Angststörung

Meine innere Stimme ist ein Arschloch

Situation: Wir sind bei der Waldnymphe in der Küche. Selbige räumt noch Geschirr hin und her. Erklärfaun und ich sind eher im Weg, gehen zur Seite. Er lehnt am Tresen, ich an ihm und er umfasst mich von hinten.

EF: Du hast ja ganz schöne Bauchmuskeln. Hier an der Seite und so. Total fest. *drückt darauf herum*

MGs innere Stimme: Völliger Quatsch. Viszerales Fett ist auch fest. Alles nur ausgehärteter Schwabbel.

MG: Das sind nur die Falafel von vorhin.

Keine Pointe.

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Schlachtplan versus Schlachtplatte

Rosenmontag Workoutwear #fastnacht #workoutwear #karneval #unicorn

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(Das Wortspiel würde besser funktionieren, würde ich Fleisch essen. Geht aber auch so)

Weiterhin bekomme ich über Kommentare sehr bedenkenswerte Anregungen und die Versicherung, dass andere Leute in vergleichbaren Situationen sind, was einerseits beruhigend ist, andererseits verwunderlich, weil es sonst wenig thematisiert wird. Oder ich bekomme es nicht so mit. Ich lese zwar etliche Blogs zum Thema und folge den loseit- und fatlogic-Subreddits, aber irgendwie bin ich da bisher noch nicht wirklich konkret drauf gestoßen.

Ich versuche es nun damit, das weitere Abnehmen erst einmal aufzuschieben, bis ich die Baustellen „Schulter“ und „Fuß“ aufgeräumt habe. Die Schulter bekommt heute Abend das MRT. Der Fuß wird langsam besser. Dann werde ich mich noch ein paar Wochen konsolidierend auf Training beschränken und dann weiter Kalorien sparen.

Letzte Woche war ich schon defizitfrei, so dass ich versuchen werde, bei „65.000 Kalorien to go“ zu bleiben, bis ich soweit bin. Ich bin dabei mal so esoterisch, auf „ein Zeichen“ meines Unterbewusstseins zu warten, dass es nun soweit ist, die Anstrengung einer längeren Zeit im Defizit anzugehen.

Keine Ahnung, was das sein wird. Dicke Engel sinken posaunespielend vom Himmel. Vögel kommen mit Blütenkränzen angezwitschert. Ein Lichtstrahl badet mich in blendendem Glanz. Ich weiß es nicht.

Bis dahin ersetze ich Süßigkeiten-Eskalationen durch Obst-Eskalationen. Ist kalorientechnisch nicht viel aber ein bisschen besser. Hat diesen Freitag sogar einmal geklappt, weshalb ich heute noch ein paar Kaki kaufen werde. Mit Kaki kann ich gut eskalieren.

Und ebenfalls bis dahin werde ich allem nachgehen, was ich hier als Hinweisen bekommen habe. Insbesondere Stärkung von Willenskraft, Achtsamkeit, Autosuggestion, Selbstwirksamkeit, sich annehmen können. All‘ sowas.

Das wird nicht einfach. Mein natürliches Mindset mir selbst gegenüber ist schwärzest negativ. Mich mir selbst freundlich anzunähern, wird viel Energie verschlingen. Was wiederum von meiner Gesamtenergie für Training undsoweiter abgehen wird. Argh, blöder Teufelskreis!

Aber first things first. Schulter, Fuß, Training, Selbstwirksamkeit/Achtsamkeit/Willenskraft. Und dabei der Versuch, das nicht schon wieder in eine Marathon-Situation mit „ich muss das verdammt nochmal perfekt schaffen, sonst Akopalütze!!“ abgleiten zu lassen.

Puh, nix für Weicheier, diese mentalen Dinge!

