Ach watt, Leben!

Die nichtlustigen Dinge einer sexuellen Orientierung

Following in your father's footsteps

Leben geht weiter, Angstattacken im Alltag werden wieder weniger, oder nehmen zumindest in ihrer Intensität ab. Das Stehen im Büro tut mir nicht nur in der Schulter, sondern auch am Kalorienbudget und der Beinmuskulatur gut – alles ist also sehr, sehr normal.

Weshalb ich einfach mal so, völlig zusammenhangslos herumnörgle.

Ich habe selten Probleme wegen meiner sexuellen Orientierung. Mag daran liegen, dass es ja eher die Abwesenheit von Orientierung ist und somit wenig Angriffsfläche im täglichen Leben bietet. Oder daran, dass man als Frau recht unangefeimdet mit einer anderen Frau und einem Mann Hand in Hand durch die Straßen einer weltoffenen Universitätsstadt laufen kann. Die Konstellation weiblich-weiblich-männlich in einer Beziehung ist auch für die meisten Menschen einfacher zu schlucken, als es männlich-männlich-weiblich wäre. Aber um den Polyaspekt des Lebens soll’s hier gar nicht gehen.

Sondern um die zwei Punkte, die mir immer wieder begegnen und mich ein ganz klein bisschen ankäsen.

Erstens bietet man mit Asexualität eines der letzten Refugien, in dem auch sonst sehr offene Menschen aus tiefster Seele und Überzeugung, selbst in den progressivsten Kreisen, unwidersprochen „krankhaft“ sagen können. Denn die Vorstellung, dass jemand so „unnatürlich“ ist, keinen Sex zu brauchen/wollen, ist den meisten Menschen derart fremd, dass es ja „gar nicht sein kann“, dass andere Leute „von sich aus“ so veranlagt wären. Ich höre dann selbst aus den Mündern der BDSM-lastigsten Pan-Swinger, dass ich entweder „in der Kindheit bestimmt missbraucht“ wurde, „nur ein hormonelles Ungleichgewicht“ habe oder es „nur eine Phase“ ist.

Das ist übergriffig und das nervt. Sehr. Und die grey-Ace-Aspekte, die gefühlt 95% aller Asexuellen recht offen leben, werden dann natürlich als Beweis für die kruden Krankheits-Theorien gewertet. „Du guckst gern Porno? Dann hast du ja doch Spaß an Sex und bist normal, nur ein bisschen frigide!“ (ich jetzt nicht. Und wenn, dann ohne Ton, weil ich sonst zu sehr lachen muss) . Seufz. Tja. Da machste nix! Da hilft auch „Ich gucke auch gern Supernatural und habe trotzdem noch keine Gräber geschändet!“ oder „Und Anthony Hopkins frisst Menschen?“ gar nichts.

Bringt mich zu Zweitens. Wenn es so verdammt schwer ist, Leuten zu vermitteln, dass man als Ace (in meinem Falle – es gibt hunderttausende verschieden Ausprägungen, ich kann wirklich nur von mir sprechen) vor sexuellem Kontakt keine Angst hat oder allein vom Gedanken daran kotzen muss, sondern es einfach nur derartig albern und fremdartig (im Sinne von: „Ich mag nicht, dass mein Körper das jetzt tut, weil ich mich sonst für alle Beteiligten wie Hulle fremdschäme“) findet, dass man es nicht möchte. Man kann das mit Volkstanz vergleichen. Machen manche Leute gern, Kostüme sind auch hübsch, guckt man auch mal zu – aber allein die Vorstellung, an so etwas beteiligt zu werden, lässt mich kichern und mich dann schütteln. Ich habe es für die Menschen, die ich liebe, getan (so, wie man mit in die Oper geht, weil der Partner es toll findet, man selbst aber dann in der Zeit das Programmheft auswendig lernt … und sich daran freut, dass ein geliebter Mensch einen wundervollen Abend hat, zu dem man mit purer Anwesenheit beitragen kann) – aber nun habe ich das unendliche Glück, mich ganz auf die romantischen Aspekte meiner Partner konzentrieren zu dürfen, ohne das vage Schuldgefühl im Nacken, dem Gegenüber ein wichtiges Beziehungselement kaputt zu machen. Sehr, sehr erleichternd!

Fazit des mäandernden Schachtelsatz-Klammern-Fiaskos: In den meisten Fällen sollte man selbst guten Freunden nichts erzählen, wenn man Asexuell ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie es akzeptieren (oder auch nur ohne „ich kenne da einen Therapeuten, der …“ tolerieren) ist sehr gering.

Wird vielleicht irgendwann besser.

Das war jetzt ein ganz schöner Seelen-Striptease … aber vielleicht hilft es ja irgendwem weiter, der einen Ace in der Umgebung hat oder selbst vermutet, Ace zu sein. Dann hätte es sich gelohnt!

