Mein schönstes Ferienerlebnis: das MRT

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Ich habe Fassenacht überstanden, habe gut daran getan, mir freizunehmen, weil die Innenstadt wirklich bis abends dicht war und ich nicht nach Hause gekommen wäre, und bin nun wieder ganz im Alltag. Dabei fällt mir ein, dass Valentinstag ist. Also der Tag-vor-der-reduzierten-Herzchenschokolade. Sehr schön. Muss ich morgen mal ins Kaufland.

Und am Montag war mein MRT. Das war eine unspektakulärere Angelegenheit als erwartet. Ich kam hin, bat darum, mir später die Daten auf CD zu geben, wartete eine halbe Stunde, musste alle Metallgegenstände ablegen, wurde darauf hingewiesen, dass eventuell meine Tattoos warm werden könnten (taten sie nicht, in deutscher Qualitäts-Ink sind wohl mittlerweile keine Metalle mehr) und lag dann eine Viertelstunde friedlich in einer Röhre. Die ich sehr gemütlich fand und mich geborgen fühlte. Trotz des infernalen Lärms. Ich hatte Kopfhörer bekommen – zum Glück fiel die darin dudelnde Neunziger-Pop-CD nach ein paar Sekunden schon aus. Lieber das „Rööööööaaaaaaa … brrrrruuuuuuummm … öttlöttlöttl … knööööööaaaaarrrrz“ des MRT als die Betäubungs-Lala für frischoperierte Laborratten. War jedenfalls nicht schlimm, ich habe sogar ein bisschen Meditation hinbekommen. Ein wenig Rückzug an den sicheren Ort und meine Weißbrot-Übung. Allerdings frage ich mich, wie massigere Menschen mit so einer Röhren-Untersuchung klarkommen. Schon für mich war das Ding recht kuschelig. Mit meinem Höchstgewicht hätte ich da bestimmt ganz schön spack drin geklemmt. Und selbst auf Maxlevel war ich ja noch das, was die Fat-Acceptance-Leute „smallfat“ nennen, weil „nur“ XL. Für noch dickere Menschen wäre so ein MRT also vermutlich entweder die Hölle oder erst gar nicht machbar. Noch ein Argument, mein Gewicht zu halten und nach Möglichkeit weiter zu verbessern.

Erst einmal halten. Und Sport machen.

Wozu ich nun auf den Befund warte und dann einen neuen Termin bei einem Orthopäden machen muss. Irgendwie ist das schon wieder viel zu viel an Planung für mich. Stresst mich. Muss aber sein.

Ich habe schon wieder so viele Dinge, an die ich denken und die ich erledigen muss. Sehr anstrengend und belastet mich im Hinterkopf die ganze Zeit. Wie werde ich da nur resilienter?

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Schlachtplan versus Schlachtplatte

Rosenmontag Workoutwear #fastnacht #workoutwear #karneval #unicorn

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(Das Wortspiel würde besser funktionieren, würde ich Fleisch essen. Geht aber auch so)

Weiterhin bekomme ich über Kommentare sehr bedenkenswerte Anregungen und die Versicherung, dass andere Leute in vergleichbaren Situationen sind, was einerseits beruhigend ist, andererseits verwunderlich, weil es sonst wenig thematisiert wird. Oder ich bekomme es nicht so mit. Ich lese zwar etliche Blogs zum Thema und folge den loseit- und fatlogic-Subreddits, aber irgendwie bin ich da bisher noch nicht wirklich konkret drauf gestoßen.

Ich versuche es nun damit, das weitere Abnehmen erst einmal aufzuschieben, bis ich die Baustellen „Schulter“ und „Fuß“ aufgeräumt habe. Die Schulter bekommt heute Abend das MRT. Der Fuß wird langsam besser. Dann werde ich mich noch ein paar Wochen konsolidierend auf Training beschränken und dann weiter Kalorien sparen.

Letzte Woche war ich schon defizitfrei, so dass ich versuchen werde, bei „65.000 Kalorien to go“ zu bleiben, bis ich soweit bin. Ich bin dabei mal so esoterisch, auf „ein Zeichen“ meines Unterbewusstseins zu warten, dass es nun soweit ist, die Anstrengung einer längeren Zeit im Defizit anzugehen.

Keine Ahnung, was das sein wird. Dicke Engel sinken posaunespielend vom Himmel. Vögel kommen mit Blütenkränzen angezwitschert. Ein Lichtstrahl badet mich in blendendem Glanz. Ich weiß es nicht.

