Sport

Herbstessen, Herbstsport, Herbsthektik

Backalley fun

Es ist jetzt so kalt, dass ich heute Morgen das erste Mal die Heizung im Bad angeschaltet habe. Vor lauter Freude und Diensteifer hat sich das gute Stück fast überschlagen und trotz dass ich es nur auf drei hatte, war innerhalb von zehn Minuten das ganze Bad warm. Ist jetzt auch nicht so arg groß, war aber dennoch angenehm.

Ja, Zeit für warme, kuschlige Dinge. Zeit, heute Abend beim Qualitätsfreitag (so nennen wir unsere zu-dritt-auf-der-Couch-einen-Berg-bilden-Feierabende) eventuell schon die Vampirdecke (die Heizdecke, deren wohlige Wärme einem jeden Lebenswillen aussaugt) herauszuholen.

Und Zeit für herbstliches Essen. Wren hat einen interessanten Auflauf gepostet. Ich habe noch mallorcinischen Honig, den mir Kollege M. aus dem Urlaub mitgebracht hat. Der könnte sich gut dazu machen. Oder Kürbissuppe. Ich habe noch nie welche hergestellt, aber genug davon konsumiert um mir zuzutrauen, dieses Mana der Götter auch einmal selbst zu basteln. Ich würde einen Kürbis und ein, zwei Kartoffeln kleinmachen und in Gemüsebrühe kochen, dann pürieren und Salz, Pfeffer, Ingwer, Muskat und etwas Joghurt dazugeben. Klingt sinnvoll. Ich sollte also besser heute zwei statt nur einem Kürbis kaufen.

Sportlich gesehen ist mein Körper derzeit gewaltig am rödeln. Ohne mein Zutun. Also … ich tue schon etwas. Ich mache eben Sport. Aber den Umbau nimmt der Körper unabhängig davon vor. So erscheint es mir jedenfalls. Denn auch wenn ich kein Gramm abnehme (oder kaum. Geringe Fluktuationen), was in Anbetracht der Tatsache, dass ich Pi mal Daumen Erhaltung esse, nur natürlich ist, so verändern sich doch meine Proportionen. Die Thigh Gap wächst – obwohl es ja noch keine wirklich ist, da noch nicht von ganz oben bis ganz unten, sondern nur von ganz oben so fünf, zehn Zentimeter nach unten. Die Brustmuskulatur wird definierter – ich habe neulich erst festgestellt, dass das über dem Brustansatz gar keine sichtbaren Rippen sondern Muskulaturstränge über Rippen sind! Die Trizeps werden gerundeter. Meine Waden werden auch nicht dünner … Das ist schon interessant. Und versöhnt mich damit, dass meine Omron kaputtgegangen ist und den KFA nur noch im Unterkörper misst, was mir einen sieben-Prozent-Sprung nach oben eingebracht hat. Mein Restfett sitzt nunmal an den Oberschenkeln. Blödes Waagengerät. Teurer Scheißdreck, der nur ein halbes Jahr hält. Kauf ich mir nicht nochmal, da lasse ich lieber im Gym kontrollieren.

Und die Hektik? Die ist gar nicht so furchtbar schlimm und nur beruflich. Wir sind nämlich mittlerweile so gut, dass wir drei Monate vor der Zeit liegen und deshalb Abgaben anstehen, die sonst noch Zeit hätten. Was etwas unglücklich mit den Vorbereitungen für die weltgrößte Consumermesse der Branche zusammenfällt. Ich habe also viel zu tun und keine Mittagspausen, um mal bei ein paar Bildern für mich oder Freunde zu entspannen. Aber das geht vorbei. Deadlines laufen in den nächsten drei Wochen und danach sollte das Fahrwasser etwas ruhiger werden.

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Phantomunzufriedenheit

Never trust a Fey ...

