Arme, Bagel, Cat-Content – Zurück aus Prag

Bunt wie Macarons: Renovierte Jugendstilschönheiten.

Was für eine Woche! Was für ein wundervoller Urlaub! Ich bin sehr begeistert und noch ganz besoffen von den vielen Eindrücken. Und weil ich das ganze sowieso nicht in einen gescheiten narrativen Fluss bringen kann, werde ich es in Stichpunkten abhandeln.

Vorwegbemerkung: Entweder lügt mein Imperator wie gedruckt oder ich werde nun langsam Opfer des in-die-andere-Richtung-Verschätzens. Meiner Meinung nach habe ich jeden Tag in Prag lockere dreitausend Kalorien verzehrt (die böhmische Küche rangiert in Sachen Fettigkeit nur knapp hinter den Inuit). Ich habe an einem Tag ein halbes Rosinenbrot (kein Brötchen!) mit Butter gegessen. Und das war nicht alles. Bagel mit Frischkäse, Pflaumenknödel mit Lebkuchenbröseln, Buchteln mit Pflaumenmus, Schokoladentartes, eimerweise Pumpkin Spice Latte, massenweise Kaffee mit Sahne, Stangenbrot mit Butter, zwei Trdlnik (das ist – vermutlich, ich kann kein Tschechisch – die Mehrzahl von Trdlo, süßem Stockbrot) mit Nutella und ohne … und dabei hatte ich keinen Sport und nur jeden Tag 15.000 bis maximal 23.000 Schritte. Trotzdem habe ich kein Gramm zugenommen. Klar, wir haben das Abendessen meist selbst gekocht (eine Ferienwohnung ist nicht nur günstig, sondern hat auch den Vorteil einer Küche) und ich habe wie üblich statt Frühstück nur Grüntee gehabt – aber das kann’s theoretisch wirklich nicht sein. Irgendwas bleibt da sehr mysteriös!

Im Gegensatz zu Paris hatte ich aber nicht das geringste Problem, immer etwas Vegetarisches auf Speisekarten zu finden. Klar, meist ein wenig versteckt und selten mehr als zwei, maximal drei Sachen – aber trotzdem war ich glücklich. Und die ganzen Süßspeisen waren ja sowieso vegetarisch. In Böhmen ist man sehr, sehr stolz auf seine süßen Dinge. Sie sind auch nett. Nicht so umwerfend, wie einem vorher die Erwartung hochgejubelt wird, aber eben nett und lecker. Und mächtig. Ziegelsteine zu essen wäre oft die leichtere Alternative.

Diese Pflaumenknödel auf Frischkäsebett habe ich im Café Savoy gegessen.

Aber jetzt auf nach Prag! Was ist mir also so im Gedächtnis besonders hängengeblieben …

  • Jugendstil. Überall. Zumindest auf einer Flussseite. Unterschiedlichste Stile. Vom überladen-süßlichen bis zu den wunderschönen klaren Linien der späten Phase. In den buntesten Farben. Als ich vor zwanzig Jahren mit der Schule in Prag war, war dort alles grau und heruntergekommen. Es stank nach Kohlenrauch und die Häuser waren üble Ruinen. Jetzt ist die Stadt herausgeputzt und wunderschön. Die EU und ihre Förderungsgelder sind eine gute Sache und wer etwas anderes meint – fight me!
  • Asiatische Touristen zerfallen in zwei Kategorien. (Achtung – unmögliche Verallgemeinerungen incoming!) Japaner sind schlank, höflich, korrekt gekleidet, leise. Chinesen haben dicke junge Frauen dabei, sind schrill, teuer und geschmacklos gekleidet (sehr teuer! Immer Designerzeug, immer Glitzer, immer bunt), haben mehr Geld als Benehmen und sind wirklich, wirklich laut und unhöflich. Im Ernst – zwei Drittel aller chinesischen Touristen unter dreißig sind übergewichtig bis adipös. Die haben Europa und Amerika rechts überholt, was das angeht. (Die Tschechen sind aber auch proper. Würde sagen, im Schnitt schon echt dicker als die Leute in Deutschland … )

Blick vom Prager Riesenmetronom. An dessen Stelle früher eine Stalinstatue stand.

