Ach watt, Leben!, Dat Nerdstuff

Willpower-Punkte ausgeben

The Sorcerers Crusade Sheet

Die zahlreichen Antworten (Danke!) auf meinen letzten Post haben mich zum Nachdenken angeregt. Über begrenzte Mengen, über Überforderung. Darüber, wie man aus einer egomanischen Spirale kommt – und ob sie überhaupt existiert.

Die Sache mit dem begrenzten täglichen Willenskraft-Pool erscheint mir absolut logisch. Und sehr gut verständlich. Bei meinem lieblings-P&P-System, der World of Darkness, hat jeder Charakter von Erschaffung an eine bestimmte feste Menge an Willenskraft (diese kann man später im Spiel noch steigern, das ist aber für diesen Vergleich erst einmal uninteressant). Diese Menge verändert sich ständig, wenn sie auch nicht über den maximalen festen Wert hinausgehen kann. Die Veränderung erfolgt dadurch, dass man einen Punkt temporär ausgeben kann, um sich bei einer Aufgabe einen automatischen Erfolg zu kaufen. Ein Erfolg stellt meistens das absolute Minimum dar, das man braucht, um etwas zu schaffen.

Konkretes Beispiel. Oben sieht man einen Ausschnitt aus dem Charakterblatt meines Magus Hermanos (Manos ist eher „nach mir“ geschaffen als mein Wolf Rhys, deshalb ist er das bessere Beispiel). Hermanos hat – umkringelt sichtbar – fünf Punkte Willenskraft. Gehen wir davon aus, dass Hermanos mitten in einer regnerischen Novembernacht zusammen mit seiner Kollegin Allegra um eine Ecke rennt, um seinen Freund Akeem zu retten, nicht aufgepasst hat und deshalb nun plötzlich Nase an Nase mit einem der eher rustikalen Schergen des Gegenspielers steht … dann braucht er jetzt ganz dringend einen Erfolg, um so aus dem Nichts einen Zauber zu wirken. Denn eigentlich benötigt seine Magie ja Berechnung, die heilige Geometrie und dergleichen. Also etwas Zeit. Hat er aber nicht. Also setze ich, weil ich meinen verträumten Magus lieber mit Kopf auf den Schultern mag als ohne, einen Willenskraftpunkt ein. Reduziere seinen temporären Pool damit auf vier. Unabhängig vom Würfelergebnis habe ich für Manos jetzt also einen Erfolg schon einmal in der Tasche – keinen gloriosen Erfolg (dazu müsste ich dann noch gut würfeln) aber es wird klappen, dem Schergen einen Blumentopf vom Fensterbrett über ihm auf die Zwölf fallen zu lassen. Muss ich in nächster Zeit noch mehrmals auf so ein Hilfsmittel zurückgreifen, wird Manos’ Willenskraft immer weniger, bis er völlig erschöpft ist und nichts mehr groß tun kann, weil er zu keiner Entscheidung mehr fähig ist. Als ich Manos erschaffen habe, habe ich festgelegt, dass seine Natur „Architect“ ist – er also Dinge schaffen, aufbauen will. Das gibt ihm Willenskraft zurück. Um wieder ganz frisch und erholt zu sein, seinen Pool wieder bis zum Rand gefüllt zu haben, muss er deshalb in nächster Zeit seiner Natur folgen. Es muss ihm zum Beispiel gelingen, mit seinen Freunden den Coven weiter aufzubauen, vielleicht an seinem Familiar weiterzuarbeiten, dieses Astrolabium mit allen zehn Planeten fertig zu basteln, Allegras Radschlosspistole zu perfektionieren (Im Jahr 1499 ist eine Radschlosspistole futuristischer Hightech) …

Und wenn man nun meinen Ausführungen bis hierhin gefolgt ist, obwohl man an P&P nicht interessiert ist, kann man trotzdem erkennen, wie nahe an der Realität das Ganze ist. Ich habe meinen Willenskraftpool. Und ich habe ihn nach und nach geleert. Und irgendwie schaffe ich es gerade nicht, ihn wieder aufzufüllen. Auch ich muss dafür Dinge schaffen – hauptsächlich Bilder und Geschichten. Ich beziehe meine Willenskraft aus rein solitären Aktivitäten. Aber aus welchen Gründen auch immer, geht das im Moment nicht. Ich hänge fest und drehe mich hilflos um mich selbst. Und jeder Tag kostet wieder Willenskraft. Ich laufe leerer und leerer und muss immer vorsichtiger sein.