Tag eins der unfreiwilligen Sportpause ist vorbei und ich fühle mich schon, als hätte ich einen Monat auf der Couch verbracht. Alles Kopfsache, denn immerhin sind ein, zwei Erholungstage auch in einer völlig normalen Woche etwas, das ich regelmäßig tue (die Vernunft siegt hin und wieder). Aber trotzdem ist es gefühlt etwas völlig anderes. Ich belauere meinen Körper. Suche nach Zeichen für Veränderung in irgendeine Richtung. Das Knie knackt nicht mehr beim Treppensteigen? Hurra, es geht voran! Dafür zieht es irgendwie am oberen Schienbein. Ist das wegen der Entlastung? Der Orthese? Wird mir der Fuß (im örtlichen Dialekt ist „Fuß“ die Gesamtbezeichnung für alles von Zeh bis Hüfte) abfallen und ich nie wieder Sport machen können? Und erst die Schulter … warum tut das immer noch weh, obwohl ich doch schon so verdammt lange (fast drei Tage) kein Hanteltraining mehr gemacht habe? Wird es nun immer schlimmer werden, ich eine Operation benötigen und dann alles den Bach runtergehen? Körperliche Vollvergreisung?

Als Angstpatient kann man nichts so gut, wie jede Situation zu maximaler Verstörung nutzen. Ich hasse das. Diese lauernde, niedrigschwellige Angst. Das ist fast noch schlimmer als plötzliche Attacken, denen ich immerhin noch direkt mit meinen Übungen begegnen kann.

Ich erkenne langsam, wie sehr ich Sport nicht nur als Therapie, sondern auch als eine neue Rüstung genutzt habe. Früher hatte ich Fett, um mich vor der bedrohlichen Außenwelt abzuschirmen. Als das dann verschwand, ich aber noch nicht bereit war, mich Allem head-on zu stellen, habe ich mir neue Schutzmechanismen gesucht, die ich ähnlich zwanghaft betreiben kann. Klar, Muskeln sind eine viel bessere Sache als Speckrollen. Gesünder, nachhaltiger und nicht zuletzt günstiger für’s Selbstbewusstsein. Aber damit wieder in alte Muster zu rutschen kann es eigentlich auch nicht sein.

Dass man überall suggeriert bekommt, dass es ein „zuviel“ an Bewegung gar nicht geben kann, füttert meine Zwangshandlungen natürlich zusätzlich. Denn im Gegensatz zu einem Eimer Schokolade sind sechsmal die Woche Training eher etwas, das Akzeptanz erntet. Hinzukommend, dass ich immer noch kein vernünftiges Selbstbild habe und in meinem Kopf ständig „andere machen viel mehr und haben deshalb auch viel mehr Erfolg, du faule Sau!“ herumtanzt. Von daher ist es vermutlich verständlich, dass ich unruhig bin und mich nicht wohlfühle, wenn ich zur Untätigkeit verdammt bin.

Ich sollte zwar auf mittlere Sicht endlich einmal genug Ruhe und Selbstbewusstsein schaffen, um auch mit Pausen klarzukommen, doch momentan bin ich noch nicht soweit. Was vermutlich dem therapeutischen Effekt der Sportabstinenz zur Heilung etwas zuwiderläuft.

Ich schließe mit mir selbst Kompromisse. „Falls Sonntagmorgen schönes Wetter ist und das Bein nicht weh tut, dann kann ich Laufen gehen“ Oder „Wenn es nächsten Dienstag wieder weg ist, mache ich drei Sätze Glute Bridge und Curls“ (damit ist der Schulterschmerz gemeint). Das beruhigt ein wenig.

Und bis dahin versuche ich, mir selbst immer noch das Eis zu erlauben, auch wenn ich diese Woche ja „viel zu wenig“ dafür getan haben werde.

Ich wiederhole mich: Neurodiversität (ich nenne es ja lieber „Wahnsinn“, aber das ist wohl wieder so ein passiv-aggressiver Schnapper meines inneren Kritikers. Und der soll mal die Klappe halten!) ist nix für Sissies!

Schlechte Gründe für Sport

Meine normalen Gründe für Sport sind Dinge wie „ich will mich bewegen“, „ich will Muskeln“, „ich esse gern“, „ich möchte irgendwann mal nackt nicht mehr wie Rufus aus Kim Possible aussehen“.

Sehr valide Dinge und bestimmt von vielen Leuten nachvollziehbar.

Gestern wollte ich eigentlich Sportpause machen. Weil ich von Sonntag noch sehr wüsten Muskelkater sowohl im Schulter-, als auch im unteren Rücken und Oberschenkelbereich hatte. Jaha, Bankdrücken, Deadlift und so sind sehr ganzheitlich. Nichts tun, dem Körper Zeit zur Regeneration geben.

