Ach watt, Leben!

Imperator Furiosa auf den Straßen der südwestlichen Einöde

Zum Glück fahre ich kein so durchbewaffnetes Monster-Rig wie Furiosa, sonst wäre das Blutbad gestern jenseits jeder Beschreibung. Denn, wie häufig, schlägt das Pendel viel zu weit aus.

In Panikphasen schleiche ich mit achtzig hinter LKW her, überhole fast nie und bin fanatisch darauf konzentriert, geradeaus zu fahren, jede Aggression geht generös nach Innen.

Lassen die Panikphasen nach, normalisiert sich das Ganze. Nicht, dass ich mit meinem Clownauto schneller als 120, 130 fahren könnte, ohne dass es an struktureller Integrität verliert (niemals Warp 10, Mädels!), aber das ist dann schon meine angepeilte Bequemlichkeitsgeschwindigkeit.

Kommen nun aber erschwerende Faktoren hinzu, wird es unangenehm. Diese Faktoren sind PMS und der daraus resultierende Hunger. Ich bin ja dank PCOS nicht wirklich hormonell gesegnet, habe ständig die niedrigschwellige Aggression, die mit Hyperandrogenämie so einhergeht (dass die gern unterstellte Zornigkeit und über-Emotionalität von Frauen vor der Regel daran liegt, dass man nun hormonell eher männlich ist, finde ich amüsant. Hey, Männer – ihr seid die ganze Zeit gefühlsgesteuert und zickig, wir nur vier Tage im Monat! Na gut, ich immer, fuck PCOS). Und nun bin ich auch noch hangry wie d’Sau. Ich esse immer im Defizit – aber halt nur noch 300 bis 500 statt 500 bis 800. Und trotzdem bin ich unleidlich, weil ich Hunger habe. Appetit. Whatever.

Und damit bin ich auf den Autobahnen unterwegs.

Mann, Mann, Mann … ich bin die gelebte Roadrage! Zum Glück nur verbal und mit Gesten. Wobei ich mich aus Gründen dazu zwinge, nicht den one-Finger-Salute zu nutzen, sondern positiv mit Victoryzeichen zu arbeiten. Entsprechend energisch ausgeführt fast genauso befriedigend. Und ich bin gaaanz leise, was das umgedrehte Victory bedeutet. Ist in Kontinentaleuropa zum Glück nicht in Gebrauch.

Gestern habe ich einen Touristen (?) aus Frankfurt, der auf den verwirrendsten Kreisverkehr unserer putzigen Kleinstadt zuschlich und sichtlich im Krieg mit Google Maps lag, wie man bei uns sagt, „alles zommeg’heese“. Nicht nett. Aber es trennten mich nach langer Stauzeit auf praktisch jeder Autobahn nur noch zwei Minuten vom Kühlschrank und da hatte ich keine Zeit für richtungsmäßig herausgeforderte Verkehrsteilnehmer.

Da kann man nur dankbar sein, dass ich kein Cabrio habe.

Und den Moment fürchten, an dem ich J4s 480-PS-Dienstwagen ausfahren darf. Er arbeitet bei einem bekannten Autohersteller aus dem Südwesten und wenn die „Dienstwagen“ sagen, meinen die es auch! AMG-Tuning inklusive. Und dann kann ich vom „ich fahre ein 4-Liter-Auto und immer brav konservativ“ zu „aus dem Weg, Bauernvolk!!!“ mutieren. Während J4 und dem Erklärfaun vermutlich das Blut aus dem Gesicht weicht und die Waldnymphe neben mir „Woo-hoooo!“ schreit.

Aber dazu muss die ständige Angst nicht nur „im Griff“ sein, wie derzeit, sondern voll und ganz weg. Denn ich fahre keine Beule in so einen Boliden, nur weil ich mich nicht unter Kontrolle habe.

Ach, Kontrollwahn, my old friend!

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Ach watt, Leben!, Training, Weniger

Richtige Richtung?

Mein Werwolf als Disney-Prinzessin. Eigentlich ging es um das Banthu, das Reittier.

Heilung geht voran, bilde ich mir ein. Ich komme schon viel besser durch den Tag und habe viel weniger Angst. Es ist sehr erschöpfend, mit tagelanger niedrigschwelliger Panik zu leben, die in den seltsamsten Momenten hochkocht. Führt zu schlechtem Schlaf und auch dazu, dass ich vermutlich trotz guten Defizits derzeit kein Gewicht verliere. Denn Angst und Schlafmangel sind bekanntlich zwei heftige Ursachen für Wassereinlagerungen. Und da ich eh zu monströsen Zyklusschwankungen neige, bin ich garantiert bei locker vier, fünf Kilo Wasser im Gewebe.