Und es hilft nicht, dass ich mit diesem um-mich-selbst-Kreisen meinen Liebsten auf den Sack gehe und sie von mir wegschubse. Ich habe das Gefühl, ich kann nichts festhalten, was ich in den letzten Jahren mühsam aufgebaut habe. Und da dachte ich, nach den zehn mageren Jahren kämen nun endlich die zehn fetten. Aber da habe ich mich anscheinend geirrt. Zehn magere, anderthalb fette, dann wieder mager. Das ist nicht gerecht. Und dass ich selbst daran schuld bin, weil ich mich weinerlich selbst sabotiere und ihn Selbstmitleid wälze, hilft auch nicht.

Fuck.

Dieser Einblick in das Innere einer geisteskranken Person wurde gesponsert von der Generaldirektion für Hahnebüchenes der EU-Kommission.

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Ach watt, Leben!, Training, Weniger

Everyday is Legday

Timebandit
Zumindest in nächster Zeit für mich. Denn der Besuch beim Orthopäden rangiert auf der nach oben offenen Hilfreich-Skala bei minus 25. Als ich in der Praxis ankam, standen die Leute schon bis zur Treppe. Es wurde nicht besser, als man dann zum Warten in den Flur vor die Behandlungsräume verteilt wurde, weil sonst kein Platz mehr gewesen wäre. Ja, das deutsche Gesundheitssystem funktioniert! Ein Grund mehr, Beschwerden zu verschleppen. Lieber krank als mit so vielen fremden Menschen eingepfercht zu sein! (Danke, soziale Phobie! Danke, Agoraphobie! Ihr seid ein Spitzenteam und macht’s mir in so vielen Situationen leichter!)

Jedenfalls kam ich irgendwann dran und ich hatte exakt anderthalb Minuten mit dem Arzt. Er hat mich nicht einmal untersucht. Ich habe eine Überweisung zum Radiologen bekommen für eine Tomografie, weil man ja ganz sicher sein muss, dass es auch eine Kalkschulter ist. Neben einem gesalzenen „WTF?!“ für das Verhältnis Warte- zu Patientenzeit auch ein „Ääääähhh …“, denn wenn er sich unsicher ist …. warum hat er es nicht abgeklärt, als ich das erste Mal damit ankam? Vor einem halben Jahr also … ein halbes Jahr, in dem ich Schmerzen hatte … Ganz großes Kino.

Und die kurz angerissenen Alternativen („Meine Damen und Herren – wir haben doch keine Zeit!“) waren – entweder die Behandlungen mit Erfolgsaussichten aus eigener Tasche bezahlen oder mich bei einer OP mit einer gar nicht mal so kleinen Chance zum Krüppel schießen lassen. Aber dafür wenigstens von der Krankenkasse bezahlt!

Echt jetzt … vierhundert Euro frisst mir jeden Monat die Krankenkasse aus dem Gehalt. Und das … dafür?

Ich war nicht unbedingt gut gelaunt, als ich die Praxis wieder verlassen habe. Unter anderem auch weil ich, während ich wartete, direkt auf einen Ganzkörperspiegel starrte und der mir sehr unbarmherzig zeigte, was für ein fetter, wabbliger Wal ich bin. Sehr, sehr unattraktiv. Da müssen mindestens noch zehn Kilo runter. Dann wäre ich ganz haarscharf vor Untergewicht. Aber ich sehe so furchtbar aufgedunsen und eklig aus, das kann so nicht bleiben. Wenn man vorm eigenen Anblick zurückzuckt, muss etwas getan werden.

Zum Glück bin ich dabei. Defizit läuft. Mehr oder weniger. Ganz 500 schaffe ich praktisch nie. Aber ich halte die 450 bis 500 dafür vermutlich auch die nächsten paar Monate durch. Ich schätze bis zum Herbst, wenn ich insgesamt zehn Kilo weghaben will. Zehn Kilo sind rund 70.000 Kalorien. Das würde jeden Monat ungefähr 10.000 Kalorien Defizit bedeuten. Oder 2500 die Woche. Machbar.

Der Muskelaufbau wird mir wie üblich etwas reingrätschen – aber da ich sowieso „auf Sicht“ abnehmen möchte (also nicht wiegen, nur Klamotten und eventuell Maßbänder), wird es mich weniger belasten als zu Zeiten, als ich noch rein über Waage kontrolliert habe.

