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Die schärfsten Kritiker der Elche … Oder: Bodyimage und Chili

Maelstrom of time
Gestern war ich im Prollo-Kaufland, um mir gefrorene Bohnen (danke, Mrs. Flummi!), Handkäse und grünen Tee zu kaufen (typischer Einkauf der Champions. Oder so). Und dabei fiel mir meine missgünstige Grundhaltung auf. Früher waren mir dicke Menschen völlig egal. Habe ich gar nicht wahrgenommen. Grundrauschen beim Rausgehen. Völlig normal. Heute vergleiche ich. Und zwar nicht „bin ich auch so dick?“, sondern „war ich auch so dick?“. Es ist, als würde mir das Bild meines früheren Körpers langsam entgleiten und ich würde eine Art nickligen Eifer entwickeln, mir das ehemalige Desaster immer wieder vor Augen zu führen. So etwas kann nicht besonders gesund sein. Dass es den anderen Leuten gegenüber low key-gemein ist, kommt hinzu. Wobei ich es ja niemandem sage. „Guten Tag, mein Name ist MME Graphisme, ich war auch mal so dick wie Sie. Oder fast. Oder etwas mehr. Ich bin unsicher. Wie viel wiegen Sie?“. Aber gut für Seelenhygiene und Karma ist es nicht.

Ich muss an meinem Bodyimage arbeiten. Sollte ich sowieso, nachdem ich so sehr über „coming out as fat“ gezürnt habe. Der neueste Schwachsinn, mit dem sich die Fat Activists bei den Oppression Olympics bessere Startplätze sichern möchten. „Seht her, wir sind so schlimm dran wie die queere Community! Aber wir sind mutig und outen uns jetzt als fett!“. Alter … „coming out“ beinhaltet doch schon, dass man das erstens jemand anderem gegenüber tut und es zweitens etwas ist, das vorher nur innerlich war. Und ich kann’s mir auch lebhaft vorstellen. Ist bestimmt so schwierig wie für G., der seinem hochaggressiven Vater als Teenager gestand, schwul zu sein. Oder als ich meine Freundin zum Geburtstag meiner Mutter mitbrachte. Oder als H. ihren Job beim Bund verlor, weil sie trans ist (mittlerweile ist das ja besser geworden. Zum Glück!). Aber klar – „Mutti, ich habe etwas Wichtiges zu sagen: Ich bin fett!“ spielt sicher in der gleichen Liga. Besonders, weil man in vielen Ländern ja auch noch dafür verfolgt wird und in Russland als Übergewichtiger keinen Führerschein machen darf, weil das als Geisteskrankheit gilt. Äh. Nicht.

Es ist wirklich wie überall – die Extremisten sind am sichtbarsten und schaden der Sache am Meisten. Und ich als Ciswhite Ablebodied Shitlord gehe jetzt besser meine Privilegien checken, ne?

Aber ich sollte vor der eigenen Tür kehren und erstmal daran arbeiten, mit mir selbst zurecht zu kommen. Das ist Arbeit genug, bei meiner ganzen Paranoia bezüglich Nahrung und Bewegung! Für’s Wochenende habe ich mir wieder viel von Beidem vorgenommen. Wieder ein Eis für mich, dafür dann die gestern, heute und morgen gesparten Kalorien (werden etwa tausend zusammenkommen) plus einer Radtour in die große Stadt (ungefähr 500 Kalorien) und alles ist gut. Richtig trainieren kann ich immer noch nicht, da die Erkältung sich hinzieht. Das nervt. Ohne Sport werde ich grantig, ungesellig und nach und nach immer unausstehlicher (Nein! – Doch! – Oh!)

Und dann die Sache mit dem Chili … Ich glaube, ich werde das Ganze mit 500 Gramm passierten Tomaten und 300 Gramm Zucchini strecken und auf zweimal essen. Das sind dann knapp 500 Kalorien pro Portion. Zwar immer noch etwa 50 mehr, als ein „normales“ Abendessen, aber das ist verkraftbar. Hey – Chili!

Zählt definitiv für die Culinary Diversity-Wölfe.

