Ach watt, Leben!, Training, Weniger

Sich selbst annehmen. Mal wieder.

Symbolbild: Fehlende Perfektion.

Mit ein Grund für Übergewicht kann ja auch sein, dass man sich selbst bestrafen will. Sich möglichst dem inneren, negativen Bild anpassen möchte. Man fühlt sich wertlos, abstoßend und unfähig und baut sich unbewusst den dazu passenden Körper. Da können die Fat-Acceptance-Leute noch so propagieren, dass auch dicke Menschen sexy, stark, sportlich und erfolgreich sein können (das mit dem „sportlich“ bestreite ich außerhalb von Schach und vielleicht noch Boule mal ganz erheblich. Außer man legt die Latte ganz, ganz tief und wertet schon Spazierengehen als Sport. Fight me IRL!) – für mich war das nie Realität. Ich habe mich selbst aus tiefster Seele verabscheut und fand den blobartigen Körper irgendwann genau meinem Selbstbild angemessen. Depression und Angststörung taten ihr Übriges und so habe ich mir mein eigenes, schwabbeliges Gefängnis zusammengefressen. (Bitte im Kopf behalten: Das ist meine ganz spezielle Wahrnehmung! Kein Dogma für irgendwas! Das berühmte Mileage may vary.)

Sollte man doch meinen, dass diese Geisteshaltung sich mit der Abnahme und der wachsenden Bemuskelung verflüchtigt hätte. Tja, Pustekuchen! Weiterhin kriege ich Hals, wenn ich mein Kalorienziel verfehle (als ob man Kalorien soooo genau zählen könnte … also im Bezug auf den nie völlig bis zur letzten Kalorie eingrenzbaren Verbrauch). Einerseits lache ich immer leise über die Leute im Forum, die sich um dreißig, fünfzig Kalorien hin oder her Gedanken machen, bin dann aber selbst angefressen, wenn ich statt 1740 einmal 1760 Kalorien gegessen habe. Und ich hasse mich exzessiv, wenn ich meine Sportziele nicht erreiche.

Ich merke, dass ich eigentlich mindestens drei Tage bis eine Woche Sportpause bräuchte. Mein Körper entwickelt Entzündungen, ich schlafe schlecht, ich habe Knochenschmerzen und der Kreislauf geht in die Knie. Alles schreit „mach mal langsam!“. Aber ich kann es einfach nicht. Denn dann würde ich unweigerlich meinen Trainingsstand verlieren. Ich würde zu viel Essen und sofort wieder fett wie Butter werden. Ich habe gestern meine Gymzeit ausfallen lassen … nur um dann abends Hanteltraining und Bodyweight zu machen, weil ich es mit mir selber („dem faulen Schwein“) nicht mehr ausgehalten habe.

Kurz: Ich mag jetzt schlank und sportlich sein, aber krank im Kopf bin ich immer noch. So ein Scheiß!

Übergewicht entsteht unter anderem auch durch Sucht. Und jetzt habe ich die Sucht nach Essen um die Sucht nach Bewegung ergänzt.

Das hab´ ich total fein gemacht. Nicht.

Ich hatte am Samstag darüber ein Gespräch mit der Waldnymphe. Meine beiden Liebsten stehen meiner Selbstzerstörung reichlich hilflos gegenüber. Aber zumindest der Erklärfaun hat – in leichterer Form – ähnliche Züge. Und von ihm höre ich „das gibt sich“ und „lass Dir Zeit“.

Irgendwie habe ich aber das Gefühl, dass es nicht besser wird.

Oder ist das wieder mein Perfektionszwang? Dass ich nicht warten kann. Nicht aushalten. Dass ich eine himmelhohe Anspruchshaltung habe.

Von anderen Menschen erwarte ich gar nichts. Ich freue mich über alles. Aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich für irgendwen liebenswert sein könnte, wenn ich nicht absolut fehlerlos bin.

Ich hoffe wirklich, dass der Erklärfaun recht hat und ich irgendwann gelassener werde. Denn diese ewige Anspannung führt nur zu Kompensationsverhalten wie eben dem rigorosen Sportpensum und der ewigen Gier nach Essen.

