Sport

Arzt versus Sport. Schon wieder!

Der Orthopäde hält Sport wirklich für die Wurzel allen Übels und tut alles, um mich davon abzubringen. Bewegung scheint ihm die Hauptursache für Schmerzen. Prinzipiell hat er natürlich recht. Würde man sich direkt nach der Geburt in Kunstharz gießen lassen, käme der Gedanke an Schmerzen gar nicht erst auf. Dumm nur, dass meine Eltern mich haben groß werden lassen, anstatt mich als Türstopper zu verwenden.

Jedenfalls … habe ich erst einmal wie üblich sehr viel Zeit im übervollen Wartezimmer verbringen dürfen (eine Stunde dort, noch einmal eine halbe Stunde im Flur vor den Behandlungszimmern – und ich hatte noch Glück! Die beiden Herren neben mir waren schon drei Stunden da …) und musste dann meine fünf Minuten (neuer Rekord! So lange hat er vorher noch nie mit mir geredet! Und ich konnte auch fast meinen abschließenden Fragesatz zu Ende bringen, bevor er wieder aus der Tür war!) mit dem Arzt so effizient wie nur möglich ausnutzen.

So richtig zu Wort kam ich nicht – aber ich habe ein paar Tatsachen bekommen.

  • Keine angerissene/beschädigte Sehne. Nur entzündet. Sehr entzündet.
  • Immer noch die Kalkeinlagerung.
  • Meine Krankenkasse wird keinerlei Behandlung bezahlen. Das ist aber nicht ungewöhnlich – sie sind laut Arzt eher so mittel daran interessiert, ihren Kunden Beweglichkeit zu erhalten. So wird z.B. immer ein künstliches Kniegelenk bezahlt, Therapie, die ein künstliches Kniegelenk verhindern kann, aber nicht.
  • Ich darf drei Wochen keinen Sport machen, der die Schulter belastet. Erst wollte er mir Sport komplett verbieten, aber ich habe wohl zu wütend geguckt, also bekam ich nur verboten: Seilspringen, Planks, Benchpress, Dips, Flys, erstmal Rows, Fahrradfahren. In diesen drei Wochen muss ich jeden Tag drei 600er IBU nehmen, um die Entzündung der Sehne zu behandeln. Ich frage mich, was dieser Arzt für akzeptabel hält, wenn man denn schon so etwas Schlimmes wie Sport machen will. Nordic Walking? Minigolf?
  • Sobald ich schmerzfrei bin, darf ich mit Lat-Übungen und Klimmzügen anfangen. Für immer verboten bleiben werden mir Benchpress, Dips und Flys (er klang ein bisschen selbstzufrieden, als er mir verkündete, dass ich mir die Schulter wohl hauptsächlich mit den Dips ruiniert hätte. Dass der Kalkbrocken aber schon viel länger als mein Interesse an Kraftsport existiert, war wohl nicht relevant). Mit Lat/Klimmzug soll Muskulatur aufgebaut werden, die eine Art „Polster“ zwischen Sehne und Knochen legt, damit das Kalkding nicht immer gleich bei Belastung für eine Entzündung sorgt. Klimmzüge. Hm. Waren immer ein Fernziel, das ich nicht wirklich strack verfolgt habe. Werde ich nun damit anfangen.
  • Ich soll mir ein Hollandrad kaufen, damit ich mich beim Fahrradfahren nicht so auf die Schulter stütze. Ich habe heftig gelacht. Nein. Kein Hollandrad. Ich bin noch unter siebzig. Ich werde mal sehen, ob mir der Fahrradladen einen Bonanza-Rad-Lenker aufmontieren kann. Easy Rider und so.
  • Erlaubter Sport: Stepper, Laufen (ich habe Joggen nicht erwähnt und nehme mal einfach an, dass es erlaubt ist), alle Bein/Rumpfsachen, bei denen ich die Arme nicht bewege. Später dann auch Rows, Squats und dergleichen.
  • Ich habe keine Ahnung, ob Schwimmen okay wäre. Ist aber nicht schlimm. Ich habe früher zwar sehr gerne stundenlang einfach nur Bahnen gezogen, halte mich derzeit aber für zu schwammig, um mich im Badeanzug (den ich eh in keiner passenden Größe mehr besitze) ansehen zu wollen.

