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Die Culinary Diversity-Wölfe stöbern Seltenheiten auf. Teil vierzehn: Zen Bowl

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Diesmal gibt es kein Foto (Heidi Klum rast lachend durchs Bild), da ich, wenn ich in Gesellschaft zu Hause esse, mein Telefon meistens in der Tasche lasse. Aber wenn ich es beschreibe, kann man es sich bestimmt auch gut vorstellen. Plus ein paar Links zu ähnlichen Bowls.

Früher nannte man es „einen großen gemischten Salat, bitte!“, dann kamen die Hipster und es wurde zur Buddha Bowl. Und ein Schnellrestaurant in Heidelberg (Tiger & Dragons, sehr nett) nannte das Ganze noch einmal anders, druckte es auf Flyer und verteilte diese bei diversen größeren Betrieben. So kam die Waldnymphe dazu. Und weil ich gern neue Dinge esse, sprang ich mit auf den Bandwagon und wir haben uns am Freitag zwei Zen Bowls geholt. Ihre mit Thunfisch, meine mit Tofu. Beide mit grünem Salat als Basis, dann braunem Reis, dann diversem Gemüse und Früchten (Gelberüben, Gurken, Sprossen, Ananas, Lotoswurzel, Mango, Zwiebel, Nori, Bohnen, Edamame und vermutlich noch andere Sachen, an die ich mich nicht erinnere), darauf die Proteinquelle, dann Soße (beide Erdnuss), dann noch Sesam und Kräuter obendrauf.

Die Beute schleppten wir nach Hause, wo der Erklärfaun nun doch etwas neidisch war, da er abgelehnt, stattdessen Lachs mit gekochten Eiern als Essen für sich vorbereitet hatte und die beiden Bowls doch deutlich flashier aussahen.

Geschmack und Sättigungspotential waren gut. Der Tofu war mir zu belanglos; leider gibt es dort aber keine andere vegetarische Alternative. Kann man vermutlich ganz weglassen und sich zu Hause entweder selbst Tofu einlegen oder Eier reinhauen.

Prinzipiell kann man das Ding ja sowieso komplett selbst herstellen. Ist nun wirklich kein Hexenwerk. Aber es lohnt nicht wirklich, für zwei oder drei Portionen so viele verschiedene Zutaten anzubrechen, die dann zu einem Viertel weggeschmissen werden, wenn man Pech hat. Für mehr als drei Leute könnte sich die Anfertigung jedoch dann wieder lohnen.

Aber ich bleibe dabei – großer gemischter Salat.

Basteln. Mein Spacewolf namens Hugh, son of Yagg. Mit Bonus-Tyranid. #warhammer40k #spacewolves #spacemarine

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Der Rest des Wochenendes war auch sehr nett. Wir haben Warhammer gebastelt (hier ein Bild meines ersten, fast fertigen, Spacewolves namens Hugh, son of Yagg (ich habe ihn so genannt, weil er ein bisschen wie Hugh Jackman als Wolverine aussieht) und seines Thunderwolves. Mit einem putzigen Tyraniden aus der Armee der Waldnymphe.

Samstag war Plätzchenback- und Werewolftag, was wir sehr genossen haben. Extrem weihnachtlich! Ich freue mich auf den ersten Dezember. Ab dann sind die Plätzchen nämlich freigegeben. Die utopische Vorstellung, ich könnte in der Vorweihnachtszeit zwei Kilo abnehmen, habe ich in den Wind geschossen und auf Januar vertagt. Ich kann jeden Wochentag 600 Kalorien Defizit fahren und trotzdem gleicht das die Wochenenden maximal aus. Und ganz ehrlich – ich will nicht die Spaßbremse sein, die beim adventlichen Schokofrühstück den Tee trinkt. Das wäre einfach unangebracht. Klar, ich wirtschafte unter der Woche weiterhin heftig und esse clean – aber ich werde weder mir noch meinen Liebsten an Frei- und Samstagen auf den Sack gehen. Ich werde hoffentlich eine Nullrunde schaffen und dann im Januar sehen, wie es mit durchgehendem Defizit zu machen ist.

Derzeit stresst mich das übliche Zykluseingelagere sowieso. 62 Kilo! Ich glaub, es hackt! Mal wieder vier Kilo Wasser auf den Rippen. Oder auch nur drei, weil ich über meine Verhältnisse gelebt habe, was weiß ich. Mein momentanes Hauptaugenmerk liegt auf gesundem Essen unter der Woche und Kraftsport. Plus Seilspringen. Was am Ende des Tages im Waagendisplay steht ist nicht ganz so bedeutend. Heute gibt es mein übliches Quarkporridge (das wird mir einfach nicht über!) und abends Kürbissuppe. Vermutlich mit Handkäse. Oder Sojajoghurt. Auf jeden Fall alles zusammen für unter tausend Kalorien. Soll das blöde Wasser doch tun, was es will.