  • Der Veitsdom rangiert unter den Top Five meiner persönlichen Liste „hässliche Sakralbauten Europas“. Der Erklärfaun meinte sehr weise zum Vitus-Altar „Sieht aus wie ‚Barock designed by Harald Glööckler'“. Ich mag den Eklektizismus der Prager Burg gar nicht. War definitiv mein Reisetiefpunkt. Hingegen fand ich das Barockviertel Mala Strana wunderschön. Weil eben … Barock. Und kein gefrankensteintes Teilemonster.

Der Wallensteingarten in Mala Strana. Der Mann hatte große Freude an Herakles und seinen Taten, wie man sieht.

  • Man kann in Prag sehr zufällig über berühmte Dinge stolpern. Am Freitag hatten wir „getrennte Wege“-Tag und ich wackelte im Barockviertel herum. Wurde auf eine Basilika neugierig, ging hinein und stand vor dem Kind von Prag. Das hatte ich auf meiner „kann man angucken, muss man aber nicht“-Liste, weil es in T.H. Whites Buch „The Elephant and the Kangaroo“ eine amüsante Nebenrolle spielt. Ich liebe das Buch sehr.
  • Wenn man sehr früh unterwegs ist, kann man im Mucha-Museum tatsächlich noch die Bilder betrachten. Aber etwa eine Stunde nach Öffnung ist nichts mehr zu wollen, „g’schdobbde“, wie man bei uns sagen würde – man sieht vor Besuchern den Boden nicht mehr. Der Mann hat aber auch sehr Dekoratives geschaffen. Schade, dass sie sich in der Sammlung auf die Pariser Jahre beschränkt haben. Mich hätten die Märchenillustrationen mehr interessiert. Aber die Vorzeichnungen zu den Plakaten zu sehen war sehr schön und beruhigend. Er hatte auch Probleme mit Händen. Wie jeder einzelne fucking Maler/Illustrator auf der Welt.

Cat-Content. Diese hübsche Katze saß im hintersten Eck des untouristischen Teils des Burgviertels.

  • Am Allein-Wander-Tag wurden die Waldnymphe und ich unabhängig voneinander mehrfach für Einheimische gehalten. Bei mir lag es definitiv daran, dass ich unbewussterweise die Standarduniform tschechischer Frauen eingepackt und angezogen hatte: Kniehohe Stiefel, Thermoleggins in Schwarz, kurzer Rock, kurze Jacke. Ich ging dort absolut in der Menge unter. Und habe dann russischen Touristen die tschechische Beschriftung der Uhuvoliere im Wallensteingarten ins Englische übersetzt, ohne ein Wort Tschechisch zu sprechen. War aber leicht zu erschließen, um was es ging. Etwas Geschichtswissen und fertig ist die Laube. Nur das englische Wort für Uhu ist mir partout nicht eingefallen. Ich machte Öhrchen mit den Fingern und sagte „big owl“, was am eigentlichen „eagle owl“ schon nahe dran war.
  • Ich bin glücklich, gar nichts gekauft zu haben. Außer eine Starbucks-Riesentasse, weil die Tässchen in der Ferienwohnung zu klein für meinen morgendlichen Frühstücksteebedarf waren. Dann noch einen Kühlschrankmagneten mit Mucha-Motiv für Frau Schwan als Mitbringsel und zwei Kleiner-Maulwurf-Überraschungseier (ja, die gibt’s da!) für Kollege M. und seine Patentochter. Haben die Rückreise auch fast unbeschädigt überstanden.

Der „unendliche“ Büchertunnel in der Nationalbibliothek. Ist eine mittels Spiegeln erzeugte Illusion und „in echt“ nur vier, fünf Meter hoch aber schon toll.

  • Im Zoo gab es wunderbar relaxte Wölfe und fünf Gepardenjunge. Und zwei hochaktive Honigdachse. Allein dafür hat es sich gelohnt, dort einen halben Tag zu verbringen. Die Przewalski-Pferde, für die ich eigentlich in den Zoo wollte, waren dann eher unspektakulär.

Der Arm. DER Arm. Der ARM.