Bis dahin ersetze ich Süßigkeiten-Eskalationen durch Obst-Eskalationen. Ist kalorientechnisch nicht viel aber ein bisschen besser. Hat diesen Freitag sogar einmal geklappt, weshalb ich heute noch ein paar Kaki kaufen werde. Mit Kaki kann ich gut eskalieren.

Und ebenfalls bis dahin werde ich allem nachgehen, was ich hier als Hinweisen bekommen habe. Insbesondere Stärkung von Willenskraft, Achtsamkeit, Autosuggestion, Selbstwirksamkeit, sich annehmen können. All‘ sowas.

Das wird nicht einfach. Mein natürliches Mindset mir selbst gegenüber ist schwärzest negativ. Mich mir selbst freundlich anzunähern, wird viel Energie verschlingen. Was wiederum von meiner Gesamtenergie für Training undsoweiter abgehen wird. Argh, blöder Teufelskreis!

Aber first things first. Schulter, Fuß, Training, Selbstwirksamkeit/Achtsamkeit/Willenskraft. Und dabei der Versuch, das nicht schon wieder in eine Marathon-Situation mit „ich muss das verdammt nochmal perfekt schaffen, sonst Akopalütze!!“ abgleiten zu lassen.

Puh, nix für Weicheier, diese mentalen Dinge!

Immer noch Willenskraft

Katzenzunge. #catcontent #torbie #katze #tortoiseshellcat

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Wieder einen interessanten Kommentar zu diesem Thema bekommen, über den ich nachdenken muss. Irgendwie ist das natürlich alles einleuchtend und sehr schlüssig. Problem dabei: Ich weiß nicht, wofür ich Willenskraft überhaupt ausgebe, dass ich solche Probleme damit habe! Denn … ich tue doch gar nichts! Ich mache derzeit sehr wenig Sport, weil ich erstens die Kalkschulter und zweitens im Moment die schmerzhafte Behandlung einer Dornwarze am Fuß habe, so dass ich eigentlich nur Planks, Stepper (ganz, ganz vorsichtig, weil mein Fuß wirklich fies schmerzt) und einmal die Woche Krafttraining machen kann. Also – keine Willenskraft für Sport. Ich habe im Job friedliches Fahrwasser. Die Messe ist vorbei, die Herbstprojekte laufen unglaublich gemächlich und stressfrei an. Und im Privatleben ist die Katze ein total braves Träumchen und Freunde und Beziehung sind gut zu mir.

Also – was bitte sollte mir Willenskraft in einem Maße abziehen, dass ich es nicht schaffe, im Defizit zu essen? Die depressive Episode? Wohl kaum, das Herumgewumpel hat schließlich vorher schon angefangen.

Beziehungsweise, ich komme gar nicht erst in den Groove. Ich kriege die Kurve dahin, wo Willenskraft Spaß macht, nicht. Ich weiß, dass es das gibt – diese Welle habe ich schließlich während der ersten Abnahme geritten. Es war ganz einfach, sobald ich im Mindset war. Durchhalten gar kein Problem. Und jetzt … ist alles ein dröges durch-kalten-Haferbrei-Stapfen. Es fühlt sich gezwungen an und ich rebelliere schon dagegen, bevor ich überhaupt angefangen habe. Jeden Morgen, wenn ich meinen Tag essenstechnisch in MyFitnessPal plane, ist es ein zähes Verhandeln um jede Kalorie. Wenn ich das mache, kann ich noch das tun. Wenn ich das weglasse, darf ich dafür das.

So kann das einfach nichts werden. Ich muss einen Einstieg finden.

Motivation ist dafür nur bedingt geeignet. Motivation bringt mich nicht besonders weit. Motivation kann maximal eine Starthilfe sein. Und dann muss ich hoffen, dass ich meine Willenskraft wiederfinde.

Ich werde damit beginnen, dass ich mir heute in den Pausen (ich arbeite immer kurz hochkonzentriert kreativ und mache dann in einer kleinen Pause etwas völlig Banales, wie auf YouTube schauen, wie ein Mofa in eine Baugrube fällt, lese das ESO-Forum, informiere mich in neuen Blogartikeln oder ich scribble nicht-Jobrelevantes) einige Artikel und Videos zu Übungen ansehe, mit denen man Willenskraft steigern kann.