Soweit also der Stand der Schulter. Das hätte ich auch alles schon vor einem halben Jahr haben können. Naja, die Waldnymphe meint, ich sollte mir auf jeden Fall in der Sportmedizin noch eine Zweitmeinung holen. Vielleicht möchte da jemand auch etwas länger mit mir sprechen.

Ansonsten bin ich weiter mit mir und meiner Selbstkontrolle unglaublich unzufrieden. Ich weiß nicht, ob einfaches Abwarten hilfreich ist. Ich fühle mich definitiv gestresst und unruhig – aber das ist eine Henne-Ei-Situation, da die Hauptursache des Stresses ist, dass ich keine Selbstkontrolle habe, was dazu führt, dass ich vor lauter Stress keine Selbstkontrolle habe. Mal schauen. Vielleicht bahnt sich ja wieder eine Phase der absoluten Planung an. Ich brauche noch ein paar Strategien. Aber an denen arbeite ich.

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Sport und geistige Stabilität – revisited

Barbies Dream-Tank-Outfit. Work in Progress.

Seit ich viel Energie darauf konzentriere, Wege um die Einschränkungen, die die Kalkschulter mir verpasst, zu finden, merke ich, dass es mir gaaaanz langsam in Babyschrittchen besser geht. Ich habe mir die Möglichkeiten erlaubt, etwas zu tun. Ich stehe zwar immer noch vor einer sehr, sehr dämlichen Krankheit (?), aber ich lasse nicht mehr zu, dass sie mich völlig lähmt.

Es ist nicht einfach und es klappt nur in maximal der Hälfte der Fälle. Oft genug bin ich verzweifelt und sehe eine düstere Zukunft voller Schmerzen und Unbeweglichkeit mitsamt daraus resultierendem absoluten Formverlust und dem folgenden Leben als Blob. Aber wenn ich morgens meine Planks mache (assistiert von Butzel, die fest davon überzeugt ist, dass ich auf der Jagd sein muss, wenn ich so auf der Yogamatte herumkrauche) und dann im Verlag jede Stunde meine hundert Sprünge … dann habe ich das Gefühl von Macht und Kontrolle. Über meinen Körper. Über die Schmerzen. Über den dämlichen Zufall, der mir diese Einlagerung beschert hat. Über den pessimistisch-indifferenten Arzt.

Das sind vermutlich nur die üblichen Hormone, die beim Sport ausgeschüttet werden. Aber es hilft. Ich muss nur dranbleiben. Sport hilft mir, Angststörung und Depression im Zaum zu halten. Da kann er mir auch helfen, gegen äußere negative Einflüsse anzureiten.

Und ansonsten? Bastle ich auf dem TESO-Testserver Outfits und gehe mit der Waldnymphe auf unseren virtuellen Playdates Monster verdreschen. Ersteres ist sehr entspannendes Barbiespielen (was ich als Kind nie gemacht habe. Ich hatte keine Puppen), zweiteres löst Aggressionen sehr zuverlässig auf. Denn nichts hilft besser gegen Jobfrust, als in einer bunten, fiesen Fantasywelt Untoten und Dämonen auf den Sack zu geben. Wir sind die strahlenden Helden!

Ich hatte gestern spontan wieder Käsekuchen-Auflauf zum Abendessen. Diesmal für 590 Kalorien (dank intermittierendem Fasten kann ich auf meine zwei Mahlzeiten jeweils recht viele Kalorien verbraten). Und wieder abgewandelt! Gestern also …

  • 500 g Magerquark (340 kcal)
  • 125 g TK-Erdbeeren (50 kcal)
  • 200 ml ungesüßte Mandelmilch (32 kcal)
  • 200 ml Wasser (das brauchte ich auch!)
  • 15 g gemahlene Flohsamenschalen (28 kcal)
  • 2 Eier (140 kcal)
  • Süßstoff, Zimt, Vanille, Gewürze, Flavdrops

Mann, die Flohsamenschalen sind echt heftiger als Grieß! Das Wasser war nicht geplant, musste aber rein, da ich sonst einen knetbaren Teig erhalten hätte … Prima Sache. Und weniger Kalorien als mit Grieß. Ich überlege, statt Quark auch einmal Skyr auszuprobieren. Die starke Säure könnte es noch interessanter machen. Mal sehen! Auf jeden Fall ein sehr wandelbares Rezept.

