Ach watt, Leben!, Dat Nerdstuff, Ernährung, Training, Weniger

Suchtanfällig

Die Abkühlung kam noch nicht ganz an. Bei mir in der Wohnung sind’s immer noch dreißig Grad, trotz die ganze Nacht offenen Fenstern. Deshalb konnte ich mich noch nicht zu langen Hosen durchringen und habe den Kompromiss „Hotpants mit Leggins“ geschlossen. Auch nicht zu kalt. Und statt Tanktop normales T-Shirt. Am Wochenende muss dann aber wohl doch mindestens ein Jäckchen dazukommen.

Ich fürchte, ich bin tatsächlich leicht abhängig zu machen. Nicht von Alkohol (schmeckt nicht), Zigaretten (stinken) oder Drogen (triggern nur heftige Panikattacken, das macht keinen Spaß), aber Dinge, die ich genieße, muss ich bis zum Exzess und über die Schmerzgrenze hinaus haben. Und bis zur sozialen Isolation.

Was Essen angeht, bin ich da vermutlich mit den meisten (Ex-)Übergewichtigen in guter Gesellschaft. Zu viel Essen betäubt auf angenehme Weise und gutes Essen ist auch in größeren Mengen ein Genuss. Zwar merke ich, dass mir (billige) Schokolade tatsächlich nicht mehr so gut schmeckt wie früher (das fettige Mundgefühl stört mich mittlerweile ein wenig), aber das hindert mich nicht daran, alle Schokolade aufzuessen, die ich habe. Weshalb ich eben keine habe. Lässt sich also umgehen.

Inzwischen bin ich eine der Personen, die völlig ungewollt den Mythos „kann alles essen und nimmt trotzdem nicht zu“ erzeugt. Denn ich esse in Gesellschaft wie der letzte Mensch: Fett, Zucker, Salz, Weißmehl in Unmengen. Da geht gern mal ein komplettes Tagesbudget an einem Nachmittag oder Abend rein. Dass ich zu Hause keine Süßigkeiten oder Backwaren habe und unter der Woche wenig esse und viel Sport mache, sieht man von außen natürlich nicht.

Früher, als ich noch dick war, habe ich genauso gegessen. Aber eben zu Hause auch.

Diese Suchtbaustelle habe ich also einigermaßen im Griff. Sie ist noch da und ich muss beim Einkaufen sehr aufpassen. Besonders der Samstagmorgen-Einkauf nach dem Sport (da komme ich im Prollo-Kaufland vorbei, um all’ das zu kaufen, was es beim Lidl nicht gibt) ist problematisch. Nach dem Training habe ich Appetit und dann umgibt mich im Laden regalweise Süßkram … schwierig!

Aber prinzipiell läuft es da. Mit Stolperern, aber ich bleibe zäh.

Bleiben noch die Süchte, die so gut mit meiner Angsterkrankung Hand in Hand gehen.

Ich liebe MMOs. Nicht, dass ich dort außer mit Freunden Gruppencontent machen würde – aber ich kann mich stunden-, tage- und wochenlang in diesen riesigen Welten verlieren. Ganz für mich sein und nicht aus dem Haus gehen.

Als meine Angst/Depressionskombi auf dem Höhepunkt war, lief jedes Wochenende so ab: Freitagmittag einkaufen, heimkommen, Computer einschalten und abtauchen. Montags dann wieder zur Arbeit. Ich habe mehr als 48 Stunden meine Wohnung nicht verlassen. Regelmäßig. Und Freunde angelogen und abgewiesen, nur um so zurückgezogen sein zu können.

Ist zum Glück vorbei. Therapie und ein stabiles, helfendes Umfeld haben mich gerettet. Nicht, dass ich jetzt eine Partysau wäre (der Erklärfaun und ich haben das Credo: Die echte Party ist immer in der Küche!) und nicht, dass nicht jede Verabredung und jeder Termin eine Anstrengung und Herausforderung wären … aber ich nehme sie an. Ich pflege Freundschaften und verlasse meine Comfort Zone.

Und dann kommt Blizzard mit einer Hammer-Erweiterung für WoW um die Ecke und plötzlich ist wieder 2005 und ich suche in den Barrens Mankriks Frau (wer diesen Uralt-Witz versteht, war damals dabei!). Ich ertappe mich, wie ich eine durch Stau um eine halbe Stunde verlängerte Heimfahrt als Grund nutze, statt ins Training lieber nach Azeroth zu gehen. Nicht gut!

Ich muss mich sehr beobachten und an der Leine halten, um nicht wieder völlig im Spiel zu versinken. Mir ständig sagen „läuft nicht weg, das kannst Du auch nächste Woche/nächsten Monat noch machen“.