Vollversagen, reloaded

Die letzte Woche habe ich ein Gesamtdefizit von 1000 Kalorien geschafft. Also noch 64.000 bis zu meinem Ziel. Und wenn ich ehrlich bin, weiß ich noch nicht einmal, ob es wirklich tausend waren. Von Montag bis Donnerstag habe ich zweitausend als Defizit erwirtschaftet, kein Thema. Und Freitag, Samstag, Sonntag habe ich fast alles wieder zunichtegemacht. Völlig bewusst. Einfach so. Ich kann es nicht erklären. Ich habe in diesen 72 Stunden zusätzlich zu meinen normalen tausend Kalorien noch gegessen: Zwei kleine Dosen gezuckerte Kondensmilch (700), zwei Tafeln Schokolade (1200), drei Schokoeier (450), einen gefüllten Donut (400). Das sind fast dreitausend Kalorien purer Junk. Einfach mal so obendrauf. Und das ist noch konservativ geschätzt! Und dann kam noch Fresserei mit „gesunden“ Sachen hinzu. Ein Becher Erdbeerskyr (196), eine ganze Pomelo (400) …

Und ich weiß nicht einmal, warum. Und die Schokolade und der Donut waren nicht einmal besonders gut. Hussel-Schokolade und Happy Donazz-Donuts waren früher immer super, jetzt waren sie geschmacksneutral und fettig. Was mich nicht daran gehindert hat, das Zeug innerhalb weniger Minuten zu essen.

Da hat es auch nichts genützt, dass ich am Samstag viel trainiert habe und mir einen neuen Stepper zugelegt habe, der viel fordernder ist als der alte (und ja, ich habe ihn auch benutzt. Jeden Tag so eine halbe Stunde während Supernatural). Denn selbst mit viel gutem Willen hat das alles zusammen nicht mehr als 800 Kalorien rausgeholt. Soll heißen: Ich schaff’s mal wieder nicht. Ich sabotiere mich nach Strich und Faden selbst, um dann zufrieden festzustellen, was für ein wertloses Stück verschwendete Gelegenheit ich doch bin. Selbsterfüllende Prophezeiung für Masochisten. Ich ekle mich gerade maximal vor mir selbst und versinke gleichzeitig in Selbstmitleid.

Ich glaube, ich sollte den Plan, noch einmal zehn Kilo abzunehmen, einfach aufstecken. Das verursacht mir derzeit so viel Leid und Stress, was dann in extreme Reaktionen mündet. Das ist es nicht wert.

Aber will ich mich weiterhin erschrecken, wenn ich vorm Spiegel stehe?

Ich fühle mich derzeit durch und durch gestresst und unwohl. Ich will gerade gar nichts und mich einfach nur zu einem Ball zusammenrollen. Ich verachte meine Willensschwäche zutiefst und weiß nicht, wie ich wieder in die Spur kommen kann. Ich habe das Gefühl, dem wieder-fett-werden hilflos ausgeliefert zu sein, weil ich zu blöd bin, mich am Riemen zu reißen.

Unschön, sehr unschön.

Von wegen „das wird mit der Zeit“. Ja, es wird schlimmer! Es ist wohl doch wahr – 95% aller Menschen schaffen es nicht, das abgeworfene Gewicht auch unten zu halten. Wie konnte ich auf die Idee kommen, zu den 5% zu gehören, die stabil, willensstark und entschlossen genug sind, es zu schaffen? War doch klar.

Darkness called… But I was on the phone, so I missed him.

The wind of heaven is that which blows between a horse’s ears.

I tried to *69- Darkness, but his machine picked up. I yelled „Pick up the phone, Darkness!,“ but he ignored me. Darkness must have been screening his calls.

Genug Warcraft. Aber Dunkelheit stimmt schon. Ich weiß nicht, was es ausgelöst hat – zu wenig Schlaf, die abklingende Krankheit, zu wenig Sport … – aber seit gestern stemme ich mich mal wieder gegen einen Depressionsschub. Und bin ärgerlich, dass es mir überhaupt noch passiert. Was natürlich ein sehr gutes Zeichen ist, in den grauen Momenten aber nicht wirklich hilft. Ich treibe durch den Tag, halte mich an Routine fest und greife nach Strohhalmen.

Mann, ich sollte doch schon lange wieder völlig gesund sein …

Naja, ich muss durch. Da hilft nichts. Die graue Ebene liegt vor mir und ich robbe ganz langsam hindurch. Um mich herum nur Nebel und Gestrüpp, aber ich mag nicht mehr liegenbleiben. Immerhin habe ich Leuchtfeuer …

  • Ab Februar dürfte es abends hell genug sein, dass ich unter der Woche wieder laufen kann.
  • Am Wochenende treffen wir uns mit J1 und D. und das ist immer sehr schön.
  • Ich kann am Freitag meine Space Wolves weiterbasteln.
  • Ich habe es geschafft, den Arzttermin zu machen, obwohl sich alles in mir dagegen gesträubt hat.

