Monat: Juli 2017

Die Culinary Diversity-Wölfe stöbern Seltenheiten auf. Teil eins: Miniauberginen

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Links Rhys, rechts Jamie.

„Das da! Das sieht toll aus!“ Ein fröhlicher Fingerzeig auf den zart kolorierten Stahlstich auf der rechten Buchseite.

Jamie zog elegant eine Braue nach oben, legte den Kopf schräg. Hielt jede Andeutung eines Lächelns aus seiner Stimme heraus. „Das ist eine Durian, Rhys. Niemand möchte so ein Ding essen!“

Schulterzucken. „Ach was, als ich in Indien- …“ – „Ja, ja. Als du in Indien stationiert warst, hast du praktisch alles gegessen, Captain Ryder. Ich weiß“, fiel ihm der Silver Fang ins Wort. Rhys nahm es ihm nicht übel, wie er selten etwas übelnahm. „Und es ist wahr. Die Leute in den Kolonien essen alles! Und können alles zubereiten. Du machst dir keine Vorstellungen!“ Rhys machte einen Schritt vom Schreibtisch weg, drehte sich mit ausgebreiteten Armen um sich selbst. Von der Terrasse drangen Stimmen ins Innere des Hauses, das leise Klappern von teurem Porzellan und der Geruch nach Marmelade und Clotted Cream verrieten den beiden Wölfen, dass der Tee heute draußen serviert wurde. Zeit, die Suche erst einmal zu unterbrechen. Jamie klappte das Buch zu. Griff aber sofort nach dem nächsten auf dem kleinen Stapel, der sich wie Treibholz an den Ufern des Meeres auf dem Tisch angesammelt hatte. Rhys war schon halb in Richtung Tür unterwegs, verhielt aber, als er hinter sich wieder das Rascheln von Seiten hörte. Betrachtete die spitzweghafte Studierszene am Tisch (wäre der arme Poet ein südenglischer Baron gewesen, natürlich). „Kein Tee für dich?“ – „Ich habe noch eine Idee … hier in diesem Buch, das Carla mir gegeben hat…“ – „Von Carla? Ist das eine gute Idee? Die Fey essen manchmal echt … äh … spezielle Dinge.“

Ein erstaunlich schmutziges Grinsen, als Jamie den Kopf hob. Selten auf den Lippen des sonst so distinguierten Silver Fang. „Du musst´s ja wissen.“

Der Fianna erwiderte das Grinsen, setzte noch eins drauf. „Wer, wenn nicht ich?“, trat dann aber neugierig wieder an den Tisch, wo Jamie das seltsam muffig-medizinisch riechende Buch etwa in der Mitte aufgeschlagen hatte. Betrachtete die Federzeichnung, auf die Jamie deutete. „Das sieht aus wie- …“ – „Ich weiß wie´s aussieht. Und für dich sieht alles so aus, das …“ – „… das wie ein Penis aussieht.“

Jamie drehte das Buch hin und her. Die beiden Wölfe kniffen die Augen zusammen. „Immerhin hat´s eine absolut un-penisige Farbe. Und ist ein bisschen krumm.“ – „Darf ich sagen, was …“ – „Nein, bitte nicht.“

Einige Sekunden stumme Betrachtung und das Lesen des dazugehörigen Textes. Jamie räusperte sich. „Ja, das nehmen wir. Klingt gut, kann man essen.“ Rhys nickte zustimmend. „Und wenn´s nicht schmeckt, kann sie wenigstens darüber lachen, wie es aussieht.“


Und damit vom London des Jahres 1891 zurück nach 2017. Miniauberginen also. Die wird es diese Woche am Mittwoch geben. Als ich sie im Voldemart erspäht habe, wusste ich sofort: die werden´s. Sie sehen seltsam aus (Rhys hat recht. Mag daran liegen, dass Rhys in meinem Kopf wohnt) und sollen laut Beipackzettel auch anders schmecken als ihre großen Verwandten. Ich bin gespannt. Normale Auberginen mag ich in Ofengemüse sehr gern, vertrage sie aber nicht hundertprozentig. Machen mir manchmal Bauchschmerzen. Wie verträglich die Zwergenversion sein wird, wird sich zeigen. Spannung und Aufregung. Und Hoffnung, dass sie bis Mittwoch überhaupt gut genießbar sein werden. Denn bis dahin muss ich noch einen halben Hokkaido wegschaffen. Obwohl … ich könnte den durchaus auch zusammen mit den Auberginen zubereiten. Klingt nach einem Plan. Der Hokkaido fällt in gewisser Weise auch unter die neue Vielfalt. Kürbis hatte ich schließlich seit einem halben Jahr nicht mehr. Was nur natürlich ist, da deren Saison erst wieder anfängt.