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„Da darf man ja nur noch Salat essen“

Winter warmth
Ich mag Blattsalate nicht besonders. Als Basis von „ganz viel anderes Zeug drauf“ sind sie okay, aber generell ziehe ich Salate mit mehr Biss und Stücken vor. Und was gar nicht geht sind diese bitteren Blätter. War das Rucola/Rauke? Mag ich nicht. Ich reagiere stark auf Bitter und kann es nicht haben. Nur Bitter Lemon und Bitterini mag ich. Warum auch immer. Aber sobald es feste Nahrung ist – nix Bitteres. Gar nicht.

Aber zurück zum Salat. Es ist ein sehr hartnäckiges Vorurteil, dass sich gesund und wenig energiedicht ernähren immer mit Salat einhergehen muss. Traurigem, dressingfreiem Blattsalat.

Müsste ich davon leben, wäre ich vermutlich dick geblieben. Absolut verständlich. Das mag keiner essen. Aber die Salate, die ich mir gestern und vorgestern gemacht habe, sind zum Glück anders. Eine ganze Gurke, drei mittlere Tomaten, zwei mittlere Spitzpaprika, drei gekochte Eier, eine halbe Rolle Handkäse. Und als Dressing zwei Esslöffel Sojaghurt, Zitronensaft, gewürzt mit allem, worauf ich so Bock hatte. Das ist eine Monsterschüssel voll Zeug, lecker, cremiges Dressing, würzig – danach noch ein Nachtisch aus Konjakpudding (Wasser, Konjakpulver, ein Löffel Backkkakao, Süßstoff, Flavdrops) und ich war satt für etwa 550 Kalorien (da MyFitnessPal immer von viel schwereren Eiern ausgeht, als ich im Kühlschrank habe, ist die natürliche Unschärfe etwas größer).

Jedenfalls weit von Verzicht entfernt. Aber mir etwas zu aufwändig in der Zubereitung, um das allzu oft zu machen. Wenn ich abends nach Hause komme, darf die Essenszubereitung nicht länger als fünf bis zehn Minuten dauern. Also doch wieder Mealpreppen. Heute koche ich Kürbissuppe für zwei Tage vor. Die volle Butternut-Gelberüben-Kartoffel-Zwiebel-Ingwer-Dröhnung. Pro Portion knapp 400 Kalorien.

Für nächste Woche besorge ich mir mal so Ziplock-Gefrierbeutel, damit ich Suppe einfrieren kann, ohne mir die Gefriereinheit mit Boxen vollzustellen. Dann gibt’s nächste Woche an zwei Tagen Suppe, an zwei Tagen Rosenkohl mit Tofu und einmal Bohnen oder Spinat mit Ei.

Gestern hat mich meine passiv-aggressive Nachbarin wieder gestresst. Ich sage nie etwas, wenn ihre dicken Kinder noch nachts um zehn herumschreien oder Türenknallen. Oder wenn sie im Sommer bei offenem Fenster laut schreiend telefonieren. Aber sie verknotet sich die Titten, wenn ich Seilspringe. Das wäre zu laut.

Alte, ich wärme mich damit dreimal die Woche für’s Bodyweight auf. Dreihundert Sprünge, das ist gar nichts! Das sind fünf, maximal zehn Minuten. Und zwar über eurer Küche und um 18 Uhr. Also alles zu geregelten Zeiten und nicht überm Schlafzimmer um Mitternacht. Außerdem bin ich dabei barfuß und auf einer Yogamatte. Im Sommer gehe ich stattdessen wieder Laufen und du kannst wieder völlig verblüfft sein, dass du immer dicker wirst und es ja nie schaffen würdest, Sport zu machen. Bis dahin – deal with it! Außerdem ist das mein verdammtes Haus (okay, das meiner Eltern). Wenn’s euch nicht passt – da hat der Maurer das Loch gelassen.

Das wäre die konfrontative Variante. Aber ob ich Bock darauf habe, mich darauf einzulassen, weiß ich noch nicht. Vermutlich lüge ich einfach und sage, der Arzt hätte mir wegen Rücken barfuß-Seilspringen verordnet. Ärzte respektiert sie.