Was auch zählen könnte ist mein Grüner-Tee-Experiment. Statt meines Kaffeedarstellers habe ich mir heute den allenthalben schwer gelobten grünen Tee mit in die Firma genommen. Wie im Internet gelesen zweieinhalb Minuten ziehen lassen, damit er anregend wirkt (scheint zu klappen) und meine übliche Menge an Flavour, Mandelmilch und Süßstoff reingekippt. Und ich gebe zu … ich habe das mit den Bitterstoffen überschätzt. Verträgt durchaus etwas weniger Süße. Dass ich so etwas mal sagen würde! Vermutlich tötet all’ das Stevia sowieso jeden positiven Effekt des Tees. Lernkurve huuuiii!

Schlechte Gründe für Sport

Meine normalen Gründe für Sport sind Dinge wie „ich will mich bewegen“, „ich will Muskeln“, „ich esse gern“, „ich möchte irgendwann mal nackt nicht mehr wie Rufus aus Kim Possible aussehen“.

Sehr valide Dinge und bestimmt von vielen Leuten nachvollziehbar.

Gestern wollte ich eigentlich Sportpause machen. Weil ich von Sonntag noch sehr wüsten Muskelkater sowohl im Schulter-, als auch im unteren Rücken und Oberschenkelbereich hatte. Jaha, Bankdrücken, Deadlift und so sind sehr ganzheitlich. Nichts tun, dem Körper Zeit zur Regeneration geben.

Ich kam also nach Hause, machte mir mein Essen, stellte fest, dass ich es versalzen hatte (tolle Kombi: Muskelkater, erste Zykluswoche und dann noch zu viel Salz. Ich habe ein neues Wasser-Rekordhoch von heute morgen fast fünf Kilo erreicht), aß es trotzdem (warum auch nicht?) und las dann, bevor es Zeit sein würde, mit den drei Js die Dungeons Tamriels für die Monster unsicher zu machen, ein wenig im Internet herum.

Und wurde wütend. Denn ich stieß über Reddit auf Artikel von Virgie Tovar. Immer ein Fehler. Diese Frau macht mich zuverlässig sauer. Ihr Aussehen kommentiere ich nicht, das wäre fies und unnötig (obwohl es amüsant ist, dass sie etliche Jahre jünger ist als ich, ihr Lebensstil sie aber lockere zehn Jahre älter als mich macht, optisch gesehen). Ihr Leben, ihre Entscheidung. Aber ich kriege Hals bei ihrer Schreibe. Diese Bitterkeit. Diese Projektion. Diese Krabbenkorbmentalität. Diese fast verzweifelte Überheblichkeit. Dieses Heischen nach Bestätigung. Dieses Herabsehen …

Sie selbst nennt sich „body image expert“ und ich glaube, viel falscher kann ein Selbstbild nicht sein. Das allein wäre zwar traurig, aber Selbstzerstörung ist schließlich etwas zutiefst menschliches, ich selbst habe es auch ausgiebig praktiziert und kämpfe jetzt noch gegen diesen Drang. Aber sie wendet das nach Außen. Verallgemeinert es.

Würde sie ihre Energien darauf konzentrieren, andere Menschen von der Wesentlichkeit des Haarefärbens, der Ganzkörpertätowierung (ein nobles Unterfangen) oder Bodymod überzeugen zu wollen, wäre das ganz allein ihr Ding und würde in mir eher warm fuzzies als Zorn auslösen. Aber sie propagiert nunmal Fat Acceptance. Und schadet damit Menschen aktiv. Verharmlost mit ihren Texten einen frühen Tod, Leiden, Krankheit und verringerte Lebensqualität.

Und das hat in mir so eine Wut erzeugt, so eine unhaltbare Energie, dass ich tatsächlich nach dem Nachtisch (ein ganzer Eimer Sojajoghurt mit Obst) aufgestanden und noch Joggen gegangen bin. Um mir selbst zu versichern, dass ich nie, nie, nie wieder dick werden möchte.

Der Lauf an sich war dann natürlich grauenvoll. Ich brauche für optimalen Sportgenuss einen leeren Magen. Aber ich konnte nicht anders, als dem Ganzen davonzurennen.

Wie gesagt – schlechte Gründe für Sport. Dafür werde ich mich dann heute auf ein wenig Fahrrad fahren und Spazierengehen beschränken. Soll ja eh wettermäßig grauslig werden.

