Runner´s High

Very, very old Assamite
Als ich so zehn, elf Jahre alt war, sagte mir der Leichtathletiktrainer des TV 64, dass ich von der Art wie ich laufe und atme gut für Langstrecken geeignet wäre. Ich nickte freundlich und dachte „Alter, ich hasse Dauerlauf! Das wird nie was!“. Bald darauf kam die Pubertät und ich fand den Sportverein ab da allgemein richtig doof. Das übliche Teenagergedöhns eben.

Lange Zeit hatte ich auf Sport sowieso keine Lust; für´s Bogenschießen und Reiten brauchte ich nicht herumzujoggen und deshalb lag das brach. Dann kam der Kraftsport und ich hasste das Aufwärmen mit Cardioeinheiten wie die Pest. Hey, her mit den Geräten und den Eisen! „Cardiobunny“ war definitiv nicht mein Ziel.

Aber seit ein paar Wochen, seit ich meine hartnäckigen Wassereinlagerungen bekämpfe und seit ich nicht mehr auf Teufel komm raus über Muskelkater drübertrainiere, sondern lieber nach heftigen Gewichteinheiten ein paar Tage lang nur jogge, ist es irgendwie anders geworden.

Nein, ich habe immer noch kein Runner´s High. Aber ich bekomme eine recht gute „Runner´s Apathy“ hin. So eine Art Meditationszustand, in dem ich mit halb- bis dreiviertelgeschlossenen Augen Feldwege entlangtrabe und absolut gar nichts fühle außer meinem regelmäßigen Atem. Für mich eine großartige Sache.

Gestern war aber nix mit Apathie. Schon als ich nach Hause kam dräute im Westen eine dunkle Wolkenwand. Ich haderte ein bisschen mit mir, beschloss dann aber, trotzdem laufen zu gehen. Also umgezogen und los. Auf halber Strecke, zweieinhalb Kilometer im – bis auf ein paar Hundespaziergänger – menschenleeren Feld war die Wand so weit gewachsen, dass sie den halben Himmel einnahm und man sah heftige Regenbänder nach unten. Ganz ohne Schutz erwischt werden war nicht meine Vorstellung von Spaß, also zog ich das Tempo an, hetzte die Strecke derartig, dass ich fast fünf Minuten unter Bestzeit blieb und kam trocken nach Hause. Tja. Nun. Ich bereitete das Abendessen vor. Kein Regen draußen. Ich ging Duschen. Immer noch – nur dunkle Wolken. Ich föhnte mir die Haare … und dann fing es ganz leicht an zu tröpfeln. Und dabei blieb es. Da hätte ich nun echt nicht so rasen müssen!

Natürlich will ich wieder zu mehr Kraft- als Ausdauertraining – aber das hängt auch an der Baustelle auf der A67. Ja, klingt doof, ist aber so. Jeden Abend habe ich dort im Moment sehr stressiges Staustehen. Das macht mich mental ziemlich kaputt und ich möchte danach eigentlich gar keine Menschen mehr sehen. Deshalb verschiebe ich das mitmenschenlastige Krafttraining vermehrt aufs Wochenende, was natürlich auch eine massive Verringerung des Trainings bedeutet. Dafür trabe ich dann ganz allein durch die Landschaft und muss mit niemandem kommunizieren. Das entspannt ungemein.

Leider ist die Baustelle noch mindestens bis Ende Juli. Hoffentlich finde ich noch einen trainingsfreundlicheren Weg, mit der Sache umzugehen! Denn sonst komme ich nie vom ewigen Muskelkater weg. Und Cardio soll ja im Vergleich zu Kraftsport nicht wirklich gut sein, wenn man den Körperfettanteil reduzieren möchte. Klar, besser als Nichts … aber das kann wohl kaum das Ziel sein!

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