Ich kam also nach Hause, machte mir mein Essen, stellte fest, dass ich es versalzen hatte (tolle Kombi: Muskelkater, erste Zykluswoche und dann noch zu viel Salz. Ich habe ein neues Wasser-Rekordhoch von heute morgen fast fünf Kilo erreicht), aß es trotzdem (warum auch nicht?) und las dann, bevor es Zeit sein würde, mit den drei Js die Dungeons Tamriels für die Monster unsicher zu machen, ein wenig im Internet herum.

Und wurde wütend. Denn ich stieß über Reddit auf Artikel von Virgie Tovar. Immer ein Fehler. Diese Frau macht mich zuverlässig sauer. Ihr Aussehen kommentiere ich nicht, das wäre fies und unnötig (obwohl es amüsant ist, dass sie etliche Jahre jünger ist als ich, ihr Lebensstil sie aber lockere zehn Jahre älter als mich macht, optisch gesehen). Ihr Leben, ihre Entscheidung. Aber ich kriege Hals bei ihrer Schreibe. Diese Bitterkeit. Diese Projektion. Diese Krabbenkorbmentalität. Diese fast verzweifelte Überheblichkeit. Dieses Heischen nach Bestätigung. Dieses Herabsehen …

Sie selbst nennt sich „body image expert“ und ich glaube, viel falscher kann ein Selbstbild nicht sein. Das allein wäre zwar traurig, aber Selbstzerstörung ist schließlich etwas zutiefst menschliches, ich selbst habe es auch ausgiebig praktiziert und kämpfe jetzt noch gegen diesen Drang. Aber sie wendet das nach Außen. Verallgemeinert es.

Würde sie ihre Energien darauf konzentrieren, andere Menschen von der Wesentlichkeit des Haarefärbens, der Ganzkörpertätowierung (ein nobles Unterfangen) oder Bodymod überzeugen zu wollen, wäre das ganz allein ihr Ding und würde in mir eher warm fuzzies als Zorn auslösen. Aber sie propagiert nunmal Fat Acceptance. Und schadet damit Menschen aktiv. Verharmlost mit ihren Texten einen frühen Tod, Leiden, Krankheit und verringerte Lebensqualität.

Und das hat in mir so eine Wut erzeugt, so eine unhaltbare Energie, dass ich tatsächlich nach dem Nachtisch (ein ganzer Eimer Sojajoghurt mit Obst) aufgestanden und noch Joggen gegangen bin. Um mir selbst zu versichern, dass ich nie, nie, nie wieder dick werden möchte.

Der Lauf an sich war dann natürlich grauenvoll. Ich brauche für optimalen Sportgenuss einen leeren Magen. Aber ich konnte nicht anders, als dem Ganzen davonzurennen.

Wie gesagt – schlechte Gründe für Sport. Dafür werde ich mich dann heute auf ein wenig Fahrrad fahren und Spazierengehen beschränken. Soll ja eh wettermäßig grauslig werden.

Zu viel Sport?

Lord Vivec. Heute Abend ist wieder TESO-Dungeon-Zeit mit den drei Js!

Scheint fast so, denn die letzte Woche habe ich mehr als doppelt so viel herumgetobt wie normal (an den Statistiken des Imperators gut ablesbar) und bekam prompt die Quittung in Form von über drei Kilo (!!) Wasser extra, die heute Morgen auf der Waage grinsten.

Sehr stressig für mich und der Zwang, hektische Maßnahmen zu ergreifen, ist übermächtig. Aber einerseits passen mir alle meine Klamotten so gut wie immer (Wasser lagert sich bei mir meist am Bauch an und da hat es die Natur gut mit mir gemeint, der ist außerhalb der Wassersaison sehr fest und flach, da sehe ich dann selbst mit drei Kilo H2O nur ein bisschen schwanger aus) und andererseits … was soll’s? Sport tut mir seelisch gut, da kann das Fleisch ruhig mal jammern.

Trotzdem werde ich diese Woche etwas ruhiger planen. Heute einen Ruhetag – den ich auch brauche, weil ich mir gestern fünf Kilo mehr auf die Langhantel geschaufelt habe und der Muskelkater dementsprechend luxuriös ist. Vielleicht morgen noch einen Zweit-Ruhetag. Und dann ist diese kurze Woche schon fast wieder vorbei, ich kann Donnerstag bis Sonntag morgens Laufen gehen und außerdem haben wir ein aktives Programm vor. Die Saalburg besichtigen. Weil der Erklärfaun und ich solche Antikenfreaks sind. Und Freunde besuchen. Und all’ sowas.