Leider steht dem Positiven aber auch erdrückend viel gegenüber, das mich nach unten zieht …

  • Ich habe das Gefühl, trotz heftiger Bemühungen abnehmtechnisch auf der Stelle zu treten. Ich weiß nicht, woran es liegt. Ob ich mich selbst sabotiere, ob ich einfach Pech habe – keine Ahnung!
  • Ich bekomme Kleinigkeiten nicht mehr geregelt. Meine Wohnung verwahrlost langsam vor sich hin und ich schaffe es maximal, Staub zu saugen und die Spülmaschine loszuschicken.
  • Ich sehe die Zukunft nicht mehr wirklich klar. Ich weiß nicht, wo ich hinmöchte. Soll es jetzt so weitergehen und irgendwann stirbt man?
  • Was ist, wenn der Arzt sich weigert, mir diese Sonarzertrümmerung zu machen? Oder meine Krankenkasse es nicht bezahlt? Dann kann ich auf mittlere Sicht keinen Sport mehr machen. Und dann … weiß ich echt nicht mehr weiter.
  • Ich traue mir selbst nichts mehr zu. Ich hänge auf der Arbeit an einer Coverillustration und möchte einfach nur kotzen, weil ich so schlecht bin. Das sieht aus, wie vom Sonderschulkindergarten. Und ich weiß, dass ich es nicht besser kann.
  • Wie schaffen es Leute, dass andere Menschen sie mögen? Ich habe das Talent, jeden so zu befremden, dass nur ein ganz harter Kern an Freunden übrigbleibt, die mich nicht für eine arrogante, snobistische, unangenehme, elitistische, taktlose Bitch-with-attitude halten. Gerade auf der Arbeit merke ich das sehr deutlich. Ich versuche, nett und zugänglich zu sein. Und trotzdem vermeiden mich 90% der Leute und gehen lieber zu meinem netteren Kollegen, selbst wenn sie Fragen zu meinen Projekten haben. Das verletzt ganz schön, vor allem, weil ich ja schon mein Bestes gebe … und damit gnadenlos versage. Ich habe schon mit meiner Ärztin darüber gesprochen und sie meinte, dass es im professionellen Umfeld tatsächlich nur wenige Leute gibt, die respektiert und geliebt werden. Bei den meisten ist es immer entweder „geliebt und dafür wie ein Fußabtreter behandelt“ oder „gefürchtet und respektiert“. Ich weiß nicht, ob ich den Fußabtreter-Part (den ich bei meinem Kollegen tatsächlich beobachte – die Leute, die ihn so mögen, nehmen ihn meistens nicht ernst) möchte. Aber anscheinend kann man den Kuchen nicht essen und behalten. Was ich am Ende möchte …? Ich bin ratlos.

Wie man sieht – kein guter Punkt, an dem ich derzeit stehe. Es hilft nur, sich an Ritualen aufzurichten. Immer das Gleiche tun. Immer das Gleiche essen. Abfolgen. Reihung. Normalität. Und vielleicht (sicher! Hoffentlich!) erreiche ich dann das andere Ende der grauen Ebene.

Katzen versus Bodyweight

Tag zwei von „Plank statt Bench-Dips“. Zumindest haben Planks den Vorteil, dass man sofort merkt, wenn man die Schulter belastet. Warum auch immer schmerzt das Ganze statisch mehr als in Bewegung. Aber langsam reicht’s mir wirklich! Ich will und werde Sport machen. Was soll schon schlimmer werden als jetzt? Dann muss ich eben doch operiert werden – na und? Dann hat das Drama ein Ende.

Also weiterhin Planks. Diese aber, anders als die Dips, schon direkt nach dem Aufstehen zu Hause auf der Yogamatte, sobald ich mich fertig geschleimrollt habe.

Was dazu führt, dass meine Katze nun noch viel begeisterter von diesen Aktivitäten ist. Hat sie schon vorher mein Faszientheater jeden Morgen mit Interesse und des Öfteren auch mit einem beherzten Sprungangriff (ohne Krallen, das ist sichtlich nur Spiel) verfolgt, so sind die Planks nun das ganz große Kino für Butzel. Spätestens zehn Sekunden nachdem ich mich aufgebockt habe (was einem natürlich schon wie eine halbe Stunde erscheint), kommt sie ins Arbeitszimmer gerast und nimmt Anteil. Entweder, indem sie mir die Haare zur Seite tatzt oder in dem sie mir den Arm leckt. Oder durch einfaches, schlichtes Anfallen.