  • Der Arm. Der mumifizierte Abschreckungsarm. Ich habe ihn tatsächlich gesehen. Ihn zu finden war gar nicht so einfach! Klar, St. Jakob liegt schön mitten in der Stadt, vom Wenzelsplatz, wo unsere Ferienwohnung lag (zentraler geht wirklich kaum!), zehn Minuten zu Fuß, wenn man langsam geht. Aber aus mir unerfindlichen Gründen wurde in der Kirche selbst null und gar nicht auf diese Attraktion hingewiesen! Kein Schild, keine Beleuchtung, keine Absperrung … nix! Mit mir zusammen waren noch etwa zwanzig andere Besucher in der Kirche, betrachteten alles Mögliche, wurden herumgeführt … und der Guide ignorierte den Arm völlig! Ich habe das Ding auch nur deshalb gefunden, weil ich im Internet Bilder davon gesehen hatte und deshalb eine ungefähre Vorstellung davon hatte. Verdammt, Prag sollte auf diese Attraktion echt deutlicher hinweisen. Da lässt sich doch auch Kapital draus schlagen. So spontan würden mir Schlüsselanhänger und gebrandetes Beef Jerky einfallen.
  • In den entzückend trashigen Alchemie- und KGB-Museen war ich dann doch nicht. Da schreckten mich die Menschenmassen ab. Gegen Ende der Woche habe ich echt viel getan, um möglichst unbegangene Wege zu finden, weil meine soziale Angst mir schon jeden Morgen ein paar Minuten bescherte, in denen ich Atem- und Achtsamkeitsübungen machen musste, um keinen Hassanfall zu bekommen. Hassanfälle sind ein für mich sehr präsenter Teil der Angsterkrankung. Dann habe ich ein unglaubliches Beklemmungsgefühl und mir ist körperlich übel, weil ich mich, meine Umgebung, mein Leben und jeden Menschen auf der Welt so sehr hasse, dass ich Gewalt erwäge. Im Urlaub keine gute Sache. Und wird von zu großen Menschenmengen ausgelöst, denen ich nicht verlässlich aus dem Weg gehen kann.
  • Generell war es so, dass man als Fast-Einwohner von Heidelberg ein sehr heimatliches Gefühl hatte. Der selbe Touristen-Nepp, die selben Menschenströme, die sich zehn Meter außerhalb der ausgetretenen Pfade sofort auflösen, die selben wunderschönen Ecken, wenn man sich etwas wegbewegt.
  • In der Alt-Neu-Synagoge waren wir nicht, ich musste die Ruhestätte des Golems von Außen betrachten. Ich habe sowieso nur drei Sakralbauten besucht. Irgendwie beeindruckt mich das Meiste davon nicht besonders. Vermutlich weil ich mit dem Speyrer Dom das Schönste dahingehend praktisch vor der Haustür habe. Ja, da bin ich voreingenommen. Das jüdische Viertel haben wir gar nicht gefunden. Zumindest nicht bewusst. Zwar drei Synagogen aber irgendwie kann es das doch nicht gewesen sein – die drei, vier Straßen? Seltsam! Aber Cafés mit Bageln.
  • Die Waldnymphe hat sich im Louis-Vuitton-Flagship-Store eine Reisetasche gekauft. Ich war unpassend gekleidet (Lederjacke, Hoodie, Stiefel) und durfte deshalb so tun, als sei ich ihr Bodyguard. Ich habe meinen Zeigefinger ins Ohr gesteckt und mit meinem Ärmel geredet. Das hat mir Spaß gemacht. Und gelangweilt habe ich mich auch nicht, weil es der einzige Ort in Prag mit gutem WLAN war. Echt jetzt – wer Deutschland für Internet-Entwicklungsland hält, war noch nie in der Tschechei! Nur in den größten Hipsterställen freies WLAN und das in einer Qualität wie in Meck-Pomm.
  • Ich habe in Prag praktisch keine Fahrradfahrer gesehen. Verständlich – würde ich dort auch nicht machen. Trotz überall Zebrastreifen wurde ich mehrfach fast umgebügelt. Sehr aggressive Autofahrer. Gab auch kaum Jogger – die wurden wohl auch schon alle plattgefahren. Hingegen waren U- und Straßenbahn gut frequentiert, perfekt getaktet und immer noch so nützlich, wie ich es von der Studienfahrt in Erinnerung hatte. Immer noch gibt es nur drei U-Bahn-Linien – aber die reichen erstaunlicherweise völlig! Alle drei Minuten eine Bahn. Klasse Sache. Und billig! 24 Kronen, also etwa ein Euro, für eine dreißig-Minuten-Karte. Und auch die monströsen Rolltreppen zu den tieferen Linien, an die ich mich mit großer Liebe erinnert habe, waren noch da. Nur der damals sehr präsente Geruch nach Hundescheiße und Vanille, der das gesamte Netz durchzogen hatte, war weg. Nicht, dass ich mich darüber beschweren wollte … Hunille war eher eklig, so als Gesamtaroma.