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Ach watt, Leben!, Training

Alltagsbewegungen und Training – eine Kalkschulter geht ihren Weg

Tyger Tyger, burning bright,

Ich habe mich dieses Wochenende nicht geschont. Am Samstag normal fünf Kilometer laufen gewesen und fünfzehn Kilometer Rad gefahren. Sonntag wieder fünf Kilometer joggen, dann aber dreißig Kilometer Radfahren. Normalerweise ein sicherer Weg, meine Schulter zum Heulen, Luftanhalten-bis-was-passiert und generellem Superschmerz zu bringen.

Zumindest war das vor dem Stehschreibtisch so! Denn heute Morgen habe ich zwar ein bisschen Muskelkater in den Beinen (nicht viel, eher eine gewisse Schwere), aber die Schulter tut so, als sei kaum etwas gewesen! Tja, da scheinen die neun Stunden verkrampfte Haltung täglich, die ich vor der Ankunft des Stehtischs wohl unbewusst eingenommen habe, sich tatsächlich heftiger ausgewirkt zu haben als die drei, vier Stunden Sport pro Woche. Nein? Doch! Oh!

Wie man sieht habe ich das perfekte Frühsommerwochenende also nach Kräften ausgekostet. Ich habe die Gelegenheit genutzt, das Fahrrad mit der Pressluft-Dings-Maschine der Vatereinheit auf Auto-Reifendruck zu bringen, was mir im Schnitt vier km/h mehr einbrachte! Schon heftig, was so etwas ausmacht. Und es ist ja nicht so, als sei ich den Winter über mit platten Reifen herumgegurkt (außer natürlich, dass mir irgendjemand aus dem Haus das hintere Ventil aufgedreht hat. Ich habe die Kinder als einzige Verdächtige, kann aber nichts beweisen. Schlimmstenfalls muss ich eine Kamera anbringen, um die Bratzen abzuschrecken), aber handaufgepumpt wird augenscheinlich von maschinenaufgepumpt um Längen geschlagen.

Nun auf in eine kurze Woche (ich musste wegen des einzig erhältlichen Termins bei meiner Psychologin Freitag morgens um zehn leider einen Tag Urlaub verblasen), der sich ein langes Wochenende anschließt. Schade, dass das wettertechnisch wohl eher mau bis Mist wird – aber wenigstens feiern J1 und D. ihren zehnten Hochzeitstag und wir gehen am Samstag völlig wetterunabhängig aus.

Ach watt, Leben!

Endlich Freitag!

Meine Antwort auf Voller Napfs Mail von Gestern. Fand sie sehr lustig. Mein enttäuschter Magus und sein ebenso enttäuschter Familiar.

Und das sage ich nicht, weil mich die Woche im Stehen so sehr angestrengt hätte (hat sie schon – zu behaupten, der Übergang von sitzender zu stehender Lebensweise wäre völlig schmerzfrei, wäre gelogen!), sondern weil es einfach so viel war …

Ich laboriere noch am Zusammenbruch herum (ich nehme immer noch Medikamente) und irgendwie ist die Arbeit nicht weniger geworden. Ich habe ein gutes Stück weggeschafft, habe aber immer noch das Gefühl, vor einem Matterhorn aus Deadlines zu stehen, das sich langsam und bedrohlich nach vorne neigt.

Außerdem wurde einmal mehr der Beweis für die These, dass Wärme Menschen blöd macht, erbracht. Jeden Tag Stau, weil irgendjemand eine beknackte Entscheidung getroffen hat, deren Konsequenzen Autobahnen gesperrt haben. Sehr, sehr anstrengend. Das ist sonst nicht so gehäuft!

Und dann bin ich heute Morgen noch fast die Treppe hinuntergefallen, weil ich nachsehen wollte, ob die Wohnungstür richtig zu ist. Dabei habe ich mir irgendetwas in Hüfte/Oberschenkel gezerrt und das tut nun in jeder Haltung weh. Mistundverflucht. Ich hoffe, das beeinträchtigt nicht meine Fahrradfahrpläne für dieses Wochenende!

Aber, wie Günther der Treckerfahrer sagt: Munter bleiben! Ich freue mich darüber, dass die neuen Shorts und Leggins an mir gut aussehen (mache ich etwa langsam Frieden mit meiner Beistelltischfigur? Wer weiß!), dass ich heute Abend Qualitätsfreitag mit Filmgucken habe, dass wir morgen Mage spielen (wenn auch ohne Voller Napfs leckeres Essen) und dass ich am Sonntag früh morgens lange Fahrrad fahren werde.

