Weniger

Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!

Oder – um meiner ewigen dunklen Wolke Rechnung zu tragen – es scheint zumindest bisher zu klappen. Ich habe den Kitchen Safe aufgestellt, die Creme Eggs hineingeworfen, den Deckel aufgelegt (vorher zwei mitgelieferte Batterien – die normale Gameboy-Sorte – reingeprockelt), mit dem Wahlrad 24 Stunden eingestellt und den fünf Sekunden-Timer beobachtet, bevor sich der Container unwiderruflich verschlossen hat.

Und nun sitzt das Ding in meiner Küche und es ist mir völlig wumpe, dass dort neun großartige Köstlichkeiten lagern, die ich nicht sofort aufessen kann!

Das ist ein tolles Gefühl. Als ob das Zeug gar nicht da wäre. Und obwohl ich mir mit dem Timer für heute Abend eine Portion Süßigkeiten erlaubt habe, überlege ich schon, ob ich nicht lieber eine Portion Skyr esse, weil ich Lust auf eine Menge Protein habe. Ist das nicht phantastisch?

Ich wurde sogar so hasenwild, mir Zotterschokolade zu bestellen. Sie haben gerade „kaufe eins, krieg eins dazu“-Aktion für Weihnachtssorten und da konnte ich nicht widerstehen. Und muss es auch nicht – weil ich die gesamte Ladung in den Safe werfen werde.

Vielleicht bin ich zu euphorisch, nur weil es bisher zwölf Stunden gut läuft. Vielleicht breche ich irgendwann zusammen und nehme alles aus dem Safe. Vielleicht schaffe ich mir ein weiteres putziges Trauma.

Aber vielleicht auch nicht! Vielleicht klappt es endlich mal, das Thema „Süßigkeiten“ zu ent-dämonisieren. Nicht mehr daran zu denken. Es eventuell sogar irgendwann ganz zu vergessen.

Ich mag keine Essstörung haben (von meiner Ärztin bescheinigt! Also stimmt das!) aber ich habe auch kein gesundes Verhältnis zu Schokolade. Ob ich es jemals hinbekomme, bleibt noch im Dunkeln. Aber ich will verdammt sein, wenn ich es nicht stetig weiter versuche!

An der Sportfront ist es zäh und langsam. Zwar macht es Spaß, Supernatural vom Stepper aus zu schauen (ich bin mittlerweile in Season 7) und die rumpflastigen Morgen-Bodyweightsachen sind auch prima, um in den Ruhepausen weiter mit Duolingo Französisch zu lernen … aber ich habe das Gefühl, dass ich mir derzeit keinen Gefallen tue. Ich baue meine Muskulatur weiter aus, ohne den Fettanteil zu reduzieren. Was gefühlt darin resultiert, dass ich z.B. dickere Beine bekomme. Was mich sehr ankotzt, weil die Oberschenkel meine absolute Problemzone sind und die Unterschenkel nicht dicker werden dürfen, weil sonst die Stiefel nicht mehr zugehen!

Fettabbau/Bodyforming ohne Defizit, nur mit Sport … scheint nicht so zu klappen. Nichtmal langsam. Ich muss mich etwas mehr darüber informieren, wie das hinzubekommen ist.

Advertisements

Gespannte Erwartung

Heute wird der Kitchen Safe ankommen. Ich habe mir auch gleich eine Zwölferpackung Cadbury Creme Eggs dazu bestellt. Damit ich das Ding gleich auf höchster Eskalationsstufe testen kann. Denn wenn etwas mein Kryptonit ist, dann die wundervollen englischen Fondant-Schokoladeneier. Da würde ich eine ganze Packung auf einen Sitz essen. Dumm nur, dass schon eins davon 150 Kalorien hat.

Weshalb ich es zwar ohne Probleme schaffe, zwei davon jeden Tag in meinem Speiseplan unterzubringen, mehr aber kritisch würden. Ideales Einsatzgebiet für den Kitchen Safe!

