Ernährung

Sonne, 25 Grad, Mitte Oktober – Zeit für Weihnachtsvorbereitungen!

Adventskalender_aussen_WiP

Sport ging gestern so erfrischend leicht von der Hand, dass ich sehr misstrauisch wurde. Denn eigentlich war ich den ganzen Tag furchtbar übermüdet, musste die ganze Zeit grünen und schwarzen Tee nachfüllen, um nicht einzuschlafen und fühlte mich kreislaufmäßig völlig am Boden. Aber kaum war ich auf dem Weg nach Hause fiel alles von mir ab und ich freute mich sehr darauf, mich auspowern zu können. Und siehe da – ich war so gut im Flow, ich hätte die doppelte Strecke machen können, wäre ich abends nicht verabredet gewesen.

Würde es immer so gut laufen, wäre ich in einem Jahr auf Halbmarathon hochtrainiert! Aber leider weiß ich nur zu genau, dass das kein permanenter Zustand ist. Also – einfach genießen, so lange es dauert.

Essenstechnisch ist mir ein seltener Überraschungserfolg geglückt. Eigentlich wollte ich ausprobieren, ob man Thunfischfrikadellen auch mit Tofu machen kann. Das Ganze wurde ein grauseliger Siff, den man unmöglich formen konnte. Also habe ich alles in eine Kastenform gekippt und zu einer Art Hackbraten gemacht. Und siehe da – es wurde nach anderthalb Stunden im Ofen gar wundervoll! Und brauchte an Zutaten nur Gelberüben, Zwiebeln, Tofu, Eier und Gewürze (ich bin mit Tandoori Masala ein wenig Overboard gegangen). Jetzt habe ich das Ding in handliche Stücke geteilt und backe sie mir abends mit Gemüse auf. Sehr lecker. Kann ich öfter machen. Und großen Dank an meine Küchenmaschine, ohne deren komplette Spülmaschinenreinigbarkeit all’ das nicht möglich gewesen wäre.

Genaues Rezept:

  • 400 Gramm normalen Tofu (ich habe den Biotofu vom Aldi genommen, da ist eine Packung genau 400 Gramm, so ein glücklicher Zufall),
  • vier Eier,
  • zwei große Gelberüben,
  • eine mittlere Zwiebel.

Den ganzen Zinnober einfach in der Küchenmaschine raspeln/kleinmachen und vermengen, bis man keine Lust mehr hat. Salz, Pfeffer, Tandoori Masala und was man sonst noch möchte dazu und dann bei 180 Grad Umluftgrill für so anderthalb Stunden backen (je nach Ofen. Meiner ist lahm und lau, richtige Öfen brauchen bestimmt weniger Hitze und/oder Zeit). Macht für den kompletten Laib 1128 Kalorien. Auf fünf Portionen (das ergab es bei mir) verteilt sind das nur 226 Kalorien. Prima Sache, was so die Makros angeht. Fast zwanzig Gramm Eiweiß pro Portion können sich sehen lassen.

Aber was hat das Ganze mit Weihnachten zu tun? Sport und Hackbraten natürlich nichts. Aber wie man sieht, muss ich mit anderen Dingen früh anfangen. Die Waldnymphe ist der volle Weihnachtsjunkie (die Weihnachtsgutzelsorten für dieses Jahr sind schon in der Planung. Der Erklärfaun und ich sind Nutznießer und unbegabte Helfer) und liebt Adventskalender. Sehr. Sie hat immer mindestens zwei.

Letztes Jahr habe ich mit dem Salzkalender vorgelegt – dieses Jahr steige ich eine Nummer höher ein. Ich bastle ihr einen. Mit 24 Zeichnungen zu Passagen aus ihren Werewolf-Texten. Es werden Bleistiftzeichnungen mit Aquarell schattiert und mit Kreide gehöht. Zwar recht unaufwändig in der Koloration aber ansonsten immer noch ein ganzer Haufen Zeug. Weshalb ich früh angefangen habe, zu meiner Verwunderung aber geradezu bizarr schnell vorankomme. Na, ich will mich über so einen Flow nicht beschweren!

Wie man an obigem Work in Progress erkennen kann, bin ich natürlich aber noch in einem frühen Stadium. Erst die Hälfte der Illus und noch gar keine Koloration. Aber – es wird! Und ich hoffe, das Endergebnis sieht dann auch so aus, wie ich es mir vorstelle.