Aber jetzt erst nochmal Arbeit. Ein paar Dinge sind in der finalen Phase und ich habe schwer den Überblick verloren, was zum Glück nicht schlimm ist. Die Kollegen kommen schon, wenn etwas ist.

Und ich würde diese Woche gern ein Bild für die Stories der Waldnymphe fertigbekommen. Die letzten zwei Wochen war dafür zu viel Hektik und ich habe es nur zu einer nicht befriedigenden Vorzeichnung geschafft, die zu sehr „mein Geschmack“ und zu wenig „ihre Beschreibung“ gesagt hat. Das will ich noch ändern.

It´s called fashion, look it up!

Als mir ein Bekannter den Tipp gab, mir einmal diese Hoodies anzusehen, wusste ich sofort, dass ich mindestens eins davon haben will (Achtung – Herrengröße. Da ist selbst „S“ ziemlich riesig!). Und jetzt besitze ich ein rosa Regenbogeneinhornalpaka-Oberteil. Ich hatte es gestern schon zum Laufen an und habe damit ein paar Teenager, die ich überholt habe, schwer erheitert. Das Beste am Erwachsensein ist immer noch, dass man sich viel weniger bemühen muss, cool zu sein. Das nimmt viel Erwartungsdruck aus dem Leben.

Außer Sport ist gestern wenig passiert. Ich hatte essensmäßig ein gutes Defizit, was meinen Körper nicht daran hindert, immer noch glatt sechzig Kilo zu behaupten. Was ich nicht glaube, mich aber nichtsdestotrotz mies fühle.

Wobei das auch der letzte Rest einer depressiven Episode sein könnte. Beziehungsweise, klarer formuliert: Der Beginn einer depressiven Episode. Aber weil ich immer mehr und bessere Mechanismen dagegen habe, fällt sie vergleichsweise harmlos aus. Noch vor anderthalb Jahren hätte mich das Ganze nun für mehrere Wochen immer weiter runtergezogen, bis ich einige Zeit nur noch im Haus verbracht hätte. Aber jetzt erkenne ich die Anzeichen und steuere aktiv dagegen. Ich glaube, Sport ist ein wirklich gutes Mittel gegen Angstzustände und Depressionen. Zumindest fühlt es sich bei mir so an. Ich bin jetzt zwar unwillig, mit anderen Menschen zu interagieren und sammle Argumente, warum ich die nächsten Tage dringend für mich allein sein muss … aber prinzipiell möchte ich mich dennoch bewegen.

Der Kontrollverlust-Thread im Ohne-Unsinn-Forum hilft mir sehr. Einerseits ist es natürlich beunruhigend, dass so viele andere Leute auch dieses Problem haben. Andererseits hat ein Post von Erzählmirnix auch beleuchtet, dass es diese Schwierigkeiten wohl bei jeder größeren Anpassung im Leben gibt, sie einem aber eben nur an bestimmten Punkten auffallen.

Da kann man Hoffnung haben, dass es sich mit zunehmender Normalisierung der Situation legt. Und bis dahin fahre ich eben eine sich graduell lockernde Vermeidungsstrategie.

Mal kurz zurücklehnen und dankbar sein …

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Und zwar für eine ganze, ganze Menge.

  • Dafür, dass ich Unterstützung habe. Durch die Menschen, die ich liebe, mit denen ich mein Leben teile.
  • Dafür, dass ich Freunde habe. Nicht besonders viele, da bin ich nicht so begabt. Aber ich habe meine sechs bis acht Menschen, bei denen ich nachts um zwei anrufen könnte, wenn das Auto nicht anspringt.
  • Dafür, dass ich Hilfe bekommen habe, als ich sie brauchte. Und dass mich diese Hilfe so sensationell aufgebaut hat. Danke, Dr. V.! Ich freue mich fast schon auf das nächste EMDR. Obwohl ich danach immer beschissen schlafe …
  • Dafür, dass ich in der Lage war, die Hilfe zu meinen Gunsten zu nutzen und damit mich selbst in den Griff zu bekommen.

Und Kleinigkeiten!