Es klingt wirklich fast zu schön, um wahr zu sein – ich outsource mein Willenskraftproblem, damit ich mich besser auf andere Dinge konzentrieren kann. „Andere Dinge“ sind derzeit nicht nur die Schulter, die gefühlt eher so mittel besser wird (ich fürchte, ich habe ein Schmerzgedächtnis entwickelt, da selbst drei 600er IBU pro Tag nicht wirklich etwas ausrichten …) und für die ich meine Morgengymnastik von Planks zu drei Zwanzigersätzen Crunches und Reverse Crunches verändert habe, sondern auch meine finanzielle und sonstige berufliche Situation.

Ich liebe meinen Job. Sehr. Ich wollte nirgendwo sonst arbeiten. Selbst wenn es manchmal so scheint, als hätte sich der komplette Restverlag verschworen, die Grafik in den Wahnsinn zu treiben, so ist es doch generell eher so, dass ich mich morgens auf die Arbeit freue. Klar, niemand mag Montagmorgen – aber es gibt die „och nööö, sooo früh“-Reaktion aufs Weckerklingeln und die „ich möchte liegenbleiben und verrotten“-Reaktion. Erstere trifft auf mich zu, weshalb ich glaube, am richtigen Ort zu arbeiten.

Aber … es gibt trotzdem Verbesserungspotential. Und darüber möchte ich mit meinen Chefs mal sprechen. Zeitnah. Die Einladungsmail zu diesem Gespräch ist schon raus und nun bin ich erstens auf die Reaktion gespannt und muss mir zweitens Stichwortkärtchen machen, damit ich mich nicht verzettle. Stattfinden wird es frühestens Ende nächster Woche. Zeit genug, mir Sorgen/Gedanken zu machen.

Würdevolles Fahrradfahren, der Kampf gegen den inneren Kritiker und Entspannungsversuche an der Willenskraftfront

Misosuppe. #miso #ohneunsinnabnehmen

A post shared by B.S. (@pinkpointypony) on

Am Samstag habe ich nicht nur viel Zeit im Gym verbracht und mich dort sehr gut gefühlt (nur Bein/Rumpfübungen. Plus ein paar „gefährlichere“ Sätze Squats und Rows. Die Squats auch nur mit vierzig, statt mit meinem Maximum fünfzig. Und die Rows nur mit zwanzig Kilo), sondern bin danach auch zu dem Fahrradgeschäft, in dem ich vor zwei Jahren mein Rad erworben habe, um mir Lenker und Sattel schulterfreundlich einstellen zu lassen.

Hat man dort auch kompetent und kostenlos (ich habe nur zehn Euro in die Kaffeekasse gesteckt, verlangt haben sie nichts. Fand ich nett!) getan. Nur der Azubi, der das alles übernommen hat, war sehr grantig, sobald die Chefin aus dem Raum war. Also nicht mir gegenüber. Aber er fluchte und schimpfte heftig über seine Arbeitsbedingungen. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte – ich fühlte mich damit überfordert, ihm beizubringen, dass man Kunden gegenüber besser nicht so viel unschöne Interna erzählt.

Wieder einmal eine schwierige soziale Interaktion, bei der ich mich mit Lächeln und Winken herausgehalten habe. Aber mir fiel da wirklich keine sinnvolle Vorgehensweise ein!

Egal. Jedenfalls ist nun der Lenker meines Rades maximal hochgeschraubt und ergonomischer gekippt und der Sattel etwas nach hinten geschrägt. Damit throne ich jetzt also wie so eine römische Matrone (die hatten auch Fahrräder. Ganz bestimmt!) auf meinem Untersatz und habe dementsprechend den CW-Wert einer Ziegelsteinmauer. Bedeutet also: in Zukunft langsameres, mühsameres Fahren. Dafür aber keine so starke Schulterbelastung mehr. Irgendwas ist ja immer!

Sollte die Positionsänderung nicht genügen, brauche ich tatsächlich einen neuen Lenker. Aber über diese Brücke gehen wir, wenn wir zu ihr kommen. Erst einmal probiere ich die derzeitige Lösung mal so hundert Kilometer lang aus. Das sollte als sample size reichen.