Zum Glück habe ich es geschafft, mich nicht zu wiegen. Das hätte nur zur Panik addiert. Maßstab bleibt Hosengröße und Spiegel. Alles „weiche“ Kriterien aber letztendlich das, was ich brauche. Ich bin im Normalgewichtsbereich, habe mithin gute gesundheitliche Voraussetzungen und will nur kosmetisch/sportlich abnehmen. Und dieses Endgame findet nunmal mehr im Spiegel als auf der Waage statt.

Und ich sollte endlich damit ins Reine kommen, dass ich tatsächlich „curvy“ bin. Nicht das „curvy“ der Fat Acceptance-Leute, für die das ein Synonem für „komplett rund“ ist, sondern ich habe breite Hüften, große Brüste und eine sehr schmale Taille. Mein Ideal mag das elfengleich-Androgyne ohne weibliche Merkmale sein … erreichen kann ich das nicht, ohne ins Untergewicht zu rutschen. Und selbst dann wäre ich vermutlich kein ätherisches Wesen, sondern eine immens mies gelaunte, knochige Banshee, die jeden und alles verflucht.

Wenn eine dicke Kuh dünn wird, ist sie eben noch lange kein Reh. Aber vielleicht ist sie so eine Eringer Kampfkuh aus dem Wallis. Und das sind fiese Muskelbündel.

Wenn ich nur wieder gescheit in den Kraftsport reinkäme! Ich mache derzeit echt nichts außer jeden Tag Morgensport (und das sind nur Squats und zwei Sorten Crunches), bei Gelegenheit zwei, dreimal die Woche Joggen und Fahrradfahren. Das ist erbärmlich und reicht nichtmal zum Erhalt. Ich setze Hoffnung in den Motivationseffekt der Krankengymnastik.

Jetzt auf in einen Tag voll Reklamezeug (es reicht nicht, die Spiele zu machen, man muss sie auch bewerben. Leider. Reklame ist furchtbar!) und in der Mittagspause endlich wieder richtig fein Werewolf-Zeichnen! Gargamel und Disney-Princess sind nett, aber halt wenig herausfordernd.

Oder ich lese mein frisch erworbenes Comic „Son of Dathomir“ weiter, das die Lücke für Darth Maul zwischen Palpatines Angriff auf Mandalore und Mauls Auftauchen in Rebels schließen soll. Angeblich. War ein Tipp aus dem Star Wars-Subreddit. Große Spannung und Vorfreude. Ich bin Darth Maul-Fangirl, seit Ray Park zum ersten Mal die Zähne gefletscht hat.

Ach watt, Leben!, Ernährung, Weniger

„Feinimacht!“ – Belohnungen ohne Essen?

Bild für den Erklärfaun. Darth Gargamel. Manchmal will man’s gar nicht wissen!

Ich bin stolz auf mich. Seltenes Ereignis und vermutlich zu früh und unverdient (Holy Relativierung, Batman!) aber ich habe seit gestern Morgen keinen einzigen Call of the Void-Moment mehr gehabt! Und das ohne Medikamente. Also, fast. Ich habe Hoffnung, die Talsohle durchschritten zu haben. Es könnte psychisch aufwärts gehen.

Und dass ich das geschafft, durchgehalten und dabei noch funktioniert habe, macht mich stolz.

Ich würde also gern einmal nett zu mir sein und mich belohnen. Aber … womit?

Das erste, was mir einfällt, ist etwas zu Essen. Ein Eis. Das zweite auch. Die Salzmandel-Ritter Sport. Das dritte ebenso. Gummibären/Jellybeans. Und das vierte auch. Falafelteller beim Olé-Olé-Superdöner in der FuZo.

Ich bin nicht in der Lage, mir eine nicht-Nahrungs-Belohnung auszudenken. Denn alles, was ich haben will, kaufe ich mir eigentlich auch. Bücher, Pflegeprodukte, Spiele, Klamotten, Urlaubsreisen.

Und das, was ich mir versage, wäre auch ein wenig Overkill, weil ein Ford Capri oder ein B-Manta zum Restaurieren (don’t judge. Ich liebe diese Autos!) nicht eben zu „24 Stunden ohne Panikattacke“ passt. Und auch nicht zum Bankkonto, wenn man auf eine Schifffahrt um die britischen Inseln spart.

Ausflüge machen wir auch dann, wenn wir wollen. Ganz ereignisunabhängig. Sei es nun Wochenendwandern, Kino oder einen Tag auf dem Warhammerfest in Düsseldorf.

Was bleibt also … außer Essen? Eine gute Botschaft sendet es jedenfalls nicht an mein Unterbewusstsein. Denn die mit-Essen-belohnen/betäuben-Sache haben wir schon durchexerziert und sie ist mittelfristig eher so scheiße.

Ich bin für Ideen dankbar!