Irgendwie ist alles, was auf dem Boden auf Matten stattfindet, für Katzen die beste Unterhaltung und sie fühlen sich verpflichtet, helfend oder störend einzugreifen. Prinzipiell auf jeden Fall in Ordnung. Es ist lustig, macht mir die Übung nicht kaputt und lenkt davon ab, dass mir die Bauchmuskeln zittern.

Jap, zittern. Dafür, dass ich nun schon eine ganze Weile Krafttraining mache, mir Ausdauer angeschafft habe und auch sonst relativ fit bin, fallen mir Planks geradezu absurd schwer. Ich schaffe nur mit äußerstem Hängen und Würgen die für Anfänger vorgeschlagenen dreißig Sekunden. Und davon auch keine sechs Wiederholungen, sondern nur drei. Ich bin so ein Wabbelwal! Aber aller Anfang ist schwer und wenn man sieht, wie schnell ich beim Seilspringen Fortschritte gemacht habe (wenn ich derzeit auch bei maximal hundert bis hundertfünfzig Sprüngen, bevor ich hängenbleibe, stagniere), habe ich für die Planks Hoffnung, bis nach dem Urlaub über die dreißig Sekunden zu kommen. Denn im Urlaub weiß ich noch nicht, ob ich mich der Konfrontation mit den Nachbarn aussetze und Seilspringe, oder doch lieber andere Übungen mache. Auf jeden Fall natürlich ausnutzen, dass ich zu ungewöhnlichen Zeiten ins Gym kann, wenn es schön leer ist. Also mehr Geräte und Free Weights. Aber zu Hause möchte ich natürlich auch etwas tun. Planks und Seilspringen wäre toll … aber da kommt wieder die Angststörung angehoppst und teilt mir mit, dass ich das nicht hinbekommen werde, weil ich Angst davor habe, dass die Olle von unten wieder rumheult. Planks sind leise und unauffällig. Die gehen.

Andere Übungen. Definitiv. Verdammt.

Niedlichkeit, Bench-Dips und immer noch Hüpfen

A dark moon rising

Hier war vorher eine Zeichnung. Aber ich will niemanden mit zu Explizitem auf den Wecker fallen, also gibt’s lieber ’nen harmlosen Werwolf. 🙂

Ich wurde mir gestern bewusst, dass ich mit meinen drei Sätzen Bench-Dips tatsächlich jeden Tag 75 Stück davon mache. Das war ein ganz schöner „Wow!“-Moment. Fünfundsiebzig! Das hat sich so langsam reingesteigert. Dazu dann noch jeden Tag 600 Sprünge mit dem Seil, die immer zügiger laufen, obwohl ich sie im Moment sogar in schweren Winterstiefeln (also meinen Springern – Nomen est omen!) mache. Ich liebe es, wenn man merkt, dass man in einer Sportart Fortschritte macht! Wenn die Technik selbstverständlicher wird. Wenn man sich nicht mehr nur darauf konzentrieren muss, überhaupt die Grundform der Übung hinzubekommen, sondern sich langsam daran macht, das Ganze besser aussehend und effektiver werden zu lassen.

Bleibt die Tatsache, dass mir Bodyweight immer mehr Spaß macht, während ich immer widerwilliger ins Gym gehe, weil dort so viele Leute sind. Das ist keine Entwicklung, die ich so haben möchte! Das spielt nur der Angststörung und sozialen Phobie in die Hände. Ich muss unter Menschen. Muss aus meiner Comfort Zone heraus. Denn wie wichtig es ist, mich immer wieder über die aktuellen Grenzen hinaus zu fordern, sehe ich ja an der Katze: Hat mich Butzels pure Anwesenheit zu Beginn maßlos gestresst, freue ich mich jetzt jeden Abend darauf, wenn sie angelaufen kommt und es ist unglaublich erholungsfördernd, dass sie zumindest einen Teil der Nacht bei mir im Bett schläft.