Ach, warum sind Menschen nur so oft so verkrampft? Ich lass’ andere doch auch in Ruhe …

Omerta und Gorilla Warfare

Die Defizitwoche hat ja grandios angefangen … Indem ausgerechnet am Montag der sizilianische Vertriebskollege seinen Geburtstag mit Arrancini und Cannoli beging. Die berühmte „leichte, mediterrane Küche“. Frittierte, katzenkopfgroße Reisbollen und Cremeröllchen. Den Arrancini konnte ich mich entziehen – obwohl es zum ersten Mal auch vegetarische gab! – aber bei den Cannoli war ich dran. Eins musste sein. Wenn der Don dir eine Süßigkeit anbietet und so … War immens köstlich und hat mich in seiner schieren Kohlehydratgroßartigkeit den Rest des Tages grausam gierig gemacht. Naja, für ein 500er Defizit hat es noch gereicht. Trotzdem: Heute mehr Protein, weniger Kohlenhydrate und keine Mafiateigrollen!

Als ich angefangen habe abzunehmen, habe ich mir versprochen, sobald ich eine sinnvolle Kleidergröße erreicht haben würde (damals dachte ich noch, das wäre 40. Haha!), einen viktorianisch/gothigen Mantel zu kaufen. Die gibt es nämlich sehr selten in großen Größen und ich fand die immer schon schön.

Ich erreichte Kleidergröße 40, dann 38 und jetzt 36 … und hatte das Projekt völlig vergessen. Zu viele andere Dinge spukten mir im Kopf herum. Aber dann sah ich vor zwei Monaten eine Ad (ich hatte beim neu installierten Chrome Adblocker noch nicht laufen), auf der mein Mantel abgebildet war. Zwar von einem malaysischen Versandhaus (wtf, Internet!) aber – da war er!

Ich bin generell zögerlich, mir Kleidung zu bestellen. Da gehe ich lieber in Fachgeschäfte und probiere an, weil die Größenangaben bekanntlich ausgewürfelt werden. Aber bei diesem Mantel standen die Maße in Zentimeter dabei. Natürlich Asiamaße, so dass ich statt Euro-S eben Asia-M bestellt habe, nur um sicherzugehen. Ich wartete und wartete, war zwischenzeitlich davon überzeugt, dass nichts mehr ankommen würde. Doch dann lag ein erstaunlich kleines Paket in meinem Briefkasten.

Ein Wintermantel ist es nun wirklich nicht. Ungefüttert. Aber in Südostasien reicht das vermutlich für jede Witterungsunbill. Na, egal. Ist es eben ein Sommermantel für mich. Und die Größe? „M“ passt perfekt.

Bis auf … die Armlänge. Entweder bin ich ein Gorilla oder in Asien haben die Leute T-Rex-Arme. Jedenfalls sind die Ärmel echt kurz. Sieht ein klein bisschen merkwürdig aus aber ich bin wild entschlossen, mir die Freude nicht verderben zu lassen. Hey, Schnürung, Cul de Paris (fast) und asymmetrisch geschnitten! Echt hübsch, das Ganze! Ich werde den Onlineshop, von dem ich den Mantel habe, aber nicht nennen, da sie sehr gemischte (um es freundlich zu sagen) Reviews haben. Oft kommen Sachen nicht an, der Customer Service ist nonexistent und dergleichen. Ich hatte einfach Glück, dass mein Mantel ankam und in Ordnung war, das scheint nicht die Regel zu sein. Ich war mir des Risikos bewusst – ich habe das Geld für den Mantel (er war nicht teuer) von vorneherein als verloren abgeschrieben und mich positiv überraschen lassen. Also – weiterhin besser keine Kleidung online kaufen. Das war eine einmalige Sache. (Außer natürlich, jemand hat einen wirklich guten Tipp, was viktorianisch/steampunkige Sachen angeht!)

Die Culinary Diversity-Wölfe stöbern Seltenheiten auf. Teil dreizehn: Passionsfrucht

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Nein, lecker sieht das Porridge mit Passionsfrucht nun wirklich nicht aus. Es hat definitiv etwas von einem Aliengelege und man ist versucht, den Flammenwerfer anzufordern, damit sich das Zeug nicht auf der Erde verbreitet.

Aber im Gegensatz zu seinem Äußeren ist der Pampf geschmacklich mehr als hervorragend! Leicht säuerlich und aromatisch. Wirklich lecker. Wären die Dinger nicht so teuer und vom Ende der Welt, würde ich sie wohl sehr oft auf dem Speiseplan haben. Eine echte Entdeckung!