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Selbstbestimmtheit und Selbstverantwortung

Falcons

Auch wenn ich in glücklich-theoretischen Kaffeehausdiskussionen meist mehr auf der Seite Gerechtigkeit als der Freiheit stehe (wenn man die Beiden als Gegenpole betrachtet), so gehe ich grundsätzlich schon mit den Worten des unsterblichen Ron Swanson d’accord: Give a man a fish and you feed him for a day. Don’t teach a man to fish, and you feed yourself. He’s a grown man. Fishing’s not that hard.

Im übertragenen Sinne habe ich gerade so eine Situation, in der ich nicht auf Ron gehört und versucht habe, einem Mann Angeln beizubringen und nun ärgere ich mich, weil er es offenbar gar nicht wirklich lernen wollte und ich in der investierten Zeit besser für mich selbst Fische gefangen hätte.

Konkreter: Ich wurde aktiv nach Hilfe beim Abnehmen gefragt. Ich habe also eine Liste von nützlichen Websites und Apps zusammengetragen, habe lange Mails über Makro- und Mikronährstoffe geschrieben, habe alles zu CICO verlinkt und war ganz begeistert, dass jemand etwas für seine Gesundheit tun wollte. Vor allem, weil Abnehmen auch bei Depressionen helfen kann (nicht muss). Und ein sich-Aufraffen schon zeigt, dass der Weg der Besserung in Sicht ist.

Ach, was war ich naiv.

Abnehmenwollen ist eine Sache. Dann feststellen, dass man dann auch seine Essgewohnheiten umstellen und statt stundenlangem Zocken mal ein bisschen Sport einlegen sollte, eine ganz andere. Und da hörte der Enthusiasmus schlagartig auf.

Natürlich schuldet mir niemand, dass er von mir erbetene Ratschläge auch befolgt. Wäre ja absurd. Aber es ist schon traurig zu beobachten, wie die ganzen Ausreden lehrbuchmäßig abgespult werden. Von „ich habe noch Schokolade da, die muss ich erst aufessen“ über „ich esse ja kaum noch was“ (auf die Frage „trackst du das denn?“ – „Nein, ich esse halt weniger“) bis hin zu „das gesunde Zeug ist so teuer …“ kam der ganze altbekannte Sermon.

Und keine der empfohlenen Websites oder Apps wurde auch nur geöffnet.

Ich kann’s nicht ändern. Und ich sollte es langsam besser wissen.

Also kämme ich mal meinen eigenen Igel weiter (Stress, Stress und Bonusstress plus Wassereinlagerungen sogar an Handgelenk – merkt man am enger scheinenden Imperator – und Füßen. Eklig!) und werde in Zukunft weniger Energie in anderer Leute Probleme investieren, wenn ich aus vergangenen Erfahrungen schon ableiten kann, dass auch diesmal keine wirkliche Bemühung erfolgen wird.

Jetzt auf ins Wochenende. Vampirezocken, Qualitätsfreitag mit Spinat-Pide (tausend Kalorien dafür eingeplant).

Im Alltag ankommen und Alternativen finden

The unwilling heir

Diese Woche gibt es nichts Neues von den Culinary Diversity-Wölfen. Jamie und Rhys sind, ganz die guten Viktorianer, auch auf der damals beliebten Grand Tour gewesen und müssen sich erst wieder zu Hause einfinden.

Ich bin heute Morgen ziemlich müde. Ich will noch nicht wieder Arbeiten … ich bräuchte noch ein paar Tage, um mich vom Urlaub zu erholen. Aber das läuft nicht. Die nächsten Wochen warten in stetiger Folge mit Dingen auf, an die ich viele Gedanken verschwenden muss. Für „neurotypische“ Menschen kein Problem, für mich ein ständiges Zusammenreißen. Diese Woche ein Termin mit Frau Schwan und vermutlich auch mit der Frau vom Tierschutzverein, die vorbeikommen und prüfen will, ob ich auch ein gutes Heim für Florance bereitstellen kann. Nächste Woche das von mir eher skeptisch betrachtete Seminar zum Umgang mit Aggression (wie erwähnt – fünf Essenspausen … klingt hocheffektiv). Plus Geburtstagsfeier des Erklärfaun. Die ist zwar etwas, auf das ich mich freue, erfordert aber trotzdem Aktion und Aufraffen, was mir gerade etwas schwerfällt. Dann die Woche darauf das größte Hindernis: Die wichtigste Consumermesse der Branche. Und ausnahmsweise müssen wir – die Grafik – auch da sein. Blöd, dass ich die Frau mit dem Führerschein bin. Ich habe aber echt keine Lust, acht Stunden am Tag Auto zu fahren und dann noch vier Stunden Besuchermassen auszuweichen. Da muss ich noch durchsetzen, dass wir mit dem Zug fahren, sonst schaffe ich das nicht.