  • Dafür, dass das Wasser weg ist. Zwar immer noch 64,4 Kilo aber ich hoffe, dass ich das demnächst mal gebacken bekomme.
  • Dafür, dass ich gestern beim Training bei jeder einzelnen Übung mehr Kilo draufpacken konnte und es geschafft habe! Zwar bei zwei Geräten mit „ich glaub, ich fall gleich vom Ast!“-Gefühl, aber das Schaffenkönnen war einfach unglaublich motivierend und schön.
  • Dafür, dass das der letzte Tag vor dem Urlaub ist.
  • Dafür, dass mir Habitica solchen Spaß macht! Ich bin in einer Party aus lauter Leuten aus dem Ohne-Unsinn-Forum (dafür gibt es sogar eine Gilde. Die Group-ID ist 5a179d53-ea1a-4abf-8c3e-c980f2d55ad6, falls jemand mitmachen möchte) und wir verdreschen gerade gemeinsam mit unseren Tasks ein Bossmonster. Und wie man am Bild meines Charakters oben am Post sehen kann (wie immer ein Mann), habe ich sogar schon das passendste aller Pets gefunden – einen roten Wolf! Go, Team Fianna! Und mein Char trägt Bardenroben. Also: Go, Team Fianna Galliard!

Ja, dafür bin ich sehr dankbar. Und das ist nach dem dunklen Tal der letzten fünf, sechs Jahre ein so unglaublich befreiendes, fast unwirkliches Gefühl! Ich kann es manchmal nicht glauben. Heute morgen habe ich mir überlegt, ob ich im Koma liege und mir gerade ein Wunschleben träume. Ja, das ist eher albern. Zeigt aber, dass es mir viel besser geht, als ich je dachte, dass es das könnte.

Vermutlich grätsche ich mir demnächst wieder selbst in die Beine, weil ich so etwas Nettes ja „gar nicht verdiene“. Aber mit etwas Glück bin ich mittlerweile in der Lage, selbstverletzende Tendenzen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Überhaupt – wie sollen solche fiesen Gedanken eine Chance haben, wenn … bald ein Labradorwelpe auf der Arbeit sein wird! B. aus der Buchhaltung hat seit langer Zeit Diabetes und bekommt im Frühling einen Hund, der riechen kann, wenn sie droht in den Unterzucker zu fallen und der sie dann warnt. Aber wenn er zu ihr kommt ist der Kleine erst ein paar Wochen alt und kann natürlich nicht allein zu Hause bleiben. Weshalb sie ihn mit zur Arbeit nehmen wird. Das Buchhaltungsbüro ist nicht weit von der Grafik entfernt und wir sind schon alle unglaublich begeistert. Ein Welpe, wie geil ist das denn!

Aber irgendwie gibt mir das auch ein sehr seltsames Gefühl. Mit meinem PCOS und dem Übergewicht war auch ich in der Risikogruppe für Diabetes. Und so niedlich ein Hundewelpe sein mag … irgendwie bin ich viel lieber gesund. Mittlerweile habe ich mit meinem normalen BMI, den Medikamenten und dem Sport keine größere Wahrscheinlichkeit mehr, an Diabetes zu erkranken. Und ja, das ist schon wieder ein Grund, verdammt dankbar zu sein!

Nun aber erstmal Wochenende. Nicht nur Weihnachts-Vampirespielen (ja, ja, die Herren der Nacht … schon klar!), sondern auch Kino. Die Waldnymphe und ich gehen in Rogue One. Wehe dem, der mich spoilert! Ich habe schon ein bisschen über die verbitterte Filmkritik auf SWR3.de gelacht. Ja klar, wenn man von Star Wars keine blasse Ahnung hat, hält man den Diebstahl der Death-Star-Pläne natürlich für ein unbedeutendes Ereignis … Many Bothans died to bring us this information (unter Star Wars Fans ist das ein viel abgewandeltes Zitat. Many Bothans died to bring us this coffee undsoweiter). Das bedeutet unverbindlich weitergedacht vermutlich, dass es wirklich nie einen Boba Fett-Film geben wird. Weil die Normalos nicht kapieren werden, warum es einen ganzen Film über „einen unbedeutenden Nebencharakter“ gibt. So ein Mist. Warum lässt man uns Nerds nicht unsere Nischen.