Ach watt, Leben!, Dat Nerdstuff, Ernährung

Ein Elder God auf dem Rücksitz und Origamischeitern

Manos_Akeem_Kathedrale_WiP
Work in Progress. Eine Szene des Magus-Spielens vom Samstag. Nein, sie haben die Kathedrale nicht angezündet, wollen im Gegenteil den dafür verantwortlichen Dämon töten.

Schlimme Temperaturen für Leute mit Dachwohnungen, die nachts nicht gescheit lüften können, weil sie an einer Hauptstraße wohnen. Das ist sehr spezifisch und deshalb vermutlich nur für wenige Menschen nachvollziehbar.

Auf jeden Fall war der Morgensport heute nur schwer erträglich. Ich habe zwar dann endlich alle Fenster aufreißen können, doch hat das mangels Luftbewegung nicht allzu viel geholfen.

Essenstechnisch bleiben Tomaten mit Skyr und Kartoffeln das Mittel der Wahl. Lauwarm und sehr schmackhaft. Außerdem eine Eiweißbombe (wenn ich ein bisschen Handkäse dazu esse, sogar noch mehr) und ein echter Trog voll.

An der Angsterkrankungsfront habe ich entweder einen kleinen Durchbruch erzielt oder es wäre sowieso besser geworden. Da bin ich nicht sicher, was zutrifft. Jedenfalls habe ich nun durchschaut, was mich beim Autofahren überhaupt so panisch macht: Call of the Void. Definitiv. Ich habe das Bedürfnis, mich in den Abgrund zu stürzen. Was natürlich unschön ist, wenn man eine 800-Kilo-Death-Machine pilotiert. Passt perfekt zu meinem Kontroll-Zorn-Angst-Schema.

Aber, so schlimm und stark ausgeprägt das Ganze ist – es hat eine positive Seite. Denn der Call of the Void ist ja eher eine Rückversicherung, dass man noch leben möchte. Sozusagen ein ganz kleiner Suizidversuch, der nur Aufmerksamkeit erzeugen möchte. In diesem Fall Aufmerksamkeit von mir selbst.

Wie ich mit dieser Erkenntnis umgehe, ist noch nicht ganz raus. Erst einmal habe ich natürlich vor, beim nächsten Termin mit meiner Ärztin darüber zu reden. Und bis dahin manifestiere ich das Gefühl als Cthulhu auf meinem Rücksitz, der immer nur nörgelt. Gedankensprung von „Call of the Void“ zu „Call of Cthulhu“. Weshalb ich jetzt also einen Elder God herumkutschiere, der mich konstant umbringen möchte und ganz kleinkindhaft beleidigt wird, wenn ich seinem Wunsch nicht nachkomme. Aber scheint zu helfen. Ich kann ihm sagen, er soll ruhig sein und mich nicht nerven, weil ich jetzt diesen LKW überhole und seinem Vorschlag, direkt in dreißig Tonnen Tiefkühlerbsen zu krachen, nicht nachkommen möchte. Mal sehen, ob dieser Erfolg von heute Morgen reproduzierbar ist.

Das mit dem GS würfeln habe ich schon länger verpatzt. Iä iä cthulhu fhtagn ph’nglui mglw’nafh cthulhu r’lyeh wgah’nagl fhtagn.

Anderes Thema. Ich hasse Basteln. Mit der Kraft von tausend Sonnen.

Schon immer. Schon seit dem Kindergarten. Dinge kleben, schneiden, falten ist mein Horror. Wird nie gerade, ist immer ein Dreck und macht keinen Spaß. Das Ergebnis ist meist dementsprechend, wenn ich auf der Arbeit gezwungen bin, Prototypen zu bauen. Macht dann lieber der Kollege, der schon weiß, was die pulsierende Ader auf meiner Stirn bedeutet und dass es keine gute Idee ist, mir den Cutter zu lassen.

Und dann passiert es, dass der liebe J1 am Freitag Geburtstag hat, uns alle eingeladen hat und ich ihm einen Gutschein für eine Charakterzeichnung seiner Wahl schenken möchte. Und nur so ein Blatt Papier ist doof. Also habe ich mir vorgenommen, das Ding Origamizufalten. Immerhin findet man im Netz für alles Anleitungen und es muss ja nicht gleich das Diorama der Schlacht von Gettysburg in Papier sein. Ein Fuchs tut es auch. Aber diese Erklärungen sind mir völlig und absolut unverständlich. Verdammt, ich habe ein Ba-Wü-Abi, studiert, ein Einser-Diplom und scheitere an Kinderbasteleien!

  1. Das Papier diagonal falten.
  2. Das entstandene Dreieck in der Mitte falten und wieder öffnen.
  3. Die beiden Ecken zur Mitte falten, sodass ein Quadrat entsteht.