Jetzt habe ich vermutlich die Hälfte aller interessanten Erlebnisse vergessen und muss sie in den nächsten Tagen nachreichen. Zusammenfassend auf jeden Fall: Toller Urlaub, tolle Stadt, tolle Begleitung.

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Und Katzen, die Zweite

Badlands. Bad worlds.

Gestern habe ich den unwirklich sommerlichen Tag (25 Grad! Und das Ende September!) genutzt um zuerst früh Laufen zu gehen. Dann wollte ich die neuen Öffnungszeiten im Gym testen. Ein Aushang hatte verkündet, Samstags wäre nun schon um neun Uhr offen.

War es aber nicht. Ich habe also entweder den Zettel nicht richtig gelesen und irgendwo befand sich Kleingedrucktes oder sie haben es sich anders überlegt. Egal wie – all dressed up and nowhere to go. Also habe ich einfach aus dem Weg zum Gym eine einstündige Radtour gemacht. Das ist auch ordentlich Bewegung.

Und führte mich zum Schluss zum Voldemarkt in der Nachbarstadt, weil ich immer noch die vage Vorstellung hatte, Schaftstiefel zu finden, die nicht zu schmal für meine dicken Waden wären. Beim Voldemarkt gibt’s eine Deichmann-Filiale und dort war gerade Ausverkauf von Restmodellen des letzten Herbstes. Und das Wunder geschah: Ich fand genau die Stiefel, die ich mir vorgestellt hatte. Zwar eine Größe zu groß aber erstens kann man da mit Einlegsohlen Abhilfe schaffen und zweitens ist der Schaft auch in 38 so knalleeng, dass es kaum zugeht – in 37 würden mir wahrscheinlich die Beine abfallen.

Vermutlich hat die Dame, die mit ihrer Freundin zusammen ebenfalls die Abteilung mit den Restmodellen durchstöberte und dabei zehn Minuten konstant und hochfrequent darüber nölte und jammerte, dass ausgerechnet die beliebtesten Größen ausverkauft wären (wie verwunderlich, bei Restposten …), durch ihre negative Aura einen Zauber gewirkt, der mir den glücklichen Fund ermöglichte. Lob und Preis der Beschwerdefrau!

Zufrieden schleppte ich meine Beute nach Hause. Und weil ich von der Muttereinheit Imprägnierspray bekommen hatte (Prag wird wirklich sehr nass, sagt der Wetterbericht), habe ich alles imprägniert, was nicht bei drei auf dem Baum war. Vier Paar Schuhe/Stiefel und zwei Lederjacken.

Der Geruch war unbeschreiblich, trotz offener Fenster allüberall.

Und um kurz nach elf fuhr ich zum Tierheim. Katzen ansehen.

Ich wurde freundlich ins Katzenhaus geschickt, wo mich eine eifrige und sehr kompetente Mitarbeiterin in Empfang nahm. Sie fragte mich, an was für eine Katze ich gedacht hätte und als ich ihr meine Lebensumstände beschrieb, empfahl sie mir genau die Katze, die ich schon auf der Website des Tierheims ausgesucht hatte. Florance, zwei Jahre alt und fast blind. Florance ist aufgrund ihrer Behinderung nicht mit anderen Katzen verträglich, springt natürlich nirgendwo hoch und ist also eine völlig bodengebundene Katze.

Ich wurde zu ihrem Einzelplatz geführt, die Tür wurde geöffnet und die kleine Lady (sie ist wirklich recht winzig) strömte sofort und für ihre schlechte Sicht erstaunlich zielstrebig heraus, um sich an mein Bein zu werfen. Sie ist mit der fast-Blindheit geboren (da ihre Augen klar sind und die Pupillen offenbar auch auf Licht reagieren, ist es wohl eine Hirnsache), so dass sie wirklich gut damit umgeht und Menschen und Gegenstände gut orten kann. Wenn sie auch echt ein „messy eater“ ist, weil ihr der Abstand „Kopf-Futterschüssel“ wohl schwer zu ermitteln fällt.

Ja, das wird meine neue Mitbewohnerin.

Ich habe sie bis Anfang November „reserviert“, da ich sie erst dann zu mir holen möchte, wenn ich wieder Urlaub habe. Eine sehbehinderte Katze sollte in der Eingewöhnungswoche nicht allein in der Wohnung sein, falls sie sich irgendwo hineinmanövrieren und Hilfe brauchen sollte.