Methadon ist, dass ich meine Charaktere zeichne. Lenkt ab, ist kreativ. Und ich werde dieses Wochenende nicht zu Hause sitzen. Ich werde mit den Liebsten Qualitätsfreitag haben, Sport machen, Mealpreppen, Warhammer Killteam spielen, Pizzabrot essen (viel besser als Pizza!) und Werewolf spielen.

Ich werde am Sonntag auch ein wenig alte Trollruinen erforschen oder Cthulhu-eske Kulte zerschlagen – aber eben nur ein wenig. Ich schaffe das!

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Ach watt, Leben!

Leben mit Angststörung. Folge 456 ….

The Pale Horse

… oder Folge 24, 678 oder was-weiß-ich.

Ich hasse es, dass ich nichts aushalte. Ich stolpere durch stressige Zeiten, reiße rechts und links Porzellan zu Boden und irgendwann falle ich mit dem Gesicht auf den Boden. Es gibt kein Entkommen. Ganz egal, wie fest ich davon überzeugt bin, dass ich diesmal, dieses eine-erste Mal, alles geregelt bekomme und unbeschadet auf der anderen Seite heraustaumle, die Realität holt mich ein und schlägt mir aufs Mett.

Gestern war Breaking Point. Gestern bin ich nach wochenlangem „alles fein, ich schaffe das! Alles prima! Guck, ich lächle!! Ich habe das im Griff!!! Nein, ich brülle nicht!!!“ zusammengeklappt. Die Krankheit der Katze, der Stress auf der Arbeit und das Gefühl, dass ich mit meinen Sorgen allein bin haben mich erwischt und ich habe mich in jeder sozialen Situation konsequent unmöglich aggressiv benommen. Wenn das mal keinen nachträglichen Ärger gibt, hatte ich mehr Glück als Verstand.

Aber ich konnte nichts tun. Jede Situation erschien mir völlig logisch und kontrolliert, aber zwei Minuten später wurde mir klar, dass mich meine Angst vor gerade restlos Allem in einen unerklärlichen Zorn geritten hat. Dass ich Dinge gesagt und getan habe, die man niemals tun darf, wenn einem an gesellschaftlichem Umgang auch nur das Geringste liegt.

Vermutlich verliere ich nicht meinen Job – aber es ist wieder ein Nagel im Sarg, dass ich niemals eine Führungsposition ausfüllen können werde, weil natürlich niemand eine unberechenbare Cholerikerin zum Art Director macht. Das macht mich schon wieder wütend. Auf mich.

Und heute geht es genau so weiter. Ich reagiere über, bin zornig, ängstlich, müde (mal wieder kaum geschlafen) und tief verzweifelt.

Warum mache ich keine wirklichen Fortschritte? Warum kann ich keine Meditation, egal wie sehr ich übe? Warum treibe ich jeden, an dem mir etwas liegt, mit meiner unmöglichen Art von mir weg?

Ist schon klar – es ist selbstverletzendes Verhalten. Aber nicht als Druckausgleich, sondern als Bestrafung. Ich habe es nicht verdient, ein normales Leben zu führen. Und gleichzeitig fühle ich mich schuldig, dass ich überhaupt jammere. Anderen Leuten geht es viel schlimmer.

Argh!

Am Wochenende kann ich eine Party nicht vermeiden. Das wird schwer. Ich muss versuchen, mit niemandem zu sprechen.

Ach watt, Leben!, Ernährung

Die schlechte alte Zeit, das Fleisch und die emotionale Achterbahn

Wenn man depressions/angstkrank ist, muss nichts eine Ursache haben. Man hätte es gerne. Man wünscht sich klare Ereignisse, die klare Folgen haben – aber so einfach ist es leider nicht. Alles kann zu Allem führen, was diese Art des Wahnsinns (ich darf mich wahnsinnig oder verrückt nennen. Es hilft mir, mich zu distanzieren) noch schwerer zu ertragen macht. Was gestern Quell von Freude war, ist heute maximal noch „meh“, schlimmstenfalls löst es sogar Angst aus. Nichts ist sicher. Panta Rei in seiner schrecklichsten Form.

Seit Sonntag fahre ich wieder ins Tal. Permanente Unruhe, permanentes schlechtes Gefühl. Und natürlich: Angst vor Allem. Wenn auch diesmal zum Glück nicht beim Autofahren. Ich wage nicht zu hoffen, dass ich mich vor der Angst auf der Straße mit der Sportwagen-Therapie dauerhaft bewahren kann, aber derzeit zumindest funktioniert es.

Dafür ist alles andere grauenhaft.