Und schon hänge ich fest. Das Ding hat vier Ecken. Hat ein Qudrat so an sich. Und wenn man beliebige Ecken zur Mitte faltet entsteht alles aber kein Quadrat!

  1. Die linke obere Hälfte an der Bergfaltlinie nach hinten falten, sodass ein kleines Dreieck entsteht.

The Fuck ist eine Bergfalte?

  1. Die rechte Papierkante an der gestrichelten Linie nach links falten.
  2. Die obere Papierlage wieder nach rechts zurückfalten.
  3. Nun von diesen drei nach oben ragenden Spitzen die mittlere in Pfeilrichtung nach unten falten, sodass der Fuchskopf entsteht.
  4. Zum Schluss die linke Ecke als Schwanz nach rechts umfalten. Fertig!

Gestrichelte Linie? Zurückfalten? Dann isses doch wieder offen …?

Sieben ist völlig irre und das triumphierende „Fertig!“ am Ende von acht macht mich irrational wütend. Ich glaube, J1 bekommt einen Papierhut. Oder eine Himmel und Hölle. Fuck dat shit. Als Onna-Bugeisha wäre ich ein Reinfall.

Ach watt, Leben!, Ernährung, Training, Weniger

Revenge of the Quittenbirne und Schutzfolie auf’m Display

Der Erklärfaun bat um eine Fuck-you-Maneki-Neko. Noch keine Erklärung, warum.

Zweiter Tag im Defizit. Lief sehr gut. Mit einem heftigen Stolperstein am Ende, der mir jetzt noch zu schaffen macht: die Quittenbirne.

Ich hatte wieder Porridge und Misosuppe. Da mir aber die Tomaten ausgegangen waren, habe ich mir die seit längerem unbeobachtet herumliegende Quittenbirne angesehen, festgestellt, dass sie plötzlich weich war, die Pläne, sie zu dünsten, in den Wind geschossen und das gute Stück verzehrt, während auf dem Bildschirm Sam das erste Mal Lucifer begegnete.

Geschmacklich eher so … normal. Nicht Sam. Sam ist toll. Aber die Quittenbirne. Schmeckte genau wie eine normale Birne. Nur weniger saftig und etwas lascher.

War ein großes Teil und nachdem ich sie gegessen hatte, wusste ich auch, was ich getan hatte.

Dumm nur, dass ich sie irgendwie gar nicht vertragen habe. Die ganze Nacht Übelkeit und Bauchschmerzen. Und selbst jetzt ist es noch nicht wieder gut. Ob es tatsächlich die Quittenbirne war, kann ich natürlich nicht sagen. Aber alles, was ich sonst an diesem Tag gegessen habe, war bekannt und für gut befunden. Also: Quittenbirne irgendwann ein drittes Mal mit absoluter Vorsicht.

Heute ist für mich Angstpatienten-Stresstag. Mein full-frontal-Trigger sind Situationen, deren Ergebnis und Verlauf ich nicht kontrollieren kann (daher auch schon jetzt stilles Weinen … im Juli das erste Mal in ein Flugzeug steigen müssen … aber der Tunnel ist nunmal leider keine Alternative …). So etwas habe ich heute niedrigschwellig, weil mein Auto zur Inspektion ist (wirre Gedanken rund um den Themenkomplex „Totalschaden“, „teure Reparatur von Irgendwas“, obwohl das Auto völlig brav ist). Ginge noch, wenn ich nicht dank der derzeitigen Terror-Deadline-und-nochmal-´ne-Schippe drauf-Situation nicht freinehmen konnte (wollte … Kontrolle und so). Denn jetzt muss ich das Auto der Elterneinheiten fahren. Das größer ist als meine treue kleine Schleuder. Plus die fünf-Kilometer-Baustelle auf der A5, die mich schon einmal in eine volle Panikattacke geschickt hat und der ich auch gut medikamentiert immer mit leichter Unruhe entgegensehe. Und dann kam noch das Navi dazu.

Das Navi.

Ich habe keins. Ich habe im Notfall Google Maps, neige aber eher dazu, mir eine unbekannte Strecke vorher im Internet anzusehen und dann recht zielgerichtet aus der Erinnerung zu fahren. Das kann ich richtig gut. Orientierung ist mein Ding, weshalb ich auch London sehr intuitiv zu erleben vorhabe. Hat in Paris und Prag schließlich auch geklappt.

Jedenfalls hängt im Auto der Elterneinheiten ein Navi. Weil Muttereinheit sich gegen ein Smartphone sperrt und Vatereinheit zwar gern eins hätte, es aber nicht forciert.