Das ist natürlich noch lange hin, weshalb ich auch keine Garantie auf sie habe. Wenn bis dahin jemand kommt und sie spontan und sofort mitnimmt, habe ich Pech gehabt – Tierwohl geht vor.

Meine Umgebung reagierte auf die Neuigkeit in verschiedenen Subtilitätsstufen. Während die Elterneinheiten „ganz unauffällig“ anmerkten, das sie in der ersten Woche natürlich auch vorbeikommen müssten, da sie ja schließlich in Abwesenheitsfällen die Versorgung übernähmen und deshalb von Anfang an involviert sein sollten, kam von der Waldnymphe und dem Erklärfaun sofort und schamlos „Wir kommen dann Miezekatze gucken“.

Ich werde jetzt also erstens in der übernächsten Woche Besuch von einer ehrenamtlichen Tierschutzmitarbeiterin bekommen, die sich meine Wohnung ansieht und zweitens werde ich jeden Tag mit angehaltenem Atem die Website des Tierheims checken, ob meine Katze noch da ist. Klar, sie ist seit Juli dort und niemand wollte sie haben … aber ich habe natürlich trotzdem Bammel …

Das Aufstehen-ohne-Arme-des-Todes

Mein neues Gymshirt. #starwars #mandalorian #bobafett

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Es gibt ja diese Challenge, sich ohne sich abzustützen hinzusetzen und wieder aufzustehen. Und je nachdem, wie viel man dann doch an Hilfskörperteilen nutzt, wird ein Schluss gezogen, wann man sterben wird. Okay, das war jetzt sehr unzulässig und überdramatisierend verkürzt. Sitting-Rising-Test heißt das Ganze und ich musste erst einmal nachsehen, was eine Kohortenstudie ist.

Ziel ist jedenfalls, ganz ohne Arme oder etwas schwammig definierte Kniehilfe aufzustehen. Und sich vorher glaube ich auch genauso hinzusetzen. Ich bin seit ein paar Tagen dran und muss sagen … Ich werde stööörrrbäääähhhn! Soll heißen – trotz Kraft- und Ausdauersport bin ich immer noch so gut wie tot, wenn es um solche Tests geht. Gestern dachte ich, dass ich es endlich geschafft hätte, nur um festzustellen, dass man anscheinend auch nicht nach vorn auf die überkreuzten Knie kippen darf. Verdammt. Immer noch in einer Linie mit den Halbtoten. Ich werde weiter üben.

Ansonsten ist aber alles gesundheitlich fein. Nachdem ich herausgefunden habe, wie ich den Desktopswitch von Cintiq zu Mac auf eine der Stifttasten legen kann, wird hoffentlich auch der Schmerz im linken Handgelenk nachlassen, das ich, seit ich das neue Cintiq habe, zur Bedienung der Tasten immer seltsam unabgestützt an der Seite des Tabletts platziert hatte (Bonuspunkte für einen seltsam gehaltenen Ellenbogen). Nach und nach fing es dann an, im Nervus Ulnaris direkt am Erbsenbein wehzutun. Und weil ich keine Lust habe, mir wieder vom Orthopäden die knochentechnische Frühvergreisung prophezeien zu lassen (er hat mich schließlich schon auf dem Kieker, weil ich meist auf Asphalt jogge), sorge ich lieber dafür, dass ich meinen linken Arm etwas entlaste.

Und zum Abschluss: Wie man sehen kann, ist mein neues Gym-Tank angekommen. Große Begeisterung. Leider war das Angebot, auch Tanktops zu bedrucken, bei Qwertee wohl nur eine Ausnahme, weil es bisher nicht wieder aufgetaucht ist. Da stimmt wohl das elende Vorurteil, dass Nerds und Geeks keinen Sport machen und es deshalb auch keine Nerd-Gym-Shirts zu geben braucht. Zugegeben bin ich im Gym auch immer die einzige mit solchen Klamotten. Egal. Ich will trotzdem die Stormtrooper-Lauftights! Wenn die nur nicht so elend teuer wären …

Vorbereitungen und Hungerzeiten

Let's go, it is closing time.