Was mich wundert: Ich werde von so einer Riesenportion erst einmal nicht satt. Ich esse es auf, habe aber nicht das Sättigungsgefühl, das ich bei viel Gemüse habe. Stattdessen muss ich dann noch ein, zwei Tassen Kaffee trinken, bis ich mich satt fühle. Dann durch das viele Protein aber auch langanhaltend. Gestern war meine Makroverteilung jedenfalls stärker in Richtung Fett verschoben als sonst. Fast zehn Gramm mehr als normal. Dafür kaum Kohlenhydrate. „Kaum“ … für meine Verhältnisse.

Heute gibt es wieder viel Gemüse. Romanesco, Blumenkohl, Tomaten, Spitzpaprika und Brokkoli mit Tofu-Geschnetz. Und dazu Wirsingsalat. Auch lecker.

Herbstessen, Herbstsport, Herbsthektik

Backalley fun

Es ist jetzt so kalt, dass ich heute Morgen das erste Mal die Heizung im Bad angeschaltet habe. Vor lauter Freude und Diensteifer hat sich das gute Stück fast überschlagen und trotz dass ich es nur auf drei hatte, war innerhalb von zehn Minuten das ganze Bad warm. Ist jetzt auch nicht so arg groß, war aber dennoch angenehm.

Ja, Zeit für warme, kuschlige Dinge. Zeit, heute Abend beim Qualitätsfreitag (so nennen wir unsere zu-dritt-auf-der-Couch-einen-Berg-bilden-Feierabende) eventuell schon die Vampirdecke (die Heizdecke, deren wohlige Wärme einem jeden Lebenswillen aussaugt) herauszuholen.

Und Zeit für herbstliches Essen. Wren hat einen interessanten Auflauf gepostet. Ich habe noch mallorcinischen Honig, den mir Kollege M. aus dem Urlaub mitgebracht hat. Der könnte sich gut dazu machen. Oder Kürbissuppe. Ich habe noch nie welche hergestellt, aber genug davon konsumiert um mir zuzutrauen, dieses Mana der Götter auch einmal selbst zu basteln. Ich würde einen Kürbis und ein, zwei Kartoffeln kleinmachen und in Gemüsebrühe kochen, dann pürieren und Salz, Pfeffer, Ingwer, Muskat und etwas Joghurt dazugeben. Klingt sinnvoll. Ich sollte also besser heute zwei statt nur einem Kürbis kaufen.

Sportlich gesehen ist mein Körper derzeit gewaltig am rödeln. Ohne mein Zutun. Also … ich tue schon etwas. Ich mache eben Sport. Aber den Umbau nimmt der Körper unabhängig davon vor. So erscheint es mir jedenfalls. Denn auch wenn ich kein Gramm abnehme (oder kaum. Geringe Fluktuationen), was in Anbetracht der Tatsache, dass ich Pi mal Daumen Erhaltung esse, nur natürlich ist, so verändern sich doch meine Proportionen. Die Thigh Gap wächst – obwohl es ja noch keine wirklich ist, da noch nicht von ganz oben bis ganz unten, sondern nur von ganz oben so fünf, zehn Zentimeter nach unten. Die Brustmuskulatur wird definierter – ich habe neulich erst festgestellt, dass das über dem Brustansatz gar keine sichtbaren Rippen sondern Muskulaturstränge über Rippen sind! Die Trizeps werden gerundeter. Meine Waden werden auch nicht dünner … Das ist schon interessant. Und versöhnt mich damit, dass meine Omron kaputtgegangen ist und den KFA nur noch im Unterkörper misst, was mir einen sieben-Prozent-Sprung nach oben eingebracht hat. Mein Restfett sitzt nunmal an den Oberschenkeln. Blödes Waagengerät. Teurer Scheißdreck, der nur ein halbes Jahr hält. Kauf ich mir nicht nochmal, da lasse ich lieber im Gym kontrollieren.

Und die Hektik? Die ist gar nicht so furchtbar schlimm und nur beruflich. Wir sind nämlich mittlerweile so gut, dass wir drei Monate vor der Zeit liegen und deshalb Abgaben anstehen, die sonst noch Zeit hätten. Was etwas unglücklich mit den Vorbereitungen für die weltgrößte Consumermesse der Branche zusammenfällt. Ich habe also viel zu tun und keine Mittagspausen, um mal bei ein paar Bildern für mich oder Freunde zu entspannen. Aber das geht vorbei. Deadlines laufen in den nächsten drei Wochen und danach sollte das Fahrwasser etwas ruhiger werden.