Ein Navi, das ich nicht ausgeschaltet bekomme! Mit der Schutzfolie noch auf dem Display. Viel Eltern-versus-Technik-mäßiger wird’s diesseits von tausend Searchbars im Browser nicht mehr! Ich stand dem Leuchtekasten an der Scheibe also recht hilflos gegenüber und habe schließlich versucht, ihn zu ignorieren (man mag es ja auch nicht mit Gewalt abschrauben, wenn das Auto einem nicht gehört). Was nur solange klappte, bis das Ding mich vor jedem fest installierten Blitzer anzublöken begann. Und ich fuhr nichtmal zu schnell!

Wer in Hessen wohnt weiß, dass auf jeder einigermaßen ebenen Fläche ein Blitzer aufgestellt ist. Bedeutete also Dauergeplärre, sobald ich die Grenze nach Norden überquert hatte.

Sehr aufreibend! Und ich darf das heute Mittag nochmal in umgekehrter Strecke erleben. Große Vorfreude.

Hoffentlich hat mein Auto nichts und ich kann es direkt wieder mitnehmen!

Dann endlich Entspannung mit langem Wochenende (der Mai ist ein guter Monat!) und Kino. Und Laufen. Ich will mal testen, wie voll der Schlossgarten morgens ist. Denn eine Alternative zu meiner normalen Laufstrecke zu haben wäre schön. Ich fürchte, die Motivation dafür ist hauptsächlich, dass ich dort K. begegnet bin. Ich bin gut mit ihm befreundet, er ist ein toller, liebenswerter Mensch. Aber meine unvorhersehbare Neurose hat meine Joggingstrecke nun für verbrannt erklärt. Völliger Schwachsinn!

Andererseits wäre der Schlossgarten auch hübscher und weniger abgelegen. Aber zu vielen Mitläufern zu begegnen ist immer grauslich für mich. Ach, irgendwas ist immer!

Mal sehen, wie gut ich dort zurechtkomme. Einmal ganz rum plus Wegstrecke zum Garten sollten auch fünf Kilometer ergeben.

Wie üblich: Obacht! Dieses Blog wird bald komplett nach Tumblr umziehen. Außer WordPress kommt endlich in die Hufe, ermöglicht mir entweder, Plug-Ins zu installieren (geht derzeit nur im Businesstarif) oder stellt Onboard-Lösungen zur Verfügung, um mich vor der EU-DSGVO zu schützen. Ja, genau deshalb hat man Gesetze, nicht wahr? Damit sich die Bürger davor schützen müssen. Ich weiß schon, warum ich sozialistische Anarchistin bin! Selbstorganisierte Gemeinschaften. Gesunder Menschenverstand. Kein Nanny-Staat!

Ach watt, Leben!

Die nichtlustigen Dinge einer sexuellen Orientierung

Following in your father's footsteps

Leben geht weiter, Angstattacken im Alltag werden wieder weniger, oder nehmen zumindest in ihrer Intensität ab. Das Stehen im Büro tut mir nicht nur in der Schulter, sondern auch am Kalorienbudget und der Beinmuskulatur gut – alles ist also sehr, sehr normal.

Weshalb ich einfach mal so, völlig zusammenhangslos herumnörgle.

Ich habe selten Probleme wegen meiner sexuellen Orientierung. Mag daran liegen, dass es ja eher die Abwesenheit von Orientierung ist und somit wenig Angriffsfläche im täglichen Leben bietet. Oder daran, dass man als Frau recht unangefeimdet mit einer anderen Frau und einem Mann Hand in Hand durch die Straßen einer weltoffenen Universitätsstadt laufen kann. Die Konstellation weiblich-weiblich-männlich in einer Beziehung ist auch für die meisten Menschen einfacher zu schlucken, als es männlich-männlich-weiblich wäre. Aber um den Polyaspekt des Lebens soll’s hier gar nicht gehen.

Sondern um die zwei Punkte, die mir immer wieder begegnen und mich ein ganz klein bisschen ankäsen.

Erstens bietet man mit Asexualität eines der letzten Refugien, in dem auch sonst sehr offene Menschen aus tiefster Seele und Überzeugung, selbst in den progressivsten Kreisen, unwidersprochen „krankhaft“ sagen können. Denn die Vorstellung, dass jemand so „unnatürlich“ ist, keinen Sex zu brauchen/wollen, ist den meisten Menschen derart fremd, dass es ja „gar nicht sein kann“, dass andere Leute „von sich aus“ so veranlagt wären. Ich höre dann selbst aus den Mündern der BDSM-lastigsten Pan-Swinger, dass ich entweder „in der Kindheit bestimmt missbraucht“ wurde, „nur ein hormonelles Ungleichgewicht“ habe oder es „nur eine Phase“ ist.