Das sorgt dafür, dass ich mich immer mehr aufs Frühjahr und die damit wieder länger werdenden Fahrstrecken freue. Positive Gedanken – yay! Und gegen die nörgelnde Stimme im Kopf habe ich mir spontan das E-Book „10% happier“ gekauft. Mir gefiel der bewusst tiefstapelnde Titel. Es ist auch kein self-help-Buch, sondern die Geschichte eines Mannes, dem sein innerer Kritiker eine Angsterkrankung samt Depression und Drogenproblemen beschert hat. Und der genauso blödsinnig emotionsfeindlich und bis auf die Knochen rational an alles herangehen wollte, wie ich das tue. Ich bin erst bei 30% des Buches, habe deshalb noch keine bahnbrechenden Epiphanien gelesen. Freue mich aber auf seine Bewertung von Meditation und Achtsamkeitsübungen.

(Unrelated: Ich bin heute Morgen hinter einem Lieferwagen mit der Aufschrift „Ganzheitliche Gebäudetechnik“ hergefahren. Die Vorstellung, was diese Firma wohl tut, hat mich bestimmt zehn Kilometer lang amüsiert.)

Und um meine mentalen Truppen nicht weiterhin an tausend Fronten gleichzeitig kämpfen zu lassen, habe ich beschlossen, zumindest die Verantwortung für das Essen ein wenig outzusourcen (yeah, Denglisch!). Ich habe mir einen Kitchen Safe bestellt und werde damit hoffentlich entspannter mit Süßigkeiten/Snacks umgehen können. Ich nehme damit den Druck des „es ist da … ich muss alles aufessen, damit es nicht mehr da ist!“ weg und kann trotzdem jeden Tag irgendeine Kleinigkeit Süßes essen. Ein ziemlich teures Vergnügen, wenn das Teil auch bei Amazon gerade stark reduziert ist. Für den Originalpreis hätte ich es mir definitiv nicht gekauft – nicht einmal mit dreißig Prozent Nachlass ist es wirklich erschwinglich. Aber ich bin langsam ziemlich verzweifelt und erhoffe mir davon Einiges. Morgen kommt es an. Ich werde berichten!

Schlachtplan versus Schlachtplatte

Rosenmontag Workoutwear #fastnacht #workoutwear #karneval #unicorn

A post shared by B.S. (@pinkpointypony) on

(Das Wortspiel würde besser funktionieren, würde ich Fleisch essen. Geht aber auch so)

Weiterhin bekomme ich über Kommentare sehr bedenkenswerte Anregungen und die Versicherung, dass andere Leute in vergleichbaren Situationen sind, was einerseits beruhigend ist, andererseits verwunderlich, weil es sonst wenig thematisiert wird. Oder ich bekomme es nicht so mit. Ich lese zwar etliche Blogs zum Thema und folge den loseit- und fatlogic-Subreddits, aber irgendwie bin ich da bisher noch nicht wirklich konkret drauf gestoßen.

Ich versuche es nun damit, das weitere Abnehmen erst einmal aufzuschieben, bis ich die Baustellen „Schulter“ und „Fuß“ aufgeräumt habe. Die Schulter bekommt heute Abend das MRT. Der Fuß wird langsam besser. Dann werde ich mich noch ein paar Wochen konsolidierend auf Training beschränken und dann weiter Kalorien sparen.

Letzte Woche war ich schon defizitfrei, so dass ich versuchen werde, bei „65.000 Kalorien to go“ zu bleiben, bis ich soweit bin. Ich bin dabei mal so esoterisch, auf „ein Zeichen“ meines Unterbewusstseins zu warten, dass es nun soweit ist, die Anstrengung einer längeren Zeit im Defizit anzugehen.

Keine Ahnung, was das sein wird. Dicke Engel sinken posaunespielend vom Himmel. Vögel kommen mit Blütenkränzen angezwitschert. Ein Lichtstrahl badet mich in blendendem Glanz. Ich weiß es nicht.

Bis dahin ersetze ich Süßigkeiten-Eskalationen durch Obst-Eskalationen. Ist kalorientechnisch nicht viel aber ein bisschen besser. Hat diesen Freitag sogar einmal geklappt, weshalb ich heute noch ein paar Kaki kaufen werde. Mit Kaki kann ich gut eskalieren.

Und ebenfalls bis dahin werde ich allem nachgehen, was ich hier als Hinweisen bekommen habe. Insbesondere Stärkung von Willenskraft, Achtsamkeit, Autosuggestion, Selbstwirksamkeit, sich annehmen können. All‘ sowas.