Und dabei war der Samstag noch so erfolgreich! Ich bin um halb acht aufgestanden und musste feststellen, dass mein Router über Nacht gestorben war. Das gute alte Ding. Für mich eines der Horrorszenarien schlechthin. Ich kann ohne Kühlschrank, Heizung, Ofen und möglicherweise auch fließendes Wasser leben – aber nicht ohne Internet. Mein Kopf spielte sofort den „letztes Mal, als der Router kaputt war, dauerte es eine Woche, bis du wieder Netz hattest!“-Film ab und mir brach der Schweiß aus – beim letzten Mal hatte ich ja noch nichtmal Netflix, Voice over IP und Amazon Prime, war also deutlich weniger abhängig als jetzt. Wie immer hatte ich auch noch sämtliche Zugangsdaten verloren, so dass ich auch noch mit dem Servicetelefon der Telekom herumzackern musste. Ganz davon ab, dass mein Festnetz natürlich auch ohne Router nicht lief und mein Handy völlig leer war, weshalb ich mit einem an der kurzen Ladestrippe hängenden Telefon unterwegs war. Kopf schön schief halten und so.

Schlimmstmögliche Situation also. Und trotzdem habe ich sie völlig souverän bewältigt, worauf ich sehr, sehr stolz bin. Ich habe bei der Telekom angerufen und neue Zugangsdaten beantragt, die mir per verschlüsseltem PDF geschickt werden sollten. Und selbst als sie nicht im angekündigten 15-Minuten-Fenster eintrafen, blieb ich ruhig. Ich habe mein Handy weiter aufladen lassen und bin erstmal ins Gym gegangen, wie ich es geplant hatte (ohne Telefon ins Gym!). Als ich anderthalb Stunden und einen eher mittelguten Legday später wieder nach Hause kam, waren die Daten da. Ich war brav und habe sie mir diesmal gut aufbewahrt. Dann zog ich los und holte einen neuen Router. Schloss ihn an, gab die Daten ein und hatte drei Stunden nach Feststellung des Routertodes wieder Netz. Noch kurz allen Peripheriegeräten das neue WLAN vorgestellt und fertig war die Laube.

Es lief also optimal und hat mich trotzdem maximal geschlaucht. Mein Essverhalten war für dieses Wochenende jedenfalls am Arsch. Ich habe sehr stark überzogen und muss sehen, dass ich es unter der Woche wieder heraushole. Ärgerlich und addiert zu Schuld und Angst.

Außerdem habe ich das erste Mal seit sehr, sehr langer Zeit wieder Fleisch gegessen. Ich habe ja bekanntermaßen keine Hemmungen, totes Tier zu konsumieren, glaube an die Spitzenposition des Menschen in der Food Chain (wir sind der Alpha Predator! Haben uns hart genug dafür das Hirn wachsen lassen und den aufrechten Gang entwickelt!), möchte aber bittesehr, dass das, was ich esse, ein maximal artgerechtes Leben hatte. Was Fleisch eben zu einer „einmal alle paar Jahre“-Sache macht, weil ich mein Geld lieber für gutes Gemüse ausgebe. Aber Freitag und Samstag gab es lokal erzeugtes und lokal geschlachtetes Weidefleisch. Und da ich außer Flammkuchen keine vegetarische Alternative hatte (ich mag Flammkuchen generell ja, aber da sprach mich keiner an. Letztes Jahr hatten sie noch einen Ziegenkäse-Feigen-Flammkuchen, diesmal nur noch so eine Art Pizzaflammkuchen), wurde es eben ein Fleischgericht.

Und, tja, was soll ich sagen … mein Körper verträgt Fleisch nicht mehr besonders gut, scheint mir. Ich fühlte mich die beiden Tage schlapp, gereizt und voll. Und das Rumpsteak war noch nichtmal so arg lecker. Da hatte ich schon deutlich besseres. Hätte ich mal lieber nur Beilagengemüse gegessen.

Fazit daraus: Fleisch nur noch, wenn J1 bei seinem Metzger kauft und für uns grillt. Das ist nämlich die echte Offenbarung. Alles andere lohnt nicht. Gemüse, Obst, Nüsse, Milchprodukte, Eier. Das vertrage ich. Das tut mir gut.

Und, wer weiß – vielleicht hat das Fleisch auch irgendwie zu diesem neuen Depressionsschub beigetragen. Keine Ahnung. Kann ja sein, oder?

Ach watt, Leben!

Ich mache Dummheiten, weshalb es heute immer noch keine Gänsegeschichten gibt

Life-Goal: So einen Porno-Arsch hintrainieren. *seufz*

Heute zur Arbeit gehen, zum Beispiel. Ich bin nämlich immer noch voll in diesem unspezifischen Infekt, weiß mir aber nicht zu helfen. Seit der Sache mit der Panik im Wartezimmer vor ein paar Wochen, will ich nicht mehr zu Ärzten. Und ohne Arzt keine Krankschreibung; ohne Krankschreibung kann ich nicht zu Hause bleiben.