Das ist übergriffig und das nervt. Sehr. Und die grey-Ace-Aspekte, die gefühlt 95% aller Asexuellen recht offen leben, werden dann natürlich als Beweis für die kruden Krankheits-Theorien gewertet. „Du guckst gern Porno? Dann hast du ja doch Spaß an Sex und bist normal, nur ein bisschen frigide!“ (ich jetzt nicht. Und wenn, dann ohne Ton, weil ich sonst zu sehr lachen muss) . Seufz. Tja. Da machste nix! Da hilft auch „Ich gucke auch gern Supernatural und habe trotzdem noch keine Gräber geschändet!“ oder „Und Anthony Hopkins frisst Menschen?“ gar nichts.

Bringt mich zu Zweitens. Wenn es so verdammt schwer ist, Leuten zu vermitteln, dass man als Ace (in meinem Falle – es gibt hunderttausende verschieden Ausprägungen, ich kann wirklich nur von mir sprechen) vor sexuellem Kontakt keine Angst hat oder allein vom Gedanken daran kotzen muss, sondern es einfach nur derartig albern und fremdartig (im Sinne von: „Ich mag nicht, dass mein Körper das jetzt tut, weil ich mich sonst für alle Beteiligten wie Hulle fremdschäme“) findet, dass man es nicht möchte. Man kann das mit Volkstanz vergleichen. Machen manche Leute gern, Kostüme sind auch hübsch, guckt man auch mal zu – aber allein die Vorstellung, an so etwas beteiligt zu werden, lässt mich kichern und mich dann schütteln. Ich habe es für die Menschen, die ich liebe, getan (so, wie man mit in die Oper geht, weil der Partner es toll findet, man selbst aber dann in der Zeit das Programmheft auswendig lernt … und sich daran freut, dass ein geliebter Mensch einen wundervollen Abend hat, zu dem man mit purer Anwesenheit beitragen kann) – aber nun habe ich das unendliche Glück, mich ganz auf die romantischen Aspekte meiner Partner konzentrieren zu dürfen, ohne das vage Schuldgefühl im Nacken, dem Gegenüber ein wichtiges Beziehungselement kaputt zu machen. Sehr, sehr erleichternd!

Fazit des mäandernden Schachtelsatz-Klammern-Fiaskos: In den meisten Fällen sollte man selbst guten Freunden nichts erzählen, wenn man Asexuell ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie es akzeptieren (oder auch nur ohne „ich kenne da einen Therapeuten, der …“ tolerieren) ist sehr gering.

Wird vielleicht irgendwann besser.

Das war jetzt ein ganz schöner Seelen-Striptease … aber vielleicht hilft es ja irgendwem weiter, der einen Ace in der Umgebung hat oder selbst vermutet, Ace zu sein. Dann hätte es sich gelohnt!

Ach watt, Leben!, Weniger

Büroarbeit im Stehen, ein Erfahrungsbericht. Teil 1

A Dark Moon has risen

Erster Tag im Stehen. Festgestellt, dass mein Krafttraining offensichtlich hintere Oberschenkel und unteren Rücken vernachlässigt hat.

280 Kalorien zusätzlich verbrannt, ohne auch nur einen Schlag zu tun. Das entspricht einer Stunde Joggen!

Es ist erstaunlich einfach, sich im Stehen mehr zu bewegen. Man webt hin und her, lehnt sich an den Tisch, geht wieder zurück, kann mit der Sabaton-Playlist sogar ein bisschen Tanzen, und selbst kreative Arbeit ist in dieser Haltung gut machbar. Das sollte ich näher ausführen. Natürlich hat Kreativität nichts damit zu tun, ob man sitzt oder steht. Aber diffiziles Zeichnen hatte ich mir in stehender Haltung schwieriger vorgestellt.

Ich kannte so langes Herumstehen bisher nur von meinen Studiums-Nebenjobs im Einzelhandel und vom Helfen bei Frau Schwan. Und das sind nun keine Tätigkeiten, die erfordern, dass man millimetergenau Linien zieht. Von daher geradezu merkel’sches Neuland für mich!

In der ganzen Zeit habe ich mich fünf oder sechsmal für jeweils etwas weniger als eine Minute hingesetzt. Heute habe ich verschärfte Bedingungen, da ich erstens die Muskelermüdung von gestern habe und mir zweitens beim Zehennägelschneiden die Schere ins Nagelbett gerammt habe, weil ich abgerutscht bin. Das hat sich natürlich über Nacht entzündet und nun ist es leicht schmerzhaft, den linken Fuß gleichmäßig zu belasten. Schonen ist aber nicht drin, da das Stehpultprovisorium nicht absenkbar ist. Tja, muss man durch.

Ich habe mir eine Bandage fürs rechte Handgelenk bestellt, weil mir die Arbeit auf dem Cintiq gewaltig auf Erbsenbein oder Dreiecksbein drückt. Mal sehen, wie Polsterung da hilft.