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Ach watt, Leben!, Training, Weniger

Dummer Rückfall

Nein, nicht gewichtsmäßig. Da läuft es wie immer. Derzeit 60,9 Kilo, was bis zum Wochenende vermutlich noch ein wenig nach unten gehen und am Montag sprunghaft wieder auf 62 schnellen wird. Reiner Erfahrungswert!

Aber ein böser Rückfall in Sachen Angst und Aggression. Was bei mir einander bedingt. Bekomme ich eine Angstattacke, reagiere ich oft mit irrationalem Zorn und sollte dringend von anderen Menschen ferngehalten werden, bis wieder alles im Lot ist.

Dumm nur, dass ich seit den ganzen Therapieerfolgen auf einer Hybriswelle davongeschwommen bin und deshalb Null und gar nicht darauf vorbereitet war, dass S. mir gestern völlig unbeabsichtigt einen 1A Trigger (ja, blödes online-Erregungswort. Aber in diesem Fall ausnahmsweise mal medizinisch richtig) vor den Latz knallte. Ich mag S. Ein unglaublich knuffiger, lieber, sensibler Kerl. Der es absolut nicht verdient hat, dass ich ihn – für ihn zumindest – unprovoziert aus dem Blauen heraus angefaucht und zur Sau gemacht habe.

Und wie immer stand ich hilflos daneben und musste zusehen, wie mein irrer Kopf jemanden, den ich gern mag, angefallen hat. Nicht mehr Pilot, nur noch Beifahrer. Aus reinem Panikbeißen heraus.

Verdammt.

Zum Glück konnte ich mich recht zügig wieder beruhigen. Leider aber gar nicht mit den gelernten Mechanismen, sondern „halt so“. Das gefällt mir nicht. Weil es zeigt, dass ich meine therapeutischen Hilfsmittel noch nicht verinnerlicht habe, obwohl ich das fest glaubte.

Ich habe mich dann erklärt und tausendmal entschuldigt. Trotzdem fürchte ich, dass etwas kaputtgegangen ist, das sich nicht so schnell wieder reparieren lässt. Wieder mal jemand auf Abstand geschubst. Super gemacht. You beat a fucking tree.

„Neurodivers“ zu sein ist wirklich nix für Sissies.

Heute kann ich den dadurch aufgebauten Selbsthass zum Glück im Training abbauen. Ich mache mich an den Geräten schön fertig, bis ich nicht mehr geradeaus laufen kann und dann ist es hoffentlich wieder gut. Und dann schreibe ich S. eine Geschichte in Skype. Und hoffe, dass unsere gemeinsamen Erlebnisse in der Vergangenheit den Ausraster gestern aufwiegen können.

Essenstechnisch läuft es. Ich werde in Sachen Konjakpudding (das klingt wüst alkoholisch!) immer sicherer und experimentierfreudiger. Was klar geworden ist: Man darf keine normale, gewohnte Puddingkonsistenz erwarten. Es wird immer ein wenig … hmm … sandig, bröselig bleiben. Weil das eben die Aufquellkonsistenz des Pulvers ist. Das tut dem Geschmack keinerlei Abbruch. Aber man sollte vorher ausprobieren, ob man mit diesem Mundgefühl warm wird. Geschmacklich bin ich sehr zufrieden. Das ist ein 1A Nachtisch. Und man hat die Wahl, ob man sich mit Protein zubombt, oder das Ding nur mit Mandelmilch, Flavour und Konjakpulver zu einem wirklich kaloriengünstigen Nachtisch macht. Wo sonst bekommt man 300 Gramm Pudding für unter 50 Kalorien? Wie gesagt, die Variante ohne Whey.

Ich scheine Konjak/Shirataki auch gut zu vertragen. Keine bösen Nebenwirkungen in Sachen Verdauung bisher. Das nenne ich Glück. Hilft meiner Freude an schlotziger Konsistenz mit süß und meiner Abnehmerei.

Haha. Abnehmen. Als ob!

Aber solange ich Muskeln aufbaue, ist es gut. Stärke gegen innere Instabilität.