Leider bin ich in Autosuggestion eine echte Niete. Die Übung mit dem Brot (ich habe davon erzählt) habe ich in den letzten Tagen zwar immer mal wieder gemacht, ich glaube sie mir nur so überhaupt gar nicht, das geht auf keine Kuhhaut! Ich stelle mir das vor und … nichts. Gar nichts. Bei der Ärztin ging es einigermaßen, aber sobald ich es allein machen muss, habe ich diese laute, nervige Stimme im Kopf, die mich anschreit, dass das doch nur Mumpitz sei und gar nichts bringen würde. Hach, wenn ich in allem so effektiv wäre, wie in Selbstsabotage, könnte man mit mir die kompletten Schifffahrtsrouten im Nordmeer eisfrei halten!

Trotzdem muss ich es versuchen. Aufgabe also für heute: Sehen, was man so machen kann. Aufgaben weiterhin: Das Ganze auch umsetzen.

Willpower-Punkte ausgeben

The Sorcerers Crusade Sheet

Die zahlreichen Antworten (Danke!) auf meinen letzten Post haben mich zum Nachdenken angeregt. Über begrenzte Mengen, über Überforderung. Darüber, wie man aus einer egomanischen Spirale kommt – und ob sie überhaupt existiert.

Die Sache mit dem begrenzten täglichen Willenskraft-Pool erscheint mir absolut logisch. Und sehr gut verständlich. Bei meinem lieblings-P&P-System, der World of Darkness, hat jeder Charakter von Erschaffung an eine bestimmte feste Menge an Willenskraft (diese kann man später im Spiel noch steigern, das ist aber für diesen Vergleich erst einmal uninteressant). Diese Menge verändert sich ständig, wenn sie auch nicht über den maximalen festen Wert hinausgehen kann. Die Veränderung erfolgt dadurch, dass man einen Punkt temporär ausgeben kann, um sich bei einer Aufgabe einen automatischen Erfolg zu kaufen. Ein Erfolg stellt meistens das absolute Minimum dar, das man braucht, um etwas zu schaffen.

Konkretes Beispiel. Oben sieht man einen Ausschnitt aus dem Charakterblatt meines Magus Hermanos (Manos ist eher „nach mir“ geschaffen als mein Wolf Rhys, deshalb ist er das bessere Beispiel). Hermanos hat – umkringelt sichtbar – fünf Punkte Willenskraft. Gehen wir davon aus, dass Hermanos mitten in einer regnerischen Novembernacht zusammen mit seiner Kollegin Allegra um eine Ecke rennt, um seinen Freund Akeem zu retten, nicht aufgepasst hat und deshalb nun plötzlich Nase an Nase mit einem der eher rustikalen Schergen des Gegenspielers steht … dann braucht er jetzt ganz dringend einen Erfolg, um so aus dem Nichts einen Zauber zu wirken. Denn eigentlich benötigt seine Magie ja Berechnung, die heilige Geometrie und dergleichen. Also etwas Zeit. Hat er aber nicht. Also setze ich, weil ich meinen verträumten Magus lieber mit Kopf auf den Schultern mag als ohne, einen Willenskraftpunkt ein. Reduziere seinen temporären Pool damit auf vier. Unabhängig vom Würfelergebnis habe ich für Manos jetzt also einen Erfolg schon einmal in der Tasche – keinen gloriosen Erfolg (dazu müsste ich dann noch gut würfeln) aber es wird klappen, dem Schergen einen Blumentopf vom Fensterbrett über ihm auf die Zwölf fallen zu lassen. Muss ich in nächster Zeit noch mehrmals auf so ein Hilfsmittel zurückgreifen, wird Manos’ Willenskraft immer weniger, bis er völlig erschöpft ist und nichts mehr groß tun kann, weil er zu keiner Entscheidung mehr fähig ist. Als ich Manos erschaffen habe, habe ich festgelegt, dass seine Natur „Architect“ ist – er also Dinge schaffen, aufbauen will. Das gibt ihm Willenskraft zurück. Um wieder ganz frisch und erholt zu sein, seinen Pool wieder bis zum Rand gefüllt zu haben, muss er deshalb in nächster Zeit seiner Natur folgen. Es muss ihm zum Beispiel gelingen, mit seinen Freunden den Coven weiter aufzubauen, vielleicht an seinem Familiar weiterzuarbeiten, dieses Astrolabium mit allen zehn Planeten fertig zu basteln, Allegras Radschlosspistole zu perfektionieren (Im Jahr 1499 ist eine Radschlosspistole futuristischer Hightech) …