Passionsfrucht-Porridge oder Aliengelege? You decide! 😊 #Porridge #passionfruit #lunch #Protein

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So, diese Woche esse ich also wieder Defizit. Besonders Lust darauf habe ich nicht. Die Motivation hält sich in Grenzen. Aber ich habe in den letzten Wochen an Frei- und Samstagen zu deutlich über meine Verhältnisse gelebt und deshalb muss wieder Speck weg. Und dann noch etwas zusätzlich, damit ich mehr Puffer für Weihnachten habe. Denn zu glauben, dass ich einen dreiwöchigen Urlaub kalorientechnisch unbeschadet überstehe, wäre doch allzu blauäugig! Urlaub ist immer gefährlich. Und Urlaub, den ich nicht damit verbringe, acht Stunden am Tag fremde Städte zu Fuß zu erkunden, ist noch eine ganze Ecke schlimmer. Dann sitze ich zu Hause auf der Couch und wenn etwas da ist, esse ich es. Natürlich ist rund um Weihnachten immer etwas da – also besser uffbasse.

Mein Sportprogramm ist jetzt erst einmal für Dienstag und Samstag geplant. Wenn ich an einem anderen Tag noch dazu komme, umso besser. Die Ausdauer für’s Laufen erhalte ich mir mit dem Crosstrainer, das hat schließlich letztes Jahr auch schon prima geklappt. Aber zum Joggen ist es mir mittlerweile wirklich zu dunkel geworden. Mit einer Angsterkrankung ist eine Joggingstrecke bei Nacht echt keine gute Idee. Besonders meine, die an Industrieruinen vorbei und durch dunkle Alleen führt. Dann doch lieber im hellen, freundlichen Gym herumstrampeln und sich auf April freuen, wenn die Sonne wieder günstiger steht!

Cardio wird aber nicht der Hauptfokus sein. Ich will wieder auf Stand mit der Bemuskelung und wenn’s geht noch eine Schippe drauflegen.

Das alles wäre gut schaffbar. Allerdings mit meinen momentanen Abnehmplänen wieder mal reichlich inkompatibel. Ich mache exakt denselben Fehler wie letzten Winter: Mir einzubilden, man könne gleichzeitig Fett ab- und Muskeln aufbauen. Naja, dann eben Fettabbau und Kraftausdauer bis Januar und dann Muskelaufbau ab dem neuen Jahr.

Hauptsache, ich kann wieder Sport machen und finde eine für mich und Butzel Brombeerschorle passende Routine.

Illustration-Monkey braucht echt wieder Sport

Und ich glaube, ich werde tatsächlich mal ganz, ganz verwegen sein, und am Samstag ins Gym gehen. Das wäre eine halbe Woche zu früh. Aber echt jetzt … ich schwitze wenig an den Unterarmen (glaube ich), das Tattoo heilt unglaublich schnell (der Erklärfaun meinte „Klar, sind doch Werwölfe!“) und ich beanspruche die Haut beim Sport an dieser Stelle nicht. Da liegt keine Stange auf, ich lege den Unterarm nirgendwo ab und die Haut wird auch nicht zusammengeschoben.

Wenn ich mich dann noch auf Rumpf und Beine konzentriere (Ugh … ich hasse leg day …), sollte das doch funktionieren! Ich brauche wirklich, wirklich, wirklich wieder Bewegung. Ich muss den Stress der letzten Wochen abbauen, sonst komme ich nie wieder in vernünftigen Tiefschlaf!

Außerdem möchte ich nun doch wieder ein bisschen abnehmen. Ist im Normalgewichtsbereich eine unglaubliche Schur. Nervt. Ist unangenehm. Dauert ewig, weil ein 1000er Defizit bei mir nur noch 550 Kalorien pro Tag bedeuten würde, was sich mit meinem Sportbedarf nicht verträgt, so dass ich nur ein 500er Defizit anstrebe. Verlängert die Abnahme der geplanten zwei Kilo auf vier Wochen. Eher sechs, wenn ich Wochenenden mit einrechne. Oder bis Ende des Jahres, wenn mir Weihnachten reingrätscht (wobei ich schon ein paar der Guzel-Rezepte von der Abnehmblogger-Website ausprobieren möchte, wenn ich sie hinbekomme. Die einfacheren).

