackung fixiert bin – wo ich doch asexuell bin. Aber da hat das eine mal wieder so gar nichts mit dem anderen zu tun. Ich möchte diese Körper betrachten und berühren. Sie zeichnen und nachvollziehen können. Ich möchte nicht mit ihnen schlafen.

Was für ein Glück ich dann doch habe, dass ich tatsächlich von genau solchen schlanken, fitten, gutaussehenden, gebildeten Menschen umgeben bin.

Bringt mich dann aber in Zugzwang. Denn was ich von anderen fordere, muss ich schließlich auch liefern können. Und hier sammelte sich dann langsam die Motivation an. Ich wollte nicht immer der Wumpel sein, der hinter den schönen Menschen herwackelt und das Gesamtbild negativ beeinflusst.

Eitelkeit und Oberflächlichkeit. Die dunkle Seite. Aber ich stehe dazu: Ich nehme ab und optimiere meinen Körper, weil ich in den Spiegel sehen und „Whoa!“ sagen will. Ich hätte damit schon viel früher anfangen sollen. Aber für Eitelkeit braucht es ein gewisses Mindestlevel an Selbstbewusstsein. Und das hat mir völlig gefehlt. Ich lebte in dem Bewusstsein, einen guten, gesunden Körper nicht zu verdienen. Dass es nun einmal „mein Schicksal“ sei, unansehnlich zu sein.

Insert Therapiestunden here.

Nicht, dass ich mittlerweile immer und jederzeit von mir überzeugt wäre! Bei weitem nicht! Aber es reicht schon, um mich zu motivieren. Um zu wissen, dass ich es schaffen will und kann.

Wenn eine dicke Kuh dünn wird, ist sie zwar noch lange kein Reh – aber eine schlanke, muskulöse Kampfkuh wäre auch genau das, was ich sein möchte! Lean, mean fighting machine. Ich tue es für mich. Ein Geschenk. Eine Entschuldigung dafür, dass ich mich all´ die Jahre zuvor so vernachlässigt habe.

Dunkle Motive? Ja bitte!

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5 Kommentare

  1. Bei mir war es auch so, dass ich erstmal einen Großteil meines Selbsthasses überwinden musste, damit das Abnehmen funktionieren konnte. Selbsthass als Motivation zum Abnehmen hat zumindest nach spätestens ein paar Tagen wieder zu einem Fressanfall geführt… Mit mehr Selbstbewusstsein habe ich mir dann auch zugetraut, abnehmen zu können und gleichzeitig habe ich Essen als Seelentröster gar nicht mehr so sehr gebraucht – ein virtuous circle 😛

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  2. Das sind keine dunklen Motive, falls Du mit dunkel negativ assoziieren möchtest. Finde ich.
    Es sind Motive.
    Und nur, weil Eitelkeit in unserer Gesellschaft nicht so wirklich toll gefunden wird, ist sie nichts schlechtes.
    Denn – auch diejenigen, die die Nase über Eitelkeit rümpfen, möchten gefallen. Durch was und bei wem auch immer.

    Und ja, genau weil Eitelkeit bei uns so negativ besetzt ist, braucht es eine große Portion Selbstbewußtsein, um sich einzugestehen, dass man eitel ist.

    Und ja, ich bin auch eitel. Ich möchte gerne attraktiv sein.
    Und trotzdem bin ich ein guter Mensch, hilfsbereit, humorvoll, respektvoll, klug, gebildet, selbstlos…

    Und ich würde gerne so zeichnen können wie Du. Dann würde ich mir meinen Wunschkörper zeichnen. *träum*

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      1. Ich sehe da auch eine enge Korrelation. Mein Selbstbewußtstein steigt mit fallendem Gewicht.
        Und proportional zu positiven Bemerkungen über meine neue Figur.
        Ich bin eh ein Mensch, der viel extrinsische Motivation braucht, weil es an intrinsischer mangelt.
        Und erst über die extrinsische Motivation merke ich langsam, wie die intrinsische Motivation zunimmt.
        Was wiederum zu mehr Selbstbewußtsein führt…
        Teufelskreis….

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