Diese Woche ist terminlastiger und anstrengender, als ich gedacht hatte. Nicht einmal zum Sport bin ich gestern gekommen, weil ich abends losmusste, um mir einen Koffer zu kaufen. Für den Urlaub. Am Montag. Weil ich keinen Koffer besitze. Ernsthaft. Nie gehabt. Alle meine Reisen fanden bisher entweder – wenn es sich um „normale“ Urlaube handelte – mit einer größeren Sporttasche und einem Rucksack oder – im Falle von LARP und Mittelaltergedöhns – einem riesigen Leder/Fell-Monstrumsrucksack statt. Koffer waren mir fremd.

Aber langsam erkenne ich die Vorteile. Besser stapelbar, ob im Auto oder im Zug. Besser befüllbar, weil man nicht stopfen muss. Und natürlich kommen die Klamotten auch weniger knüddelig am Zielort an. Von daher – Hurra für Koffer. Mit vier Rollen und Handgriff. Wie so `n Profi! Er ist Größe „M“ und türkis. Geht definitiv nicht in der Menge verloren. Und „M“ ist groß genug, dass ich mich vermutlich fast selbst darin verstecken könnte.

Weitere Vorbereitungen waren der Kauf von zwei Thermoleggins (das Wetter in Prag nächste Woche klingt bedrohlich. Böiger Wind, unter eine Stunde Sonne pro Tag, ergiebiger Regen, maximal 14 Grad …) und eines Herbstrocks. Das Mitnehmen von anderen Schuhen als Stiefeln kann ich mir vermutlich sparen. Aber Ersatzstiefel, weil man die wahrscheinlich immer abwechselnd einen Tag lang trocknen muss. Tja.

Ich arbeite weiterhin an meinem Defizit für den Urlaub. Läuft gut. Und ich lerne nach der ganzen Zeit immer noch neue Dinge über meinen Körper. Jetzt habe ich herausgefunden, wann meine Hungerhormonzeiten jeden Tag so sind. Sind das meine Ghrelin-Peaks?

Ich habe jeden Tag morgens um kurz vor sechs (Fahrt zur Arbeit) Hunger. Aber das ist vermutlich eher fehlinterpretierter Durst, da ich dann noch nichts getrunken habe und der Hunger nach ein paar Schluck Wasser verschwunden ist.

Um halb elf kommt dann richtiger Hunger. Aber da ich erst um eins esse, wird der nicht weiter beachtet. Eine Tasse Tee oder Kaffee hilft, weil Koffein schließlich appetithemmend wirkt. Dann wieder um kurz nach vier, wenn ich nach Hause fahre. Da muss ich es auch wegignorieren, weil ich schließlich erst um sechs essen möchte. Und es auch sehr unwahrscheinlich ist, dass ich nur drei Stunden nach einer Mahlzeit schon wieder Nährstoffe brauche. Reine Hormonsache eben. Und so ein Hungerschub wird auch nicht schlimmer, sondern verschwindet bei Nichtbeachtung. Besonders gut zu beobachten, wenn ich nach Hause komme und direkt Laufen gehe. Dann ist der Hunger schon kein Thema mehr, wenn ich die Sportklamotten anziehe.

Vermutlich war einer der Gründe, dass ich dick geworden bin, dass ich diesen Hungerreizen nachgegeben habe, ohne sie zu hinterfragen oder zu beobachten. Kurzschlussreaktion „Hunger = Essen“. Intuitives Essen ist also, wenn überhaupt, nur mit stetiger Selbstbeobachtung und gründlicher Analyse möglich.

Es ist schon so, dass es definitiv Hunger und nicht nur Appetit ist. Aber es ist eben ein Hunger ohne wirkliche Basis, könnte man sagen. Zeitlich sind die drei Hungerphasen nicht mit Nahrungsaufnahme oder Fastendauer zusammenhängend. Von daher weiß ich auch nicht, was meine Hormone da reitet. Zumindest ist es aber konsistent und man kann fast die Uhr danach stellen. Hat auch was für sich.

Lob und Preis der Zucchininudel! Und Katzen.

Wolf on vacation

Symbolbild: Urlaub

Die Zucchininudelwoche bringt tatsächlich etwas – wunderbar sattes Gefühl für die Volumenesserin, trotzdem jeden Tag über hundert Gramm Protein (ich komme meistens auf 1,8 bis 1,9 Gramm pro Kilo Körpergewicht) und jeden Tag mit Sport etwas über 500 Kalorien im Defizit, damit ich mir nächste Woche in Prag, der Hauptstadt der Knödelmitsoß, keine Gedanken um gar nichts machen muss.