Ansonsten nutze ich weiter die Macht von Greyskull der Pharmazie, um einsatzfähig zu sein. Wenigstens habe ich ein wenig besser geschlafen. Immer noch nicht wirklich gut oder erholsam, aber ich sehe Licht am Ende des Tunnels.

Ach watt, Leben!, Dat Nerdstuff, Training

Selbstliebe und Verwunderung (mit positiver Überraschung)

Genau, ich mache jetzt in Bracket Songs. Was ein Bracket Song ist, weiß ich auch nur dank Max Goldt, der Quelle reichhaltigster Bildung. In den Siebzigern waren solche Songtitel, die durch eine in Klammern gesetzte Addition eine andere Bedeutung bekamen oder weiter erklärt wurden, wohl voll im Schwange. Und das kann ich natürlich auch!

Aber zunächst zur Selbstliebe. Definitiv keine meiner Kernkompetenzen. Aber da sich bei der Metta-Meditation schon so viel um liebevolle Zuwendung dreht, versuche ich jetzt einmal, aus Gedanken Realität zu machen, in dem ich mir jeden Tag aufschreibe, was ich am Tag davor gut gemacht habe. Worin ich mir gefallen habe. Was ich konnte. Zumindest eine Sache pro Tag wird mir da hoffentlich einfallen.

Also, here weg go!

Ich war gestern mit mir zufrieden, weil … ich endlich wieder auf den Zug aufspringen und etwas für mich zeichnen konnte, das mir wirklich gefällt. Das mir während der Fertigstellung so viel Freude bereitet hat wie danach (danach noch ein gutes Haar an einer Illustration finden zu können ist sehr, sehr selten!).

So. Selbstliebe dafür. Ich war gestern eine gute Grafikerin.

Mein Affenhirn rennt im Kreis und will mir erklären, dass ich sportlich gesehen an der Fußleiste entlangkrebse, ich eine sehr unangenehme Aufgabe vor mir herschiebe und ich seit über einem Jahr keine Zeile mehr geschrieben habe (Blog zählt nicht). Aber Affenhirn kann mich mal. Ich mache meinen Frühsport (Crunches, Reverse Crunches, Squats) und ich tobe abends auf dem Stepper. Ja, das ist zu wenig – aber wohin es mich gebracht hat, trotz Schulter zu trainieren, sieht man ja! Das blöde-Sache-Prokrastinieren ist natürlich dämlich. Aber ich gehe es an. Langsam. Mit maximalem seelischen Schmerz. Gegen den Wind und bergauf. Und Schreiben … das wird wiederkommen.

Die Verwunderung resultiert daraus, dass ich völlig vergessen hatte, wie gut mir das Spielen mit der Waldnymphe tut. Wir hatten die letzten zwei, drei Monate nur Playdates in TESO und keine Zeit, unsere Wölfe auch im Pen&Paper weiterzuspielen. Deshalb gab es keine neuen Geschichten und keine Inspiration für mich, etwas dazu zu zeichnen.

Nicht falsch verstehen – Computerspiele sind ein großartiger Zeitvertreib! Man wird dadurch schneller und agiler im Kopf und in den Fingern, man trainiert seine Teamfähigkeit und Problemlösungsstrategien. Man wird sozialer, entspannter, friedlicher und übt vernetztes Denken. Alles in allem das sinnvollste Hobby, das man im Sitzen betreiben kann. Außer natürlich … Pen&Paper. Gerade für nicht-neuronormative Menschen sind die Ausflüge in die Phantasie unglaublich heilsam. Mir hilft es jedenfalls sehr, die verschiedenen Seiten auszuleben oder etwas, das ich gern wäre, zu testen. Einmal so sozial fähig wie Rhys … das wär ein Traum! Mein Wolf ist dahingehend schon als mein Idealbild konzipiert. Er ist das Gegenteil von socially awkward, geht mit Fremden völlig angstfrei und maximal freundlich um, zeigt und nutzt seine Emotionen und betrachtet Scheitern als Chance, von der er wie ein Gummiball zurück in die Spur hüpft. Ganz davon ab, dass ich schon gern manchmal auch die Fähigkeit hätte, zu einem vier Meter großen Danger Floof mit zwanzig-Zentimeter-Klauen zu werden … Außerdem geht Rhys gern auf Parties und macht mit Begeisterung neue Bekanntschaften. Das würde ich echt gern können!

Egal. Zeigt jedenfalls, dass Pen&Paper immer schon sehr, sehr wichtig war, um mich zu erden und mit positiver Energie aufzuladen. Weshalb ich es am letzten Samstag ganz stark genossen habe, wieder zu spielen. Klar, zwischendrin haben wir auch Mage und Vampire gespielt – aber meine Charaktere dort sind eher mein Ist-Zustand. Die geben mir auch viel, aber sind nicht so tief als Wunsch verankert wie Rhys. Und außerdem sind die Wölfe ganz klar das Ding der Waldnymphe und mir. Sie sind unser Escape Plan. Für alles.

