Irrsinn

Phantomunzufriedenheit

Never trust a Fey ...

Tag eins der unfreiwilligen Sportpause ist vorbei und ich fühle mich schon, als hätte ich einen Monat auf der Couch verbracht. Alles Kopfsache, denn immerhin sind ein, zwei Erholungstage auch in einer völlig normalen Woche etwas, das ich regelmäßig tue (die Vernunft siegt hin und wieder). Aber trotzdem ist es gefühlt etwas völlig anderes. Ich belauere meinen Körper. Suche nach Zeichen für Veränderung in irgendeine Richtung. Das Knie knackt nicht mehr beim Treppensteigen? Hurra, es geht voran! Dafür zieht es irgendwie am oberen Schienbein. Ist das wegen der Entlastung? Der Orthese? Wird mir der Fuß (im örtlichen Dialekt ist „Fuß“ die Gesamtbezeichnung für alles von Zeh bis Hüfte) abfallen und ich nie wieder Sport machen können? Und erst die Schulter … warum tut das immer noch weh, obwohl ich doch schon so verdammt lange (fast drei Tage) kein Hanteltraining mehr gemacht habe? Wird es nun immer schlimmer werden, ich eine Operation benötigen und dann alles den Bach runtergehen? Körperliche Vollvergreisung?

Als Angstpatient kann man nichts so gut, wie jede Situation zu maximaler Verstörung nutzen. Ich hasse das. Diese lauernde, niedrigschwellige Angst. Das ist fast noch schlimmer als plötzliche Attacken, denen ich immerhin noch direkt mit meinen Übungen begegnen kann.

Ich erkenne langsam, wie sehr ich Sport nicht nur als Therapie, sondern auch als eine neue Rüstung genutzt habe. Früher hatte ich Fett, um mich vor der bedrohlichen Außenwelt abzuschirmen. Als das dann verschwand, ich aber noch nicht bereit war, mich Allem head-on zu stellen, habe ich mir neue Schutzmechanismen gesucht, die ich ähnlich zwanghaft betreiben kann. Klar, Muskeln sind eine viel bessere Sache als Speckrollen. Gesünder, nachhaltiger und nicht zuletzt günstiger für’s Selbstbewusstsein. Aber damit wieder in alte Muster zu rutschen kann es eigentlich auch nicht sein.

Dass man überall suggeriert bekommt, dass es ein „zuviel“ an Bewegung gar nicht geben kann, füttert meine Zwangshandlungen natürlich zusätzlich. Denn im Gegensatz zu einem Eimer Schokolade sind sechsmal die Woche Training eher etwas, das Akzeptanz erntet. Hinzukommend, dass ich immer noch kein vernünftiges Selbstbild habe und in meinem Kopf ständig „andere machen viel mehr und haben deshalb auch viel mehr Erfolg, du faule Sau!“ herumtanzt. Von daher ist es vermutlich verständlich, dass ich unruhig bin und mich nicht wohlfühle, wenn ich zur Untätigkeit verdammt bin.

Ich sollte zwar auf mittlere Sicht endlich einmal genug Ruhe und Selbstbewusstsein schaffen, um auch mit Pausen klarzukommen, doch momentan bin ich noch nicht soweit. Was vermutlich dem therapeutischen Effekt der Sportabstinenz zur Heilung etwas zuwiderläuft.

Ich schließe mit mir selbst Kompromisse. „Falls Sonntagmorgen schönes Wetter ist und das Bein nicht weh tut, dann kann ich Laufen gehen“ Oder „Wenn es nächsten Dienstag wieder weg ist, mache ich drei Sätze Glute Bridge und Curls“ (damit ist der Schulterschmerz gemeint). Das beruhigt ein wenig.

Und bis dahin versuche ich, mir selbst immer noch das Eis zu erlauben, auch wenn ich diese Woche ja „viel zu wenig“ dafür getan haben werde.

Ich wiederhole mich: Neurodiversität (ich nenne es ja lieber „Wahnsinn“, aber das ist wohl wieder so ein passiv-aggressiver Schnapper meines inneren Kritikers. Und der soll mal die Klappe halten!) ist nix für Sissies!

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Fortgesetzte Selbstsabotage

Nicht in Sachen Ernährung oder Sport. Da läuft es prima. Mein Quark-Porridge-Monster als Mittagessen ist eine großartige Sache, derer ich glaube ich für eine lange Zeit nicht überdrüssig werde. Sehr sättigend und lecker. Und das Laufen geht auch sehr gut, trotz tropischer Temperaturen. Ich muss wieder mehr Krafttraining machen, das ist zu wenig, was ich derzeit dafür tue. Ich halte damit zwar meine Leistung, komme aber nicht voran. Aber es ist so waaaarm, da ist es viel besser, nicht in einem stickigen Gym Sport zu machen, sondern in der freien Natur.

Wo es nicht gut läuft ist in meinem Kopf. Ich glaube, ich muss mal einige Zeit vom Ohne-Unsinn-Forum Abstand nehmen. Es ist ein toller, unterstützender und sehr rationaler Ort. Das mag ich sehr. Aber meine ungesunde Kompetitivität schlägt gnadenlos zu, wenn ich lese, was sich andere Leute für ehrgeizige Ziele gesetzt oder sogar schon erreicht haben. BMI 19. KFA von unter 20% (als Frau) … das ist so verdammt weit weg für mich und ich weiß eigentlich nicht einmal, ob ich das überhaupt machen möchte (nein, ich weiß ziemlich sicher, dass ich es eben nicht möchte), aber trotzdem geht bei mir sofort das „wenn du das nicht auch schaffst, bis du ein verdammter Fehlschlag. Das übliche Versagen, war ja klar!“ in der Murmel los. Und das ärgert mich immens.

Solange ich derart destruktives Denken also noch nicht unter Kontrolle habe, sollte ich weniger im OU-Forum lesen. Macht mich nur aggressiv.

Stattdessen mehr das fatlogic-Subreddit. Und das loseit-Subreddit. Die beiden machen mir seltsamerweise viel weniger aus. Vielleicht, weil der Ton ein anderer (wertungsfrei) ist. Oder weil auf Englisch alles netter klingt.

Aber jetzt freue ich mich erst einmal auf ein langes Wochenende. Heute Abend gehe ich mit dem Erklärfaun aus, morgen feiert J1 seinen Geburtstag und am Sonntag ist Mage-Spielen angesagt. Volles Programm!