Ach watt, Leben!, Training

Büroarbeit im Stehen, ein Erfahrungsbericht. Teil 2

Napf
Oh nein, was soll ich nur tun? :D Und was ist eine Kolossos-Pizza?

Tag vier meiner Steharbeit. Das Tal der Tränen war schmerzmäßig am zweiten Tag erreicht und am dritten durchschritten. Der zweite war wirklich hartes Brot. Ich musste oft meine Füße nach hinten auf den Bürostuhl, der ja noch dasteht, hochklappen. Seit Tag drei habe ich aber auch statt meiner Summerchucks meine Laufschuhe an. Die sind schließlich maximal abgepolstert.

Meine tägliche Stehzeit beträgt je nach Meetingdichte zwischen sieben und achteinhalb Stunden. Das ist jetzt schon wirklich gut zu schaffen. Ich denke zwar immer noch darüber nach, was bedeutet, dass es eben noch nicht völlig selbstverständlich ist, aber ich nähere mich an. Ich denke, in zwei Wochen will ich es definitiv nicht mehr anders.

Was sich noch ändern sollte/muss: Nach der Steherei habe ich abends keine Lust mehr, Joggen zu gehen. Dazu sind die Beine dann einfach zu schwer. Ich vermute aber, dass sich das noch gibt. Immerhin macht der Erklärfaun auch mit Freude sein Cardio, obwohl er seit langer Zeit im Stehen arbeitet.

Morgens Frühsport (ich und Turnvater Jahn, sach ich mal!) ist weiterhin problemlos. Montag abends habe ich meine Beine auch gründlich geschleimrollt. Dienstag und Mittwoch allerdings nicht.

Und das Beste: Ich habe abends keine Schmerzen in der Kalkschulter mehr! Da zeige ich dem Orthopäden mit seiner „kann nur vom Sport kommen“-Theorie doch mal gepflegt den Finger. Scheint wohl doch mehr an Alltagshaltung und –bewegung zu liegen! Ich beobachte das mit Argusaugen weiter.

Fazit soweit also: Immer noch tolle Sache. Jeder sollte die Möglichkeit haben, nach Bedarf im Büro sitzen oder stehen zu können.

Wobei ich schon verstehe, warum die beiden Kollegen, die vorher schon Steharbeitsplätze hatten, die praktisch nie nutzen. Beide sind stark übergewichtig. Ach was – adipös. Und dass das dann heftig auf die Knie geht, ist ja mal klar. Jeden Tag acht Stunden dreistellig zu stemmen ist ein Kraftakt, für den so ein Bewegungsapparat nicht ausgelegt ist. Da wird der positive Effekt des stehenden Arbeitens sofort ausgeschaltet.

Aber die Möglichkeit dazu sollte schon jeder haben!

Ach watt, Leben!, Culinary Diversity-Wölfe, Ernährung

Die Culinary Diversity-Wölfe essen bei IKEA

Druck

… und zwar nicht in der Köttbullar-Hölle, sondern eine Frucht, die schmeckte, als würde man ein Billy-Regal verspeisen. Die Quittenbirne.

Wie immer in solchen Fällen wurde ich Opfer meiner „ooohhhh, shiny“-Gene. Als ich die appetitlich aussehenden Riesendinger in der Auslage meines bevorzugten Gemüseladens sah, musste ich einfach eine mitnehmen. Eine Kreuzung aus Quitte und Birne? What’s not to like?

Durch meine Nashi-Erfahrung klüger geworden, ließ ich das Teil auch erst noch eine Woche in der Obstschüssel vor sich hin reifen, bevor ich sie gestern zum Abendessen verzehrt habe. Und, tja, nun. Wie schon gesagt: Aroma und Haptik von Pressspan.

Erst glaubte ich, der Fehler läge bei mir, und man könnte das Ding eventuell gar nicht roh essen, sondern es fiele mehr in die Kartoffelkategorie und würde Erhitzen erfordern. Aber das Internet sagte nein. Roh essbar.

Schmeckte nicht. Nicht nochmal.

Und weil so ein ungutes Quittenbirnenerlebnis keinen schönen Blogpost macht, gibt’s jetzt einfach noch ein paar der versprochenen Gänse-Facts!

Die Elterneinheiten haben seit Jahrzehnten Gänse als Wachtiere. Hunde sind okay – aber Gänse sind deutlich boshafter. Wir hatten immer große Hunde mit Schutzhundausbildung (Riesenschnauzer, Schäferhunde und Labrador-Mix), doch selbst die haben sich nicht mit der Gänseherde angelegt, sondern sind dem Terrorhaufen stets sehr casual aus dem Weg gegangen, um sich eine Aura von „ich könnte da ja langgehen, ich will aber nicht. Das liegt nicht etwa daran, dass die Gänse dort campen. Nein, ich will halt nicht!“

Die einzigen, die nie Respekt vor Gänsen hatten, waren die Ziegen. Ziegen sind einfach hardcore. Aber die greifen auch ungebremst Hunde an, weil sie es können. Von daher …

Jedoch soll es heute ja um Gänse gehen, nicht um die Ziegen.