Weshalb ich nun glücklich herumschwebe und mich darüber freue, wieder Inspiration für Bilder zu haben. Gestern den oben zu sehenden Jamie. Als Jugendstil-Vignette in Jugendstil-Pastell mit Jugendstil-Märchenhaftigkeit. Weil die Beiden durch einen mehr oder weniger Unfall in einem Feenreich gelandet sind, das ästhetisch sehr Kay Nielsen und Otto Ubbelohde ist. Genau mein Ding.

Noch ein kurzes Update zur Ernährung: Die bleibt auf Haltekurs – immer noch keine Energie dafür, groß Defizit zu fahren.

Ach watt, Leben!

Never go full Vengeful Spirit

Not funny, Winter! Ich möchte jetzt bitte Frühling. #winter #cold

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Wenn man so viel Geduld haben muss und gerade so wenig tun kann, um die eigene Situation zu verbessern, wird man leicht gereizt. Zumindest geht es mir so. Meine Ärztin meint, dass ich meine Angst aus Zorn entwickle. Nicht, wie die meisten Menschen, umgekehrt. Das ist ziemlich bizarr und gibt mir den Hinweis, dass ich vermutlich bald eine Episode mit ausgeprägten Angstattacken haben werde, wenn ich jetzt im Moment so gar nicht mehr weiß, wohin mit meiner Wut.

Einerseits verstörend, da nun wirklich keine gute Aussicht. Andererseits gibt es mir die Möglichkeit, mich vorzubereiten. Und meine Umgebung vorzubereiten. Wobei es mir schwerfällt, meine Liebsten damit zu belasten. Denen gehe ich mit meinem Zorn, meinem Selbsthass und meiner Unberechenbarkeit nun schon seit Wochen auf den Sack. Ich will keine Belastung sein. Also versuche ich erst einmal, die Fassade so lange es geht, aufrecht zu erhalten.

Außerdem übe ich mich weiter in der gut buddhistischen Technik der Achtsamkeit. Ich halte aus verschiedenen Gründen – von Misogynie bis Bigotterie – nicht viel von Buddhismus, aber diese nützliche Nabelschau haben sie drauf! Es fällt mir unendlich schwer, die Gedanken hinter meinen Gedanken zu erkennen und gehen zu lassen. Selbiges mit den Gefühlen. „Respond“ statt „React“.

Ich hoffe, Training bringt da irgendwann einmal etwas. Es ist sehr frustrierend für mich, dass ich mir so „leicht“ körperlich etwas antrainieren kann, es aber bei diesem geistig/seelischen Kram keine Newbie-Gainz gibt. Da ist es eher umgekehrt: Am Anfang unglaublich mühsam, erschöpfend, frustrierend, langsam. Mit zunehmender Übung hoffentlich leichter. Wird zumindest in der Fachliteratur behauptet. Verifizieren kann ich es nicht, da ich es noch nie über die „mühsam, erschöpfend, frustrierend, langsam“-Phase hinaus geschafft habe.

Apropos „körperliches Training“: Anscheinend haben meine Muskeln nun endlich beschlossen, das zu tun, was man von ihnen erwartet, und mich bei eiskaltem Wetter warm zu halten! Noch nicht wirklich so effektiv wie bei der Waldnymphe, die fast nie friert (heute kam nur ein: „zweistellige Minusgrade? Naja, mal kein Röckchen zur Arbeit anziehen“), aber trotz der elenden Temperaturen habe ich nur die Hälfte meiner Wohnräume geheizt und brauche abends nur eine Decke. Gefällt mir!

Klar, langsam kriecht der eisige Ostwind auch bei mir durch die meterdick isolierten Wände … aber das wird ja hoffentlich nicht noch wochenlang anhalten! Auf jeden Fall hier mal ein Dankeschön an meine Muskulatur. Gut gemacht. Mitarbeiter des Monats!

Ach watt, Leben!

Meine innere Stimme ist ein Arschloch

Situation: Wir sind bei der Waldnymphe in der Küche. Selbige räumt noch Geschirr hin und her. Erklärfaun und ich sind eher im Weg, gehen zur Seite. Er lehnt am Tresen, ich an ihm und er umfasst mich von hinten.

EF: Du hast ja ganz schöne Bauchmuskeln. Hier an der Seite und so. Total fest. *drückt darauf herum*

MGs innere Stimme: Völliger Quatsch. Viszerales Fett ist auch fest. Alles nur ausgehärteter Schwabbel.

MG: Das sind nur die Falafel von vorhin.

Keine Pointe.