Der virtuelle Bücherstapel, die Schwarmintelligenz und ein klein wenig Culinary Diversity

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… weshalb die Wölfe zumindest ein bisschen eitel posieren dürfen! Wirklich neu und aufregend ist es zwar nicht, aber ich hatte die Nase voll, immer nur Äpfel, Äpfel, Äpfel und Äpfel in meinen Porridge zu schnibbeln. Der Winter bietet nun mal nur wenig Abwechslung, obsttechnisch. Außer man nimmt weitgereiste Sachen. Oder Zitrusfrüchte (die sind nur mittelweit gereist). Aber zum Glück gibt es das Tiefkühlfach! Ich liebe Beeren in allen Variationen und beim Prollo-Kaufland gab es einen günstigen 750-Gramm-Sack mit einer bunten Mischung aus Erd-, Heidel-, Johannis- und Himbeeren. Das habe ich aufgeteilt und kann nun jeden Abend bei der Vorbereitung meines Porridge für den nächsten Mittag einfach eine gefrorene Portion Früchte in den frisch aufgekochten Pampf einrühren. Sehr schön. Muss ich öfter machen! Ein bisschen Sommervielfalt zurückholen.

Gestern war ich Teil der Schwarmintelligenz des Internet.

Generell kann ich mit Twitter wenig anfangen. Ich mag die Bonmot-Sammlungen, die manchmal mit „best of Twitter“ auftauchen, halte aber sonst von den vielen Verkürzungen eher wenig. Ich bleibe altmodisch bei Blogs oder Messageboards, die eine Vertiefung von Gedanken ohne Zeichenbegrenzung ermöglichen.

Normalerweise kann ich grobe Vereinfachungen ganz gut wegwedeln. Aber gestern ist mir dann doch der Kragen geplatzt, als auf meinem tumblr-Dashboard ein kleiner Vollquatsch auftauchte, der aus dem „plötzlichen Untergang“ des römischen Reiches eine Analogie zu den Vereinigten Staaten 2017 stricken wollte. So viel Unkenntnis war mir dann doch zu arg und ich habe das Ding ge-reblogged und hinzugefügt, dass das „römische Reich“, sofern man den Beginn des „Untergangs“ mit dem Wechsel von Republik zu Kaiserreich ansetzt (und wo genau? Triumvirat? Octavian? Kaiser ohne Senatshintergrund? Soldatenkaiser?), immerhin noch tausend Jahre bis zum Verfall brauchte. Was wohl kaum „plötzlich“ ist. Eher das Gegenteil! Wenn die USA sich nach Trump noch ein Jahrtausend halten, ist das doch eine beeindruckende Leistung.

Ich hätte gedacht, dass ich auf diese korinthige Nörgelei hin ein Shitstörmchen der Analogie-als-Aphorismus-Fraktion (die auf tumblr wirklich sehr dominant sein kann) ernten würde. Aber stattdessen bekam ich freundliche Nachrichten und ein paar Reblogs.

Auch fein. Ich habe auf meine nerdige Weise dazu beigetragen, das Gesamtbildungsniveau im Nanobereich zu heben. Yay me.

Ich habe es schon wieder getan: Ein Buch gekauft, obwohl ich mit dem letzten noch nicht fertig bin. Das mache ich ständig. Allerdings erst, seit ich praktisch nur noch Ebooks kaufe. Zu Zeiten der Holzmedien waren mir die wachsenden Stapel ein gar zu offensichtliches Memento Mori. Aber seit sich Bücher in winzige Dateien packen lassen und dann jederzeit verfügbar auf meinem Reader herumschlumpfen, habe ich etwa zehn angefangene Romane und zwei Sachbücher. Und dann noch fünf nicht einmal angefangene …

Weil es so verdammt bequem ist! Ich lese im Internet eine Rezension, denke „Oh, das könnte mir gefallen!“, muss nicht mehr wie früher zur Buchhandlung wandern und warten, bis die Bestellung ankommt, sondern mache einen Klick und das Ding sitzt in meiner virtuellen Bibliothek. Hat anklickbare Querverweise, weiß immer, bis wohin ich letztes Mal gelesen habe und lässt sich auch als tausend-Seiten-Wälzer in einem Gerät herumtragen, das nur ein paar hundert Gramm wiegt (I’m looking at you, Jules Verne!). Und das mir nebenbei Reddit, Skype, etliche Spiele, meine Mails, Instagram, MFP, Habitica, Filme und Musik bietet …

Ich werde mittlerweile ungehalten, wenn es ein Buch, das ich haben möchte, nicht als kindle- oder epub-Version gibt. Dann kaufe ich es nicht. Denn in meiner Wohnung stehen noch genügend Bücherregale herum, um mich zu nerven. Ich werde sie nach und nach abschaffen. Und wenn dann die Zombieapokalypse kommt und es keinen Strom mehr gibt … ist mir das auch egal, weil ich dann andere Sachen zu tun haben werde. Mit dem Jagdbogen auf Plünderer schießen zum Beispiel. Oder Hühner und Ziegen züchten.

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