Führte dazu, dass ich jetzt also zur Arbeit gegangen bin … und prompt mitten auf der Autobahn eine volle Panikattacke bekam. In der Baustelle, in der es keinen Standstreifen gibt. Was auch der Grund war, überhaupt eine Panikattacke zu bekommen. Ich konnte also nichts tun. Gar nichts. Außer stur weiter geradeaus fahren, während ich dachte, ich sterbe. Während mir das Blut aus den Händen wich und mein ganzes Gesicht taub wurde. So eine richtig fette Panikattacke eben. Mit Sahne, Streuseln und Kirsche obendrauf. Fellow-Angstkranke kennen das Gefühl. Die Nahtoderfahrung par excellence.

Ein Erlebnis, auf das ich immer wieder mit Freuden verzichten kann.

Zum Glück nur sehr, sehr kurz und ohne Konsequenzen. Ich habe es hindurch geschafft und bin heil angekommen. Trotzdem muss etwas passieren. Solche Angstanfälle sind bei mir immer ein Zeichen, dass körperlich viel im Argen liegt. Und ich zum Arzt sollte. Was ich nicht will/kann. Also nehme ich mir für morgen Urlaub und hoffe, dass ich Montag gesund genug bin, dass mein wirrer Kopf sich nicht mehr selbst sabotieren muss.

Dann werde ich dieses Wochenende schon wieder gar nichts tun. Herumliegen. Supernatural nochmal von vorne ansehen (ich habe noch keine neue Serie gefunden, die mich ähnlich fesselt. Vielleicht Altered Carbon. Weil Cyberpunk). Space Wolf weiterlesen. Sinnlos in WoW und TESO questen. Mich über mich selbst ärgern.

Mit Frau Schwan im Odenwald wandern gehen wäre nett. Aber das Gegenteil von „dem Körper Ruhe gönnen, um mit dem Infekt fertig zu werden“.

Ach, warum kann ich nicht einfach gesund sein? Als ich noch dick war, war ich nicht so oft krank!

Ach watt, Leben!, Dat Nerdstuff, Training

Selbstliebe und Verwunderung (mit positiver Überraschung)

Genau, ich mache jetzt in Bracket Songs. Was ein Bracket Song ist, weiß ich auch nur dank Max Goldt, der Quelle reichhaltigster Bildung. In den Siebzigern waren solche Songtitel, die durch eine in Klammern gesetzte Addition eine andere Bedeutung bekamen oder weiter erklärt wurden, wohl voll im Schwange. Und das kann ich natürlich auch!

Aber zunächst zur Selbstliebe. Definitiv keine meiner Kernkompetenzen. Aber da sich bei der Metta-Meditation schon so viel um liebevolle Zuwendung dreht, versuche ich jetzt einmal, aus Gedanken Realität zu machen, in dem ich mir jeden Tag aufschreibe, was ich am Tag davor gut gemacht habe. Worin ich mir gefallen habe. Was ich konnte. Zumindest eine Sache pro Tag wird mir da hoffentlich einfallen.

Also, here weg go!

Ich war gestern mit mir zufrieden, weil … ich endlich wieder auf den Zug aufspringen und etwas für mich zeichnen konnte, das mir wirklich gefällt. Das mir während der Fertigstellung so viel Freude bereitet hat wie danach (danach noch ein gutes Haar an einer Illustration finden zu können ist sehr, sehr selten!).

So. Selbstliebe dafür. Ich war gestern eine gute Grafikerin.

Mein Affenhirn rennt im Kreis und will mir erklären, dass ich sportlich gesehen an der Fußleiste entlangkrebse, ich eine sehr unangenehme Aufgabe vor mir herschiebe und ich seit über einem Jahr keine Zeile mehr geschrieben habe (Blog zählt nicht). Aber Affenhirn kann mich mal. Ich mache meinen Frühsport (Crunches, Reverse Crunches, Squats) und ich tobe abends auf dem Stepper. Ja, das ist zu wenig – aber wohin es mich gebracht hat, trotz Schulter zu trainieren, sieht man ja! Das blöde-Sache-Prokrastinieren ist natürlich dämlich. Aber ich gehe es an. Langsam. Mit maximalem seelischen Schmerz. Gegen den Wind und bergauf. Und Schreiben … das wird wiederkommen.

Die Verwunderung resultiert daraus, dass ich völlig vergessen hatte, wie gut mir das Spielen mit der Waldnymphe tut. Wir hatten die letzten zwei, drei Monate nur Playdates in TESO und keine Zeit, unsere Wölfe auch im Pen&Paper weiterzuspielen. Deshalb gab es keine neuen Geschichten und keine Inspiration für mich, etwas dazu zu zeichnen.