Dann dürfte ich es erst einmal geschafft haben. In der Woche danach stehen dann Urlaub und die Katze an. Falls ich sie bekomme. Daumen drücken.

Kurzfassung: Der Oktober wird anstrengend. Sehr anstrengend.

Als Ausgleich versuche ich sonst so ritualisiert und planvoll zu sein, wie es geht. Und nett zu mir.

Ich will viel Sport machen und dabei auch auf mich hören – was bedeutet, dass ich mich nicht unter Leute zwingen werde, wenn ich den inneren Widerstand spüre. Lieber zu Hause Bodyweight statt ins Gym, wenn mir nicht danach ist. Zwar werde ich dann unruhig, weil ich „Geld verschwende“, aber das ist weniger schlimm, als den Stress durch zu viel Kommunikation ertragen zu müssen. Das macht nämlich zuverlässig jeden Erholungseffekt kaputt. Ich trainiere dann hektisch und verspannt, hetze mich durch mein Programm und komme gar nicht zur Ruhe.

Und ich werde weiter an meiner Ernährung arbeiten. Ich will versuchen, langsam vom Volumenessen wegzukommen. Ich will mir Spiced Coffee als Belohnung antrainieren. Oder meinen Terrortee, wenn es zu spät für Kaffee ist. Das bedeutet aber auch, dass ich wieder sehr auf meine Proteinzufuhr achten muss. Mehr Handkäse, vermutlich. Mit Ach und Krach 1,6 Gramm Protein sollten zwar drin sein, aber keine Traumzahlen von 2 und mehr. Was nicht ganz so gut ist, wenn ich weiterhin viel Cardio mache. Eventuell muss ich mich dann mal in Richtung Hülsenfrüchte orientieren. Die sind zwar immens kaloriendicht, bringen aber auch ein wenig Eiweiß mit. Shakes wären auch eine Alternative – aber prinzipiell möchte ich lieber weiter in Richtung Clean Eating und Raw (im Sinne von „unverarbeitet“, nicht im Sinne von „Rohkost“). Weil es mir besser schmeckt.

Hindert mich aber nicht an Süßstoff in den Getränken, Flavdrops im Porridge und Schokolade an Wochenenden … Ich bin inkonsequent.

Arme, Bagel, Cat-Content – Zurück aus Prag

Bunt wie Macarons: Renovierte Jugendstilschönheiten.

Was für eine Woche! Was für ein wundervoller Urlaub! Ich bin sehr begeistert und noch ganz besoffen von den vielen Eindrücken. Und weil ich das ganze sowieso nicht in einen gescheiten narrativen Fluss bringen kann, werde ich es in Stichpunkten abhandeln.

Vorwegbemerkung: Entweder lügt mein Imperator wie gedruckt oder ich werde nun langsam Opfer des in-die-andere-Richtung-Verschätzens. Meiner Meinung nach habe ich jeden Tag in Prag lockere dreitausend Kalorien verzehrt (die böhmische Küche rangiert in Sachen Fettigkeit nur knapp hinter den Inuit). Ich habe an einem Tag ein halbes Rosinenbrot (kein Brötchen!) mit Butter gegessen. Und das war nicht alles. Bagel mit Frischkäse, Pflaumenknödel mit Lebkuchenbröseln, Buchteln mit Pflaumenmus, Schokoladentartes, eimerweise Pumpkin Spice Latte, massenweise Kaffee mit Sahne, Stangenbrot mit Butter, zwei Trdlnik (das ist – vermutlich, ich kann kein Tschechisch – die Mehrzahl von Trdlo, süßem Stockbrot) mit Nutella und ohne … und dabei hatte ich keinen Sport und nur jeden Tag 15.000 bis maximal 23.000 Schritte. Trotzdem habe ich kein Gramm zugenommen. Klar, wir haben das Abendessen meist selbst gekocht (eine Ferienwohnung ist nicht nur günstig, sondern hat auch den Vorteil einer Küche) und ich habe wie üblich statt Frühstück nur Grüntee gehabt – aber das kann’s theoretisch wirklich nicht sein. Irgendwas bleibt da sehr mysteriös!