Da kann man die grünen Gewächse gar nicht genug belobhudeln. Nährstoffreiches, festes Wasser mit Geschmack. Und mit Tofu und Tomaten-Gemüse-Soße täuschend echter (naja, fast. Mit viel gutem Willen!) Pastaersatz.

Solche Wochen werde ich in Zukunft öfter einlegen. Auch wenn das natürlich bedeutet, dass ich abends länger in der Küche stehe, weil es sich weniger gut mealpreppen lässt als meine sonstige Nahrung. Naja, das lässt sich überleben.

Sportmäßig bin ich etwas unzufrieden mit mir. Trotz stringentem Training und guter Ernährung sind in den letzten zwei Wochen eher Rück- als Fortschritte, zumindest aber Stagnation zu beobachten. Nur bei den Benchdips werden die Sätze länger. Ansonsten läuft es schleppend. Aber ich habe Spaß an der Bewegung. Da kann man eine Durststrecke auch mal überstehen.

Und Katzen.

Die Vorstellung, zehn Jahre nach Shaka und Zulu wieder eine (oder zwei) Katzen zu haben, wird nach Neros Tod immer deutlicher. Denn so gern ich Nero auch hatte – er wohnte bei der Waldnymphe. War „unser“ Kater aber eben nicht so, wie Shaka und Zulu „meine“ Katzen waren. Ich hatte die beiden Katzengeschwister seit sie acht Wochen alt waren – sechzehn und siebzehn Jahre lang (Shaka wurde ein Jahr älter als ihr Bruder). Dann wollte ich ganz lange keine „Cats in Residence“ mehr. Aber jetzt … Jetzt möchte ich gern einer gesetzteren Wohnungskatze wieder ein Zuhause geben. Mich abends mit ihr vor den Fernseher oder Computer setzen. Sie darf auch im Bett schlafen (hatte ich bei Shaka und Zulu auch immer. Als sie noch winzige Katzenbabies waren, hatte ich immer Angst, sie im Schlaf zu erdrücken, aber sie lagen immer an mich gelehnt, ohne dass je etwas passiert ist).

Ja, der Gedanke verfestigt sich immer mehr. Ich schaue mir die Websites der umliegenden Tierheime an. Ich habe schon mit den Elterneinheiten geklärt, ob sie bereit wären, in eventuellen Urlaubssituationen auszuhelfen. Und der optimale Zeitpunkt ist auch schon gefunden: Am Anfang meiner freien Woche im November.

Und Katzen ….

Die Culinary Diversity-Wölfe stöbern Seltenheiten auf. Teil neun: Kiwibeeren

Druck

Kiwibeeren? Tatsache. So hab ich auch geguckt, als das kostbar aussehende Plastikschälchen beim Hipster-REWE in der „guck mal, wenn du foodtrendig sein willst, iss gefälligst das, du Konsumwurm!“-Auslage glitzerte. Und weil ich gern ein foodtrendiger Konsumwurm wäre, habe ich es gekauft.

Und gestern in meinen Joghurt geschnibbelt. Zusammen mit etwas Cookies-and-Cream-Flavour (Wren – das ist auch eine tolle Flasty’s-Sorte! Cookies and Cream!). Tja, was soll ich sagen – eine weitere geschmacklich eher unspektakuläre Obstsorte. Irgendwie erscheint es mir, als seien die echten Bomben in Sachen Früchte schon lange bekannt. Alles, was so neu dazukommt, ist eher lahm. Einfach nur süß. Kein großes Aroma.

Kiwibeeren. Gestern noch auf der Insel von Dr. Moreau, heute schon in meinem Sojaghurt! #kiwibeeren #vegan

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Wird mich natürlich nicht daran hindern, mich auch weiterhin mit großer Freude und überzogenen Erwartungen durch’s Obst- und Gemüseregal zu fressen. Aber trotzdem … irgendwie haben so eine reife Birne, eine Handvoll Brombeeren, eine gerade richtig gelbe Banane, ein saftiger Pfirsisch oder auch ein kräftig säuerlicher Apfel immer noch die Nase vor den „Exoten“ vorn. Ja, ich weiß, local sourced bananas

Ansonsten habe ich jetzt die Einladung zu einem Weiterbildungsseminar bekommen. Das erste, das ich besuchen werde. Ich habe so etwas noch nie gemacht und bin gespannt. Was mich aber etwas verstört ist die Frequenz und Menge der Essenspausen. Warum braucht man bei acht Stunden ganze fünf Essenspausen? Was soll man da machen?