Nicht falsch verstehen – Computerspiele sind ein großartiger Zeitvertreib! Man wird dadurch schneller und agiler im Kopf und in den Fingern, man trainiert seine Teamfähigkeit und Problemlösungsstrategien. Man wird sozialer, entspannter, friedlicher und übt vernetztes Denken. Alles in allem das sinnvollste Hobby, das man im Sitzen betreiben kann. Außer natürlich … Pen&Paper. Gerade für nicht-neuronormative Menschen sind die Ausflüge in die Phantasie unglaublich heilsam. Mir hilft es jedenfalls sehr, die verschiedenen Seiten auszuleben oder etwas, das ich gern wäre, zu testen. Einmal so sozial fähig wie Rhys … das wär ein Traum! Mein Wolf ist dahingehend schon als mein Idealbild konzipiert. Er ist das Gegenteil von socially awkward, geht mit Fremden völlig angstfrei und maximal freundlich um, zeigt und nutzt seine Emotionen und betrachtet Scheitern als Chance, von der er wie ein Gummiball zurück in die Spur hüpft. Ganz davon ab, dass ich schon gern manchmal auch die Fähigkeit hätte, zu einem vier Meter großen Danger Floof mit zwanzig-Zentimeter-Klauen zu werden … Außerdem geht Rhys gern auf Parties und macht mit Begeisterung neue Bekanntschaften. Das würde ich echt gern können!

Egal. Zeigt jedenfalls, dass Pen&Paper immer schon sehr, sehr wichtig war, um mich zu erden und mit positiver Energie aufzuladen. Weshalb ich es am letzten Samstag ganz stark genossen habe, wieder zu spielen. Klar, zwischendrin haben wir auch Mage und Vampire gespielt – aber meine Charaktere dort sind eher mein Ist-Zustand. Die geben mir auch viel, aber sind nicht so tief als Wunsch verankert wie Rhys. Und außerdem sind die Wölfe ganz klar das Ding der Waldnymphe und mir. Sie sind unser Escape Plan. Für alles.

Weshalb ich nun glücklich herumschwebe und mich darüber freue, wieder Inspiration für Bilder zu haben. Gestern den oben zu sehenden Jamie. Als Jugendstil-Vignette in Jugendstil-Pastell mit Jugendstil-Märchenhaftigkeit. Weil die Beiden durch einen mehr oder weniger Unfall in einem Feenreich gelandet sind, das ästhetisch sehr Kay Nielsen und Otto Ubbelohde ist. Genau mein Ding.

Noch ein kurzes Update zur Ernährung: Die bleibt auf Haltekurs – immer noch keine Energie dafür, groß Defizit zu fahren.

Ach watt, Leben!

Meine innere Stimme ist ein Arschloch

Situation: Wir sind bei der Waldnymphe in der Küche. Selbige räumt noch Geschirr hin und her. Erklärfaun und ich sind eher im Weg, gehen zur Seite. Er lehnt am Tresen, ich an ihm und er umfasst mich von hinten.

EF: Du hast ja ganz schöne Bauchmuskeln. Hier an der Seite und so. Total fest. *drückt darauf herum*

MGs innere Stimme: Völliger Quatsch. Viszerales Fett ist auch fest. Alles nur ausgehärteter Schwabbel.

MG: Das sind nur die Falafel von vorhin.

Keine Pointe.

Ach watt, Leben!, Training, Weniger

Schlachtplan versus Schlachtplatte

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Rosenmontag Workoutwear #fastnacht #workoutwear #karneval #unicorn

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(Das Wortspiel würde besser funktionieren, würde ich Fleisch essen. Geht aber auch so)

Weiterhin bekomme ich über Kommentare sehr bedenkenswerte Anregungen und die Versicherung, dass andere Leute in vergleichbaren Situationen sind, was einerseits beruhigend ist, andererseits verwunderlich, weil es sonst wenig thematisiert wird. Oder ich bekomme es nicht so mit. Ich lese zwar etliche Blogs zum Thema und folge den loseit- und fatlogic-Subreddits, aber irgendwie bin ich da bisher noch nicht wirklich konkret drauf gestoßen.

Ich versuche es nun damit, das weitere Abnehmen erst einmal aufzuschieben, bis ich die Baustellen „Schulter“ und „Fuß“ aufgeräumt habe. Die Schulter bekommt heute Abend das MRT. Der Fuß wird langsam besser. Dann werde ich mich noch ein paar Wochen konsolidierend auf Training beschränken und dann weiter Kalorien sparen.

Letzte Woche war ich schon defizitfrei, so dass ich versuchen werde, bei „65.000 Kalorien to go“ zu bleiben, bis ich soweit bin. Ich bin dabei mal so esoterisch, auf „ein Zeichen“ meines Unterbewusstseins zu warten, dass es nun soweit ist, die Anstrengung einer längeren Zeit im Defizit anzugehen.