Ruhe reinbringen

Vom Kollegen eine in Gallifreyan beschriftete Kette mit dem Time Lord Seal bekommen. #drwho

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Ich habe es tatsächlich geschafft, gestern nur drei Sätze Bench Dips (der Trizeps ist immer noch mein großes Thema) und sonst gar nichts zu machen. Gut, eine größere Putz- und Aufräumorgie – das lag aber daran, dass der neue Grafiktreiber sich nur sehr zäh herunterladen und installieren ließ. Jedermann weiß schließlich, dass nie so viel und so gründlich Hausarbeit erledigt wird wie in der Zeit, in der man darauf wartet, dass ein Computer etwas tut oder das Internet wieder verfügbar ist.

Aber sonst habe ich tatsächlich nichts getan. Habe meinem Körper Zeit gegeben, sich etwas zu erholen. Und es scheint zu wirken. Ich bin schon ein wenig wacher, habe besser geschlafen und weniger Schmerzen. Was auch hilft, den emotionalen Druck rauszunehmen, ist, dass ich wieder am leichtesten Punkt meines Zyklus angekommen bin. Jeden Monat lagere ich bekanntermaßen vier Kilo Wasser ein und gebe sie in den letzten anderthalb Zykluswochen wieder ab. Stetiges Geschwanke zwischen 58 und fast 62. Macht mich saumäßig wütend und verunsichert zutiefst, weil ich mir jeden Monat einbilde, das mit dem Gewichthalten gnadenlos zu versauen. Nur um ebenso jeden Monat völlig überrascht zu sein, wenn ich wieder bei 58,1 lande. Leider nie 57 oder gar darunter. Aber das erreiche ich vielleicht in einer Abnehmrunde im Winter. Da bin ich noch nicht sicher. Prinzipiell ist das große Endziel immer noch die 56. Aber ob ich das schaffe, weiß ich nicht. Dazu müsste ich wahrscheinlich eine ganze Weile auf Sport verzichten, um die Kalorienmenge ausreichend zu reduzieren. Und so eine mies-heftige Cuttingphase ist derzeit einfach nichts, was ich tun möchte.

Pareto-Abnehmen. Die letzten zwanzig Prozent (wobei das ja sogar deutlich weniger sind … die letzten fünf Prozent!) sind um den Faktor vier schwerer als alles davor.

Lieber noch ein wenig Haltephase üben. Und dabei regelmäßig in Panik und Trübsal verfallen, sobald die monatlichen Wasserkilo ankommen. Regelmäßig davon überzeugt sein, dass man es nicht schafft und gnadenlos wieder fett wird. Ach, gesund leben ist nix für Sissies!

Sich selbst annehmen. Mal wieder.

Symbolbild: Fehlende Perfektion.

Mit ein Grund für Übergewicht kann ja auch sein, dass man sich selbst bestrafen will. Sich möglichst dem inneren, negativen Bild anpassen möchte. Man fühlt sich wertlos, abstoßend und unfähig und baut sich unbewusst den dazu passenden Körper. Da können die Fat-Acceptance-Leute noch so propagieren, dass auch dicke Menschen sexy, stark, sportlich und erfolgreich sein können (das mit dem „sportlich“ bestreite ich außerhalb von Schach und vielleicht noch Boule mal ganz erheblich. Außer man legt die Latte ganz, ganz tief und wertet schon Spazierengehen als Sport. Fight me IRL!) – für mich war das nie Realität. Ich habe mich selbst aus tiefster Seele verabscheut und fand den blobartigen Körper irgendwann genau meinem Selbstbild angemessen. Depression und Angststörung taten ihr Übriges und so habe ich mir mein eigenes, schwabbeliges Gefängnis zusammengefressen. (Bitte im Kopf behalten: Das ist meine ganz spezielle Wahrnehmung! Kein Dogma für irgendwas! Das berühmte Mileage may vary.)

Sollte man doch meinen, dass diese Geisteshaltung sich mit der Abnahme und der wachsenden Bemuskelung verflüchtigt hätte. Tja, Pustekuchen! Weiterhin kriege ich Hals, wenn ich mein Kalorienziel verfehle (als ob man Kalorien soooo genau zählen könnte … also im Bezug auf den nie völlig bis zur letzten Kalorie eingrenzbaren Verbrauch). Einerseits lache ich immer leise über die Leute im Forum, die sich um dreißig, fünfzig Kalorien hin oder her Gedanken machen, bin dann aber selbst angefressen, wenn ich statt 1740 einmal 1760 Kalorien gegessen habe. Und ich hasse mich exzessiv, wenn ich meine Sportziele nicht erreiche.