Im Internet kursiert eine gewisse Meme-haftigkeit, dass Gänse unbesiegbar wären. Dass man vor einer angreifenden Gans nur wegrennen könne, sie aber niemals angehen dürfte. Falsch. Gänse sind Schulhofrüpel. Laut, gruppenstark und nur wenig dahinter. Wenn eine Gans angreift, dann entweder mit einem Biss oder mit den Flügeln. Letzteres selten, da ihre Knochen, wie bei allen Vögeln, nicht die stabilsten sind. Ein Schlag mit einem Flügel kann wehtun, gibt `nen blauen Fleck … und das wars. Bienenstiche tun mehr weh. Ein Biss … nun, Gänse haben kleine Hornhöcker am Schnabelinnenrand, die als eine Art Zahnersatz funktionieren. Sehr dinosaurierhaft. Wenn sie zubeißen, machen sie mit dem Schnabel Mahlbewegungen, um den Schaden zu maximieren. Auch das kann gut ziehen, wenn man in blanke Haut gebissen wird.

Aber … ist es schlimm und den Horror wert, der da gemacht wird? Nicht im Geringsten!

Von daher also: Wenn eines der Aggroviecher zischend und ausgebreitet angerudert kommt, einfach stehenbleiben. Warten, bis die Gans nah genug ist und am Hals packen. Zack, Ende Gelände. Man hat die Gans überrumpelt, sie wird zappeln und brüllen und dann hochempört wegrennen, sobald man loslässt. Bitte nicht zudrücken oder schütteln, sonst bricht man das Genick, fügt Schmerzen zu oder macht die Luftröhre kaputt. Einfach direkt unter dem Kopf (das ist wichtig, um den Schnabel außer Reichweite zu halten) greifen und die Finger nicht schließen. Das ist der ganze Trick.

Klappt natürlich nicht, wenn die ganze Horde angreift. Sie sind nämlich nicht dumm! Sie sehen auch, ob man beide Hände voll hat und nicht zupacken kann, dann werden sie auch müpfig. In solchen Fällen: Keine Scheu haben. Wenn man nicht gerade torschussmäßig durchzieht, kann man auch mal treten. Eher so Fuß unter den Schwerpunkt des Viechs und hochlupfen. Überrascht sie völlig und bringt sie aus dem Konzept. Dann rudern sie wie blöde, versuchen ihre Würde wiederzuerlangen und wackeln zischend davon. Zumal wenn man lange Hosen anhaben sollte. Da ist man ja eh sicher.

Soviel zur Verteidigung gegen und zum schlechten Charakter von Gänsen. Wobei es eine Aggressionsskala im Gänsebereich gibt. Am Schlimmsten sind die Hausgänse (weiß oder pommersch, völlig egal), dann lange nichts, dann Kanadagänse und die Chinagänse sind praktisch Enten und damit gechilled. Außerdem natürlich: Je weiter weg vom Nest oder den Gösseln, umso ruhiger.

Aber es gibt ja nicht nur Arschlochgänse (auch wenn sie in der Mehrheit sind). Wir hatten aus der ersten Brut (damals waren wir noch nicht schlau genug, ihnen die Eier wegzunehmen, so dass wir plötzlich zwölf Gössel und dann eine Herde von vierzehn Gänsen hatten!) einen sehr speziellen Ganter. Er hatte so einen kakaduhaften Federpuschel auf dem Kopf (ein bisschen wie Römergänse – vielleicht hatte er so etwas in der bunt gemischten Ahnenlinie), weshalb er Häuptel hieß. Und er liebte die Muttereinheit abgöttisch. War sie im Garten, rannte er zu ihr und setzte sich immer direkt neben sie, zufrieden mit sich und der Welt.

Häuptel wurde fast zwanzig Jahre alt, dann wurde er uns in einer Nacht vor Sankt Martin gestohlen. Ich kichere heute noch, wenn ich daran denke, wie zäh der alte Ganter gewesen sein muss und wie wenig er dem Dieb gemundet haben wird.

Unsere derzeitigen Gänse (nur ein Paar) sind hingegen durchgehend mies drauf. Sie fallen jeden an. Und der Versuch des Hütehundes der Schwesterneinheit (das ist ein ausgebildeter Hütehund, ein Sheltie), seiner Pflicht nachzukommen, endete in gar großer Panik emmaseits (Emma ist der Hund).