Keine Ahnung, was das sein wird. Dicke Engel sinken posaunespielend vom Himmel. Vögel kommen mit Blütenkränzen angezwitschert. Ein Lichtstrahl badet mich in blendendem Glanz. Ich weiß es nicht.

Bis dahin ersetze ich Süßigkeiten-Eskalationen durch Obst-Eskalationen. Ist kalorientechnisch nicht viel aber ein bisschen besser. Hat diesen Freitag sogar einmal geklappt, weshalb ich heute noch ein paar Kaki kaufen werde. Mit Kaki kann ich gut eskalieren.

Und ebenfalls bis dahin werde ich allem nachgehen, was ich hier als Hinweisen bekommen habe. Insbesondere Stärkung von Willenskraft, Achtsamkeit, Autosuggestion, Selbstwirksamkeit, sich annehmen können. All‘ sowas.

Das wird nicht einfach. Mein natürliches Mindset mir selbst gegenüber ist schwärzest negativ. Mich mir selbst freundlich anzunähern, wird viel Energie verschlingen. Was wiederum von meiner Gesamtenergie für Training undsoweiter abgehen wird. Argh, blöder Teufelskreis!

Aber first things first. Schulter, Fuß, Training, Selbstwirksamkeit/Achtsamkeit/Willenskraft. Und dabei der Versuch, das nicht schon wieder in eine Marathon-Situation mit „ich muss das verdammt nochmal perfekt schaffen, sonst Akopalütze!!“ abgleiten zu lassen.

Puh, nix für Weicheier, diese mentalen Dinge!

Ach watt, Leben!, Ernährung, Weniger

Immer noch Willenskraft

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Wieder einen interessanten Kommentar zu diesem Thema bekommen, über den ich nachdenken muss. Irgendwie ist das natürlich alles einleuchtend und sehr schlüssig. Problem dabei: Ich weiß nicht, wofür ich Willenskraft überhaupt ausgebe, dass ich solche Probleme damit habe! Denn … ich tue doch gar nichts! Ich mache derzeit sehr wenig Sport, weil ich erstens die Kalkschulter und zweitens im Moment die schmerzhafte Behandlung einer Dornwarze am Fuß habe, so dass ich eigentlich nur Planks, Stepper (ganz, ganz vorsichtig, weil mein Fuß wirklich fies schmerzt) und einmal die Woche Krafttraining machen kann. Also – keine Willenskraft für Sport. Ich habe im Job friedliches Fahrwasser. Die Messe ist vorbei, die Herbstprojekte laufen unglaublich gemächlich und stressfrei an. Und im Privatleben ist die Katze ein total braves Träumchen und Freunde und Beziehung sind gut zu mir.

Also – was bitte sollte mir Willenskraft in einem Maße abziehen, dass ich es nicht schaffe, im Defizit zu essen? Die depressive Episode? Wohl kaum, das Herumgewumpel hat schließlich vorher schon angefangen.

Beziehungsweise, ich komme gar nicht erst in den Groove. Ich kriege die Kurve dahin, wo Willenskraft Spaß macht, nicht. Ich weiß, dass es das gibt – diese Welle habe ich schließlich während der ersten Abnahme geritten. Es war ganz einfach, sobald ich im Mindset war. Durchhalten gar kein Problem. Und jetzt … ist alles ein dröges durch-kalten-Haferbrei-Stapfen. Es fühlt sich gezwungen an und ich rebelliere schon dagegen, bevor ich überhaupt angefangen habe. Jeden Morgen, wenn ich meinen Tag essenstechnisch in MyFitnessPal plane, ist es ein zähes Verhandeln um jede Kalorie. Wenn ich das mache, kann ich noch das tun. Wenn ich das weglasse, darf ich dafür das.

So kann das einfach nichts werden. Ich muss einen Einstieg finden.

Motivation ist dafür nur bedingt geeignet. Motivation bringt mich nicht besonders weit. Motivation kann maximal eine Starthilfe sein. Und dann muss ich hoffen, dass ich meine Willenskraft wiederfinde.

Ich werde damit beginnen, dass ich mir heute in den Pausen (ich arbeite immer kurz hochkonzentriert kreativ und mache dann in einer kleinen Pause etwas völlig Banales, wie auf YouTube schauen, wie ein Mofa in eine Baugrube fällt, lese das ESO-Forum, informiere mich in neuen Blogartikeln oder ich scribble nicht-Jobrelevantes) einige Artikel und Videos zu Übungen ansehe, mit denen man Willenskraft steigern kann.