Zum Glück ist es in der Nähe eines Einkaufszentrums mit Starbucks. Da werde ich auf die Pause verzichten und mir eine Pumpkin Spice Latte holen. Trotzdem … Fünf Pausen! Das sind doch erwachsene Menschen. Können die sich nicht vier Stunden am Stück ohne Zuckerzufuhr konzentrieren? Echt jetzt, sowas bläht die Seminarzeit nur unnötig auf. Aber ich muss da neutral rangehen. Immerhin geht’s bei dem Ganzen um Stressmanagement. Oder so. Vielleicht ist das ein Test, wie man mit dem Stress durch ständige Unterbrechungen umgeht? Ich werde es herausfinden!

Kalbfleisch ist nicht die „culinary diversity“ der Woche …

Bon Voyage

… die wird nämlich erst morgen vorgestellt, weil ich zuerst ein paar Heidelbeeren wegschaffen muss. Aber Brecht darf ruhig auch einmal in einem vegetarischen Blog seinen Auftritt haben: „Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber“. Dass und wie er damit Recht hatte, sahen wir gestern, hörten wir gestern – weshalb man ab jetzt nicht mehr so hämisch über den großen und kleinen Teich zeigen darf. Sich „Giant Meteorite `17“ wünschen ist hingegen legitimer denn je.

Mehr Politik wird’s hier aber nicht geben. Das ist nicht mein Blogthema, dazu mag ich mir im RL alle Gedanken der Welt machen, hier geht’s weiterhin um Fitness, Ernährung, Nerdstuff.

Ersteres gibt es heute vermutlich schon mit Hindernissen, da ein ominöses aber sehr kleines Schild an der Umgehungsstraße die Sperrung irgendeines Bahnübergangs wegen irgendwelcher Bauarbeiten zu irgendeiner Zeit ankündigt. Es ist leider zu klein und zu eng beschriftet, um es im Vorbeifahren sinnvoll lesen zu können. Weshalb ich also in gespannter Vorfreude (nicht) lebe, ab wann ich meine Laufrunde kreativ umbasteln muss. Vermutlich muss ich dann einen Abschnitt zweimal laufen. Booooooring.

Zweiteres läuft volumenmäßig. Die Zucchininudelwoche hat schon gestern begonnen und mir einen großen Topf voll damit beschert. Ich habe Tofuhack, Zwiebeln, Champignons, Paprika in einem Löffel Kokosöl angebraten, dann einen halben Pack passierte Tomaten dazu, mit Garam Masala, Salz und Pfeffer gewürzt, vorher mit Salz entwässerte Zucchinispaghetti am Ende dazu und alles noch fünf Minuten kochen lassen. Fertig war die low-carb-one-pot-Pasta. Sehr lecker und ein Rieseneimer für 500 Kalorien. Ja, da war ein halbes Kilo Zucchini drin. Nur für mich allein.

Und der Nerdstuff lässt sich auch gut an. Heute mache ich mich mal daran, etwas Fluff für meine Space Wolves nachzulesen. Kann nicht schaden, sie nicht mehr als „die Wikingerzwerge“ zu bezeichnen. Außerdem gibt’s heute wieder TESO-Dungeons. J1 und ich haben am Freitag ausgemacht, das zur Not auch allein durchzuziehen. Da wir etwas später anfangen, habe ich auch Zeit, nach dem Sport noch beim Aldi vorbeizugehen und mir ein paar aromatisierte Teezombies zu kaufen. So gern ich Clean Eating praktiziere (im Rahmen meiner Möglichkeiten), so sehr saue ich bei Getränken herum. Chemie ist da echt mein Freund. Hauptsache babbisch, Hauptsache heftiger Geschmack. Und im Winterhalbjahr gibt es in dieser Hinsicht die ganz große Auswahl! Nicht nur die phantastischsten Teesorten (Marzipan-Karamell-Birne oder so!), nein, es ist auch bei Starbucks Pumpkin Spice Latte-Zeit. Und Pecan Latte. Und diesem Zeug bin ich haltlos verfallen. Basic Urban Bitch und so. Vermutlich macht das eine Menge Anstrengung in der „my body is a temple“-Richtung zunichte. Aber da muss der Körper leider durch. Bei der Waldnymphe und mir gilt beim Starbucks-Besuch: Sirup, Sahne und Smarties!