Aber – und das ist ein wichtiges „aber“ – ich habe die Erfahrungen aus der Haltephase. So dass ich meine Mahlzeiten viel sinnvoller planen kann als bei der Hauptabnahme. Ich kann besser und ausgewogener Essen. Ich kann mit Cardio unterstützen. Es sollte also zumindest ein wenig angenehmer sein.

Ist aber schon lustig. Ich habe fast vierzig Kilo ohne mit der Wimper zu zucken runtergerockt. Aber bei zwei Kilo mache ich nun Pläne und rechne. „Intuitiv essen“, my ass.

Ansonsten freue ich mich auf ein Wochenende mit Warhammer-Basteln. Und sonst nicht viel. Weiter auf Netflix herumtoben. Dort fühlt man sich als Geek ein bisschen wie das Kind im Süßwarenladen. Soooo viele tolle Serien! Die alten habe ich zwar schon auf DVD, aber es ist natürlich viel bequemer, Firefly einfach so anzuschalten, als im Regal rumzukramen. Und Netflix merkt sich – im Gegensatz zu Amazon Prime – auch, dass man immer Originalsprache haben möchte. Das finde ich fein. Im Moment schaue ich „Shadowhunter“, eine wunderbar trashige Mystery-Serie voller schöner, gut angezogener Menschen, die den „ass“ in „massive overacting“ bringen! Aber zumindest wird dort auch deviante Sexualität normalisiert. Finde ich gut!

Also, Essenspläne machen, meine Space Wolves zusammenbauen, mit A. und E. ein bisschen RP machen. Feines Wochenende voraus!

Selbstbestimmtheit und Selbstverantwortung

Falcons

Auch wenn ich in glücklich-theoretischen Kaffeehausdiskussionen meist mehr auf der Seite Gerechtigkeit als der Freiheit stehe (wenn man die Beiden als Gegenpole betrachtet), so gehe ich grundsätzlich schon mit den Worten des unsterblichen Ron Swanson d’accord: Give a man a fish and you feed him for a day. Don’t teach a man to fish, and you feed yourself. He’s a grown man. Fishing’s not that hard.

Im übertragenen Sinne habe ich gerade so eine Situation, in der ich nicht auf Ron gehört und versucht habe, einem Mann Angeln beizubringen und nun ärgere ich mich, weil er es offenbar gar nicht wirklich lernen wollte und ich in der investierten Zeit besser für mich selbst Fische gefangen hätte.

Konkreter: Ich wurde aktiv nach Hilfe beim Abnehmen gefragt. Ich habe also eine Liste von nützlichen Websites und Apps zusammengetragen, habe lange Mails über Makro- und Mikronährstoffe geschrieben, habe alles zu CICO verlinkt und war ganz begeistert, dass jemand etwas für seine Gesundheit tun wollte. Vor allem, weil Abnehmen auch bei Depressionen helfen kann (nicht muss). Und ein sich-Aufraffen schon zeigt, dass der Weg der Besserung in Sicht ist.

Ach, was war ich naiv.

Abnehmenwollen ist eine Sache. Dann feststellen, dass man dann auch seine Essgewohnheiten umstellen und statt stundenlangem Zocken mal ein bisschen Sport einlegen sollte, eine ganz andere. Und da hörte der Enthusiasmus schlagartig auf.

Natürlich schuldet mir niemand, dass er von mir erbetene Ratschläge auch befolgt. Wäre ja absurd. Aber es ist schon traurig zu beobachten, wie die ganzen Ausreden lehrbuchmäßig abgespult werden. Von „ich habe noch Schokolade da, die muss ich erst aufessen“ über „ich esse ja kaum noch was“ (auf die Frage „trackst du das denn?“ – „Nein, ich esse halt weniger“) bis hin zu „das gesunde Zeug ist so teuer …“ kam der ganze altbekannte Sermon.

Und keine der empfohlenen Websites oder Apps wurde auch nur geöffnet.

Ich kann’s nicht ändern. Und ich sollte es langsam besser wissen.

Also kämme ich mal meinen eigenen Igel weiter (Stress, Stress und Bonusstress plus Wassereinlagerungen sogar an Handgelenk – merkt man am enger scheinenden Imperator – und Füßen. Eklig!) und werde in Zukunft weniger Energie in anderer Leute Probleme investieren, wenn ich aus vergangenen Erfahrungen schon ableiten kann, dass auch diesmal keine wirkliche Bemühung erfolgen wird.

Jetzt auf ins Wochenende. Vampirezocken, Qualitätsfreitag mit Spinat-Pide (tausend Kalorien dafür eingeplant).