Ansonsten werde ich diese Woche von Montag bis Donnerstag mal ein kleines tägliches Defizit von etwa 300 Kalorien einplanen, um die Exzesse der letzten Wochenenden aufzufangen. Sollte zusammen mit dem Sport gut hinkommen. Apropos Sport: Gestern konnte ich fürs Bankdrücken zwei Cookies mehr auflegen. Und beim Deadlift sogar zehn Kilo mehr. Yay me! Beim Row tat ich mir ein wenig schwer, dafür gingen mir die Crunches leicht von der Hand. Ist alles Tagesform.

Feuerwerk und Schnittchen ohne Brot

Was für ein aktiver Tag! Fast 30.000 Schritte hatte ich kurz vor Mitternacht auf dem Imperator. Ich war morgens um sechs Joggen, dann Einkaufen, dann beschloss mein Waschbecken im Bad, den Dienst einzustellen, so dass ich da ebenfalls zu Aktivität gezwungen war. Dann noch jede Menge Paranoia-Putzen (Fellow-Phobiker kennen das. Wenn dieser eine Fleck auf dem Sofa, der seit Jahren da ist, plötzlich weg muss, weil er ja der letztendliche Beweis dafür sein könnte, dass man ein asoziales Schwein in seiner Suhle ist …) und später natürlich das Gewandere auf dem Lichterfest – da ist so eine Zahl wenig verwunderlich!

Der seltsame Wetterwechsel von „kühl und wolkig“ als ich Laufen war zu „knackenheiß und wolkenlos“ gegen Mittag sorgte dafür, dass ich massive Kopfschmerzen bekam und mich noch einmal hingelegt habe.

Um halb fünf kam dann die Waldnymphe und wir zogen los, Proviant fürs Fest zu kaufen. Dazu gingen wir ins Prollo-Kaufland. Denn es bestand die geringe Chance, dort Schnittchen zu sehen. Schnittchen ist ein immens hübscher, immer gut gelaunter Verkäufer, den man leider viel zu selten dort antrifft. Ich hatte ihn bisher erst zweimal gesehen und begeistert von ihm berichtet.

Große Hoffnungen, dass er da sein könnte, hatte ich also nicht – aber ´lo and behold – kaum betraten wir die gekühlten Hallen, erspähten wir ihn! Waldnymphe war angetan. Und als wir dann später noch in der italienischen Bar, in der wir zu Abend gegessen haben, ebenfalls zwei attraktive Herren bewundern durften, war die Schnittchensättigung für diesen Tag erreicht.

Wen wir außerdem noch trafen war Is., die ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte! Sie ist eine alte Schulfreundin und wir haben uns aus den Augen verloren, als sie einen Mann heiratete, der sehr oft wegen sehr vieler Dinge sehr beleidigt sein konnte, was ich anstrengend fand. Jetzt haben wir Telefonnummern ausgetauscht und ich hoffe, dass wir wieder etwas mehr Kontakt haben können.

Das Fest selbst war sehr, sehr voll aber auch sehr, sehr schön. Wir beklatschten und bejubelten Voller Napfs Ballettkünste (sie ist echt gut! Ich stelle mir das mit der ganzen Körperspannung ungefähr so anstrengend vor wie eine halbe Stunde lang Plank), setzten uns an den Weiher um Bitter Lemon und Chips zu uns zu nehmen, trafen bei Voller Napfs zweiter Vorführung auf ihre besseren Drittel K. und T., mit denen wir dann noch auf dem Fest herumzogen und gingen dann, wie schon erwähnt, italienisch essen. Ich hatte Pizzabrot und einen Ziegenkäse-Walnuss-Salat. Sehr wohlschmeckend.

Kurz nach zehn dann zurück in den Schlossgarten und um zwanzig vor elf ging das Feuerwerk los. Wie immer war es unglaublich gut choreographiert und wunderschön anzusehen. Hat sich wirklich gelohnt!