Was mich zur Niedlichkeit bringt: Heute Nacht bin ich irgendwann aufgewacht und sie lag neben mir. Auf der Seite und so weit unter der Decke, dass nur Kopf und Vorderpfoten herausgeschaut haben. Also ein perfektes Spiegelbild zu mir. Das fand ich absolut entzückend. Natürlich kein Foto gemacht, weil das Telefon nachts nicht im Schlafzimmer ist.

Egal wie: Ich habe mich mit Butzel als neuen Faktor in meinem Rückzugsort nicht nur arrangiert, sondern sie aktiv integriert. Was bedeutet, dass es wichtig und richtig ist, der Angst und dem Zorn die Stirn zu bieten.

Und deshalb sollte ich auch mehr ins Gym gehen und nicht immer allein vor mich hin trainieren. Ich habe mich schon dazu durchgerungen, entgegen meines ersten Impulses, nächstes Jahr mit Waldnymphe und Erklärfaun auf einen Einladungscon zu gehen, auf dem ich nur eine Handvoll Leute kenne, da sollte es auch noch drin sein, sich den doch immer gleichen Besuchern des Gym zu stellen.

Die Unruhe vor dem Sturm

Ein Story-NSC der Waldnymphe. Kyle, der Satyr.

Ich hasse es, wenn ich merke, dass sich die graue Ebene anschleicht. Dann bin ich mal wieder von mir enttäuscht, dass ich nach zwei Jahren Therapie immer noch nicht gesund und voll funktionsfähig bin. Die Waldnymphe sagt immer, sie fände es erschreckend, wie selbstoptimierend der Erklärfaun und ich immer sind. Weil sie glaubt, wir würden diese Maßstäbe auch bei anderen Menschen anlegen.

Tun wir nicht. Definitiv nicht. Wir … nein, ich spreche mal besser nur für mich selbst. Ich bin ein Mängelwesen. Umgeben von Leuten, die ihr Leben im Griff haben. Die gemocht werden, weil sie nett, angenehm, klug, gutaussehend, charismatisch sind. Und dann komme ich. Der Gollum. Der immer besserwisserisch, arrogant, linkisch rüberkommt. Der auf Feiern nicht auftaucht, in der Küche steht oder schon nach einer Stunde wieder geht. Der verhaltensoriginell ist, komisch redet und Witze nicht kapiert. Klar, dass ich mich viel mehr anstrengen muss, um auch nur grenzwertig toleriert zu werden. Klar, dass mich niemand von sich aus einfach mögen kann. Bestes Beispiel: Die seltsame Kollegin, die vor Wochen irgendeine völlig harmlos/lustig gemeinte Bemerkung meinerseits – einer dieser Versuche, mit normalen Menschen zu kommunizieren, in dem ich deren Sprachmuster kopiere – in den völlig falschen Hals bekam, mich anschrie und seitdem völlig ignoriert. Kein Witz.

Das soll nur verdeutlichen, dass ich mir dergleichen nicht einbilde. Es passiert. Es ist Realität.

Soll heißen, dass ich das Problem bin. Nicht hunderte von Geisterfahrern, sondern nur einer: ich. Und deshalb muss ich mich optimieren. Alle anderen sind perfekt und funktionsfähig. Ich nicht.

Das ist sehr anstrengend. Ständiges Zusammenreißen zehrt. Und führt manchmal dazu, dass ich überdrehe und irgendwann nicht mehr kann. Was der grauen Ebene Gelegenheit gibt, an mich heranzurobben. Und wenn ich nicht aufpasse wie ein Schießhund, kriegt sie mich und ich stecke wieder für Tage, manchmal Wochen (zum Glück immer mehr eher „Tage“. Dahingehend ist die Therapie ein Erfolg) in einer depressiven Episode. Komplett mit hübschen Angstattacken.

Gerade ist es wieder soweit. Ich habe mich selbst in die Ecke manövriert, in dem ich mir ernsthaft überlege, nach zehn Jahren tatsächlich mal bei einer Firmenweihnachtsfeier anzutanzen. Weil der Termin gut liegt. Das ginge doch. Und würde das nicht positiv auf die Leute Eindruck machen? Könnte ich so nicht beweisen, dass ich dazugehöre?

Zack, Gehirn dreht hohl.

Schon oft gesagt, gern wiederholt: Geisteskrankheit ist kein Spaziergang im Park!