Und wenn man nun meinen Ausführungen bis hierhin gefolgt ist, obwohl man an P&P nicht interessiert ist, kann man trotzdem erkennen, wie nahe an der Realität das Ganze ist. Ich habe meinen Willenskraftpool. Und ich habe ihn nach und nach geleert. Und irgendwie schaffe ich es gerade nicht, ihn wieder aufzufüllen. Auch ich muss dafür Dinge schaffen – hauptsächlich Bilder und Geschichten. Ich beziehe meine Willenskraft aus rein solitären Aktivitäten. Aber aus welchen Gründen auch immer, geht das im Moment nicht. Ich hänge fest und drehe mich hilflos um mich selbst. Und jeder Tag kostet wieder Willenskraft. Ich laufe leerer und leerer und muss immer vorsichtiger sein.

Und es hilft nicht, dass ich mit diesem um-mich-selbst-Kreisen meinen Liebsten auf den Sack gehe und sie von mir wegschubse. Ich habe das Gefühl, ich kann nichts festhalten, was ich in den letzten Jahren mühsam aufgebaut habe. Und da dachte ich, nach den zehn mageren Jahren kämen nun endlich die zehn fetten. Aber da habe ich mich anscheinend geirrt. Zehn magere, anderthalb fette, dann wieder mager. Das ist nicht gerecht. Und dass ich selbst daran schuld bin, weil ich mich weinerlich selbst sabotiere und ihn Selbstmitleid wälze, hilft auch nicht.

Fuck.

Dieser Einblick in das Innere einer geisteskranken Person wurde gesponsert von der Generaldirektion für Hahnebüchenes der EU-Kommission.

Vollversagen, reloaded

Die letzte Woche habe ich ein Gesamtdefizit von 1000 Kalorien geschafft. Also noch 64.000 bis zu meinem Ziel. Und wenn ich ehrlich bin, weiß ich noch nicht einmal, ob es wirklich tausend waren. Von Montag bis Donnerstag habe ich zweitausend als Defizit erwirtschaftet, kein Thema. Und Freitag, Samstag, Sonntag habe ich fast alles wieder zunichtegemacht. Völlig bewusst. Einfach so. Ich kann es nicht erklären. Ich habe in diesen 72 Stunden zusätzlich zu meinen normalen tausend Kalorien noch gegessen: Zwei kleine Dosen gezuckerte Kondensmilch (700), zwei Tafeln Schokolade (1200), drei Schokoeier (450), einen gefüllten Donut (400). Das sind fast dreitausend Kalorien purer Junk. Einfach mal so obendrauf. Und das ist noch konservativ geschätzt! Und dann kam noch Fresserei mit „gesunden“ Sachen hinzu. Ein Becher Erdbeerskyr (196), eine ganze Pomelo (400) …

Und ich weiß nicht einmal, warum. Und die Schokolade und der Donut waren nicht einmal besonders gut. Hussel-Schokolade und Happy Donazz-Donuts waren früher immer super, jetzt waren sie geschmacksneutral und fettig. Was mich nicht daran gehindert hat, das Zeug innerhalb weniger Minuten zu essen.

Da hat es auch nichts genützt, dass ich am Samstag viel trainiert habe und mir einen neuen Stepper zugelegt habe, der viel fordernder ist als der alte (und ja, ich habe ihn auch benutzt. Jeden Tag so eine halbe Stunde während Supernatural). Denn selbst mit viel gutem Willen hat das alles zusammen nicht mehr als 800 Kalorien rausgeholt. Soll heißen: Ich schaff’s mal wieder nicht. Ich sabotiere mich nach Strich und Faden selbst, um dann zufrieden festzustellen, was für ein wertloses Stück verschwendete Gelegenheit ich doch bin. Selbsterfüllende Prophezeiung für Masochisten. Ich ekle mich gerade maximal vor mir selbst und versinke gleichzeitig in Selbstmitleid.

Ich glaube, ich sollte den Plan, noch einmal zehn Kilo abzunehmen, einfach aufstecken. Das verursacht mir derzeit so viel Leid und Stress, was dann in extreme Reaktionen mündet. Das ist es nicht wert.

Aber will ich mich weiterhin erschrecken, wenn ich vorm Spiegel stehe?