Ich merke, dass ich eigentlich mindestens drei Tage bis eine Woche Sportpause bräuchte. Mein Körper entwickelt Entzündungen, ich schlafe schlecht, ich habe Knochenschmerzen und der Kreislauf geht in die Knie. Alles schreit „mach mal langsam!“. Aber ich kann es einfach nicht. Denn dann würde ich unweigerlich meinen Trainingsstand verlieren. Ich würde zu viel Essen und sofort wieder fett wie Butter werden. Ich habe gestern meine Gymzeit ausfallen lassen … nur um dann abends Hanteltraining und Bodyweight zu machen, weil ich es mit mir selber („dem faulen Schwein“) nicht mehr ausgehalten habe.

Kurz: Ich mag jetzt schlank und sportlich sein, aber krank im Kopf bin ich immer noch. So ein Scheiß!

Übergewicht entsteht unter anderem auch durch Sucht. Und jetzt habe ich die Sucht nach Essen um die Sucht nach Bewegung ergänzt.

Das hab´ ich total fein gemacht. Nicht.

Ich hatte am Samstag darüber ein Gespräch mit der Waldnymphe. Meine beiden Liebsten stehen meiner Selbstzerstörung reichlich hilflos gegenüber. Aber zumindest der Erklärfaun hat – in leichterer Form – ähnliche Züge. Und von ihm höre ich „das gibt sich“ und „lass Dir Zeit“.

Irgendwie habe ich aber das Gefühl, dass es nicht besser wird.

Oder ist das wieder mein Perfektionszwang? Dass ich nicht warten kann. Nicht aushalten. Dass ich eine himmelhohe Anspruchshaltung habe.

Von anderen Menschen erwarte ich gar nichts. Ich freue mich über alles. Aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich für irgendwen liebenswert sein könnte, wenn ich nicht absolut fehlerlos bin.

Ich hoffe wirklich, dass der Erklärfaun recht hat und ich irgendwann gelassener werde. Denn diese ewige Anspannung führt nur zu Kompensationsverhalten wie eben dem rigorosen Sportpensum und der ewigen Gier nach Essen.

Frittiertes … Allerlei

Normalerweise bemerkt man Veränderungen eher, wenn sie plötzlich erfolgen. Eine langsame Anpassung wird einem erst bewusst, wenn man auf ungewohnte Weise damit konfrontiert wird.

So ging es mir gestern.

Freitag war noch sehr normal. Nach meinen Erledigungen und dem Sport habe ich mir ein paar Oberteile und eine Hose gekauft (immer wieder schön, bei H&M 36 bzw. „S“ zu haben!) und Nachmittags kam dann der Erklärfaun vorbei.

Wir sind zum Games Workshop-Laden und irgendwie scheint jetzt abgemacht, dass ich Spacewolves spiele. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte. Außer der Tatsache, dass ich eigentlich gar nicht spielen, sondern nur anmalen möchte … Ach, gibt sich alles.

Dann standen wir noch bei unserer Tattoobutze vor verschlossenen Türen. Urlaub. Also keine Termine ausmachen.

Und schließlich wanderten wir gen Kino. Valerian gucken.

War gar nicht mal so gut. Kam weder an die Comics noch an Vorgängerwerke des Regisseurs ran. Raumschlachten, Spaceship-Design und schräge Aliens gibt´s besser bei Star Wars, beeindruckende Raumstationen bei Star Trek und schöneres Kostümdesign hatte das Fünfte Element auf jeden Fall. Bleiben die Augenbrauen von Lauraline und die Idee mit dem dimensional verschobenen Bazar. Und damit füllt man keine zwei Stunden.

Trotzdem ein schöner Abend.

Gestern waren wir von Schwiegervater1 zum Geburtstagsessen eingeladen. Und das hat uns alle drei einfach umgehauen. Chinabuffet ….

Der kulinarische Horror hat einen Namen. Und das war noch eines der Besseren dieser grausamen Gattung! Trotzdem schon sehr schräg. Frittiertes Sushi, Wakame aus dem Eimer, ein Schokobrunnen, Marmorkuchen aus der Tüte und Wackelpudding. Gar nicht zu reden von „alles in Backteig frittiert“.

Wirklich. Alles.

Das Essen war größtenteils beige. Ich tat, was ich konnte, aber außer dem Algensalat und ein paar einsamen Früchten war nix zu wollen – denn besonders viel Fleischloses gab es auch nicht. Nein, das war nicht unser bevorzugter Weidegrund.