Arme, Bagel, Cat-Content – Zurück aus Prag

Bunt wie Macarons: Renovierte Jugendstilschönheiten.

Was für eine Woche! Was für ein wundervoller Urlaub! Ich bin sehr begeistert und noch ganz besoffen von den vielen Eindrücken. Und weil ich das ganze sowieso nicht in einen gescheiten narrativen Fluss bringen kann, werde ich es in Stichpunkten abhandeln.

Vorwegbemerkung: Entweder lügt mein Imperator wie gedruckt oder ich werde nun langsam Opfer des in-die-andere-Richtung-Verschätzens. Meiner Meinung nach habe ich jeden Tag in Prag lockere dreitausend Kalorien verzehrt (die böhmische Küche rangiert in Sachen Fettigkeit nur knapp hinter den Inuit). Ich habe an einem Tag ein halbes Rosinenbrot (kein Brötchen!) mit Butter gegessen. Und das war nicht alles. Bagel mit Frischkäse, Pflaumenknödel mit Lebkuchenbröseln, Buchteln mit Pflaumenmus, Schokoladentartes, eimerweise Pumpkin Spice Latte, massenweise Kaffee mit Sahne, Stangenbrot mit Butter, zwei Trdlnik (das ist – vermutlich, ich kann kein Tschechisch – die Mehrzahl von Trdlo, süßem Stockbrot) mit Nutella und ohne … und dabei hatte ich keinen Sport und nur jeden Tag 15.000 bis maximal 23.000 Schritte. Trotzdem habe ich kein Gramm zugenommen. Klar, wir haben das Abendessen meist selbst gekocht (eine Ferienwohnung ist nicht nur günstig, sondern hat auch den Vorteil einer Küche) und ich habe wie üblich statt Frühstück nur Grüntee gehabt – aber das kann’s theoretisch wirklich nicht sein. Irgendwas bleibt da sehr mysteriös!

Im Gegensatz zu Paris hatte ich aber nicht das geringste Problem, immer etwas Vegetarisches auf Speisekarten zu finden. Klar, meist ein wenig versteckt und selten mehr als zwei, maximal drei Sachen – aber trotzdem war ich glücklich. Und die ganzen Süßspeisen waren ja sowieso vegetarisch. In Böhmen ist man sehr, sehr stolz auf seine süßen Dinge. Sie sind auch nett. Nicht so umwerfend, wie einem vorher die Erwartung hochgejubelt wird, aber eben nett und lecker. Und mächtig. Ziegelsteine zu essen wäre oft die leichtere Alternative.

Diese Pflaumenknödel auf Frischkäsebett habe ich im Café Savoy gegessen.

Aber jetzt auf nach Prag! Was ist mir also so im Gedächtnis besonders hängengeblieben …

  • Jugendstil. Überall. Zumindest auf einer Flussseite. Unterschiedlichste Stile. Vom überladen-süßlichen bis zu den wunderschönen klaren Linien der späten Phase. In den buntesten Farben. Als ich vor zwanzig Jahren mit der Schule in Prag war, war dort alles grau und heruntergekommen. Es stank nach Kohlenrauch und die Häuser waren üble Ruinen. Jetzt ist die Stadt herausgeputzt und wunderschön. Die EU und ihre Förderungsgelder sind eine gute Sache und wer etwas anderes meint – fight me!
  • Asiatische Touristen zerfallen in zwei Kategorien. (Achtung – unmögliche Verallgemeinerungen incoming!) Japaner sind schlank, höflich, korrekt gekleidet, leise. Chinesen haben dicke junge Frauen dabei, sind schrill, teuer und geschmacklos gekleidet (sehr teuer! Immer Designerzeug, immer Glitzer, immer bunt), haben mehr Geld als Benehmen und sind wirklich, wirklich laut und unhöflich. Im Ernst – zwei Drittel aller chinesischen Touristen unter dreißig sind übergewichtig bis adipös. Die haben Europa und Amerika rechts überholt, was das angeht. (Die Tschechen sind aber auch proper. Würde sagen, im Schnitt schon echt dicker als die Leute in Deutschland … )

Blick vom Prager Riesenmetronom. An dessen Stelle früher eine Stalinstatue stand.

  • Der Veitsdom rangiert unter den Top Five meiner persönlichen Liste „hässliche Sakralbauten Europas“. Der Erklärfaun meinte sehr weise zum Vitus-Altar „Sieht aus wie ‚Barock designed by Harald Glööckler'“. Ich mag den Eklektizismus der Prager Burg gar nicht. War definitiv mein Reisetiefpunkt. Hingegen fand ich das Barockviertel Mala Strana wunderschön. Weil eben … Barock. Und kein gefrankensteintes Teilemonster.