Ein schöner Tag. Und jetzt bin ich ein wenig übermüdet, habe aber schon meine Laufrunde in den Beinen und gehe nachher noch ins Gym. Vermutlich zumindest.

Vorbereitungen. Nicht ganz richtig im Kopf und so.

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Noch nicht fertig, da fehlen noch Accessoires.

Die Wölfe für die neue Futter-Abwechslungs-Kategorie sind in Arbeit. Brauchen nur noch einen catchy Titel. Daran arbeite ich noch (Vorschläge sehr willkommen!). Heute Mittag werde ich das erste „esse ich selten oder habe ich sogar noch nie gegessen“-Ding kaufen. Ich bin gespannt, was es wird. Dazu begebe ich mich extra zum Voldemart (damals, als Walmart versuchte, in Deutschland Fuß zu fassen, war dieser Supermarkt kurzfristig ein solcher und wir haben ihn mit der bösen Bezeichnung belegt – „der Markt, der nicht genannt werden darf“ – und gemieden. Walmart ist schon lange wieder weg aber der Name blieb hängen). Naja, nicht extra deswegen. Für gutes Obst und Gemüse begebe ich mich lieber zum Gemüsemenschen in der Fußgängerzone. Aber ich brauche noch ein paar andere Dinge, die es beim Aldi nicht gibt. Und weil der Voldemart auf dem Weg von der Arbeit nach Hause liegt, kehre ich eben dort ein.

Unnötig langer Exkurs für eine einzelne Sache: Werde selten Gegessenes/Neues kaufen. Werde Montag die Wölfe berichten lassen. Wölfe brauchen Teamnamen.

Ich freue mich auf die Herausforderung. Und es wird mir guttun, etwas diversifizierter zu essen. Sollte ich mir in Habitica eintragen.

Eine ganz andere Herausforderung steht für morgen an. Zum ersten Mal seit fünf Jahren lasse ich jemanden in meine Wohnung, der nicht meine Eltern ist. Klingt beknackt? Ist es auch. Aber eine fette Agoraphobie kann sich auch darin äußern, dass man Angst hat, andere Menschen ins „Sanctum“ zu lassen. Völlig egal, wie nahe sie einem stehen. Das ist eng mit anderen sozialen Angsstörungen verknüpft und bedeutet im Prinzip, dass man davon überzeugt ist, die Wohnung sei einerseits „heilig“ und niemand dürfe sie betreten, andererseits aber auch so eklig, dass man sie niemandem zumuten könne.

Beknackt, ich weiß. Verrückt sein ist nix für Weicheier.

Ich bin weder ein Messi (ich werfe unheimlich gern Dinge weg!) noch ist es besonders schmutzig bei mir (wenn ich auch, um Max Goldt zu zitieren, froh bin, dass dreckige Fenster nicht stinken. Fensterputzen ist mir eine Qual). Aber es kommt mir trotzdem furchtbar vor.

Aber mittlerweile bin ich mit meiner Heilung/Therapie an einem Punkt, dass ich das unbedingt ändern möchte. Morgen ist dafür die perfekte Gelegenheit. Es ist Lichterfest im Schlossgarten. Voller Napf tanzt dort mit ihrer Ballettschule. Die Waldnymphe und ich werden zuschauen und Hurra rufen (der Erklärfaun ist auf einem Con). Und da wäre es ja dämlich, nicht vorher bei mir einen Picknickkorb vorzubereiten ….

Ich hoffe, ich kriege das hin. Es muss einfach mal klappen. Ich brauche ein Erfolgserlebnis in meiner Entwicklung. Drückt mir die Daumen!

Außerdem dieses Wochenende: Grillen mit J1 und D. Immer ein Fest! Und ein Garant dafür, dass ich zusätzlich zur noch zu erwerbenden Frucht/Gemüse-Novelty auf jeden Fall etwas essen werde, das ich sonst nicht bekomme. Denn niemand findet mehr abstruse neue Lebensmittel als J1!