Im Gegensatz zu Paris hatte ich aber nicht das geringste Problem, immer etwas Vegetarisches auf Speisekarten zu finden. Klar, meist ein wenig versteckt und selten mehr als zwei, maximal drei Sachen – aber trotzdem war ich glücklich. Und die ganzen Süßspeisen waren ja sowieso vegetarisch. In Böhmen ist man sehr, sehr stolz auf seine süßen Dinge. Sie sind auch nett. Nicht so umwerfend, wie einem vorher die Erwartung hochgejubelt wird, aber eben nett und lecker. Und mächtig. Ziegelsteine zu essen wäre oft die leichtere Alternative.

Diese Pflaumenknödel auf Frischkäsebett habe ich im Café Savoy gegessen.

Aber jetzt auf nach Prag! Was ist mir also so im Gedächtnis besonders hängengeblieben …

  • Jugendstil. Überall. Zumindest auf einer Flussseite. Unterschiedlichste Stile. Vom überladen-süßlichen bis zu den wunderschönen klaren Linien der späten Phase. In den buntesten Farben. Als ich vor zwanzig Jahren mit der Schule in Prag war, war dort alles grau und heruntergekommen. Es stank nach Kohlenrauch und die Häuser waren üble Ruinen. Jetzt ist die Stadt herausgeputzt und wunderschön. Die EU und ihre Förderungsgelder sind eine gute Sache und wer etwas anderes meint – fight me!
  • Asiatische Touristen zerfallen in zwei Kategorien. (Achtung – unmögliche Verallgemeinerungen incoming!) Japaner sind schlank, höflich, korrekt gekleidet, leise. Chinesen haben dicke junge Frauen dabei, sind schrill, teuer und geschmacklos gekleidet (sehr teuer! Immer Designerzeug, immer Glitzer, immer bunt), haben mehr Geld als Benehmen und sind wirklich, wirklich laut und unhöflich. Im Ernst – zwei Drittel aller chinesischen Touristen unter dreißig sind übergewichtig bis adipös. Die haben Europa und Amerika rechts überholt, was das angeht. (Die Tschechen sind aber auch proper. Würde sagen, im Schnitt schon echt dicker als die Leute in Deutschland … )

Blick vom Prager Riesenmetronom. An dessen Stelle früher eine Stalinstatue stand.

  • Der Veitsdom rangiert unter den Top Five meiner persönlichen Liste „hässliche Sakralbauten Europas“. Der Erklärfaun meinte sehr weise zum Vitus-Altar „Sieht aus wie ‚Barock designed by Harald Glööckler'“. Ich mag den Eklektizismus der Prager Burg gar nicht. War definitiv mein Reisetiefpunkt. Hingegen fand ich das Barockviertel Mala Strana wunderschön. Weil eben … Barock. Und kein gefrankensteintes Teilemonster.

Der Wallensteingarten in Mala Strana. Der Mann hatte große Freude an Herakles und seinen Taten, wie man sieht.

  • Man kann in Prag sehr zufällig über berühmte Dinge stolpern. Am Freitag hatten wir „getrennte Wege“-Tag und ich wackelte im Barockviertel herum. Wurde auf eine Basilika neugierig, ging hinein und stand vor dem Kind von Prag. Das hatte ich auf meiner „kann man angucken, muss man aber nicht“-Liste, weil es in T.H. Whites Buch „The Elephant and the Kangaroo“ eine amüsante Nebenrolle spielt. Ich liebe das Buch sehr.
  • Wenn man sehr früh unterwegs ist, kann man im Mucha-Museum tatsächlich noch die Bilder betrachten. Aber etwa eine Stunde nach Öffnung ist nichts mehr zu wollen, „g’schdobbde“, wie man bei uns sagen würde – man sieht vor Besuchern den Boden nicht mehr. Der Mann hat aber auch sehr Dekoratives geschaffen. Schade, dass sie sich in der Sammlung auf die Pariser Jahre beschränkt haben. Mich hätten die Märchenillustrationen mehr interessiert. Aber die Vorzeichnungen zu den Plakaten zu sehen war sehr schön und beruhigend. Er hatte auch Probleme mit Händen. Wie jeder einzelne fucking Maler/Illustrator auf der Welt.