Phantomunzufriedenheit

Never trust a Fey ...

Tag eins der unfreiwilligen Sportpause ist vorbei und ich fühle mich schon, als hätte ich einen Monat auf der Couch verbracht. Alles Kopfsache, denn immerhin sind ein, zwei Erholungstage auch in einer völlig normalen Woche etwas, das ich regelmäßig tue (die Vernunft siegt hin und wieder). Aber trotzdem ist es gefühlt etwas völlig anderes. Ich belauere meinen Körper. Suche nach Zeichen für Veränderung in irgendeine Richtung. Das Knie knackt nicht mehr beim Treppensteigen? Hurra, es geht voran! Dafür zieht es irgendwie am oberen Schienbein. Ist das wegen der Entlastung? Der Orthese? Wird mir der Fuß (im örtlichen Dialekt ist „Fuß“ die Gesamtbezeichnung für alles von Zeh bis Hüfte) abfallen und ich nie wieder Sport machen können? Und erst die Schulter … warum tut das immer noch weh, obwohl ich doch schon so verdammt lange (fast drei Tage) kein Hanteltraining mehr gemacht habe? Wird es nun immer schlimmer werden, ich eine Operation benötigen und dann alles den Bach runtergehen? Körperliche Vollvergreisung?

Als Angstpatient kann man nichts so gut, wie jede Situation zu maximaler Verstörung nutzen. Ich hasse das. Diese lauernde, niedrigschwellige Angst. Das ist fast noch schlimmer als plötzliche Attacken, denen ich immerhin noch direkt mit meinen Übungen begegnen kann.

Ich erkenne langsam, wie sehr ich Sport nicht nur als Therapie, sondern auch als eine neue Rüstung genutzt habe. Früher hatte ich Fett, um mich vor der bedrohlichen Außenwelt abzuschirmen. Als das dann verschwand, ich aber noch nicht bereit war, mich Allem head-on zu stellen, habe ich mir neue Schutzmechanismen gesucht, die ich ähnlich zwanghaft betreiben kann. Klar, Muskeln sind eine viel bessere Sache als Speckrollen. Gesünder, nachhaltiger und nicht zuletzt günstiger für’s Selbstbewusstsein. Aber damit wieder in alte Muster zu rutschen kann es eigentlich auch nicht sein.

Dass man überall suggeriert bekommt, dass es ein „zuviel“ an Bewegung gar nicht geben kann, füttert meine Zwangshandlungen natürlich zusätzlich. Denn im Gegensatz zu einem Eimer Schokolade sind sechsmal die Woche Training eher etwas, das Akzeptanz erntet. Hinzukommend, dass ich immer noch kein vernünftiges Selbstbild habe und in meinem Kopf ständig „andere machen viel mehr und haben deshalb auch viel mehr Erfolg, du faule Sau!“ herumtanzt. Von daher ist es vermutlich verständlich, dass ich unruhig bin und mich nicht wohlfühle, wenn ich zur Untätigkeit verdammt bin.

Ich sollte zwar auf mittlere Sicht endlich einmal genug Ruhe und Selbstbewusstsein schaffen, um auch mit Pausen klarzukommen, doch momentan bin ich noch nicht soweit. Was vermutlich dem therapeutischen Effekt der Sportabstinenz zur Heilung etwas zuwiderläuft.

Ich schließe mit mir selbst Kompromisse. „Falls Sonntagmorgen schönes Wetter ist und das Bein nicht weh tut, dann kann ich Laufen gehen“ Oder „Wenn es nächsten Dienstag wieder weg ist, mache ich drei Sätze Glute Bridge und Curls“ (damit ist der Schulterschmerz gemeint). Das beruhigt ein wenig.

Und bis dahin versuche ich, mir selbst immer noch das Eis zu erlauben, auch wenn ich diese Woche ja „viel zu wenig“ dafür getan haben werde.