Das wird nicht einfach. Mein natürliches Mindset mir selbst gegenüber ist schwärzest negativ. Mich mir selbst freundlich anzunähern, wird viel Energie verschlingen. Was wiederum von meiner Gesamtenergie für Training undsoweiter abgehen wird. Argh, blöder Teufelskreis!

Aber first things first. Schulter, Fuß, Training, Selbstwirksamkeit/Achtsamkeit/Willenskraft. Und dabei der Versuch, das nicht schon wieder in eine Marathon-Situation mit „ich muss das verdammt nochmal perfekt schaffen, sonst Akopalütze!!“ abgleiten zu lassen.

Puh, nix für Weicheier, diese mentalen Dinge!

Immer noch Willenskraft

Katzenzunge. #catcontent #torbie #katze #tortoiseshellcat

A post shared by B.S. (@pinkpointypony) on

Wieder einen interessanten Kommentar zu diesem Thema bekommen, über den ich nachdenken muss. Irgendwie ist das natürlich alles einleuchtend und sehr schlüssig. Problem dabei: Ich weiß nicht, wofür ich Willenskraft überhaupt ausgebe, dass ich solche Probleme damit habe! Denn … ich tue doch gar nichts! Ich mache derzeit sehr wenig Sport, weil ich erstens die Kalkschulter und zweitens im Moment die schmerzhafte Behandlung einer Dornwarze am Fuß habe, so dass ich eigentlich nur Planks, Stepper (ganz, ganz vorsichtig, weil mein Fuß wirklich fies schmerzt) und einmal die Woche Krafttraining machen kann. Also – keine Willenskraft für Sport. Ich habe im Job friedliches Fahrwasser. Die Messe ist vorbei, die Herbstprojekte laufen unglaublich gemächlich und stressfrei an. Und im Privatleben ist die Katze ein total braves Träumchen und Freunde und Beziehung sind gut zu mir.

Also – was bitte sollte mir Willenskraft in einem Maße abziehen, dass ich es nicht schaffe, im Defizit zu essen? Die depressive Episode? Wohl kaum, das Herumgewumpel hat schließlich vorher schon angefangen.

Beziehungsweise, ich komme gar nicht erst in den Groove. Ich kriege die Kurve dahin, wo Willenskraft Spaß macht, nicht. Ich weiß, dass es das gibt – diese Welle habe ich schließlich während der ersten Abnahme geritten. Es war ganz einfach, sobald ich im Mindset war. Durchhalten gar kein Problem. Und jetzt … ist alles ein dröges durch-kalten-Haferbrei-Stapfen. Es fühlt sich gezwungen an und ich rebelliere schon dagegen, bevor ich überhaupt angefangen habe. Jeden Morgen, wenn ich meinen Tag essenstechnisch in MyFitnessPal plane, ist es ein zähes Verhandeln um jede Kalorie. Wenn ich das mache, kann ich noch das tun. Wenn ich das weglasse, darf ich dafür das.

So kann das einfach nichts werden. Ich muss einen Einstieg finden.

Motivation ist dafür nur bedingt geeignet. Motivation bringt mich nicht besonders weit. Motivation kann maximal eine Starthilfe sein. Und dann muss ich hoffen, dass ich meine Willenskraft wiederfinde.

Ich werde damit beginnen, dass ich mir heute in den Pausen (ich arbeite immer kurz hochkonzentriert kreativ und mache dann in einer kleinen Pause etwas völlig Banales, wie auf YouTube schauen, wie ein Mofa in eine Baugrube fällt, lese das ESO-Forum, informiere mich in neuen Blogartikeln oder ich scribble nicht-Jobrelevantes) einige Artikel und Videos zu Übungen ansehe, mit denen man Willenskraft steigern kann.

Leider bin ich in Autosuggestion eine echte Niete. Die Übung mit dem Brot (ich habe davon erzählt) habe ich in den letzten Tagen zwar immer mal wieder gemacht, ich glaube sie mir nur so überhaupt gar nicht, das geht auf keine Kuhhaut! Ich stelle mir das vor und … nichts. Gar nichts. Bei der Ärztin ging es einigermaßen, aber sobald ich es allein machen muss, habe ich diese laute, nervige Stimme im Kopf, die mich anschreit, dass das doch nur Mumpitz sei und gar nichts bringen würde. Hach, wenn ich in allem so effektiv wäre, wie in Selbstsabotage, könnte man mit mir die kompletten Schifffahrtsrouten im Nordmeer eisfrei halten!