Cat-Content. Diese hübsche Katze saß im hintersten Eck des untouristischen Teils des Burgviertels.

  • Am Allein-Wander-Tag wurden die Waldnymphe und ich unabhängig voneinander mehrfach für Einheimische gehalten. Bei mir lag es definitiv daran, dass ich unbewussterweise die Standarduniform tschechischer Frauen eingepackt und angezogen hatte: Kniehohe Stiefel, Thermoleggins in Schwarz, kurzer Rock, kurze Jacke. Ich ging dort absolut in der Menge unter. Und habe dann russischen Touristen die tschechische Beschriftung der Uhuvoliere im Wallensteingarten ins Englische übersetzt, ohne ein Wort Tschechisch zu sprechen. War aber leicht zu erschließen, um was es ging. Etwas Geschichtswissen und fertig ist die Laube. Nur das englische Wort für Uhu ist mir partout nicht eingefallen. Ich machte Öhrchen mit den Fingern und sagte „big owl“, was am eigentlichen „eagle owl“ schon nahe dran war.
  • Ich bin glücklich, gar nichts gekauft zu haben. Außer eine Starbucks-Riesentasse, weil die Tässchen in der Ferienwohnung zu klein für meinen morgendlichen Frühstücksteebedarf waren. Dann noch einen Kühlschrankmagneten mit Mucha-Motiv für Frau Schwan als Mitbringsel und zwei Kleiner-Maulwurf-Überraschungseier (ja, die gibt’s da!) für Kollege M. und seine Patentochter. Haben die Rückreise auch fast unbeschädigt überstanden.

Der „unendliche“ Büchertunnel in der Nationalbibliothek. Ist eine mittels Spiegeln erzeugte Illusion und „in echt“ nur vier, fünf Meter hoch aber schon toll.

  • Im Zoo gab es wunderbar relaxte Wölfe und fünf Gepardenjunge. Und zwei hochaktive Honigdachse. Allein dafür hat es sich gelohnt, dort einen halben Tag zu verbringen. Die Przewalski-Pferde, für die ich eigentlich in den Zoo wollte, waren dann eher unspektakulär.

Der Arm. DER Arm. Der ARM.