Der Wallensteingarten in Mala Strana. Der Mann hatte große Freude an Herakles und seinen Taten, wie man sieht.

  • Man kann in Prag sehr zufällig über berühmte Dinge stolpern. Am Freitag hatten wir „getrennte Wege“-Tag und ich wackelte im Barockviertel herum. Wurde auf eine Basilika neugierig, ging hinein und stand vor dem Kind von Prag. Das hatte ich auf meiner „kann man angucken, muss man aber nicht“-Liste, weil es in T.H. Whites Buch „The Elephant and the Kangaroo“ eine amüsante Nebenrolle spielt. Ich liebe das Buch sehr.
  • Wenn man sehr früh unterwegs ist, kann man im Mucha-Museum tatsächlich noch die Bilder betrachten. Aber etwa eine Stunde nach Öffnung ist nichts mehr zu wollen, „g’schdobbde“, wie man bei uns sagen würde – man sieht vor Besuchern den Boden nicht mehr. Der Mann hat aber auch sehr Dekoratives geschaffen. Schade, dass sie sich in der Sammlung auf die Pariser Jahre beschränkt haben. Mich hätten die Märchenillustrationen mehr interessiert. Aber die Vorzeichnungen zu den Plakaten zu sehen war sehr schön und beruhigend. Er hatte auch Probleme mit Händen. Wie jeder einzelne fucking Maler/Illustrator auf der Welt.

Cat-Content. Diese hübsche Katze saß im hintersten Eck des untouristischen Teils des Burgviertels.

  • Am Allein-Wander-Tag wurden die Waldnymphe und ich unabhängig voneinander mehrfach für Einheimische gehalten. Bei mir lag es definitiv daran, dass ich unbewussterweise die Standarduniform tschechischer Frauen eingepackt und angezogen hatte: Kniehohe Stiefel, Thermoleggins in Schwarz, kurzer Rock, kurze Jacke. Ich ging dort absolut in der Menge unter. Und habe dann russischen Touristen die tschechische Beschriftung der Uhuvoliere im Wallensteingarten ins Englische übersetzt, ohne ein Wort Tschechisch zu sprechen. War aber leicht zu erschließen, um was es ging. Etwas Geschichtswissen und fertig ist die Laube. Nur das englische Wort für Uhu ist mir partout nicht eingefallen. Ich machte Öhrchen mit den Fingern und sagte „big owl“, was am eigentlichen „eagle owl“ schon nahe dran war.
  • Ich bin glücklich, gar nichts gekauft zu haben. Außer eine Starbucks-Riesentasse, weil die Tässchen in der Ferienwohnung zu klein für meinen morgendlichen Frühstücksteebedarf waren. Dann noch einen Kühlschrankmagneten mit Mucha-Motiv für Frau Schwan als Mitbringsel und zwei Kleiner-Maulwurf-Überraschungseier (ja, die gibt’s da!) für Kollege M. und seine Patentochter. Haben die Rückreise auch fast unbeschädigt überstanden.

Der „unendliche“ Büchertunnel in der Nationalbibliothek. Ist eine mittels Spiegeln erzeugte Illusion und „in echt“ nur vier, fünf Meter hoch aber schon toll.

  • Im Zoo gab es wunderbar relaxte Wölfe und fünf Gepardenjunge. Und zwei hochaktive Honigdachse. Allein dafür hat es sich gelohnt, dort einen halben Tag zu verbringen. Die Przewalski-Pferde, für die ich eigentlich in den Zoo wollte, waren dann eher unspektakulär.

Der Arm. DER Arm. Der ARM.