Was ich immer wieder beobachte, ist, dass im Schlossgarten irgendwelche Familien versuchen, Enten zu füttern und dann die Gänse wie die fetteste Gang in der Hood anmarschiert kommen. Ich habe noch nie erlebt, dass sich jemand gewehrt hätte. Kraftsport-ausgebeefte Jung-Familienväter würden augenscheinlich eher ihre Kinder opfern, als die blöden Aggroviecher zu verscheuchen, die sich gerade um den Kinderwagen und die Brottüte drängen und zischen und brüllen. Ich mache dann gern den Superhelden, komme angeschossen und vertreibe die Gänsegang. Gibt mir so ein Vigilante-Gefühl. Not the hero Schlossgarten deserves, but the hero Schlossgarten needs right now!

Neulich war es aber sehr niedlich, wie sich ein Rentnerpärchen gefreut hat, dass ich die wie so ein Troll neben einer kleinen Brücke sitzende und diese Brücke durch pure Anwesenheit anscheinend unpassierbar machende, Gans neutralisiert habe, in dem ich einfach hingegangen bin, mich zu ihr gesetzt habe und die Gans über die Gesellschaft so begeistert war, dass da keinerlei Aggressivität kam. Denn sie können auch anders, die Mistviecher! Vermutlich hätte die Gans auch mit den Rentnern nur geschmust – aber der Horror, der vor Gänsen verbreitet wird, hat das verhindert.

Mehr fällt mir jetzt gerade nicht ein – aber es gibt natürlich noch mehr Geflügelstories!

 

Ach watt, Leben!, Weniger

Büroarbeit im Stehen, ein Erfahrungsbericht. Teil 1

A Dark Moon has risen

Erster Tag im Stehen. Festgestellt, dass mein Krafttraining offensichtlich hintere Oberschenkel und unteren Rücken vernachlässigt hat.

280 Kalorien zusätzlich verbrannt, ohne auch nur einen Schlag zu tun. Das entspricht einer Stunde Joggen!

Es ist erstaunlich einfach, sich im Stehen mehr zu bewegen. Man webt hin und her, lehnt sich an den Tisch, geht wieder zurück, kann mit der Sabaton-Playlist sogar ein bisschen Tanzen, und selbst kreative Arbeit ist in dieser Haltung gut machbar. Das sollte ich näher ausführen. Natürlich hat Kreativität nichts damit zu tun, ob man sitzt oder steht. Aber diffiziles Zeichnen hatte ich mir in stehender Haltung schwieriger vorgestellt.

Ich kannte so langes Herumstehen bisher nur von meinen Studiums-Nebenjobs im Einzelhandel und vom Helfen bei Frau Schwan. Und das sind nun keine Tätigkeiten, die erfordern, dass man millimetergenau Linien zieht. Von daher geradezu merkel’sches Neuland für mich!

In der ganzen Zeit habe ich mich fünf oder sechsmal für jeweils etwas weniger als eine Minute hingesetzt. Heute habe ich verschärfte Bedingungen, da ich erstens die Muskelermüdung von gestern habe und mir zweitens beim Zehennägelschneiden die Schere ins Nagelbett gerammt habe, weil ich abgerutscht bin. Das hat sich natürlich über Nacht entzündet und nun ist es leicht schmerzhaft, den linken Fuß gleichmäßig zu belasten. Schonen ist aber nicht drin, da das Stehpultprovisorium nicht absenkbar ist. Tja, muss man durch.

Ich habe mir eine Bandage fürs rechte Handgelenk bestellt, weil mir die Arbeit auf dem Cintiq gewaltig auf Erbsenbein oder Dreiecksbein drückt. Mal sehen, wie Polsterung da hilft.

Ansonsten nutze ich weiter die Macht von Greyskull der Pharmazie, um einsatzfähig zu sein. Wenigstens habe ich ein wenig besser geschlafen. Immer noch nicht wirklich gut oder erholsam, aber ich sehe Licht am Ende des Tunnels.

Ach watt, Leben!

Kaputt

Eine Woche kaputt. Fast schon ein Jubiläum wie 250 Jahre Sandburgenbau auf Wangerooge. Tatsächlich aber nicht ganz so lustig.

Ich bin einfach zusammengeklappt. Konnte ohne Panikattacke nicht mehr aus dem Haus. Abgeschaltet. Ich habe mich dann doch zum Hausarzt geschleppt – was allein schon ein Höllentrip war – und der wollte mich entsetzt erst mal völlig aus dem Verkehr ziehen, ich musste ihm jedoch sagen, dass ich Deadlines habe und deshalb maximal eine Woche ausfallen kann.

Nicht, dass diese Deadlines nicht die Ursache für den Mini-Burnout gewesen wären … ich bin ja so unglaublich lernfähig!