  • Der Arm. Der mumifizierte Abschreckungsarm. Ich habe ihn tatsächlich gesehen. Ihn zu finden war gar nicht so einfach! Klar, St. Jakob liegt schön mitten in der Stadt, vom Wenzelsplatz, wo unsere Ferienwohnung lag (zentraler geht wirklich kaum!), zehn Minuten zu Fuß, wenn man langsam geht. Aber aus mir unerfindlichen Gründen wurde in der Kirche selbst null und gar nicht auf diese Attraktion hingewiesen! Kein Schild, keine Beleuchtung, keine Absperrung … nix! Mit mir zusammen waren noch etwa zwanzig andere Besucher in der Kirche, betrachteten alles Mögliche, wurden herumgeführt … und der Guide ignorierte den Arm völlig! Ich habe das Ding auch nur deshalb gefunden, weil ich im Internet Bilder davon gesehen hatte und deshalb eine ungefähre Vorstellung davon hatte. Verdammt, Prag sollte auf diese Attraktion echt deutlicher hinweisen. Da lässt sich doch auch Kapital draus schlagen. So spontan würden mir Schlüsselanhänger und gebrandetes Beef Jerky einfallen.
  • In den entzückend trashigen Alchemie- und KGB-Museen war ich dann doch nicht. Da schreckten mich die Menschenmassen ab. Gegen Ende der Woche habe ich echt viel getan, um möglichst unbegangene Wege zu finden, weil meine soziale Angst mir schon jeden Morgen ein paar Minuten bescherte, in denen ich Atem- und Achtsamkeitsübungen machen musste, um keinen Hassanfall zu bekommen. Hassanfälle sind ein für mich sehr präsenter Teil der Angsterkrankung. Dann habe ich ein unglaubliches Beklemmungsgefühl und mir ist körperlich übel, weil ich mich, meine Umgebung, mein Leben und jeden Menschen auf der Welt so sehr hasse, dass ich Gewalt erwäge. Im Urlaub keine gute Sache. Und wird von zu großen Menschenmengen ausgelöst, denen ich nicht verlässlich aus dem Weg gehen kann.
  • Generell war es so, dass man als Fast-Einwohner von Heidelberg ein sehr heimatliches Gefühl hatte. Der selbe Touristen-Nepp, die selben Menschenströme, die sich zehn Meter außerhalb der ausgetretenen Pfade sofort auflösen, die selben wunderschönen Ecken, wenn man sich etwas wegbewegt.
  • In der Alt-Neu-Synagoge waren wir nicht, ich musste die Ruhestätte des Golems von Außen betrachten. Ich habe sowieso nur drei Sakralbauten besucht. Irgendwie beeindruckt mich das Meiste davon nicht besonders. Vermutlich weil ich mit dem Speyrer Dom das Schönste dahingehend praktisch vor der Haustür habe. Ja, da bin ich voreingenommen. Das jüdische Viertel haben wir gar nicht gefunden. Zumindest nicht bewusst. Zwar drei Synagogen aber irgendwie kann es das doch nicht gewesen sein – die drei, vier Straßen? Seltsam! Aber Cafés mit Bageln.
  • Die Waldnymphe hat sich im Louis-Vuitton-Flagship-Store eine Reisetasche gekauft. Ich war unpassend gekleidet (Lederjacke, Hoodie, Stiefel) und durfte deshalb so tun, als sei ich ihr Bodyguard. Ich habe meinen Zeigefinger ins Ohr gesteckt und mit meinem Ärmel geredet. Das hat mir Spaß gemacht. Und gelangweilt habe ich mich auch nicht, weil es der einzige Ort in Prag mit gutem WLAN war. Echt jetzt – wer Deutschland für Internet-Entwicklungsland hält, war noch nie in der Tschechei! Nur in den größten Hipsterställen freies WLAN und das in einer Qualität wie in Meck-Pomm.
  • Ich habe in Prag praktisch keine Fahrradfahrer gesehen. Verständlich – würde ich dort auch nicht machen. Trotz überall Zebrastreifen wurde ich mehrfach fast umgebügelt. Sehr aggressive Autofahrer. Gab auch kaum Jogger – die wurden wohl auch schon alle plattgefahren. Hingegen waren U- und Straßenbahn gut frequentiert, perfekt getaktet und immer noch so nützlich, wie ich es von der Studienfahrt in Erinnerung hatte. Immer noch gibt es nur drei U-Bahn-Linien – aber die reichen erstaunlicherweise völlig! Alle drei Minuten eine Bahn. Klasse Sache. Und billig! 24 Kronen, also etwa ein Euro, für eine dreißig-Minuten-Karte. Und auch die monströsen Rolltreppen zu den tieferen Linien, an die ich mich mit großer Liebe erinnert habe, waren noch da. Nur der damals sehr präsente Geruch nach Hundescheiße und Vanille, der das gesamte Netz durchzogen hatte, war weg. Nicht, dass ich mich darüber beschweren wollte … Hunille war eher eklig, so als Gesamtaroma.

Jetzt habe ich vermutlich die Hälfte aller interessanten Erlebnisse vergessen und muss sie in den nächsten Tagen nachreichen. Zusammenfassend auf jeden Fall: Toller Urlaub, tolle Stadt, tolle Begleitung.

Vorbereitungen und Hungerzeiten

Let's go, it is closing time.

Diese Woche ist terminlastiger und anstrengender, als ich gedacht hatte. Nicht einmal zum Sport bin ich gestern gekommen, weil ich abends losmusste, um mir einen Koffer zu kaufen. Für den Urlaub. Am Montag. Weil ich keinen Koffer besitze. Ernsthaft. Nie gehabt. Alle meine Reisen fanden bisher entweder – wenn es sich um „normale“ Urlaube handelte – mit einer größeren Sporttasche und einem Rucksack oder – im Falle von LARP und Mittelaltergedöhns – einem riesigen Leder/Fell-Monstrumsrucksack statt. Koffer waren mir fremd.

Aber langsam erkenne ich die Vorteile. Besser stapelbar, ob im Auto oder im Zug. Besser befüllbar, weil man nicht stopfen muss. Und natürlich kommen die Klamotten auch weniger knüddelig am Zielort an. Von daher – Hurra für Koffer. Mit vier Rollen und Handgriff. Wie so `n Profi! Er ist Größe „M“ und türkis. Geht definitiv nicht in der Menge verloren. Und „M“ ist groß genug, dass ich mich vermutlich fast selbst darin verstecken könnte.