Ich fühle mich derzeit durch und durch gestresst und unwohl. Ich will gerade gar nichts und mich einfach nur zu einem Ball zusammenrollen. Ich verachte meine Willensschwäche zutiefst und weiß nicht, wie ich wieder in die Spur kommen kann. Ich habe das Gefühl, dem wieder-fett-werden hilflos ausgeliefert zu sein, weil ich zu blöd bin, mich am Riemen zu reißen.

Unschön, sehr unschön.

Von wegen „das wird mit der Zeit“. Ja, es wird schlimmer! Es ist wohl doch wahr – 95% aller Menschen schaffen es nicht, das abgeworfene Gewicht auch unten zu halten. Wie konnte ich auf die Idee kommen, zu den 5% zu gehören, die stabil, willensstark und entschlossen genug sind, es zu schaffen? War doch klar.

Klischees sind Klischees …

Mal wieder ein Versuch in eher cartoonig. Fällt mir immer so unendlich schwer …

… weil sie meistens doch irgendwie wahr sind. Hierin unterscheiden sie sich von Vorurteilen. Ist man in irgendeiner Form geekig unterwegs, hat man einen bunten Blumenstrauß an Klischees um sich herum. Häufigste: Ernährt sich von Pizza-Cola-Gummibärchen, sieht dementsprechend aus, geht nicht an die Luft, trifft keine anderen Leute, wäscht sich selten und benutzt kein Deo. Das gemeine Geekweibchen wird da nicht ausgenommen, ist aber ambivalenter. Es teilt sich nämlich in Innen- und Außenwirkung. Wobei „innen“ sich hier auf die Szene bezieht. Und auf die Selbstwahrnehmung. Das gemeine Geekweibchen hält sich nämlich für elfengleich, zieht sich deshalb auch so an und das Geekmännchen ist von ihr entzückt, weil es ansonsten selten an Frauen außerhalb der Supermarktkasse auf Armlänge herankommt. Nach außen ist es häufig zu haargefärbt, zu schlecht tätowiert, zu eng angezogen und zu laut. Klischee? Klischee. Aber mit Backup, weil ich selbst ein Geekweib bin. Bis auf die Sache mit der Hygiene und dem Deo. Das habe ich auch in meinen gummeligsten Zeiten noch auf die Kette bekommen. Vermutlich, weil ich sehr empfindlich auf Körpergeruch reagiere.

Zum Glück wird man aber älter und reflektierter. Und entwickelt mehr Facetten. Das passiert meist kurz nach Ende des Studiums. Bei mir hat es länger gedauert und ich muss auch heute noch höllisch aufpassen, dass ich nicht zurück in die warme, kuschlige Geekhöhle krieche, mich nicht bewege, mit niemanden außerhalb des virtuellen Raums etwas zu tun haben möchte und … nein, Gummibärchen und Cola sind keine Alternative mehr, ich habe nur noch Kaffee und Datteln im Haus. Und statt Pizza mit einem Kubikmeter Provolone wäre es dann Lizza mit Spinat und Feta.

Also hat sich doch etwas Grundlegendes geändert.

Was sich nicht geändert hat: Ich liebe meine virtuellen Welten. Den Eskapismus. Ich möchte mich nach Tamriel, nach Dromund Kaas, Hoth, Coruscant, nach London 1891, nach Nizza 1499, Zypern 1243, zur Mars-Kolonie, nach Ankh-Morpork, ins Quad oder auf die Nautilus flüchten können. Zu jeder Zeit. Und wenn das bedeutet, mal für niemanden erreichbar zu sein, ist das eben so. Dann bin ich in einer bunt schillernden Blase unterwegs und alles ist so weit weg. Das möchte ich nicht missen. Niemals.

Aber mittlerweile findet Eskapismus eben auch statt, wenn ich mit den Dropkick Murphys auf den Ohren 118 Kilo legpresse. Wenn mir Combichrist in der ihnen eigen Fröhlichkeit von Gewalt erzählen und ich dann mein halbes Körpergewicht squatte (ja, da geht viiiel mehr. Aber ich bin so langsam mit den Beinsachen …). Wenn ich in einem Gym voller Leute ganz für mich bin. Und auch dann habe ich meine Welten. Denn selbst Sith müssen trainieren. Auch mein Wolf macht Parkour, damit er nicht ansetzt (die viktorianische Oberschicht neigte eher zu Polo und Cricket, darin ist er aber nicht gut).