Da merkt man, wie sehr sich die Ernährung umgestellt hat. Wir waren am Ende völlig überfressen aber hatten außer Fett keinerlei Nährstoffe bekommen. Was sich darin äußerte, dass wir, kaum zu Hause angekommen, umgefallen sind und geschlafen haben. Und mit immenser Gier nach Gemüse und Protein wieder aufgewacht sind.

Das Abendessen bestand dann aus Gurken/Tomaten/Paprikasalat mit Schafskäse und Eiern und Hinterher einem Pott griechischen Joghurts mit einer reingehauenen Nussmischung und Kokosblütensirup.

Das weckte uns weit genug auf, um noch Star Trek Beyond zu schauen. Ich fand ihn nicht so schlecht wie die anderen der Neuverfilmungsreihe. Das ist nun aber ein sehr einfaches Lob. War halt schön albern mit Mars Attacks-Referenz. Logik oder Handlung brauchte man bei Star Trek noch nie, das war also nicht schlimm. Ich fühlte mich gut unterhalten.

Und das war´s dann mit dem Samstag. Was habe ich gelernt: Mein Körper ist nörgelig und anspruchsvoll geworden und mag lieber gute Sachen haben.

Jetzt werde ich erst einmal wach und sehe dann, ob ich koordiniert genug bin, um ins Gym zu radeln. Lust hätte ich schon … aber ich hab´s mit Sport die letzten Wochen irgendwie übertrieben und habe permanent irgendwo im Bewegungsapperat Schmerzen. Vielleicht sollte ich da mal ein paar Tage kürzer treten.

Problematische Haltephase

Irgendwie hatte ich mir das einfacher vorgestellt. War ich der absurden Idee aufgesessen, dass das Abnehmen das Schwierige und die Zeit danach maximal das Einüben von Normalität wäre.

Tja, doof, ne? Stimmt nämlich gar nicht. Zeit sich einzugestehen: Ich komme nicht zurecht. Ich habe die Haltephase mit 58 Kilo begonnen und schwanke nach ein paar Wochen nun zwischen 59 und 61. Mithin also mindestens ein, wahrscheinlich sogar zwei Kilo mehr. Und ich weiß auch genau, woher es kommt. Ich orientiere mich unter der Woche brav an meinem TDEE, nutze MyFitnessPal und bin niemals nicht im roten Bereich. Ich mache Sport, bin aktiv und komme auf meine Schritte … hilft nur leider gar nichts, wenn ich mich Freitag und Samstag völlig aus jedem Rahmen katapultiere. Ich schaffe es einfach nicht, das zu ändern. Und leider hilft meine Umgebung nicht, mich zu bremsen, da sie der Meinung sind, dass ich nicht zu viel esse und meine Beschränkung zwanghafte Züge aufweisen würde. Das sehe ich (und meine Waage auch) naturgemäß anders. Ich bin weiterhin unberechenbar und habe keine Selbstkontrolle. Das einzige, was hilft, ist, überhaupt keine Versuchungen in Sichtweite zu haben. Funktioniert unter der Woche super. Da ist maximal der Kilopott Meridian-Erdnussbutter. Und bei dem bin ich erstaunlich tapfer. Aber Freitags und Samstags, wenn ich bei Waldnymphe und Erklärfaun bin, brechen die Dämme. Ich esse zu viel. Viel zu viel. Beide sind deutlich größer als ich und ich esse so viel wie sie. Das kann ja nur in die Hose gehen!

Was bleibt also? Am liebsten hätte ich die Möglichkeit, bei MyFitnessPal statt eines Tages- lieber ein Wochenbudget einzustellen. Dann könnte ich ansparen und am Wochenende eben reinhauen. Es klappt nicht, das nur virtuell zu machen – also einfach jeden Wochentag weniger zu essen als von MFP veranschlagt. Das bringt nichts, da falle ich raus. Solange die Endzahl grün ist, kriege ich kein großes Defizit fürs Wochenende zusammen. Ich bräuchte wirklich eine Wochenzählung. Leider habe ich bisher trotz verzweifelter Anfragen bei Tante Google keine App gefunden, die das leistet. Und nein, Excel ist keine Alternative. Ich bin Grafikerin, ich kann Exceldokumente maximal öffnen.

Eine Möglichkeit wäre, die Tageskalorien in MFP wieder auf tausend runterzuregeln. Und dann an den Wochenenden nicht zu zählen.