Weitere Vorbereitungen waren der Kauf von zwei Thermoleggins (das Wetter in Prag nächste Woche klingt bedrohlich. Böiger Wind, unter eine Stunde Sonne pro Tag, ergiebiger Regen, maximal 14 Grad …) und eines Herbstrocks. Das Mitnehmen von anderen Schuhen als Stiefeln kann ich mir vermutlich sparen. Aber Ersatzstiefel, weil man die wahrscheinlich immer abwechselnd einen Tag lang trocknen muss. Tja.

Ich arbeite weiterhin an meinem Defizit für den Urlaub. Läuft gut. Und ich lerne nach der ganzen Zeit immer noch neue Dinge über meinen Körper. Jetzt habe ich herausgefunden, wann meine Hungerhormonzeiten jeden Tag so sind. Sind das meine Ghrelin-Peaks?

Ich habe jeden Tag morgens um kurz vor sechs (Fahrt zur Arbeit) Hunger. Aber das ist vermutlich eher fehlinterpretierter Durst, da ich dann noch nichts getrunken habe und der Hunger nach ein paar Schluck Wasser verschwunden ist.

Um halb elf kommt dann richtiger Hunger. Aber da ich erst um eins esse, wird der nicht weiter beachtet. Eine Tasse Tee oder Kaffee hilft, weil Koffein schließlich appetithemmend wirkt. Dann wieder um kurz nach vier, wenn ich nach Hause fahre. Da muss ich es auch wegignorieren, weil ich schließlich erst um sechs essen möchte. Und es auch sehr unwahrscheinlich ist, dass ich nur drei Stunden nach einer Mahlzeit schon wieder Nährstoffe brauche. Reine Hormonsache eben. Und so ein Hungerschub wird auch nicht schlimmer, sondern verschwindet bei Nichtbeachtung. Besonders gut zu beobachten, wenn ich nach Hause komme und direkt Laufen gehe. Dann ist der Hunger schon kein Thema mehr, wenn ich die Sportklamotten anziehe.

Vermutlich war einer der Gründe, dass ich dick geworden bin, dass ich diesen Hungerreizen nachgegeben habe, ohne sie zu hinterfragen oder zu beobachten. Kurzschlussreaktion „Hunger = Essen“. Intuitives Essen ist also, wenn überhaupt, nur mit stetiger Selbstbeobachtung und gründlicher Analyse möglich.

Es ist schon so, dass es definitiv Hunger und nicht nur Appetit ist. Aber es ist eben ein Hunger ohne wirkliche Basis, könnte man sagen. Zeitlich sind die drei Hungerphasen nicht mit Nahrungsaufnahme oder Fastendauer zusammenhängend. Von daher weiß ich auch nicht, was meine Hormone da reitet. Zumindest ist es aber konsistent und man kann fast die Uhr danach stellen. Hat auch was für sich.

Lob und Preis der Zucchininudel! Und Katzen.

Wolf on vacation

Symbolbild: Urlaub

Die Zucchininudelwoche bringt tatsächlich etwas – wunderbar sattes Gefühl für die Volumenesserin, trotzdem jeden Tag über hundert Gramm Protein (ich komme meistens auf 1,8 bis 1,9 Gramm pro Kilo Körpergewicht) und jeden Tag mit Sport etwas über 500 Kalorien im Defizit, damit ich mir nächste Woche in Prag, der Hauptstadt der Knödelmitsoß, keine Gedanken um gar nichts machen muss.

Da kann man die grünen Gewächse gar nicht genug belobhudeln. Nährstoffreiches, festes Wasser mit Geschmack. Und mit Tofu und Tomaten-Gemüse-Soße täuschend echter (naja, fast. Mit viel gutem Willen!) Pastaersatz.

Solche Wochen werde ich in Zukunft öfter einlegen. Auch wenn das natürlich bedeutet, dass ich abends länger in der Küche stehe, weil es sich weniger gut mealpreppen lässt als meine sonstige Nahrung. Naja, das lässt sich überleben.

Sportmäßig bin ich etwas unzufrieden mit mir. Trotz stringentem Training und guter Ernährung sind in den letzten zwei Wochen eher Rück- als Fortschritte, zumindest aber Stagnation zu beobachten. Nur bei den Benchdips werden die Sätze länger. Ansonsten läuft es schleppend. Aber ich habe Spaß an der Bewegung. Da kann man eine Durststrecke auch mal überstehen.