Trotzdem muss ich es versuchen. Aufgabe also für heute: Sehen, was man so machen kann. Aufgaben weiterhin: Das Ganze auch umsetzen.

Vollversagen, reloaded

Die letzte Woche habe ich ein Gesamtdefizit von 1000 Kalorien geschafft. Also noch 64.000 bis zu meinem Ziel. Und wenn ich ehrlich bin, weiß ich noch nicht einmal, ob es wirklich tausend waren. Von Montag bis Donnerstag habe ich zweitausend als Defizit erwirtschaftet, kein Thema. Und Freitag, Samstag, Sonntag habe ich fast alles wieder zunichtegemacht. Völlig bewusst. Einfach so. Ich kann es nicht erklären. Ich habe in diesen 72 Stunden zusätzlich zu meinen normalen tausend Kalorien noch gegessen: Zwei kleine Dosen gezuckerte Kondensmilch (700), zwei Tafeln Schokolade (1200), drei Schokoeier (450), einen gefüllten Donut (400). Das sind fast dreitausend Kalorien purer Junk. Einfach mal so obendrauf. Und das ist noch konservativ geschätzt! Und dann kam noch Fresserei mit „gesunden“ Sachen hinzu. Ein Becher Erdbeerskyr (196), eine ganze Pomelo (400) …

Und ich weiß nicht einmal, warum. Und die Schokolade und der Donut waren nicht einmal besonders gut. Hussel-Schokolade und Happy Donazz-Donuts waren früher immer super, jetzt waren sie geschmacksneutral und fettig. Was mich nicht daran gehindert hat, das Zeug innerhalb weniger Minuten zu essen.

Da hat es auch nichts genützt, dass ich am Samstag viel trainiert habe und mir einen neuen Stepper zugelegt habe, der viel fordernder ist als der alte (und ja, ich habe ihn auch benutzt. Jeden Tag so eine halbe Stunde während Supernatural). Denn selbst mit viel gutem Willen hat das alles zusammen nicht mehr als 800 Kalorien rausgeholt. Soll heißen: Ich schaff’s mal wieder nicht. Ich sabotiere mich nach Strich und Faden selbst, um dann zufrieden festzustellen, was für ein wertloses Stück verschwendete Gelegenheit ich doch bin. Selbsterfüllende Prophezeiung für Masochisten. Ich ekle mich gerade maximal vor mir selbst und versinke gleichzeitig in Selbstmitleid.

Ich glaube, ich sollte den Plan, noch einmal zehn Kilo abzunehmen, einfach aufstecken. Das verursacht mir derzeit so viel Leid und Stress, was dann in extreme Reaktionen mündet. Das ist es nicht wert.

Aber will ich mich weiterhin erschrecken, wenn ich vorm Spiegel stehe?

Ich fühle mich derzeit durch und durch gestresst und unwohl. Ich will gerade gar nichts und mich einfach nur zu einem Ball zusammenrollen. Ich verachte meine Willensschwäche zutiefst und weiß nicht, wie ich wieder in die Spur kommen kann. Ich habe das Gefühl, dem wieder-fett-werden hilflos ausgeliefert zu sein, weil ich zu blöd bin, mich am Riemen zu reißen.

Unschön, sehr unschön.

Von wegen „das wird mit der Zeit“. Ja, es wird schlimmer! Es ist wohl doch wahr – 95% aller Menschen schaffen es nicht, das abgeworfene Gewicht auch unten zu halten. Wie konnte ich auf die Idee kommen, zu den 5% zu gehören, die stabil, willensstark und entschlossen genug sind, es zu schaffen? War doch klar.

Und immer wieder – das gefühlte Gewicht

Fee_Geburtstag_2018_WiP

Erstes Scribble eines Geburtstags-Gin-Etiketts für die Waldnymphe.

Oder der gefühlte Körperbau.

Das sind die Tage, an denen man unendlich schwer schleppt. An denen man sich fühlt, als wäre alles sinnlos und nichts ginge voran. Im Gegenteil – man glaubt, irgendwo einen fundamentalen Denkfehler zu haben, der dafür sorgt, dass man nur Rückschritte machen kann.