Und wenn ich dann nach Hause komme, mache ich mir mein Essen so, dass sogar meine Buffetfräse von Magus nicht dick werden würde, weil es sich schlecht Zauber wirkt, wenn man nicht flink auf den Füßen ist (nicht fragen, isso).

Klischees? Ja. Realität ist immer noch des Öfteren sehr weit weg. Und es fällt mir immer noch schwer, rauszugehen. Oder Leute zu treffen. Aber das bedeutet nicht, dass ich es nicht für mich arbeiten lassen kann.

Der Unruhe vorbeugen

Dieses Wochenende werde ich Strohwitwe sein. Meine Beiden fliegen nach England zu einem Warhammer-Event. Ich bastle zwar mit wachsender Begeisterung meine Space Wolves zusammen, bin aber kein so großer Fan des Spiels, dass ich deshalb einen Con im Ausland besuchen würde. Ganz davon ab, dass ich es mir auch gar nicht leisten könnte. Wenn ich dieses Jahr in Urlaub möchte und zwei neue Sätze Autoreifen brauche, muss ich mit meiner Kohle ganz schön haushalten. Als Grafiker hat man entweder einen schönen Job oder wird gut bezahlt. Beides geht nicht. Ich habe mich aus Gründen des Seelenfriedens für Ersteres entschieden. Bringt ein paar Peinlichkeiten mit sich, wenn man im Freundeskreis die bei weitem ärmste Wurst ist und öfter mal „Äh, neee, grade lieber nicht“ sagen muss, weil kein Geld für Extravaganzen da ist. Aber dafür habe ich auch keine Magenschmerzen, wenn ich morgens aufstehe, um zum Verlag zu fahren.

Auf jeden Fall plane ich jetzt schon sehr akribisch mein Wochenende, damit ich in kein depressives Loch falle. Freitag mache ich den Wocheneinkauf und hole endlich meine Furchtlos-Tabletten ab. Ich koche Reste aus der Gefriereinheit und schaue Supernatural (Destiel all the way!). Samstag morgens gehe ich ins Gym und dann in die Stadt, um im Bodyshop neues Kokosrelevantes zu kaufen. Mein Scrub ist leer und das Bodyspray geht bedenklich zur Neige. Ob ich mir dort bei Starbucks eine Kaffeemonstrosität gönne, weiß ich noch nicht. Danach zu Decathlon und einen Ministepper erwerben. Mein alter Stepper pfeift auf dem letzten Loch und ist auch viel zu unhandlich, um ihn immer herumzuschleppen. Den Rest des Tages entweder auf dem Stepper weiter Supernatural gucken oder damit beginnen, die letzten Championpunkte vor der Erhöhung am 12. in TESO anzugehen. Ich habe es bisher noch nie geschafft, das CP-Maxlevel zu erreichen, bevor es wieder erhöht wurde. Diesmal könnte es Spitz auf Knopf gerade passen. Am nächsten Tag bin ich dann zwar wieder dreißig Punkte im Hintertreffen, aber ich habe die Befriedigung, es schon einmal geschafft zu haben. Ich werde mir für abends Blumenkohlpüree mit Tofufrikadellen machen. Als Nachtisch Obstsalat. Sonntags … habe ich noch keine Ahnung. Ich bin zu D.s Geburtstag eingeladen, weiß aber, dass so etwas sonntags keine gute Idee ist. Denn dann bin ich abends zu aufgedreht und schlafe schlecht. Was doof ist, wenn man montags wieder um fünf aufstehen muss. Ich fürchte, da muss ich mir irgendein Bewegungsprogramm ausdenken, damit ich Sonntag (sowieso immer der graueste Tag der Woche) nicht abstürze. Je nach Wetter ein ausgedehnter Spaziergang oder eben wieder Stepper. Hauptsache Bewegung. Bewegung hilft gegen Dunkelheit. Wobei es natürlich darauf ankommt, wie es mir nach der für Samstag geplanten, sehr heftigen Sporteinheit gehen wird. Derzeit bin ich irgendwie sehr schlapp und habe sportlich eher so mittlere Leistungsfähigkeit. Da kann ich immer schwer einschätzen, ab wann es letztendlich zu viel ist.

Mal sehen, wie ich mit diesem Wochenende klarkomme. Ich bin nicht vollständig zuversichtlich …