Die Sache mit dem Frühstück

Portrait_Dances_with_Fire

Endlich fertig.

Ich frühstücke nicht. Über die Jahre konnte man in der öffentlichen Meinung von „wichtigste Mahlzeit des Tages“ über „… wie ein Kaiser …“ bis hin zu „… ist das neue Rauchen“ alles finden. Die übliche Pluralität eben.

Meine Mutter meint, dass ich schon als Kind kein Frühstück hätte essen wollen. In meiner Erinnerung esse ich aber eigentlich nach dem Melken und vor dem zur Schule gehen immer etwas. Seltsamerweise kann ich mich jedoch nicht erinnern, was. Also ist das eine falsche Erinnerung? Ich weiß, dass ich morgens immer Radio gehört und gelesen habe … das ist sicher. Und irgendwie ist damit auch Frühstück verknüpft. Aber sehr vage … Hm. Ich habe ein furchtbares Gedächtnis. Sehr selektiv. Filmzitate aus grausamen Hong Kong Movies der Achtziger? Aber hallo! Wichtige Dinge aus meiner Kindheit? Watt?

Seltsame Sache jedenfalls.

Seit ich abgenommen habe, esse ich bis 13 Uhr gar nichts. Meine Form des intermittierenden Fastens, die aber nur bei großer Selbstkontrolle funktioniert. Denn wenn ich eins kann, dann in kurzer Zeit sehr, sehr viel essen. IF würde also wenig bringen, wenn ich das Ganze nicht auch noch im Essensfenster harsch an der Kandare halten würde. Ich habe die genetische Veranlagung zu Fettleibigkeit – nicht diesen unbelegten Quatsch mit „guter Futterverwerter“ oder „langsamer Stoffwechsel“, sondern eben den monströsen, ungesunden Appetit.

Egal wie – kein Frühstück. Denn das bringt mir nichts und ich bin vor dem Mittagessen noch viel hungriger als ohne Frühstück. Kann ich mir also schenken. Esse ich nämlich morgens nichts, habe ich zwar Hunger aber wenigstens nicht diese unglaubliche, rein eingebildete Gier, die es mir fast unmöglich macht, mich zu konzentrieren. Kurz: Andere Leute vertragen Frühstück, für mich ist es Kryptonit.

Bleibt nur der schon erwähnte Kopf-Faktor. Denn der flüstert mir ständig zu, wie toll es doch wäre, etwas zu essen. Wie lecker und wundervoll. Und gar nicht schädlich. Dass ich gaaaanz bestimmt diesmal keinen unsäglichen Hunger davon bekommen würde. Es geht soweit, dass es sehr ablenkend wird, weil ich hibbelig werde. Futter. Möglichst energiedicht. Zucker, Fett. Jetzt.

Das kostet sehr, sehr viel Kraft. Und manchmal verliere ich und hasse mich dafür den Rest des Tages.

Ich bin ziemlich frustriert, dass ich so ein beknacktes Verhältnis zu Essen habe. Nahrung sollte nichts sein, über das ich mir konstant Gedanken machen muss. Aber ich habe nur die Wahl zwischen „ich höre auf meinen Körper; esse, so viel der meint zu brauchen und werde wieder fett wie Butter“ und „ich muss mich konstant an der kurzen Leine halten. Bei egal was. Stetiges Überwachen. Dafür dann aber auch Gesundheit.“

Schon ganz schön doof.

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6 Kommentare

  1. Das ist (unter anderem) auch mein Problem. Ich kann den ganzen Tag essen. Vor allem wenn ich frühstücke. Als Kind hab ich frühestens um 10 gegessen, mir aber irgendwann das frühstücken “anerzogen“. Und es ist jetzt unglaublich schwer, mir das wieder abzugewöhnen. Essen kann ich eh immer. Mein Problem ist auch nicht der richtige Hunger, den kann ich ganz gut aushalten, sondern der Appetit, wie du schreibst, die “Gier“. Hab da aber noch kein Patentrezept gefunden. Manchmal funktioniert Ablenkung, manchmal nicht. *seufz*

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    1. Ja, Ablenkung scheint manchmal tatsächlich hilfreich zu sein, da hast Du recht … Aber gerade eben kam der Kollege mit ´nem Rest Torte von gestern ins Büro und ich habe jetzt schlimme Gelüste. Verdammt ist das schwer!
      Abends hilft eine Tasse koffeinfreier Kaffee. Manchmal. *seufz*

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  2. Ich habe als Teenager nicht gefrühstückt, keinen Hunger/Appetit, mir es dann auch angewöhnt, zeitweise klassisch Brot (aber immer mit salzig, nicht mit süß, bin kein Fan von süßem Frühstück), dann eine lange Zeit Haferflocken, mit heißem Wasser „aufgegossen“ und dann Schluck Milch dazu – schmeckt besser, als es auch liest;-). Was ich nie verstanden habe: dass ich mit dem Haferflockenfrühstück enorm hungrig wurde, teilweise schon eine Stunde später. Eine Zeitlang habe ich dann morgens Rührei gefrühstückt und gemerkt, dass ich von Eiweiß (&Fett) besser und vor allem länger satt werde als von Kohlehydraten… Inzwischen frühstücke ich auch nicht mehr, spare mir die Kalorien und komme damit gut zurecht – der normale Hunger und Appetit um die Mittagszeit ist nichts im Vergleich zu dem Heißhunger, den ich nach Kohlehydrat-Frühstück hatte.

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  3. Ach so, wollte noch sagen: Ist doch praktisch, wenn man den Körper noch eine Weile im Autophagie-/Selbstverzehr-Modus lässt, in dem er auch in der Nacht ist, ohne ihn durch Anschmeißen des Verdauungssystems da raus zu reißen!

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