Nahrungsmittelvielfalt

Bei MsMarmiteLover habe ich ein Interview mit Professor Spector gelesen, der als Spezialist für Darmflora und dergleichen unterwegs ist (sein Buch klingt im Klappentext sehr fettlogisch, im Interview propagiert er aber CICO, so dass ich nun etwas verwirrt bin). Dieser Herr sagt unter anderem, dass wir heutzutage viel zu eintönig essen. Ein Fast-Food-Convienienceprodukte-Addict nur zehn (10!) verschiedene Dinge pro Woche. Der Durchschnittsmensch etwa 30.

Das klang erst einmal schockierend wenig. Aber dann habe ich angefangen, mal zu zählen, was ich in der letzten Woche an Zutaten für mein Essen hatte …

  1. Quark
  2. Joghurt
  3. Sojajoghurt
  4. Feta
  5. Sojamilch
  6. Mandelmilch
  7. Kokosmilch
  8. Hafermilch
  9. Kaffee
  10. Malzkaffee
  11. Zucchini
  12. Auberginen
  13. Paprika
  14. Spitzpaprika
  15. Gurken
  16. Cherrytomaten
  17. Ochsenherztomaten
  18. Kartoffeln
  19. Tofu
  20. Plattpfirsische
  21. Heidelbeeren
  22. Himbeeren
  23. Brombeeren
  24. Nektarinen
  25. Mango
  26. Haferflocken
  27. Flohsamenschalen
  28. Bananen
  29. Erdnussbutter
  30. Nüsse
  31. Kokoswasser
  32. Schokolade
  33. Kokosöl
  34. Sojasauce
  35. Wasser (darf man das zählen? Vermutlich nicht)

… dann ist das nur grade mal so eben Durchschnitt, obwohl es eigentlich recht gesund klingt, oder nicht? Und im Winter wird es nicht eben reichhaltiger, weil es weniger Obst- und Gemüsesorten gibt! Kochfreaks und Gourmets kommen laut dem Professor auf etwa hundert verschiedene Zutaten pro Woche. Naturvölker auf sechshundert (wie machen die das?).

Für meine Innereien ist diese Einseitigkeit nicht so günstig, sagt der Professor (und das leuchtet mir durchaus auch ein). Und damit natürlich auch für Muskelaufbau und Gesundheit. Das gibt mir zu denken. Denn eigentlich liebe ich Vorhersehbarkeit und Routinen. Ich mag es, immer das Gleiche zu essen. Das wird mir monate- bis jahrelang nicht über.

Wie kann ich diese Freude an der Einfachheit mit einer etwas abwechslungsreicheren Diät verbinden? Auf hundert verschiedene Zutaten komme ich im Leben nicht. Dazu hätte ich den Nerv nicht, mich jede Woche durchs Angebot beim Gemüsemann und durch den kompletten Hipsterrewe zu gucken. Das ist natürlich auch eine Ausrede. Aber genau da liegt eben meine Grenze.

Niedrigschwellige Veränderungen. Ich kann mir vornehmen, jede Woche eine Obst- und eine Gemüsesorte, die ich sonst nicht kaufe, mitzunehmen. Jede Woche ein mir unbekanntes Lebensmittel finden. Das wäre doch mal eine Aufgabe für meine Wölfe! Nachdem ich derzeit zu muffelig für meinen Körperfettanteil bin, sind sie eh unterbeschäftigt. Die wöchentlichen „Gaia’s Goodness“-Wölfe. Für mich eine Möglichkeit, wieder niedliche Werwölfe zu zeichnen. Win-win!

Mehr Bodyweight, weniger Menschkontakte

Es ist immer das Gleiche … sobald es mir seelisch weniger gut geht, ziehe ich mich zurück. Daran konnte keine Verhaltenstherapie der Welt bisher etwas ändern. Einzig die Frequenz und Amplitude des „weniger gut“ hat sich geändert und ist erträglicher geworden. Keine Ahnung, ob es überhaupt möglich ist, eine Depression und Angststörungen je komplett zu heilen. Denn wenn der Spaß tatsächlich eine Fehlfunktion im Hirnstoffwechsel ist, muss es ja genetisch sein und deshalb ursächlich wohl kaum mit freundlichen Achtsamkeitsübungen zu vertreiben (ich simplifiziere bewusst).

Auf jeden Fall gruselt mich in solchen Phasen die Aussicht, im Gym auf kommunikative, gut gelaunte Menschen zu treffen und mich im Extremfall sogar mit ihnen auseinandersetzen zu müssen, weil sie ein Gerät belegen und ich darauf warten muss. Soopahcreeepy. Geht gerade gar nicht.