Leider bin ich in Autosuggestion eine echte Niete. Die Übung mit dem Brot (ich habe davon erzählt) habe ich in den letzten Tagen zwar immer mal wieder gemacht, ich glaube sie mir nur so überhaupt gar nicht, das geht auf keine Kuhhaut! Ich stelle mir das vor und … nichts. Gar nichts. Bei der Ärztin ging es einigermaßen, aber sobald ich es allein machen muss, habe ich diese laute, nervige Stimme im Kopf, die mich anschreit, dass das doch nur Mumpitz sei und gar nichts bringen würde. Hach, wenn ich in allem so effektiv wäre, wie in Selbstsabotage, könnte man mit mir die kompletten Schifffahrtsrouten im Nordmeer eisfrei halten!

Trotzdem muss ich es versuchen. Aufgabe also für heute: Sehen, was man so machen kann. Aufgaben weiterhin: Das Ganze auch umsetzen.

Ach watt, Leben!, Dat Nerdstuff

Willpower-Punkte ausgeben

The Sorcerers Crusade Sheet

Die zahlreichen Antworten (Danke!) auf meinen letzten Post haben mich zum Nachdenken angeregt. Über begrenzte Mengen, über Überforderung. Darüber, wie man aus einer egomanischen Spirale kommt – und ob sie überhaupt existiert.

Die Sache mit dem begrenzten täglichen Willenskraft-Pool erscheint mir absolut logisch. Und sehr gut verständlich. Bei meinem lieblings-P&P-System, der World of Darkness, hat jeder Charakter von Erschaffung an eine bestimmte feste Menge an Willenskraft (diese kann man später im Spiel noch steigern, das ist aber für diesen Vergleich erst einmal uninteressant). Diese Menge verändert sich ständig, wenn sie auch nicht über den maximalen festen Wert hinausgehen kann. Die Veränderung erfolgt dadurch, dass man einen Punkt temporär ausgeben kann, um sich bei einer Aufgabe einen automatischen Erfolg zu kaufen. Ein Erfolg stellt meistens das absolute Minimum dar, das man braucht, um etwas zu schaffen.

Konkretes Beispiel. Oben sieht man einen Ausschnitt aus dem Charakterblatt meines Magus Hermanos (Manos ist eher „nach mir“ geschaffen als mein Wolf Rhys, deshalb ist er das bessere Beispiel). Hermanos hat – umkringelt sichtbar – fünf Punkte Willenskraft. Gehen wir davon aus, dass Hermanos mitten in einer regnerischen Novembernacht zusammen mit seiner Kollegin Allegra um eine Ecke rennt, um seinen Freund Akeem zu retten, nicht aufgepasst hat und deshalb nun plötzlich Nase an Nase mit einem der eher rustikalen Schergen des Gegenspielers steht … dann braucht er jetzt ganz dringend einen Erfolg, um so aus dem Nichts einen Zauber zu wirken. Denn eigentlich benötigt seine Magie ja Berechnung, die heilige Geometrie und dergleichen. Also etwas Zeit. Hat er aber nicht. Also setze ich, weil ich meinen verträumten Magus lieber mit Kopf auf den Schultern mag als ohne, einen Willenskraftpunkt ein. Reduziere seinen temporären Pool damit auf vier. Unabhängig vom Würfelergebnis habe ich für Manos jetzt also einen Erfolg schon einmal in der Tasche – keinen gloriosen Erfolg (dazu müsste ich dann noch gut würfeln) aber es wird klappen, dem Schergen einen Blumentopf vom Fensterbrett über ihm auf die Zwölf fallen zu lassen. Muss ich in nächster Zeit noch mehrmals auf so ein Hilfsmittel zurückgreifen, wird Manos’ Willenskraft immer weniger, bis er völlig erschöpft ist und nichts mehr groß tun kann, weil er zu keiner Entscheidung mehr fähig ist. Als ich Manos erschaffen habe, habe ich festgelegt, dass seine Natur „Architect“ ist – er also Dinge schaffen, aufbauen will. Das gibt ihm Willenskraft zurück. Um wieder ganz frisch und erholt zu sein, seinen Pool wieder bis zum Rand gefüllt zu haben, muss er deshalb in nächster Zeit seiner Natur folgen. Es muss ihm zum Beispiel gelingen, mit seinen Freunden den Coven weiter aufzubauen, vielleicht an seinem Familiar weiterzuarbeiten, dieses Astrolabium mit allen zehn Planeten fertig zu basteln, Allegras Radschlosspistole zu perfektionieren (Im Jahr 1499 ist eine Radschlosspistole futuristischer Hightech) …

Und wenn man nun meinen Ausführungen bis hierhin gefolgt ist, obwohl man an P&P nicht interessiert ist, kann man trotzdem erkennen, wie nahe an der Realität das Ganze ist. Ich habe meinen Willenskraftpool. Und ich habe ihn nach und nach geleert. Und irgendwie schaffe ich es gerade nicht, ihn wieder aufzufüllen. Auch ich muss dafür Dinge schaffen – hauptsächlich Bilder und Geschichten. Ich beziehe meine Willenskraft aus rein solitären Aktivitäten. Aber aus welchen Gründen auch immer, geht das im Moment nicht. Ich hänge fest und drehe mich hilflos um mich selbst. Und jeder Tag kostet wieder Willenskraft. Ich laufe leerer und leerer und muss immer vorsichtiger sein.

