Ach watt, Leben!, Dat Nerdstuff, Training

Über Moral und Motivation

Wurde auf Tumblr zu recht geflagged: Bild für die Waldnymphe.

Letztere habe ich gerade nicht. Zumindest nicht zum Schreiben. So schön es ist, dass der Schmerz in der Schulter (fast) weg ist, so sehr zieht es mich runter, dass ich nicht trainieren kann. Für die Schulter habe ich ja bis Jahresende komplettes Verbot und nun hatte ich auch noch eine Erkältung. Mehr als mein morgendliches Bodyweight geht nicht und das ist irgendwie gar nicht gut. Ich fühle mich, als hätte ich persönlich versagt. Und wenn man so unterwegs ist, hat man auch kaum Kraft für kreative Dinge. Zumindest für nichts, das so offenlegt, was man alles gerade nicht tun kann.

Zum Glück liegt nun ein extralanges Wochenende vor mir, das nicht nur einen Schokoladenfabrikbesuch beinhaltet, sondern auch weihnachtliche Maßnahmen (wir helfen der Waldnymphe durch pure Anwesenheit, während sie mit Bügelsäge bewaffnet durch die Christbaumplantage springt) und ich bekomme wohl meinen Computer aufgebohrt. Die Teile sind schon da und stapeln sich in meinem Arbeitszimmer – muss nur noch K. Zeit haben!

Heute noch ein bisschen Arbeiten, massiert werden und abends schön solitär sein.

Und die Moral … ja, die Moral nimmt bizarre Formen an. Tumblr wurde schon vor längerer Zeit von Yahoo/Verizon übernommen und nun legen sie die Daumenschrauben an. Bis zum 17. Dezember flagged ein Algorithmus alles, was er für NSFW hält. Und ab dem 18. ist Tumblr dann porentief rein. Eines der letzten Refugien des Internets für fröhlich gezeichneten/geschriebenen P0rn, für Albernheit, wirre Memes und lange, verrückte Tiraden – gesäubert.

Nicht nur meine sorgfältig kuratierte Liste exquisiter Fanart-P0rn-, Fitspo-, Kunsthistorien-, Kraftsport-, Gamer-Blogs wird sich in Nichts auflösen. Warriormale bekommt seine Ringer geflagged, DidoofCarthage ihre Aphrodite-Statuen und von den tausend WoW-Nackedeis will ich gar nicht anfangen. Die wenigstens zurecht, aber das ist ja nicht der Punkt. Ebenfalls ist nicht der Punkt, dass die Hälfte meines Blogs das rote Label bekommen hat. Und ebensowenig geht es darum, dass der Algorithmus so schlecht programmiert ist, dass er bisher unter anderem geflagged hat: Katzenbilder, Hundebilder, ein komplett rundes Chinchilla, Schuhe, Füße, Bäume, Landschaftsbilder, das Bild eines Kalamarikostüms in der Straßenbahn, seine eigene Ankündigung, die Hälfte meiner TESO-Landschafts-Screenshots, das Video eines im Schnee spielenden Shiba-Inu mit Pullover, das Erdnussbutter-Baby und ein Bild eines Tuxedo-Vvardvark. 

Der Punkt ist, dass überhaupt Zensur stattfindet.

Ja, mir bluten auch die Augen, wenn ich beim Scrollen des WoW-Tags mehr Futa-P0rn finde, als ein gesunder Mensch sich innerhalb eines Jahres aussetzen sollte. Aber ich werde an der Seite jedes Futa-P0rn-Zeichners auf diesem Hügel stehen und kämpfen! Denn Freiheit ist das Wichtigste, was wir haben. Und Freiheit der Kunst darf nicht beschnitten werden. Dafür wurde der Mutzenbacher-Prozess geführt! Das Fanny-Hill-Urteil im angelsächsischen Raum.

Alles Geschichte. Weil die Marketingclowns Angst haben, nackte Haut könnte die falsche Zielgruppe anlocken. Surprise, Motherfuckers – es gibt keine Zielgruppe! Vor allem nicht auf Tumblr. Tumblrs ganzes Konzept ist es schließlich, heterogen zu sein!

Dass Apple die Tumblr-App aus dem Store geworfen hat, weil auf Tumblr auch Kinderpornoblogs gehostet wurden, war der Anlass, mit dem Flammenwerfer loszuziehen. Die Tumblr-Community hat den Staff seit Jahren angefleht, die Childporn-Blogs endlich zu bannen. Nichts geschah. Man hätte in all der Zeit das Ganze gescheit moderieren können.

Aber es sieht so aus, als wäre ein kompletter Purge von Anfang an Yahoos/Verizons Ziel gewesen, weshalb man das eigentliche Problem ignorierte und nun 50% der Userbase ausschließt. 

Ob Tumblr diese Säuberung überlebt, kann ich nicht sagen. Die meisten meiner Künstlerkumpels packen jedenfalls gerade die Koffer. Man migriert bisher größtenteils gen Twitter (ich auch: https://twitter.com/eatsbluecrayon), Pillowfort (mal sehen, ob ich das auch annehme) und auf irgendeine japanische Seite, die nicht das bietet, was ich möchte. Ärgerlich, dass meine sorgfältig gepflegte Liste nun wieder von vorne begonnen werden muss. Immerhin sind @warriormale und @imfemalewarrior schon gefunden. Und mit dem Tag „#tumblrmigrant“ kann man sich gut verständigen.

Ach, warum wird die Welt nur immer verklemmter? Wir rasen mit großen Schritten zurück in die Fünfziger. Es fängt schon an, muffig zu riechen. Bald wachsen uns Nierentische.

… und dann kapiere ich nicht, wie man Bilder von Twitter in einen WordPress-Post einbinden kann. Mal klappt es, mal nicht! Und Tweets einbetten klappt auch nur ohne Bilder. Aaaarrgghhh! Curse you, Verizon!

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2 Gedanken zu „Über Moral und Motivation“

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