Ja, ich weiß. Muss Geld bringen.

Dann braucht man sich aber nicht über glattgeföhnte, nach Angstschweiß riechende Remakes wie The Force Awakens zu wundern. Der Weg des geringsten Widerstands.

Ich hoffe, Rogue One ist wieder eher ein Film für uns Fans. Und freue mich darauf.

Lifestyle choices

simon_finn_sofa

Simons Shirt muss ich mir auch nochmal im echten Leben basteln.

Heute Abend habe ich meine zweite trainerbetreute Sportstunde. Es ist wirklich seltsam, aber ich freue mich darauf. Sehr. Vor einem Jahr hätte allein der Gedanke an so etwas mich für Tage in einer dunklen Ecke verschwinden lassen. Oh nein, fremde Menschen! Die mich ansehen! Die sich mit Sicherheit ein abfälliges Urteil über mich bilden, weil ich seltsam aussehe!

Der volle Horror. Gipfelnd in absoluter Vermeidung, da die Angst vor einer Panikattacke fast so schlimm ist wie das Ding selbst.

Und heute … weiß ich, dass ich vor Aufregung zu viel reden und deshalb mit ziemlicher Sicherheit mindestens einmal etwas Dummes sagen werde. Und es ist nicht schlimm. Denn das machen andere Leute auch (wenn auch seltener als Menschen mit sozialen Ängsten. Plappern ist ein coping-mechanism) und niemand wird es gegen einen verwenden. Und ich ziehe an, auf was ich Lust habe. Nicht mehr möglichst unauffällig.

Die Henne-Ei-Frage. Ist meine Angst besser geworden, weil ich abgenommen habe … oder nehme ich ab, weil ich mehr Selbstwertgefühl entwickle?

(Ja, natürlich gibt es Leute, die gern dick sind. Die sich damit wohlfühlen. Und die das genauso gern sein dürfen, wie ich eben nicht dick sein möchte) Ich war grottenunglücklich, als ich dick war. Wenn auch nicht, weil „die Gesellschaft“ mich diskriminiert hätte – hat sie nämlich nicht. Der Gesellschaft sind dicke Menschen so egal wie dünne. Wer nicht in einen Stuhl passt (das ist mir nun nicht passiert, gibt´s aber) wird nicht fatgeshamed sondern scheitert eben an einer Realität, die sich nicht für jede Sonderform verbiegen kann – ich bin sehr klein und fordere auch nicht, dass jeder Barhocker zwanzig Zentimeter tiefergelegt wird.

Aber ich will nicht Symptom und Ursache verwechseln. Zu meiner dicksten Zeit steckte ich komplett fest. Ich hasste meinen Job, kam mit meiner Asexualität nur schwer klar („ich muss defekt sein!“) und hatte die permanente Furcht, dass es bald alles noch viel schlechter werden würde. Ich ging kaum aus dem Haus und jede Verabredung mit Freunden war ein reiner Pflichttermin.

Und hier kommt das wirklich Bizarre: Ich habe immer noch den selben Job, nur dass ich ihn jetzt mit großer Freude ausübe. Ich liebe immer noch fast ohne Erotik aber mit sehr viel glücklicher Romantik. Mein Freundeskreis ist exakt derselbe – aber ich freue mich schon Tage vorher darauf, wenn ich mit ihnen spielen, essen gehen oder sonstwas tun kann. Alle Veränderungen sind nur in meinem Kopf passiert.

Ja, ich denke in diesem Licht kann man schon sagen, dass die Abnahme und der Sport Symptome sind und keine Ursachen.

Aber sie helfen.

Die Ursache … nun, ich glaube immer noch, dass die Therapie das alles angestoßen hat. Aber es erscheint mir so unwirklich! Einmal im Monat eine Stunde mit jemandem sprechen … Das ist 1/720stel dieser Zeit. Und das soll dies alles bewirkt haben? Natürlich plus der täglichen zehn Minuten Übungszeit für den sicheren Ort und dergleichen. Trotzdem … sehr schräg.

Aber nicht weniger wunderbar.

(Das wollte ich nur einmal festhalten, wenn die nächste dunkle Episode vorbeikommt. Denn ganz los bin ich sie noch nicht wirklich. Die graue Ebene wartet immer noch hinter einer Ecke. Aber sie ist kleiner geworden.)