An solchen Tagen sind der Spiegel und zufällige Blicke in Fenster der Feind. Sie lachen einen aus und präsentieren mit diebischer Freude das Versagen. Das gefühlte Versagen.

Es hilft nicht, wenn man derzeit auch noch viel Gemüsevolumen isst. Ja, ein dreiviertel Kilo Zucchini hat 165 Kalorien. Ist aber eine riesige Menge. Die sattmacht. Und im Bauch herumhängt. „Mann, ich bin so verdammt fett!“

Etwas wissen und etwas glauben sind zwei sehr unterschiedliche Dinge. Und blöderweise trumpft bei mir in Sachen Abnahme das Glauben das Wissen immer und zu jeder Gelegenheit.

Wer mir jetzt mit „langfristige Kurven“ und „Trendkontrolle“ kommt, darf sich den goldenen „hat nicht begriffen, worum es geht“-Hut aufsetzen (kein sehr hübscher Hut. Eher in den Regionen des ebenfalls goldenen Vampirsofas bei Shadowhunters). Könnte ich dieser miesen Kopfsache rational beikommen, hätte ich es schon lange getan.

Vermutlich auch Folge oder Auslöser (Henne-Ei und so) der subtilen Sehnsucht nach der vertrauten Sicherheit des Dickseins. Der Abgabe von Kontrolle. Das Fallenlassen in Strukturen, deren Gesetze scheinbar außerhalb meiner Einflussmöglichkeiten liegen. Wenn ich um eine Abnahme kämpfe, stoße ich überall auf Widerstand. Und zwar auf von mir und nur mir allein erzeugten Widerstand. Ich bin für alles, was passiert, voll verantwortlich. Kein mysteriöser „Stoffwechsel“ oder „Drüsen“, an die ich eine Entgleisung abgeben kann. Auch mein PCOS, irgendwelche Hormone, die lahme Schilddrüse und dergleichen sind bekannte Faktoren und an nichts schuld. Manchmal aber auch scheinbar mythische Einflüsse – Wassereinlagerungen ohne Grund, wilde Zyklusschwankungen, monatelange Plateaus, weil ich seelisch mal wieder weit unten bin und kaum schlafe … Stolpersteine, groß wie der Kaukasus und ich hänge daran fest, kein Herakles in Sicht (Wow, Hybris für Fortgeschrittene!). Aber umgehbar. Niemand zwingt mich, mehr zu essen. Ich stehe als mündige Erwachsene allein im kalten Winterwind und kann auf nichts mit dem Finger zeigen und „Rabääh!“ machen.

Das ist eine echt wenig kuschlige Situation.

Im Gegensatz dazu, wie es früher war …. Als ich daran glaubte, eben „breit gebaut“ zu sein. Als ich dachte, man könne nur mit fünf Stunden Sport am Tag abnehmen (und Sport wäre furchtbar). Als ich die ewige Frickelei bei den Brigitte-Diäten der Muttereinheit vor Augen hatte, bei denen alles genau geplant war und Knäckebrot mit Kresse nach Pappe und Traurigkeit schmeckte. Als ich in Folge dessen eben die Schultern zuckte, sagte „wenigstens hab’ ich große Brüste“ und gegessen habe, worauf ich Lust hatte. Unreflektiert und vom Zufall getrieben. Das war ein definitiver Kontrollverlust. Aber auf die weiche, warme, angenehme Art. Keine Verantwortung. Kind sein – jedem Wunsch nachgehen.

Mein ewiger Krieg mit mir selbst. Ich will mir Zügel anlegen. Und die Zügel annehmen, bis ich versammelter bin als Ultimo. Aber irgendwann platze ich dann auseinander wie ein Sofakissen (heute ist seltsame-Metaphern-Tag. Deal with it!). Meine große Aufgabe ist es, damit nicht nur zu leben, sondern auch den Platz-Punkt selbst zu bestimmen und in sinnvolle Bahnen zu lenken. Ist das dann wieder nur eine weitere Umdrehung der Kontrollschraube oder der gesunde Umgang damit? In letzter Zeit frage ich mich echt viele Dinge.