Ich wiederhole mich: Neurodiversität (ich nenne es ja lieber „Wahnsinn“, aber das ist wohl wieder so ein passiv-aggressiver Schnapper meines inneren Kritikers. Und der soll mal die Klappe halten!) ist nix für Sissies!

Schlechte Gründe für Sport

Meine normalen Gründe für Sport sind Dinge wie „ich will mich bewegen“, „ich will Muskeln“, „ich esse gern“, „ich möchte irgendwann mal nackt nicht mehr wie Rufus aus Kim Possible aussehen“.

Sehr valide Dinge und bestimmt von vielen Leuten nachvollziehbar.

Gestern wollte ich eigentlich Sportpause machen. Weil ich von Sonntag noch sehr wüsten Muskelkater sowohl im Schulter-, als auch im unteren Rücken und Oberschenkelbereich hatte. Jaha, Bankdrücken, Deadlift und so sind sehr ganzheitlich. Nichts tun, dem Körper Zeit zur Regeneration geben.

Ich kam also nach Hause, machte mir mein Essen, stellte fest, dass ich es versalzen hatte (tolle Kombi: Muskelkater, erste Zykluswoche und dann noch zu viel Salz. Ich habe ein neues Wasser-Rekordhoch von heute morgen fast fünf Kilo erreicht), aß es trotzdem (warum auch nicht?) und las dann, bevor es Zeit sein würde, mit den drei Js die Dungeons Tamriels für die Monster unsicher zu machen, ein wenig im Internet herum.

Und wurde wütend. Denn ich stieß über Reddit auf Artikel von Virgie Tovar. Immer ein Fehler. Diese Frau macht mich zuverlässig sauer. Ihr Aussehen kommentiere ich nicht, das wäre fies und unnötig (obwohl es amüsant ist, dass sie etliche Jahre jünger ist als ich, ihr Lebensstil sie aber lockere zehn Jahre älter als mich macht, optisch gesehen). Ihr Leben, ihre Entscheidung. Aber ich kriege Hals bei ihrer Schreibe. Diese Bitterkeit. Diese Projektion. Diese Krabbenkorbmentalität. Diese fast verzweifelte Überheblichkeit. Dieses Heischen nach Bestätigung. Dieses Herabsehen …

Sie selbst nennt sich „body image expert“ und ich glaube, viel falscher kann ein Selbstbild nicht sein. Das allein wäre zwar traurig, aber Selbstzerstörung ist schließlich etwas zutiefst menschliches, ich selbst habe es auch ausgiebig praktiziert und kämpfe jetzt noch gegen diesen Drang. Aber sie wendet das nach Außen. Verallgemeinert es.

Würde sie ihre Energien darauf konzentrieren, andere Menschen von der Wesentlichkeit des Haarefärbens, der Ganzkörpertätowierung (ein nobles Unterfangen) oder Bodymod überzeugen zu wollen, wäre das ganz allein ihr Ding und würde in mir eher warm fuzzies als Zorn auslösen. Aber sie propagiert nunmal Fat Acceptance. Und schadet damit Menschen aktiv. Verharmlost mit ihren Texten einen frühen Tod, Leiden, Krankheit und verringerte Lebensqualität.

Und das hat in mir so eine Wut erzeugt, so eine unhaltbare Energie, dass ich tatsächlich nach dem Nachtisch (ein ganzer Eimer Sojajoghurt mit Obst) aufgestanden und noch Joggen gegangen bin. Um mir selbst zu versichern, dass ich nie, nie, nie wieder dick werden möchte.

Der Lauf an sich war dann natürlich grauenvoll. Ich brauche für optimalen Sportgenuss einen leeren Magen. Aber ich konnte nicht anders, als dem Ganzen davonzurennen.

Wie gesagt – schlechte Gründe für Sport. Dafür werde ich mich dann heute auf ein wenig Fahrrad fahren und Spazierengehen beschränken. Soll ja eh wettermäßig grauslig werden.

Zu viel Sport?

Lord Vivec. Heute Abend ist wieder TESO-Dungeon-Zeit mit den drei Js!

Scheint fast so, denn die letzte Woche habe ich mehr als doppelt so viel herumgetobt wie normal (an den Statistiken des Imperators gut ablesbar) und bekam prompt die Quittung in Form von über drei Kilo (!!) Wasser extra, die heute Morgen auf der Waage grinsten.