Jedenfalls bin ich nun wieder Arbeiten und es funktioniert nur, weil ich schön Psychopharmaka intus habe. Ja, ich mach’ das schon absolut richtig. Wie so ein braver Befehlsempfänger einfach weitermachen, bis man über jede Möglichkeit der Heilung weit hinaus ist. Fuck. Aber ich kann gerade nicht anders, weil es meine Kollegen treffen würde, wenn ich meine Deadlines reiße. Was das Aller-aller-allerletzte ist, das ich möchte.

Mitgenommene Erkenntnis: Mein Hausarzt ist zwar nicht Dr. Quinn, nimmt sich aber Zeit. Und ist fähig. Und hat mir Krankengymnastik für die Schulter und eine Überweisung in die Sportmedizin aufgeschrieben.

Wenigstens habe ich jetzt den Steharbeitsplatz. Die IT hat ihn mir im Schweiße ihrer Füße eigenhändig aus Küchenarbeitsplatten zusammengezimmert. Große Liebe dafür! Mal schauen, wie es sich daran so arbeitet. Ich glaube, es müsste ein paar Zentimeter höher sein. Schaun mer mal. Heute bin ich zu groggy für Entscheidungen. Und zu sehr unter Drogen.

Ich hasse meinen blöden Kopf, der immer so hysterisch wird, wenn mal ein bisschen Frust auftaucht.

Und ich bin so unendlich müde.

Ach watt, Leben!, Culinary Diversity-Wölfe

Die Culinary Diversity-Wölfe testen Cold Brew-Kaffee

Druck

Kalten Kaffee zu trinken ist eine Sache. Das ist etwas, das Jamie sehr oft passiert, weil er sich schließlich immer wieder begeistert ganz tief in Büchern verliert und dann gerne mal vergisst, dass der Butler dieses unauffällig-elegante Silbertablett auf’s Beistelltischchen platziert hat. Rhys hingegen trinkt Kaffee entweder superheiß oder gar nicht. Kriegt man ja sonst nicht runter, die Plörre! (Die Dienstjahre in den indischen Kolonien haben ihn darin bestärkt, dass Tee das einzig Wahre ist. Meistens. Außer man bekommt massenhaft Zucker, Sahne und am besten noch Pice ar y maenWelsh Cakes – mit richtig vielen Rosinen dazu.)

Aber Cold Brew ist eine völlig andere Sache. Denn Cold Brew ist kein traurig vergessener Kaffee – der wird absolut ungewöhnlich hergestellt. Nämlich gar nicht erst mit kochendem Wasser aufgegossen, sondern mindestens zehn Stunden abgedeckt bei Zimmertemperatur und mit kaltem Wasser ziehen lassen. Wieder einmal schlingen sich um die Zubereitung die herzallerliebsten Rituale der Connoisseure. Denen ich ebenfalls wieder nicht bis zum I-Tüpfelchen gefolgt bin, weil ich noch lange nicht so weit bin, Kaffee wahrhaft würdigen zu können. Obwohl unser Herbsturlaub uns vermutlich in die Kaffeehauptstadt Italiens führen wird: Triest! Das war ein Vorschlag des Erklärfauns, der unser Reise-Organisator de luxe ist. Ob er auf Triest kam, weil mein kleiner Magus von dort kommt und wir uns im Zuge dessen viel über Triests wechselvolle Geschichte unterhalten haben, oder ob es tatsächlich die Yuppie-Reisebeilage im Economist war … wird man wohl nie herausfinden, ist aber auch egal. Mein Wunsch für meine erste Italienreise wäre natürlich rein beruflich bedingt die Toskana, Otranto, Castel del Monte und Padua … aber ich bin nicht wählerisch. Um Andi Möller zu zitieren: „Ob Madrid oder Mailand – Hauptsache Italien!“

Triest. Der Hafen, in dem der meiste und beste Kaffee Italien erreichte.

Was mich zurück zum Cold Brew bringt. Den ich gestern Abend in der French Press ansetzte, mit Frischhaltefolie abdeckte und bei Zimmertemperatur bis heute Morgen um halb sechs ziehen ließ. Jetzt habe ich ihn mit im Büro (keine Panikattacke beim Herfahren – das gebietet ein verhaltenes „yay!“) und trinke ihn mit Mandelmilch und Süßstoff. Und das Wolfsfazit lautet: Schmeckt wirklich ganz anders! Fruchtiger und irgendwie fast wie sehr, sehr dunkle Schokolade. Das gefällt mir! Könnte ich für morgen direkt wieder ansetzen. Leider braucht das Zeug deutlich mehr Pulver als normaler French-Press-Kaffee. Könnte also auf Dauer ziemlich ins Geld gehen. Also doch lieber beschränken. Mit Chai abwechseln. Mit Chai (Chai Latte für den Gewinn!) und Entkoffeiniertem abwechseln. Ja, das klingt machbar.