Weshalb ich den einfachen Weg gewählt habe und im Moment nur noch für mich allein Sport mache. Bodyweight. Und Hanteln.

Es ist immer ein guter Indikator für meinen Gemütszustand. Ich fange meistens schon an, auf Prison Workout- oder „Welche Kurzhantelübung für welche Partie …“-Seiten zu landen, lange bevor ich aktiv merke, dass es mir seelisch schlechter geht. Wenn ich mir Preise für Springseile und Hantelbänke ansehe, ist dann eigentlich alles klar und der Käse gegessen.

Aber im Ernst. Ich möchte schon lange ein Sofa rauswerfen und stattdessen eine Hantelbank stellen. Dumm nur, dass es so ein Aufwand ist, diese beschissenen Riesensofas, die ich nie haben wollte, die aber von einer früheren Beziehung einfach dagelassen wurden, aus der Wohnung zu bekommen. Irgendwann zersäge ich die Monster einfach.

Und ansonsten bleibt es derzeit bei Laufen (heute vielleicht … ich sollte noch pausieren, weiß aber nicht, ob ich das schaffe), Bench Dips zwischen Schreibtisch und Stuhl (nicht so gefährlich, wie es sich anhört, da der Abstand zur Wand perfekt ist und der Stuhl deshalb nicht wegrollen kann), Kickbacks, Skull Crushers und dergleichen. Wozu ich dann aber jeden Monat so viel fürs Gym bezahle, ist natürlich rätselhaft.

Vermutlich weil ich immer wieder hoffe, irgendwann „normal“ sein zu können. Letzten Winter hat es ja auch geklappt. Zwar haben mich die Leute dort allein durch Anwesenheit maximal angekäst – aber ich bin trotzdem hin! Schaffe ich derzeit nicht.

Ruhe reinbringen

Vom Kollegen eine in Gallifreyan beschriftete Kette mit dem Time Lord Seal bekommen. #drwho

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Ich habe es tatsächlich geschafft, gestern nur drei Sätze Bench Dips (der Trizeps ist immer noch mein großes Thema) und sonst gar nichts zu machen. Gut, eine größere Putz- und Aufräumorgie – das lag aber daran, dass der neue Grafiktreiber sich nur sehr zäh herunterladen und installieren ließ. Jedermann weiß schließlich, dass nie so viel und so gründlich Hausarbeit erledigt wird wie in der Zeit, in der man darauf wartet, dass ein Computer etwas tut oder das Internet wieder verfügbar ist.

Aber sonst habe ich tatsächlich nichts getan. Habe meinem Körper Zeit gegeben, sich etwas zu erholen. Und es scheint zu wirken. Ich bin schon ein wenig wacher, habe besser geschlafen und weniger Schmerzen. Was auch hilft, den emotionalen Druck rauszunehmen, ist, dass ich wieder am leichtesten Punkt meines Zyklus angekommen bin. Jeden Monat lagere ich bekanntermaßen vier Kilo Wasser ein und gebe sie in den letzten anderthalb Zykluswochen wieder ab. Stetiges Geschwanke zwischen 58 und fast 62. Macht mich saumäßig wütend und verunsichert zutiefst, weil ich mir jeden Monat einbilde, das mit dem Gewichthalten gnadenlos zu versauen. Nur um ebenso jeden Monat völlig überrascht zu sein, wenn ich wieder bei 58,1 lande. Leider nie 57 oder gar darunter. Aber das erreiche ich vielleicht in einer Abnehmrunde im Winter. Da bin ich noch nicht sicher. Prinzipiell ist das große Endziel immer noch die 56. Aber ob ich das schaffe, weiß ich nicht. Dazu müsste ich wahrscheinlich eine ganze Weile auf Sport verzichten, um die Kalorienmenge ausreichend zu reduzieren. Und so eine mies-heftige Cuttingphase ist derzeit einfach nichts, was ich tun möchte.

Pareto-Abnehmen. Die letzten zwanzig Prozent (wobei das ja sogar deutlich weniger sind … die letzten fünf Prozent!) sind um den Faktor vier schwerer als alles davor.