  • Der Arm. Der mumifizierte Abschreckungsarm. Ich habe ihn tatsächlich gesehen. Ihn zu finden war gar nicht so einfach! Klar, St. Jakob liegt schön mitten in der Stadt, vom Wenzelsplatz, wo unsere Ferienwohnung lag (zentraler geht wirklich kaum!), zehn Minuten zu Fuß, wenn man langsam geht. Aber aus mir unerfindlichen Gründen wurde in der Kirche selbst null und gar nicht auf diese Attraktion hingewiesen! Kein Schild, keine Beleuchtung, keine Absperrung … nix! Mit mir zusammen waren noch etwa zwanzig andere Besucher in der Kirche, betrachteten alles Mögliche, wurden herumgeführt … und der Guide ignorierte den Arm völlig! Ich habe das Ding auch nur deshalb gefunden, weil ich im Internet Bilder davon gesehen hatte und deshalb eine ungefähre Vorstellung davon hatte. Verdammt, Prag sollte auf diese Attraktion echt deutlicher hinweisen. Da lässt sich doch auch Kapital draus schlagen. So spontan würden mir Schlüsselanhänger und gebrandetes Beef Jerky einfallen.
  • In den entzückend trashigen Alchemie- und KGB-Museen war ich dann doch nicht. Da schreckten mich die Menschenmassen ab. Gegen Ende der Woche habe ich echt viel getan, um möglichst unbegangene Wege zu finden, weil meine soziale Angst mir schon jeden Morgen ein paar Minuten bescherte, in denen ich Atem- und Achtsamkeitsübungen machen musste, um keinen Hassanfall zu bekommen. Hassanfälle sind ein für mich sehr präsenter Teil der Angsterkrankung. Dann habe ich ein unglaubliches Beklemmungsgefühl und mir ist körperlich übel, weil ich mich, meine Umgebung, mein Leben und jeden Menschen auf der Welt so sehr hasse, dass ich Gewalt erwäge. Im Urlaub keine gute Sache. Und wird von zu großen Menschenmengen ausgelöst, denen ich nicht verlässlich aus dem Weg gehen kann.
  • Generell war es so, dass man als Fast-Einwohner von Heidelberg ein sehr heimatliches Gefühl hatte. Der selbe Touristen-Nepp, die selben Menschenströme, die sich zehn Meter außerhalb der ausgetretenen Pfade sofort auflösen, die selben wunderschönen Ecken, wenn man sich etwas wegbewegt.
  • In der Alt-Neu-Synagoge waren wir nicht, ich musste die Ruhestätte des Golems von Außen betrachten. Ich habe sowieso nur drei Sakralbauten besucht. Irgendwie beeindruckt mich das Meiste davon nicht besonders. Vermutlich weil ich mit dem Speyrer Dom das Schönste dahingehend praktisch vor der Haustür habe. Ja, da bin ich voreingenommen. Das jüdische Viertel haben wir gar nicht gefunden. Zumindest nicht bewusst. Zwar drei Synagogen aber irgendwie kann es das doch nicht gewesen sein – die drei, vier Straßen? Seltsam! Aber Cafés mit Bageln.
  • Die Waldnymphe hat sich im Louis-Vuitton-Flagship-Store eine Reisetasche gekauft. Ich war unpassend gekleidet (Lederjacke, Hoodie, Stiefel) und durfte deshalb so tun, als sei ich ihr Bodyguard. Ich habe meinen Zeigefinger ins Ohr gesteckt und mit meinem Ärmel geredet. Das hat mir Spaß gemacht. Und gelangweilt habe ich mich auch nicht, weil es der einzige Ort in Prag mit gutem WLAN war. Echt jetzt – wer Deutschland für Internet-Entwicklungsland hält, war noch nie in der Tschechei! Nur in den größten Hipsterställen freies WLAN und das in einer Qualität wie in Meck-Pomm.
  • Ich habe in Prag praktisch keine Fahrradfahrer gesehen. Verständlich – würde ich dort auch nicht machen. Trotz überall Zebrastreifen wurde ich mehrfach fast umgebügelt. Sehr aggressive Autofahrer. Gab auch kaum Jogger – die wurden wohl auch schon alle plattgefahren. Hingegen waren U- und Straßenbahn gut frequentiert, perfekt getaktet und immer noch so nützlich, wie ich es von der Studienfahrt in Erinnerung hatte. Immer noch gibt es nur drei U-Bahn-Linien – aber die reichen erstaunlicherweise völlig! Alle drei Minuten eine Bahn. Klasse Sache. Und billig! 24 Kronen, also etwa ein Euro, für eine dreißig-Minuten-Karte. Und auch die monströsen Rolltreppen zu den tieferen Linien, an die ich mich mit großer Liebe erinnert habe, waren noch da. Nur der damals sehr präsente Geruch nach Hundescheiße und Vanille, der das gesamte Netz durchzogen hatte, war weg. Nicht, dass ich mich darüber beschweren wollte … Hunille war eher eklig, so als Gesamtaroma.

Jetzt habe ich vermutlich die Hälfte aller interessanten Erlebnisse vergessen und muss sie in den nächsten Tagen nachreichen. Zusammenfassend auf jeden Fall: Toller Urlaub, tolle Stadt, tolle Begleitung.