Auf jeden Fall muss ich mir eingestehen, dass ich verloren habe. Dass ich das mit „Normalität“ und „Schlanksein“ nicht schaffe. Zumindest nicht ohne ständige, schmerzhafte, kontrollwahnige Zwanghaftigkeit.

Aber was ist die Alternative? Wieder dick, unglücklich und unbeweglich zu sein?

Nein danke!

Ich glaube nicht daran, dass es eine genetische Disposition für Übergewicht gibt. Fett wurde ich ganz ohne Zutun meiner Erbanlagen! Aber es gibt eine genetische Disposition für zu großen Appetit und für einen schwachen Willen. Dumm, dass ich in dieser Beziehung wohl voll zugeschlagen habe. Niete in der Genlotterie gezogen. Und deshalb wird der Rest meines Lebens davon bestimmt sein, dass ich gegen diese Willensschwäche und diesen monströsen Appetit ankämpfen muss. Ganz schön ungerecht!

Cake for Dinner

Lizza mit Quark und Früchten. I'm having cake for dinner! 😀 #lizza

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Ich weiß nicht, warum ich nicht schon lange von selber draufgekommen bin – aber warum sollte man nicht auch einmal süße Pizza essen können? Ich meine, immerhin gibt´s für mich das Konzept „zu süß“ bekanntermaßen überhaupt nicht und da bietet sich ein Kuchenfladen doch an! Seltsamerweise bin ich dann aber in anderen Dingen sehr auf „salzig“ festgefahren. Wenn ich mal frühstücke (kommt ja nur noch als gesellschaftliches Ereignis vor), dann bittesehr Brot mit Butter und Käse. Außer in Paris. Weil Franzosen das Konzept „Gebäck in nicht-süß“ nicht können, aber tolle Brioches haben. Mittagessen ist 50:50 im Moment, da mein Quarkporridge süß ist. Hmmm …. ob der auch in salzig mit Tomaten funktionieren würde …? Ich glaube, dieses Experiment mache ich besser an einem Wochenende, wenn ich das Ergebnis im Notfall unter stetigem Rühren in den Ausguss schütten und mir etwas Anderes basteln kann und nicht unter der Woche, wenn ich auf der Arbeit damit festsäße.

Auf jeden Fall bin ich beim Mittagessen flexibel, was die Frage „salzig oder süß?“ angeht. Beim Abendessen war es bisher immer „salzig“. Und blieb es eigentlich auch, denn die süße Pizza war nur der Nachtisch. Jaha, Fressmaschine Madame hat mal wieder zugeschlagen und nicht nur diese Pizza, sondern vorher auch noch einen Eimer Ofengemüse mit Tofu (tutti completti 340 Kalorien) vernichtet!

Und blieb damit absolut im Rahmen meiner 1700 Kalorien für diesen Tag (Sportkalorien wurden auch verfressen. Weil Gesamtumsatz und so. „I run because I really like to eat!“). Denn der komplett belegte Fladen hatte folgende, erstaunlich günstige Werte:

  • Lizzaplatte – 214 Kalorien
  • Quark (Exquisa Fitline, 150 Gramm) – 94 Kalorien
  • Nektarine – 61 Kalorien
  • Aprikosen –  42 Kalorien
  • Flasty´s Blackline New York Cheesecake Flavour – 20 Kalorien

Kann sich sehen lassen! Für ´ne komplette Pizza!

Mann, war der Fladen wohlschmeckend. Das nächste Mal werde ich ihn zwar fünf Minuten länger im Ofen lassen (15 Minuten waren etwas kurz, mein Backgerät ist reichlich kühl), die Quarkmenge ein bisschen reduzieren und testweise etwas Streustevia über die Früchte geben aber für den ersten Versuch fand ich es hervorragend.

Jetzt starte ich in einen Tag, der sein Seltsamkeitspotential schon völlig verschossen hat, in dem ich nämlich heute Morgen davon aufwachte, dass ich im Traum auf einem Parteitag der Piratenpartei war und dort von drei Hipstermädels die offizielle Haltung zu Böhmermann auseinandergesetzt bekam, woraufhin ich im Traum so furchtbar lachen musste, dass ich wach wurde. Kommentar des Erklärfaun dazu: „Zum Glück bin ich normal!“ Analyse der Waldnymphe: „Du magst eben Piraten und Ziegen!“. Stimmt schon … aber ich mag eher die Sorte Piraten, die auf dem Meer anarchistische Kollektive bildet.