Nach dem Arzttermin bin ich dann ins Gym. Das erste Mal Sport nach der Erkältung. Die immer noch nicht ganz weg ist. Aber ich wollte nicht mehr warten und musste mich nach dem Frust einfach bewegen …

Ich habe mir ein reines Bein-Rumpf-Programm gebastelt. Davor ein bisschen Cardio und dann war’s auch wieder gut. Nicht einmal Squats kann ich mehr machen, weil ich dazu ja schließlich die Stange auf dem Nacken halten muss und mir das an der verdammten Schulter auch wehtut. Also Legpress (ich war so sauer, dass ich auf zwei Sätze 116 Kilo gegangen bin und nun meine Kniescheibe wieder knackt), Hüft-Ad/Abduktoren, Crunches in jeder Form und Hamstrings.

Ich werde also meine ganzen, mühsam aufgebauten und mir echt gut gefallenden Schultermuskeln nach und nach verlieren, weil ich nichts für ihren Erhalt tun kann. Ja, die moderne Medizin hat’s echt drauf!

Wo bleibt mein Cyber-Gelenk?

Ach watt, Leben!, Ernährung

Vorbereitungen. Nicht ganz richtig im Kopf und so.

Druck
Noch nicht fertig, da fehlen noch Accessoires.

Die Wölfe für die neue Futter-Abwechslungs-Kategorie sind in Arbeit. Brauchen nur noch einen catchy Titel. Daran arbeite ich noch (Vorschläge sehr willkommen!). Heute Mittag werde ich das erste „esse ich selten oder habe ich sogar noch nie gegessen“-Ding kaufen. Ich bin gespannt, was es wird. Dazu begebe ich mich extra zum Voldemart (damals, als Walmart versuchte, in Deutschland Fuß zu fassen, war dieser Supermarkt kurzfristig ein solcher und wir haben ihn mit der bösen Bezeichnung belegt – „der Markt, der nicht genannt werden darf“ – und gemieden. Walmart ist schon lange wieder weg aber der Name blieb hängen). Naja, nicht extra deswegen. Für gutes Obst und Gemüse begebe ich mich lieber zum Gemüsemenschen in der Fußgängerzone. Aber ich brauche noch ein paar andere Dinge, die es beim Aldi nicht gibt. Und weil der Voldemart auf dem Weg von der Arbeit nach Hause liegt, kehre ich eben dort ein.

Unnötig langer Exkurs für eine einzelne Sache: Werde selten Gegessenes/Neues kaufen. Werde Montag die Wölfe berichten lassen. Wölfe brauchen Teamnamen.

Ich freue mich auf die Herausforderung. Und es wird mir guttun, etwas diversifizierter zu essen. Sollte ich mir in Habitica eintragen.

Eine ganz andere Herausforderung steht für morgen an. Zum ersten Mal seit fünf Jahren lasse ich jemanden in meine Wohnung, der nicht meine Eltern ist. Klingt beknackt? Ist es auch. Aber eine fette Agoraphobie kann sich auch darin äußern, dass man Angst hat, andere Menschen ins „Sanctum“ zu lassen. Völlig egal, wie nahe sie einem stehen. Das ist eng mit anderen sozialen Angsstörungen verknüpft und bedeutet im Prinzip, dass man davon überzeugt ist, die Wohnung sei einerseits „heilig“ und niemand dürfe sie betreten, andererseits aber auch so eklig, dass man sie niemandem zumuten könne.

Beknackt, ich weiß. Verrückt sein ist nix für Weicheier.

Ich bin weder ein Messi (ich werfe unheimlich gern Dinge weg!) noch ist es besonders schmutzig bei mir (wenn ich auch, um Max Goldt zu zitieren, froh bin, dass dreckige Fenster nicht stinken. Fensterputzen ist mir eine Qual). Aber es kommt mir trotzdem furchtbar vor.

Aber mittlerweile bin ich mit meiner Heilung/Therapie an einem Punkt, dass ich das unbedingt ändern möchte. Morgen ist dafür die perfekte Gelegenheit. Es ist Lichterfest im Schlossgarten. Voller Napf tanzt dort mit ihrer Ballettschule. Die Waldnymphe und ich werden zuschauen und Hurra rufen (der Erklärfaun ist auf einem Con). Und da wäre es ja dämlich, nicht vorher bei mir einen Picknickkorb vorzubereiten ….

Ich hoffe, ich kriege das hin. Es muss einfach mal klappen. Ich brauche ein Erfolgserlebnis in meiner Entwicklung. Drückt mir die Daumen!

Außerdem dieses Wochenende: Grillen mit J1 und D. Immer ein Fest! Und ein Garant dafür, dass ich zusätzlich zur noch zu erwerbenden Frucht/Gemüse-Novelty auf jeden Fall etwas essen werde, das ich sonst nicht bekomme. Denn niemand findet mehr abstruse neue Lebensmittel als J1!