Sehr stressig für mich und der Zwang, hektische Maßnahmen zu ergreifen, ist übermächtig. Aber einerseits passen mir alle meine Klamotten so gut wie immer (Wasser lagert sich bei mir meist am Bauch an und da hat es die Natur gut mit mir gemeint, der ist außerhalb der Wassersaison sehr fest und flach, da sehe ich dann selbst mit drei Kilo H2O nur ein bisschen schwanger aus) und andererseits … was soll’s? Sport tut mir seelisch gut, da kann das Fleisch ruhig mal jammern.

Trotzdem werde ich diese Woche etwas ruhiger planen. Heute einen Ruhetag – den ich auch brauche, weil ich mir gestern fünf Kilo mehr auf die Langhantel geschaufelt habe und der Muskelkater dementsprechend luxuriös ist. Vielleicht morgen noch einen Zweit-Ruhetag. Und dann ist diese kurze Woche schon fast wieder vorbei, ich kann Donnerstag bis Sonntag morgens Laufen gehen und außerdem haben wir ein aktives Programm vor. Die Saalburg besichtigen. Weil der Erklärfaun und ich solche Antikenfreaks sind. Und Freunde besuchen. Und all’ sowas.

Aber jetzt erst nochmal Arbeit. Ein paar Dinge sind in der finalen Phase und ich habe schwer den Überblick verloren, was zum Glück nicht schlimm ist. Die Kollegen kommen schon, wenn etwas ist.

Und ich würde diese Woche gern ein Bild für die Stories der Waldnymphe fertigbekommen. Die letzten zwei Wochen war dafür zu viel Hektik und ich habe es nur zu einer nicht befriedigenden Vorzeichnung geschafft, die zu sehr „mein Geschmack“ und zu wenig „ihre Beschreibung“ gesagt hat. Das will ich noch ändern.

It´s called fashion, look it up!

Als mir ein Bekannter den Tipp gab, mir einmal diese Hoodies anzusehen, wusste ich sofort, dass ich mindestens eins davon haben will (Achtung – Herrengröße. Da ist selbst „S“ ziemlich riesig!). Und jetzt besitze ich ein rosa Regenbogeneinhornalpaka-Oberteil. Ich hatte es gestern schon zum Laufen an und habe damit ein paar Teenager, die ich überholt habe, schwer erheitert. Das Beste am Erwachsensein ist immer noch, dass man sich viel weniger bemühen muss, cool zu sein. Das nimmt viel Erwartungsdruck aus dem Leben.

Außer Sport ist gestern wenig passiert. Ich hatte essensmäßig ein gutes Defizit, was meinen Körper nicht daran hindert, immer noch glatt sechzig Kilo zu behaupten. Was ich nicht glaube, mich aber nichtsdestotrotz mies fühle.

Wobei das auch der letzte Rest einer depressiven Episode sein könnte. Beziehungsweise, klarer formuliert: Der Beginn einer depressiven Episode. Aber weil ich immer mehr und bessere Mechanismen dagegen habe, fällt sie vergleichsweise harmlos aus. Noch vor anderthalb Jahren hätte mich das Ganze nun für mehrere Wochen immer weiter runtergezogen, bis ich einige Zeit nur noch im Haus verbracht hätte. Aber jetzt erkenne ich die Anzeichen und steuere aktiv dagegen. Ich glaube, Sport ist ein wirklich gutes Mittel gegen Angstzustände und Depressionen. Zumindest fühlt es sich bei mir so an. Ich bin jetzt zwar unwillig, mit anderen Menschen zu interagieren und sammle Argumente, warum ich die nächsten Tage dringend für mich allein sein muss … aber prinzipiell möchte ich mich dennoch bewegen.

Der Kontrollverlust-Thread im Ohne-Unsinn-Forum hilft mir sehr. Einerseits ist es natürlich beunruhigend, dass so viele andere Leute auch dieses Problem haben. Andererseits hat ein Post von Erzählmirnix auch beleuchtet, dass es diese Schwierigkeiten wohl bei jeder größeren Anpassung im Leben gibt, sie einem aber eben nur an bestimmten Punkten auffallen.

Da kann man Hoffnung haben, dass es sich mit zunehmender Normalisierung der Situation legt. Und bis dahin fahre ich eben eine sich graduell lockernde Vermeidungsstrategie.