Das Wochenende war okay-ish. Den Freitag habe ich mit dem Auskurieren der letzten Reste der Panikattacke und des Infekts verbracht (letzterer hielt sich aber noch bis Sonntag), war im Schlossgarten spazieren und habe die wunderschöne Kirschblüte genossen (zusammen mit ungefähr zwanzig asiatischen Großfamilien! An einem Freitag Vormittag! Unsere Guide in Prag hätte gesagt „Kommän Sie, kommän Sie – Asiatän nähmän kain Ändä!“) und ansonsten nur Zeit für mich gehabt. Abends war ich virtuell mit Freundin A. auf einer Party (ja, das geht in Second Life prima und macht Spaß. Musik und Unterhaltung, ohne dass man awkward vor fremden Leuten stehen muss! Ich konnte zu Hause mit Kopfhörern auf vor mich hintanzen, ohne mich zu schämen! Ich liebe das virtuelle Leben!).

Summer 'round the corner ...
In Second Life sah ich übrigens so aus. Absolut partytauglich, finde ich.

Samstags habe ich einen Kichererbsen/Paprika/Gurken/Schafskäse/Tomaten-Salat erstellt und mit zur Waldnymphe geschleppt. Von dort aus haben wir zunächst eine Expedition zur Hipster-Eisdiele gestartet (Walnuss-Feige, Ricotta-Feige und Salted Caramel für mich), uns dann durch die Menschenmassen am Neckarufer zurückgekämpft und abends den Grill aufgebaut. Ich bekam die Sorte Veggiepatty/Bällchen, die schon letztes Mal lecker gewesen waren. Zum Abschluss dann auf die Couch und Thor – Ragnarök geschaut. Das war ein absolut ergiebiger Tag. Und so warm, dass ich in Tanktop und kurzen Hosen herumgelaufen bin! Dieses Jahr hat echt interessante Temperatursprünge.

Sonntags habe ich zum ersten Mal meine neue Angst-Medikation getestet. Zunächst dachte ich, dass das Zeug gar nichts tut, aber als ich dann eine kleine Nachmittagswanderung unternommen habe, wurde es doch ein wenig surreal.

Mitten ins Medikament hinein bekam ich auch die Nachricht, dass Mama Schwan gestorben ist. Das war ziemlich beknackt, weil ich nicht richtig darauf reagieren konnte. Aber ich habe die unglaubliche Weisheit weit jenseits meiner Jahre besessen, nicht direkt zu antworten, sondern später eine lange Mail zu schreiben. Das war, wie sich zeigte, die gesündeste Vorgehensweise. Denn sowohl Th. Als auch die Waldnymphe, mit denen ich deswegen telefoniert habe, fanden mich stark neben der Spur.

Jedenfalls bin ich sehr traurig, dass Mama Schwan tot ist. Sie war in sehr schwierigen Aufwachs-Phasen für mich da, zeigte mir, dass Familie auch Herzlich- und Zärtlichkeit bedeuten kann und dass man seine Gefühle nicht zwanghaft hinter einer Mauer halten muss. Sie hat meine Lebensweise akzeptiert und ich wurde von ihr selbstverständlich in ihren Clan integriert. Ich aß dort zu Mittag, half im Laden, alberte herum, quiekte mit ihr zusammen vor Wonne über die Turnereien ihres jeweiligen Hamsters und werde sie sehr vermissen. Eine starke Frau mit Ecken und Bruchkanten ist gegangen.

Ach watt, Leben!

Ich mache Dummheiten, weshalb es heute immer noch keine Gänsegeschichten gibt

Life-Goal: So einen Porno-Arsch hintrainieren. *seufz*

Heute zur Arbeit gehen, zum Beispiel. Ich bin nämlich immer noch voll in diesem unspezifischen Infekt, weiß mir aber nicht zu helfen. Seit der Sache mit der Panik im Wartezimmer vor ein paar Wochen, will ich nicht mehr zu Ärzten. Und ohne Arzt keine Krankschreibung; ohne Krankschreibung kann ich nicht zu Hause bleiben.

Führte dazu, dass ich jetzt also zur Arbeit gegangen bin … und prompt mitten auf der Autobahn eine volle Panikattacke bekam. In der Baustelle, in der es keinen Standstreifen gibt. Was auch der Grund war, überhaupt eine Panikattacke zu bekommen. Ich konnte also nichts tun. Gar nichts. Außer stur weiter geradeaus fahren, während ich dachte, ich sterbe. Während mir das Blut aus den Händen wich und mein ganzes Gesicht taub wurde. So eine richtig fette Panikattacke eben. Mit Sahne, Streuseln und Kirsche obendrauf. Fellow-Angstkranke kennen das Gefühl. Die Nahtoderfahrung par excellence.