Und es hilft nicht, dass ich mit diesem um-mich-selbst-Kreisen meinen Liebsten auf den Sack gehe und sie von mir wegschubse. Ich habe das Gefühl, ich kann nichts festhalten, was ich in den letzten Jahren mühsam aufgebaut habe. Und da dachte ich, nach den zehn mageren Jahren kämen nun endlich die zehn fetten. Aber da habe ich mich anscheinend geirrt. Zehn magere, anderthalb fette, dann wieder mager. Das ist nicht gerecht. Und dass ich selbst daran schuld bin, weil ich mich weinerlich selbst sabotiere und ihn Selbstmitleid wälze, hilft auch nicht.

Fuck.

Dieser Einblick in das Innere einer geisteskranken Person wurde gesponsert von der Generaldirektion für Hahnebüchenes der EU-Kommission.

Ernährung, Weniger

Vollversagen, reloaded

Die letzte Woche habe ich ein Gesamtdefizit von 1000 Kalorien geschafft. Also noch 64.000 bis zu meinem Ziel. Und wenn ich ehrlich bin, weiß ich noch nicht einmal, ob es wirklich tausend waren. Von Montag bis Donnerstag habe ich zweitausend als Defizit erwirtschaftet, kein Thema. Und Freitag, Samstag, Sonntag habe ich fast alles wieder zunichtegemacht. Völlig bewusst. Einfach so. Ich kann es nicht erklären. Ich habe in diesen 72 Stunden zusätzlich zu meinen normalen tausend Kalorien noch gegessen: Zwei kleine Dosen gezuckerte Kondensmilch (700), zwei Tafeln Schokolade (1200), drei Schokoeier (450), einen gefüllten Donut (400). Das sind fast dreitausend Kalorien purer Junk. Einfach mal so obendrauf. Und das ist noch konservativ geschätzt! Und dann kam noch Fresserei mit „gesunden“ Sachen hinzu. Ein Becher Erdbeerskyr (196), eine ganze Pomelo (400) …

Und ich weiß nicht einmal, warum. Und die Schokolade und der Donut waren nicht einmal besonders gut. Hussel-Schokolade und Happy Donazz-Donuts waren früher immer super, jetzt waren sie geschmacksneutral und fettig. Was mich nicht daran gehindert hat, das Zeug innerhalb weniger Minuten zu essen.

Da hat es auch nichts genützt, dass ich am Samstag viel trainiert habe und mir einen neuen Stepper zugelegt habe, der viel fordernder ist als der alte (und ja, ich habe ihn auch benutzt. Jeden Tag so eine halbe Stunde während Supernatural). Denn selbst mit viel gutem Willen hat das alles zusammen nicht mehr als 800 Kalorien rausgeholt. Soll heißen: Ich schaff’s mal wieder nicht. Ich sabotiere mich nach Strich und Faden selbst, um dann zufrieden festzustellen, was für ein wertloses Stück verschwendete Gelegenheit ich doch bin. Selbsterfüllende Prophezeiung für Masochisten. Ich ekle mich gerade maximal vor mir selbst und versinke gleichzeitig in Selbstmitleid.

Ich glaube, ich sollte den Plan, noch einmal zehn Kilo abzunehmen, einfach aufstecken. Das verursacht mir derzeit so viel Leid und Stress, was dann in extreme Reaktionen mündet. Das ist es nicht wert.

Aber will ich mich weiterhin erschrecken, wenn ich vorm Spiegel stehe?

Ich fühle mich derzeit durch und durch gestresst und unwohl. Ich will gerade gar nichts und mich einfach nur zu einem Ball zusammenrollen. Ich verachte meine Willensschwäche zutiefst und weiß nicht, wie ich wieder in die Spur kommen kann. Ich habe das Gefühl, dem wieder-fett-werden hilflos ausgeliefert zu sein, weil ich zu blöd bin, mich am Riemen zu reißen.

Unschön, sehr unschön.

Von wegen „das wird mit der Zeit“. Ja, es wird schlimmer! Es ist wohl doch wahr – 95% aller Menschen schaffen es nicht, das abgeworfene Gewicht auch unten zu halten. Wie konnte ich auf die Idee kommen, zu den 5% zu gehören, die stabil, willensstark und entschlossen genug sind, es zu schaffen? War doch klar.