Lieber noch ein wenig Haltephase üben. Und dabei regelmäßig in Panik und Trübsal verfallen, sobald die monatlichen Wasserkilo ankommen. Regelmäßig davon überzeugt sein, dass man es nicht schafft und gnadenlos wieder fett wird. Ach, gesund leben ist nix für Sissies!

Sich selbst annehmen. Mal wieder.

Symbolbild: Fehlende Perfektion.

Mit ein Grund für Übergewicht kann ja auch sein, dass man sich selbst bestrafen will. Sich möglichst dem inneren, negativen Bild anpassen möchte. Man fühlt sich wertlos, abstoßend und unfähig und baut sich unbewusst den dazu passenden Körper. Da können die Fat-Acceptance-Leute noch so propagieren, dass auch dicke Menschen sexy, stark, sportlich und erfolgreich sein können (das mit dem „sportlich“ bestreite ich außerhalb von Schach und vielleicht noch Boule mal ganz erheblich. Außer man legt die Latte ganz, ganz tief und wertet schon Spazierengehen als Sport. Fight me IRL!) – für mich war das nie Realität. Ich habe mich selbst aus tiefster Seele verabscheut und fand den blobartigen Körper irgendwann genau meinem Selbstbild angemessen. Depression und Angststörung taten ihr Übriges und so habe ich mir mein eigenes, schwabbeliges Gefängnis zusammengefressen. (Bitte im Kopf behalten: Das ist meine ganz spezielle Wahrnehmung! Kein Dogma für irgendwas! Das berühmte Mileage may vary.)

Sollte man doch meinen, dass diese Geisteshaltung sich mit der Abnahme und der wachsenden Bemuskelung verflüchtigt hätte. Tja, Pustekuchen! Weiterhin kriege ich Hals, wenn ich mein Kalorienziel verfehle (als ob man Kalorien soooo genau zählen könnte … also im Bezug auf den nie völlig bis zur letzten Kalorie eingrenzbaren Verbrauch). Einerseits lache ich immer leise über die Leute im Forum, die sich um dreißig, fünfzig Kalorien hin oder her Gedanken machen, bin dann aber selbst angefressen, wenn ich statt 1740 einmal 1760 Kalorien gegessen habe. Und ich hasse mich exzessiv, wenn ich meine Sportziele nicht erreiche.

Ich merke, dass ich eigentlich mindestens drei Tage bis eine Woche Sportpause bräuchte. Mein Körper entwickelt Entzündungen, ich schlafe schlecht, ich habe Knochenschmerzen und der Kreislauf geht in die Knie. Alles schreit „mach mal langsam!“. Aber ich kann es einfach nicht. Denn dann würde ich unweigerlich meinen Trainingsstand verlieren. Ich würde zu viel Essen und sofort wieder fett wie Butter werden. Ich habe gestern meine Gymzeit ausfallen lassen … nur um dann abends Hanteltraining und Bodyweight zu machen, weil ich es mit mir selber („dem faulen Schwein“) nicht mehr ausgehalten habe.

Kurz: Ich mag jetzt schlank und sportlich sein, aber krank im Kopf bin ich immer noch. So ein Scheiß!

Übergewicht entsteht unter anderem auch durch Sucht. Und jetzt habe ich die Sucht nach Essen um die Sucht nach Bewegung ergänzt.

Das hab´ ich total fein gemacht. Nicht.

Ich hatte am Samstag darüber ein Gespräch mit der Waldnymphe. Meine beiden Liebsten stehen meiner Selbstzerstörung reichlich hilflos gegenüber. Aber zumindest der Erklärfaun hat – in leichterer Form – ähnliche Züge. Und von ihm höre ich „das gibt sich“ und „lass Dir Zeit“.

Irgendwie habe ich aber das Gefühl, dass es nicht besser wird.

Oder ist das wieder mein Perfektionszwang? Dass ich nicht warten kann. Nicht aushalten. Dass ich eine himmelhohe Anspruchshaltung habe.

Von anderen Menschen erwarte ich gar nichts. Ich freue mich über alles. Aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich für irgendwen liebenswert sein könnte, wenn ich nicht absolut fehlerlos bin.

Ich hoffe wirklich, dass der Erklärfaun recht hat und ich irgendwann gelassener werde. Denn diese ewige Anspannung führt nur zu Kompensationsverhalten wie eben dem rigorosen Sportpensum und der ewigen Gier nach Essen.