Ein Erlebnis, auf das ich immer wieder mit Freuden verzichten kann.

Zum Glück nur sehr, sehr kurz und ohne Konsequenzen. Ich habe es hindurch geschafft und bin heil angekommen. Trotzdem muss etwas passieren. Solche Angstanfälle sind bei mir immer ein Zeichen, dass körperlich viel im Argen liegt. Und ich zum Arzt sollte. Was ich nicht will/kann. Also nehme ich mir für morgen Urlaub und hoffe, dass ich Montag gesund genug bin, dass mein wirrer Kopf sich nicht mehr selbst sabotieren muss.

Dann werde ich dieses Wochenende schon wieder gar nichts tun. Herumliegen. Supernatural nochmal von vorne ansehen (ich habe noch keine neue Serie gefunden, die mich ähnlich fesselt. Vielleicht Altered Carbon. Weil Cyberpunk). Space Wolf weiterlesen. Sinnlos in WoW und TESO questen. Mich über mich selbst ärgern.

Mit Frau Schwan im Odenwald wandern gehen wäre nett. Aber das Gegenteil von „dem Körper Ruhe gönnen, um mit dem Infekt fertig zu werden“.

Ach, warum kann ich nicht einfach gesund sein? Als ich noch dick war, war ich nicht so oft krank!

Ach watt, Leben!, Culinary Diversity-Wölfe, Ernährung

Wenigstens gab’s Suppe für die Culinary Diversity-Wölfe …

Wenigstens die Art-Nouveau-Serie ging weiter.

… denn Ostern an sich fiel für mich ziemlich aus. Freitag war prima. Wir hatten Spaß mit J1 und D., wenn mich auch die Nudeln (ich hatte vegetarisch gesehen die Wahl zwischen Nudeln, Nudeln und Nudeln. Also immerhin drei Gerichte!) beim Italiener nicht besonders erfreut haben. Zu viel Öl, zu viel Knoblauch, zu wenig sonstiger Geschmack. Aber der Rest der Anwesenden hat sich sichtlich wohlgefühlt und war begeistert, weshalb ich die Klappe gehalten habe. War ja auch nicht so wichtig. Der Service war jedenfalls 1A. Kleine Karte, alles frisch und hausgemacht. An und für sich also prima. War nur nicht meins.

Vielleicht das nächste Mal dann der Inder …

Samstag fing auch gut an. Ich war Fahrradfahren und das Wetter war frühlingshaft. Mittags ging es rüber in die Villa Kunterbunt und wir haben Mage gespielt. Voller Napfs Chunky-Monkey-Burgerpatties (die werden mit Banane und Erdnüssen hergestellt, schmecken aber nicht süß) haben mich wieder entzückt und alles war toll … bis es das plötzlich nicht mehr war, weil ich innert einer halben Stunde von „absolut fit und gesund“ zu „ich habe Fieber, Kopfschmerzen und möchte jetzt bitte auf der Stelle ins Bett“ fiel.

Und da blieb ich dann. Mit, wie gesagt, Fieber und Kopfschmerzen. Zu denen sich noch Glieder- und Halsschmerzen gesellten. Tolle Ostern. Heute Morgen bin ich wieder arbeiten, was keine gute Idee ist, aber ich will nicht schon wieder fehlen.

Sportlich gesehen gab’s also nur einmal Laufen, einmal Radfahren und ein paar Stepper-Einheiten. Dafür habe ich Supernatural jetzt so weit durch, wie Netflix und Amazon Prime mir anbieten und konnte das Jester’s-Festival-Event in TESO ausnutzen. Und ich habe mir Süßkartoffel-Blumenkohl-Kokosmilch-Comfort-Soup gekocht. Die war sehr, sehr gut. Gibt’s bestimmt bald mal wieder. Dafür habe ich eine große (700 Gramm) Süßkartoffel und 500 Gramm Blumenkohl in Gemüsebrühe gekocht, dann püriert, eine Dose Kokosmilch und etwas Curry dazu, mit Salz, Pfeffer, Ingwer und dergleichen abgeschmeckt und dreimal davon gegessen.

Jetzt hoffe ich, dass der Stress auf der Arbeit endlich nachlässt und ich mich etwas fangen kann. Denn ständig im roten Bereich zu laufen führt nur zu Abstürzen wie dem am Samstag. Und es saugt Kamelhoden, wenn man in seiner Freizeit für Arbeitsscheiß bezahlen muss.

Die gewünschten Gänsegeschichten gibt’s dann demnächst – sobald ich wieder klarer denken und schreiben kann!