Und Katzen.

Die Vorstellung, zehn Jahre nach Shaka und Zulu wieder eine (oder zwei) Katzen zu haben, wird nach Neros Tod immer deutlicher. Denn so gern ich Nero auch hatte – er wohnte bei der Waldnymphe. War „unser“ Kater aber eben nicht so, wie Shaka und Zulu „meine“ Katzen waren. Ich hatte die beiden Katzengeschwister seit sie acht Wochen alt waren – sechzehn und siebzehn Jahre lang (Shaka wurde ein Jahr älter als ihr Bruder). Dann wollte ich ganz lange keine „Cats in Residence“ mehr. Aber jetzt … Jetzt möchte ich gern einer gesetzteren Wohnungskatze wieder ein Zuhause geben. Mich abends mit ihr vor den Fernseher oder Computer setzen. Sie darf auch im Bett schlafen (hatte ich bei Shaka und Zulu auch immer. Als sie noch winzige Katzenbabies waren, hatte ich immer Angst, sie im Schlaf zu erdrücken, aber sie lagen immer an mich gelehnt, ohne dass je etwas passiert ist).

Ja, der Gedanke verfestigt sich immer mehr. Ich schaue mir die Websites der umliegenden Tierheime an. Ich habe schon mit den Elterneinheiten geklärt, ob sie bereit wären, in eventuellen Urlaubssituationen auszuhelfen. Und der optimale Zeitpunkt ist auch schon gefunden: Am Anfang meiner freien Woche im November.

Und Katzen ….

Die Culinary Diversity-Wölfe stöbern Seltenheiten auf. Teil neun: Kiwibeeren

Druck

Kiwibeeren? Tatsache. So hab ich auch geguckt, als das kostbar aussehende Plastikschälchen beim Hipster-REWE in der „guck mal, wenn du foodtrendig sein willst, iss gefälligst das, du Konsumwurm!“-Auslage glitzerte. Und weil ich gern ein foodtrendiger Konsumwurm wäre, habe ich es gekauft.

Und gestern in meinen Joghurt geschnibbelt. Zusammen mit etwas Cookies-and-Cream-Flavour (Wren – das ist auch eine tolle Flasty’s-Sorte! Cookies and Cream!). Tja, was soll ich sagen – eine weitere geschmacklich eher unspektakuläre Obstsorte. Irgendwie erscheint es mir, als seien die echten Bomben in Sachen Früchte schon lange bekannt. Alles, was so neu dazukommt, ist eher lahm. Einfach nur süß. Kein großes Aroma.

Kiwibeeren. Gestern noch auf der Insel von Dr. Moreau, heute schon in meinem Sojaghurt! #kiwibeeren #vegan

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Wird mich natürlich nicht daran hindern, mich auch weiterhin mit großer Freude und überzogenen Erwartungen durch’s Obst- und Gemüseregal zu fressen. Aber trotzdem … irgendwie haben so eine reife Birne, eine Handvoll Brombeeren, eine gerade richtig gelbe Banane, ein saftiger Pfirsisch oder auch ein kräftig säuerlicher Apfel immer noch die Nase vor den „Exoten“ vorn. Ja, ich weiß, local sourced bananas

Ansonsten habe ich jetzt die Einladung zu einem Weiterbildungsseminar bekommen. Das erste, das ich besuchen werde. Ich habe so etwas noch nie gemacht und bin gespannt. Was mich aber etwas verstört ist die Frequenz und Menge der Essenspausen. Warum braucht man bei acht Stunden ganze fünf Essenspausen? Was soll man da machen?

Zum Glück ist es in der Nähe eines Einkaufszentrums mit Starbucks. Da werde ich auf die Pause verzichten und mir eine Pumpkin Spice Latte holen. Trotzdem … Fünf Pausen! Das sind doch erwachsene Menschen. Können die sich nicht vier Stunden am Stück ohne Zuckerzufuhr konzentrieren? Echt jetzt, sowas bläht die Seminarzeit nur unnötig auf. Aber ich muss da neutral rangehen. Immerhin geht’s bei dem Ganzen um Stressmanagement. Oder so. Vielleicht ist das ein Test, wie man mit dem Stress durch ständige Unterbrechungen umgeht? Ich werde es herausfinden!